seine Gemahlin +Hekăbe (Hekŭba)+. Von seinen Söhnen treten in der Sage
hervor: +Hektor+ (Gem. +Andromăche+) und +Paris+ (+Alexandros+). Dieser
entführt +Helĕna+, die Gemahlin des +Menelāos+ von +Sparta+. Um sie
zurückzuholen, vereinigen sich die edelsten Fürsten aller griechischen
Gaue: des +Menelāos+ Bruder +Agamemnon+ von +Mykēnä+, Anführer der
Griechen: +Nestor+ von +Pylos+; +Achilleus+, König der +Myrmidonen+ aus
+Phthia+ in Thessalien, Sohn des +Peleus+ und der Nereïde +Thĕtis+;
sein Freund +Patroklos+; +Aias+ und +Teukros+, Söhne Telamons aus
+Salămis+; der jüngere +Aias+ des Oïleus Sohn, Anführer der Lokrer;
+Diomedes+ von +Argos+, des +Tydeus+ Sohn; +Odysseus+ von +Ithăka+, des
+Laërtes+ Sohn; +Idomĕneus+ von Kreta, Enkel des Minos, u. a.
Bundesgenossen der Troer: Thraker, Päoner, Paphlagonier, Myser,
Phryger, Lyder, Karer; die Lykier unter +Sarpēdon+ und +Glaukos+;
später die Amazonen unter ihrer Königin +Penthesileia+, die Äthiopen
unter +Memnon+.
Abfahrt der Griechen vom böotischen Hafen +Aulis+ (der Seher +Kalchas+;
Opferung der +Iphigeneia+, welche nach +Tauris+ entrückt wird).
Schiffslager an der troischen Küste, Beutezüge in die Umgegend. Im
zehnten Jahre Streit zwischen +Agamemnon+ und +Achilleus+ wegen
der Sklavin +Brisēis+, Achilleus zieht sich vom Kampfe zurück. Die
Troer dringen unter +Hektors+ Führung siegreich in das Schiffslager
ein, werden aber zurückgetrieben, als +Achilleus+, um den Tod des
+Patroklos+ zu rächen, wieder am Kampfe teilnimmt. Hektor von Achilleus
getötet, dieser durch einen Pfeil des +Paris+. Das hölzerne Pferd auf
+Odysseus’+ Rat gezimmert. Bei der Einnahme Trojas tötet +Neoptolĕmos+,
Achills Sohn, den greisen Priamos. +Aeneas+ entkommt, rettet seinen
Vater +Anchīses+. Irrfahrten der heimkehrenden Helden (+Odysseus+).
+Agamemnon+ wird nach der Rückkehr von seiner Gemahlin +Klytämnestra+
und +Aigisthos+ getötet; sein Sohn +Orestes+ rächt ihn, wird von den
+Erinnyen+, den strafenden Göttinnen der Unterwelt, verfolgt, in Athen
auf dem Areopag freigesprochen, nachdem er seine Schwester Iphigeneia
aus Tauris zurückgeführt hat. Er herrscht dann in +Mykenä+.
§ 2. Staaten und Kolonien.
Eine große Umwandlung trat ein durch die +Wanderungen+ hellenischer
Stämme. Die aus Epīrus in das nach ihnen benannte Land einwandernden
+Thessăler+ verdrängen die +Böoter+ aus ihren Wohnsitzen in Arne;
diese nehmen nach Unterwerfung der Kadmeer und Minyer die fortan nach
ihnen benannte Landschaft +Böotien+ in Besitz. Ebenso wandern die am
Pindos in Thessalien ansässigen +Dorier+ nach Süden; ein Teil von
ihnen bleibt in dem Berglande +Doris+ am Öta, die anderen ziehen,
durch +Ätōler+ verstärkt, bei +Naupaktos+ über die Meerenge nach der
Peloponnes. Diese
[~1104~ (?)]
~dorische Wanderung~
hat die Gründung +dorischer Staaten+ zur Folge. Nach der Sage sind die
+Herakliden+ Tēmenos, Kresphontes, Aristodēmos Anführer der Dorier;
Temenos wird König in +Argos+, Kresphontes in +Messenien+; die Söhne
des Aristodemos, Eurysthĕnes und Prokles, herrschen gemeinsam in
+Sparta+. Oxylos, Anführer der Ätōler, wird König in +Elis+. Ein Teil
der älteren achäischen Bevölkerung zieht sich nach +Achaja+ zurück
und vertreibt die dort wohnenden Ionier, die sich nach Attika wenden,
in +Arkadien+ bleiben die alten Einwohner; dorisch dagegen werden,
+Korinth+, +Sikyon+, +Phlius+, +Epidauros+, +Megara+, +Ägina+, +Kreta+.
[1066 (?)]
~Kodros~, König von Athen, fällt, nach der Sage sich freiwillig
opfernd, im Kampf gegen die aus der Peloponnes nach Norden
vordringenden +Dorier+; Attika wird von ihnen nicht unterworfen.
[~1000–900~.]
~Äolische, ionische, dorische Kolonien~ an der Küste Kleinasiens und
auf den Inseln.
Äŏler und Achäer gründen +Mytilēne+ und +Methymna+ auf der Insel
+Lesbos+; +Kyme+, +Smyrna+ u. a. Städte auf dem kleinasiatischen
Festlande; Smyrna wird später ionisch.
~Ionier~, nach der Sage meist von Athen ausgewandert unter Führung der
Söhne des Kodros, besetzen die Inseln +Chios+ und +Samos+ und gründen
an der lydischen und karischen Küste 12 Städte, namentlich +Milet+,
+Ephĕsos+, +Kolŏphōn+, +Klazomĕnä+, +Phokäa+. Gemeinsames Heiligtum
(+Panionion+) der Tempel des Poseidon am Vorgebirge Mykăle.
~Dorier~ besetzen die Inseln +Melos+, +Thera+, +Kōs+ und +Rhodos+ und
gründen an der karischen Küste +Halikarnassos+ und +Knidos+. Auch Kreta
galt als dorisch.
Auf +Cypern+ sind Ansiedlungen von Peloponnesiern aus +vor+-dorischer
Zeit nachgewiesen; nach +Euböa+ und den +Kykladen+ sind die Ionier
früher als nach Asien gekommen.
In Ionien entstanden in der Zeit von 900–800 v. Chr. die ~homerischen
Gesänge~ (Ilias, Odyssee, Hymnen). +Homēros+ nach der Sage ein blinder
Sänger aus +Smyrna+ oder +Chios+; Sängerschule der +Homeriden+ auf
Chios. Wandernde +Rhapsoden+ sangen dem Volk und den Edlen von
den Taten der Götter und Helden und erweiterten allmählich die
überlieferten Sagenkreise. Die epische Dichtung wurde die Grundlage
hellenischer Bildung und Gesittung. Zu dem heroischen Epos trat
ergänzend hinzu das +Lehrgedicht+; +Hesiodos+ aus Askra in Böotien um
700: Theogonie, Werke und Tage.
~Staatsverfassungen~. Das patriarchalische +Königtum+ der heroischen
Zeit wird allmählich verdrängt durch die Herrschaft der Edlen
(+Aristokratie+). Diese entartet oft zu einer drückenden Herrschaft
weniger (+Oligarchie+), gegen welche sich in manchen Staaten +Tyrannen+
als Führer der Gemeinde (Demos) erheben; in andern findet friedlicher
Ausgleich durch einen erwählten Schiedsrichter (+Aisymnētes+) statt.
Tyrann heißt der nicht auf gesetzliche Weise zur Herrschaft gelangte
Herrscher, ursprünglich ohne die Nebenvorstellung willkürlicher oder
grausamer Regierung. Auf die Tyrannis folgt meist eine gemäßigtere
Aristokratie oder +Demokratie+. In der Demokratie entscheidet die
Mehrzahl der +Bürger+ über die Staatsangelegenheiten; die +Fremden+ und
+Sklaven+ sind von politischen Rechten ausgeschlossen.
Der +spartanische Staat+ wurde das Vorbild der +Aristokratie+,
besonders für die +dorischen+ Staaten, der +athenische Staat+ das
Vorbild der +Demokratie+, besonders für die +ionischen+ Staaten.
~In dem dorischen Sparta~ bestand die Bevölkerung aus drei streng
geschiedenen Klassen: 1. +Spartiaten+, die dorischen Eroberer, welche
die fruchtbarsten Teile des lakonischen Landes, das Eurotastal
und die Niederungen bis zum Meere, besaßen. 2. +Periöken+ (d. h.
Herumwohnende), Nachkommen der +vertragsmäßig+ unterworfenen Achäer.
Sie waren persönlich freie, aber zinspflichtige Eigentümer ohne
politische Rechte, wurden jedoch zum Kriegsdienst herangezogen. 3.
+Heloten+, Leibeigene des Staats. Sie waren auf die Landlose der
Spartiaten verteilt, bestellten deren Äcker und lieferten ihren Herren
einen bestimmten Teil des Ertrages ab. Im Kriege dienten sie als
Schildknappen und Leichtbewaffnete.
[~820.~ (?)]
~Lykurgische Verfassung und Gesetzgebung.~
~Lykurgos~, nach sagenhafter Überlieferung aus königlichem Geschlecht,
Vormund des jungen Königs +Charilāos+, schlichtet die Streitigkeiten
und ordnet das Verhältnis der drei Klassen der Bevölkerung zu einander.
Seine Gesetze, auf die Autorität des delphischen Orakels gegründet
und nur mündlich in kurzen Aussprüchen überliefert, gelten als die
Grundlage spartanischer Tüchtigkeit.
An der Spitze des Staats bleiben zwei +erbliche Könige+ aus
heraklidischem Geschlecht, der eine ein +Agiade+ (von +Agis+, nach
der Sage Sohn des +Eurysthenes+), der andere ein +Eurypontide+ (von
+Eurypon+, Enkel des +Prokles+, s. S. 28). Sie bringen die Staatsopfer
dar, entscheiden Streitigkeiten des Familienrechts, führen das Heer,
ernennen die Beamten, namentlich die 5 +Ephoren+ (d. h. Aufseher,
ursprünglich wohl für die 5 Bezirke des Periökengebietes).
Der Rat der Alten (+Gerusia+), bestehend aus 28, mindestens 60 Jahre
alten, auf Lebenszeit gewählten Geronten unter dem Vorsitz der beiden
Könige, hat: 1. die Vorberatung über alles der Volksversammlung
Vorzulegende, 2. die Gerichtsbarkeit über Kapitalverbrechen.
Die +Volksversammlung+, bestehend aus allen über 30 Jahre alten
+Spartiaten+, beschließt endgültig über Gesetze, Verträge, Krieg und
Frieden, doch ohne Beratung und Abstimmung, nur durch Zuruf.
Die Spartiaten sollen unter sich +gleich+ sein in Besitz und
Kriegstüchtigkeit. Jeder Spartiatenfamilie wird aus dem nach
Kriegsrecht von den Doriern gewonnenen Landbesitz ein unveräußerliches
Erbgut +(Klēros+, d. h. Los) zugewiesen, dessen Bestellung den Heloten
obliegt. Man zählte 4500, später 9000 Landlose der Spartiaten, 30000
der Periöken. Verbot der +Reisen+ und des +Fremdenverkehrs+ in Sparta;
+eisernes Geld+, nur der Staat darf Gold und Silber besitzen.
Gemeinschaftliche +Erziehung+ der +Knaben+ vom 7. Jahre an, auf
Abhärtung und kriegerische Übung gerichtet, doch wurden auch die
homerischen Gesänge und Chorlieder lyrischer Dichter (Tyrtaios)
gelernt. Zusammenleben der +Männer+; die Zeltgenossenschaften hatten
auch im Frieden ihre gemeinsamen Mahlzeiten (+Syssitien+).
Sehr ähnliche Gesetze galten in ~Kreta~, wo zahlreiche selbständige
dorische Städte bestanden. Später dort auch +schriftliche+ Gesetze;
eine 1884 gefundene Inschrift enthält das Recht der Stadt +Gortyn+,
Bestimmungen über Familienrecht, Erbrecht, Stellung der Sklaven u. a.
[~776.~]
~Erste Olympiade,~
Beginn einer gemeinsamen griechischen Zeitrechnung, die sich an
die alle 4 Jahre dem höchsten Gotte +Zeus+ zu Ehren in ~Olympia~
gefeierten Spiele knüpfte. In +Elis+, am Flusse Alpheios, lag der
ummauerte heilige Bezirk, die +Altis+, mit Altar und Tempel des Zeus,
Säulenhallen und Schatzhäusern, wo die Weihgeschenke aufgestellt
wurden.[12] Die Spiele fanden außerhalb der Altis statt im +Stadion+
(Springen, Laufen, Diskoswerfen, Speerwerfen, Ringen) und im
+Hippodrom+ (Wettfahren der Viergespanne). Den Siegern wurden Kränze
von Ölzweigen zuteil; Dichter verherrlichten sie im Liede. Unter dem
Schutze +Spartas+ gewannen die ~Olympischen Spiele~ große Bedeutung
für die Erhaltung des Nationalbewußtseins unter dem politisch sehr
zersplitterten Griechenvolke.
Ähnliche Spiele, doch vermehrt durch musische Wettkämpfe der Sänger
und Zitherspieler, wurden seit 586 bei ~Delphi~ dem +Apollon+ zu Ehren
gefeiert, in jedem dritten Olympiadenjahr (+Pythische+ Spiele). Das
~Orakel zu Delphi~, oft befragt bei wichtigen Unternehmungen, z.B.
Gründungen von Kolonien, Kriegszügen, stand unter dem Schutze der
delphischen +Amphiktyonie+ (Umwohnerschaft), zu welcher die Phokier,
Lokrer, Böoter, Thessaler u. a. gehörten.
Dem Poseidon zu Ehren wurden auf dem +Isthmos+, dem Zeus zu Ehren zu
+Nemea+ in Argolis alle zwei Jahre Spiele gefeiert. Die Wettkämpfe
stählten die Volkskraft und weckten den Sinn für freie Entwickelung der
Persönlichkeit.
Die Hellenen, ihrer körperlichen und geistigen Überlegenheit über
die Barbaren sich bewußt, breiten sich, +Städte gründend+, weit über
die Grenzen des Mutterlandes aus. Die Ansiedlungen an den Küsten des
Ägäischen Meeres genügen nicht mehr, Milet allein sendet gegen 80
Kolonien aus.
[~750–550.~]
~Ionische, dorische, achäische Kolonien~
an den pontischen Küsten und im westlichen Teile des Mittelmeers.
+Ionier+ von Milet gründen +Abȳdos+ und +Lampsăkos+ am Hellespont,
+Kyzĭkos+ an der Propontis, +Sinōpe+ und +Trapĕzūs+ an der Südküste
des Schwarzen Meeres, +Olbia+, +Istros+, +Odessos+ an der Westecke,
+Pantikapaion+ und +Theodosia+ auf der Krim (Chersonēsus Taurica),
+Tanais+ am Asowschen Meer (Palus Mäotis), +Phasis+ und +Dioskurias+ an
der Ostküste des Schwarzen Meeres. Zu +Naukrătis+ in Ägypten gemeinsame
Kolonie der kleinasiatischen Griechen.
+Dorier+ von Megara gründen +Chalkēdon+ und +Byzantion+ (659) am
Bosporus, +Herakleia+ an der Südküste des Schwarzen Meeres, +Megăra+
(Tochterstadt +Selinūs+) auf Sicilien.
+Ionier+ von Chalkis auf Euböa besiedeln die Chalkidike mit mehr als 30
Städten, darunter +Olynthos+ (+Poteidaia+ korinthische Niederlassung),
gründen +Kyme+ (Cumae) in Campanien (Tochterstadt Neapolis), +Naxos+
auf Sicilien (Tochterstädte Leontini und Katăna), +Zankle+ (später
Messana) und gegenüber auf dem Festlande +Rhegion+.
+Dorier+ von Korinth gründen 734 +Syrakūs+, später Kerkyra, Dorier
von Sparta 708 +Tarent+; Dorier von Rhodos +Gela+; und +Akrăgas+ auf
Sicilien; Dorier von Thera +Kyrēne+ (um 630) und +Barka+ in Afrika.
+Achäer+ gründen +Sybăris+, +Kroton+, +Metapontion+, Lokrer das
epizephyrische +Lokri+ in Unteritalien (Groß-Griechenland).
Am weitesten nach Westen gehen die +Ionier+ von +Phokäa+; ihre
Kolonien sind +Massalia+ (600) an der gallischen Küste, +Mainăke+ im
südlichen Spanien, +Alalia+ auf Korsika. Als die Küste Kleinasiens
unter persische Herrschaft kam (s. S. 18), verließen die Phokäer ihre
Stadt und segelten zuerst nach Korsika; von dort vertrieben (S. 14),
gründeten sie +Elĕa+ in Unteritalien.
Infolge dieser Kolonisation griechische Kultur über einen großen Teil
der Mittelmeerküsten verbreitet. Lebhafter Seeverkehr und Eintausch
von Rohprodukten gegen die Erzeugnisse der griechischen Kunst und
Industrie. An die Stelle der Naturalwirtschaft tritt nach und nach die
Geldwirtschaft.
~Spartas Hegemonie in der Peloponnes.~
In älterer Zeit +Argos+ der bedeutendste Staat. König ~Pheidon~ von
Argos leitet die Festfeier zu Olympia (748, nach anderer Ansicht erst
668), ordnet Maß und Gewicht (dem babylonischen (S. 20) entsprechend,
Vermittler die Phöniker), läßt zuerst in Ägina Münzen prägen. Bald
aber erhebt sich ~Sparta~ zu höherer Macht durch die Eroberung der
argivischen Landschaft Kynuria und Messeniens. Argos seitdem für immer
mit Sparta verfeindet.
[Um 740.]
~Erster Messenischer Krieg.~ Tapfere Gegenwehr der Messenier unter
ihrem Könige +Aristodēmos+, namentlich auf der Bergfeste +Ithōme+.
Ein Teil ihres Landes wird von den Spartanern in Besitz genommen, das
übrige zinspflichtig.
[708.]
Die aus Sparta infolge von Zwistigkeiten auswandernden +Parthenier+
gründen ~Tarent~. Seitdem Auswanderung in Sparta verboten. Um diese
Zeit Beschränkung des spartanischen Königtums durch die vergrößerte
Macht der +Ephoren+, welche fortan jährlich von der Spartiatengemeinde
erwählt werden.
[Um 640.]
~Zweiter Messenischer Krieg.~ +Aristomĕnes+ Held der Messenier; 11
Jahre lang wird die Feste +Eira+ verteidigt. Der athenische (?) Sänger
+Tyrtaios+ begeistert die Spartaner durch seine Marschlieder. Nach dem
Fall von Eira flüchten viele Messenier nach Unteritalien (+Rhegion+);
die nicht auswandernden werden +Heloten+. Von Rhegion aus besetzen
später (um 500) Nachkommen der Ausgewanderten die Stadt Zankle auf
Sicilien, die dann den Namen ~Messana~ erhält.
[Um 600.]
Aufschwung ~Korinths~ unter dem Tyrannen ~Periander~, dem Sohne
des +Kypsĕlos+, der um 650 die Adelsherrschaft der +Bakchiaden+
gestürzt hat. Entfaltung der Seemacht; Korinth wird erste Handelsstadt
Griechenlands. Zu der älteren korinthischen Kolonie auf +Kerkyra+
kommen unter Kypselos hinzu +Leukas+ und +Ambrakia+, unter Periander
+Epidamnos+ und +Apollonia+ an der illyrischen Küste, +Poteidaia+
auf der Halbinsel Chalkidĭke. Perianders Neffe +Psammetich+ wird 582
gestürzt, die Aristokratie hergestellt.
In ~Megăra~ um 630 Tyrannis des ~Theagĕnes~, nach dessen Sturz
Parteikämpfe (der Dichter +Theognis+ um 540), endlich siegt die
Aristokratie.
In ~Sikyon~ um 600 Tyrannis des ~Kleisthĕnes~, welcher die Genossen
der delphischen Amphiktyonie zum ~ersten heiligen Kriege~ gegen die
phokischen Städte +Krisa+ und +Kirrha+ (Hafenstadt) vereinigt. Beide
Städte zerstört, ihr Gebiet dem pythischen Apollon geweiht. Nach
Kleisthenes’ Tode wird die Aristokratie hergestellt.
Auch in Milet, Ephesos u. a. Koloniestädten herrschen um dieselbe Zeit
vorübergehend Tyrannen, in +Mytilene+ auf Lesbos waltet um 600 der
weise +Pittăkos+ als Äsymnet. Vergl. S. 37.
[~Um 550.~]
~Sparta~ vereinigt die peloponnesischen Staaten (außer +Argos+ und
+Achaja+) zum ~peloponnesischen Bunde~ unter seiner Hegemonie. Die
Griechenstädte an der Westküste Kleinasiens stehen unter lydischer (S.
15), seit 545 unter persischer Herrschaft (S. 18). Auch die Inseln
+Cypern+, +Chios+, +Lesbos+ werden den Persern untertan; +Samos+ erst
522 nach dem Sturz des mächtigen Tyrannen +Polykrates+.
~Athens Emporkommen.~
Nach Kodros’ Tode (S. 28) wird das Königtum eingeschränkt, aber nicht
beseitigt; Adelsherrschaft der +Eupatriden+ (S. 26). Den Königen treten
erwählte Beamte zur Seite; seit 683 werden +jährlich neun Archonten+
erwählt. Der erste, +Archon epōny̆mos+, führt den Vorsitz und wacht
über das Familien- und Erbrecht; der zweite, +Basileus+, bringt die
früher den Königen obliegenden Opfer dar, hütet das heilige Recht
und leitet den Areopag; der dritte, +Polemarchos+, ist Heerführer
und Gerichtsherr für die Metöken und Fremden, die andern sechs,
+Thesmotheten+ genannt, leiten die bürgerliche Gerichtsbarkeit. Die
Oberaufsicht über das gesetzliche Verhalten der Bürger führt der
~Areopag~, der auf dem Areshügel vor der +Burg (Akropŏlis)+ sich
versammelnde Gerichtshof, aus früheren Archonten gebildet; er richtet
auch über die schwersten Verbrechen, Mord und Brandstiftung.
[Um 632.]
~Aufstand Kylons~, der sich, unterstützt von seinem Schwiegervater
+Theagĕnes+ von Megara, an der Spitze des über die Bedrückung der
Adligen (s. u.) empörten Volkes der Akropolis bemächtigt. Er wird
von dem Archon +Megăkles+, aus dem Geschlecht der +Alkmäoniden+,
vertrieben, seine an den Altären Schutz suchenden Anhänger werden
ermordet. Wegen dieses Frevels Verbannung der Alkmäoniden. Der Priester
+Epimenĭdes+ aus Phaistos auf Kreta berufen, um die Stadt durch
Sühnopfer zu reinigen,
[Um 620.]
~Gesetzgebung Drakons.~ Die bestehenden Übelstände nicht beseitigt. Die
Adelsherrschaft bleibt; geschriebene Gesetze, aber sehr hart; das Recht
von den adligen Richtern auch weiterhin nicht selten gebeugt; seit
Einführung der Geldwirtschaft Geld nur gegen hohe Zinsen ausgeliehen;
daher wachsende Unzufriedenheit der ärmeren Bürger, besonders über das
strenge Schuldrecht. ~Solon~, aus Kodros’ Geschlecht stammend, 594
zum ersten Archon erwählt, erhält Vollmacht, durch neue Anordnungen
Frieden zu stiften. Er war dadurch zu Ansehen gelangt, daß er die
Wiedereroberung der von den Megarern besetzten Insel +Salamis+
bewirkte; auch hatte auf seinen Antrieb Athen am +heiligen Kriege+
teilgenommen, und das delphische Orakel war ihm deshalb günstig gesinnt.
[~594.~]
~Gesetzgebung Solons.~ 1. +Entlastung+ der ärmeren Bürger
(+Seisachtheia+): die auf dem Grundbesitz haftenden Schulden werden
aufgehoben, alle Schuldsklaven in Freiheit gesetzt, Schuldknechtschaft
für die Zukunft verboten Festsetzung eines Höchstmaßes von Grundbesitz,
damit das attische Land nicht in den Besitz weniger Reicher komme,
Abzahlung anderer Schulden erleichtert durch Herabsetzung des
Münzfußes; 100 Drachmen neuen Geldes = 73 älteren; das +euböische+
Talent, der persischen Goldwährung entsprechend tritt an die Stelle des
+äginetischen+ (S. 32).[13]
2. Bestimmung der bürgerlichen Pflichten und Rechte nach dem +Ertrage
des Grundbesitzes+. Die Bürger werden in vier Klassen geteilt:
1. +Pentakosiomedimnen+, deren Güter 500 Scheffel Getreide bezw.
Maß Öl und Wein oder mehr bringen; 2. +Ritter+, 300–500 Scheffel;
3. +Zeugiten+, d. h. die mit einem Gespann wirtschaften, 150–300
Scheffel; 4. +Thēten+, die ärmeren. Nach der Absicht des Gesetzgebers
sollten alle Bürger Grundbesitz haben; bei steigender Bedeutung des
Geldbesitzes wurde der Ertrag des Getreides in Geld umgerechnet und
danach die Klasseneinteilung bestimmt.
Die Mitglieder der +drei ersten+ Klassen dienen im Kriege als
+Hoplīten+ (schwerbewaffnete Fußsoldaten), die der +zwei ersten+
Klassen auch als +Reiter+; für die Ausrüstung der Flotte bestand
schon eine Einteilung der Bürger in 48 +Naukrarien+. Die +Theten+
sollen nur zur Verteidigung des Landes als Leichtbewaffnete oder
(seit Themistokles) zur Bemannung der Flotte aufgeboten werden. Eine
regelmäßige +Besteuerung+ der Vollbürger gab es nicht, die Ämter wurden
umsonst verwaltet, die Staatsausgaben durch den Ertrag der Bergwerke,
die Strafgelder, das +Kopfgeld der Metöken+, d. h. der eingewanderten
Kaufleute und Handwerker, durch Markt- und Hafenzölle bestritten.
+Außerordentliche Steuern+ wurden in Zeiten der Not auf Volksbeschluß
nach den Vermögensklassen erhoben, die vierte war steuerfrei.
3. An der Spitze des Staates bleiben die ~neun Archonten~, jährlich
erwählt aus den Bürgern der +ersten+ Vermögensklasse. Neu eingerichtet
wird der ~Rat der Vierhundert~, jährlich erwählt aus den über 30
Jahre alten Bürgern der +drei+ ersten Klassen. Die ~Volksversammlung~
(Ekklesia) besteht aus +allen+ über 20 Jahre alten Bürgern. Sie erwählt
die +Beamten+ und entscheidet über die durch +Vorbeschluß des Rates+ an
sie gebrachten Angelegenheiten. Zur Entscheidung wichtigerer Prozesse
werden Geschworenengerichte aus der +richtenden Bürgerschaft+, der
~Heliaia~ (Gesamtzahl 6000) gebildet. Der ~Areopag~ behält seine
Gerichtsbarkeit und Oberaufsicht über das Privatleben der Bürger sowie
über das gesamte Staatsleben.
Diese Verfassung wird als ~Timokratie~ bezeichnet; erst später
entstand durch Aufhebung der Klassenunterschiede volle +Demokratie+.
Ausgeschlossen von politischen Rechten blieben auch später die
+Schutzverwandten+ (Metöken), die vor Gericht eines Bürgers als
Vertreter bedurften, und die sehr zahlreichen +Sklaven+, die jedoch
durch Gesetz und Sitte gegen Mißhandlung geschützt waren.
Solon gab auch ~Gesetze für das bürgerliche Leben~ (Familienrecht,
Strafrecht, Beschränkung des Luxus, Schutz des Ackerbaues und der
Ölbaumzucht, Sorge für die körperliche Ausbildung der Jünglinge in den
3 +Gymnasien+: Akademie, Lykeion, Kynosarges). Nach Vollendung der
Gesetzgebung verließ er Athen auf 10 Jahre und unternahm Reisen nach
Ägypten, Cypern, Kleinasien. Rechtfertigung seiner Maßnahmen in seinen
Elegieen.
~Neue Parteiungen~ in Athen. Den Grundbesitzern in der Ebene (Pediäer)
treten gegenüber die handeltreibenden Küstenbewohner (Parăler)
und die ärmeren Gebirgsbewohner (Diakrĭer), letztere geführt von
+Peisistrătos+, der trotz der Gegenbemühungen +Solons+ immer mehr
Anhang gewinnt und sich zuletzt der +Akropolis+ bemächtigt.
[~560–527~.]
~Peisistrătos~, Tyrann von Athen.
Auswanderung von athenischen Adligen, zum Teil nach der thrakischen
Chersŏnēs, unter des +älteren Miltiădes+ Führung. Solon † 559,
wahrscheinlich in Athen, nach anderen in Soloi auf +Cypern+
(Unterredung mit Kroisos in Sardes?).
+Peisistrătos+ regiert in Athen innerhalb der Formen der solonischen
Verfassung, +die er nicht aufhebt+. Er versteht es, das Volk Archonten
wählen zu lassen, welche ihm genehm sind. Zweimal durch Bündnis der
Gegenparteien vertrieben, gewinnt er zuletzt eine dauernde Herrschaft.
Die durch Solon zurückgeführten +Alkmāoniden+ (S. 34) gehen abermals
in die Verbannung, da ihr Führer +Megăkles+ (an der Spitze der
Parăler) sich gegen Peisistrătos nicht behaupten kann. Er erhöht das
auswärtige Ansehen Athens: +Sigeion+ am Eingang in den Hellespont
athenische Kolonie, Schutzherrschaft über +Delos+, Befreundung mit den
Tyrannen +Lygdămis+ von Naxos und +Polykrătes+ von Samos. Er erweitert
und schmückt die Stadt Athen durch Bauten (der große Zeustempel
bleibt unvollendet), baut eine Wasserleitung, ordnet die Feier der
+Panathenäen+ und der +Dionysien+ (die Dithyramben des +Thespis+
Anfänge der Tragödie), zieht Dichter an seinen Hof, z.B. Simonides,
Anakreon, läßt die homerischen Gesänge schriftlich aufzeichnen und
ordnen. Er vererbt die Herrschaft auf seinen Sohn
[527–510.]