Gegensätze; zwischen schneebedeckten Gebirgen und glühenden Sandwüsten
liegen oasenartig Strecken fruchtbarsten Bodens, die natürlichen
Mittelpunkte des Landes. Am stärksten bewohnt sind die Gebirgsländer
am Rande des Hochlandes; im Westen +Medien+ und +Persien+, im Norden
+Hyrkanien+ und +Parthien+, im Osten +Baktrien+ und +Arachosien+; dort
hat sich in der Landschaft +Arīa+ (Herat) auch der alte Gesamtname
erhalten.
Der alte Götterglaube erfuhr auch hier eine priesterliche Umbildung
durch die Lehre des +Zarathuschtra+ (Zoroaster), der in unbekannter
Zeit unter einem Fürsten +Vistâspa+ lebte. Als Staatsreligion erscheint
diese Lehre erst unter Dareios I., um 520. Über die anderen Götter
erhebt sich +Ahura-Mazda+ (Ormuzd), Beschützer des Ackerbaues und
Verteidiger der Wahrheit; ihm stehen zur Seite die 6 guten Geister,
+Amĕscha-Spenta+. Sein Dienst fordert die Bekämpfung der verderblichen
Mächte, an deren Spitze +Angramanjusch+ (Ahriman) steht. Keine
Götterbilder und Tempel; nur Feueraltäre im Freien, namentlich auf
Bergen; das Feuer gilt als heiliges Symbol der Reinheit. Später
(um 400 v. Chr.) finden auch Götter der alten Volksreligion wieder
große Verehrung, namentlich +Mithra+, der Gott des Sonnenlichts, und
+Anāhĭta+, Göttin der Gewässer, denen man auch Bilder und Tempel
errichtet. Heiliges Buch +Avesta+, nur zum Teil erhalten in einer aus
der Sassanidenzeit (3. Jahrhundert nach Chr.) stammenden Bearbeitung.
Die Priester (Magier) zu einer erblichen Kaste vereinigt.
Die ~Meder~ im nordwestlichen Gebirgslande, seit 835 den +Assyrern+
Untertan (S. 9), doch oft sich empörend, befreien sich zur Zeit des
Einbruchs der +Skythen+ (S. 10). Schon um 670 wird +Kastarita+, ein
medischer Fürst, von den Assyrern als gefürchteter Gegner genannt. Nach
Herodot ist +Deiokes+ (700 bis 647) als der Begründer des medischen
Reiches anzusehen. Der Befreier Mediens von den unter +Partatua+
(Protothyas bei Herodot) infolge des babylonisch-assyrischen Krieges in
großen Scharen (S. 10) eingedrungenen +Skutscha+ (Skythen), die unter
Madyas, dem Sohn Partatuas, 28 Jahre über »Asien« herrschten, war
[624–585.]
~Kyaxâres~, vermutlich ein Nachkomme Kastaritas. Er ist wohl der
eigentliche +Gründer des Mederstaates+, schuf ein stehendes Heer, stand
im Bunde mit Babylonien (S. 10). Er zerstört Ninive, kämpft mit den
Lydern (S. 15) und dehnt seine Herrschaft über andere iranische Stämme
(Sagartier, Hyrkanier, Parther) aus. Sein Reich vom Halys im Westen
bis an die Grenze Elams (zu Babylon) im Südosten. Residenz Hagmatâna
(Agbatana). Sein Nachfolger ist
[584–550.]
~Astyages~ (babylonisch Ischtuvegu). Er macht einen Vorstoß gegen das
neubabylonische Reich und belagert um 555 +Harrân+. Seine Erfolge
werden vereitelt durch den Aufstand der +Perser+, eines medischen
Vasallenstaates in Elam, unter +Kurusch II+.
[Um 630.]
Die ~Perser~ dringen aus ihrem Gebirgslande im Südwesten Irans nach
+Elam+ vor und gründen hier unter dem Achämeniden +Tschischpisch+
(Teïspes bei Herodot) das Königreich +Antschan+. Hier herrschen die
Könige +Kurusch I.+ und +Kambudschija I.+, dann des letzteren Sohn
[~558–529.~]
~Kyros~ (+Kurusch II.+), welcher 550 seinen Lehnsherrn +Astyages+
stürzt und die medische Hauptstadt +Hagmatâna+ erobert. Er vereinigt
die persischen Stämme unter seiner Herrschaft und gründet das große
[~559–330.~]
~Persische Reich,~
welches die Völker Vorderasiens zu einer politischen Einheit
zusammenfaßt. Ihm gehorchen die früher den Medern unterworfenen
Völker Irans, die Armenier und Kappadoker; er stürzt das lydische
Reich (S. 16), und während seine Feldherren Mazares und Arpagos die
Griechenstädte an der kleinasiatischen Küste unterwerfen, erobert er
+Babylon+. Das babylonische Reich wird dem persischen angegliedert (S.
11), jedoch in Sitte und Religion nicht angetastet. Die phönikischen
Städte und die Kilikier behalten ihre einheimischen Könige unter
persischer Oberhoheit, in den Griechenstädten werden persisch
gesinnte Fürsten (Tyrannen) eingesetzt, den Juden wird die Rückkehr
nach Palästina gestattet. Hauptstadt zunächst wohl Susa, denn Kyros’
Stammland Antschan gehörte zu Elam.
Die +Meder+ sind in diesem Reiche zunächst den Persern gleichgestellt,
ebenso wie die Babylonier; auch aus ihnen nimmt der König seine
Beamten. Bei den +Persern+ herrschen einfache Sitten; als kräftiges
Gebirgsvolk sind sie den in der Kultur vorgeschrittenen Nachbarvölkern
überlegen. Kyros fällt 529 im Kampfe gegen die Nomaden im Nordosten des
Reiches (+Massageten+, ihre Königin Tomyris nach Herodot); sein Grabmal
zu +Pasargădã+ ist erhalten. Sein Sohn und Nachfolger
[~529–522~.]
~Kambyses~ (+Kambudschĭja)+ tötet seinen jüngeren Bruder (Smerdis)
+Baraĭja+, der sich an die Spitze eines Aufstandes der östlichen
Reichshälfte gestellt hat. (Kyros hatte sich nicht auf das Persertum
gestützt, sondern auf die alten Kulturländer; erst unter Dareios gewann
das Persertum die führende Stellung im Reich.) Er erobert +Ägypten+ (S.
6), zieht den Nil aufwärts gegen +Napata+, das sich unterwirft. Die
Griechen in +Kyrene+ erkennen ebenfalls die Oberherrschaft der Perser
an, aber eine beabsichtigte Unternehmung gegen +Karthago+ scheitert an
der Weigerung der Phöniker, gegen ihre Pflanzstadt Schiffe zu stellen.
Inzwischen empört sich in Medien der Magier (Priester) +Gaumâta+, indem
er sich für den getöteten ~Bardija~ ausgibt. Kambyses stirbt auf der
Rückkehr aus Ägypten; der falsche Bardija wird nach kurzer Herrschaft
gestürzt von den sieben Stammfürsten der Perser, deren +erster+ König
wird, der Sohn des Achämeniden Vischtâspa (Hystaspes),[8]
[521–485.]
~Dareios I.~ (+Darijavahusch+). Aufstände im ganzen Reiche, zuerst in
Elam und Babylon, dann empören sich die Meder, Sagarter, Hyrkanier und
Parther unter angeblichen Nachkommen des +Kyaxâres+, die Armenier, in
Persien selbst ein zweiter falscher +Bardija+. Die Niederwerfung aller
dieser Aufstände (Babylon durch die List des Zopyrus erobert) berichtet
die dreisprachige Keilinschrift (persisch, elamitisch, babylonisch)
an der Felswand von +Bagistâna+ (Behistun, südwestlich von Agbatana am
oberen Choaspes).
Darauf Neuordnung des Reiches; es wird in 20 +Satrapien+ geteilt,
die bestimmte Steuern zu entrichten haben in Geld und Naturalien.
Nur die eigentlichen Perser sind steuerfrei, nicht mehr die früher
ihnen gleichgestellten Meder. Die Perser bilden den Kern des Heeres.
Die übrigen Reichsvölker stellen Truppen oder Schiffe. Einheitliche
Reichswährung, deren Einheit der Dareikos (Goldmünze von etwa 23 M.
Wert) bildet, der auch in Griechenland und Indien in Umlauf kommt.
300 Dareiken gleich einem babylonischen Silbertalent, 7030 M. unseres
Geldes. Große Heerstraßen angelegt, namentlich die Königsstraße von
+Sardes+ nach +Susa+ mit Stationen für die reitenden Boten des Königs.
Palastbauten in +Susa+ und der neuen Hauptstadt +Persepŏlis+; auch
+Babylon+ und +Agbatāna+ bleiben Residenzen des Großkönigs.
Dareios erweitert das Reich durch Unterwerfung des +Indus+landes,
läßt von der Indusmündung aus Arabien umfahren und den Nilkanal nach
dem Roten Meer (S. 6) vollenden. Karthago zahlt Tribut. Nach Westen
vordringend überschreitet er 514 mit Heeresmacht den +Bosporus+, dann
auch die untere Donau, dringt in das Skythenland ein, muß jedoch
umkehren (Histiaios, Tyrann von Milet, rettet die Donaubrücke gegen den
Rat des Atheners Miltiades) (S. 36); sein Feldherr Megabazos unterwirft
+Thrakien+ und +Makedonien+. Von den griechischen Inseln werden
+Lemnos+ und +Imbros+ Untertan, wie früher schon +Lesbos+, +Chios+,
+Samos+.
[500–494.]
~Aufstand der ionischen Griechen~,
angestiftet durch den mit einem Fürstentum in Thrakien beschenkten,
dann aber bei Dareios verdächtigten und nach Susa berufenen Tyrannen
+Histiaios von Milet+ und dessen Schwiegersohn +Aristagŏras+. Mit Hilfe
von +Athen+ und +Eretria+ wird +Sardes+ eingenommen, die Stadt geht in
Flammen auf. Aber bald werden die Ionier von dem persischen Landheere
geschlagen, von den Bundesgenossen aus Athen und Eretria verlassen, die
ionische Flotte wird bei der Insel +Lade+ (vor Milet, 494) besiegt.
Nach Unterwerfung der Ionier +Milet zerstört+, die noch übrigen
Einwohner an der Mündung des Tigris angesiedelt. Histiaios gekreuzigt.
492 folgt die Wiederunterwerfung von Thrakien und Makedonien (S. 38).
[490.]
Seezug der Perser, um die Unterwerfung der griechischen Inseln zu
vollenden; die Landung in Attika mißlingt. Weitere Unternehmungen gegen
Griechenland gehemmt durch einen Aufstand der +Ägypter+.
[485–465.]
~Xerxes I~. (Khsijârscha) unterwirft Ägypten, sein Zug gegen
Griechenland mißlingt; die Herrschaft über Thrakien, Makedonien,
die Inseln, die kleinasiatischen Griechenstädte geht verloren.
Schwelgerisches Leben am Königshofe; die alten einfachen Sitten der
Perser schwinden. Xerxes und sein ältester Sohn werden von Artabān, dem
Führer der Leibwache, in Susa ermordet. Es folgt der zweite Sohn
[465–424.]
~Artaxerxes I.~ (Artachschâtra) mit dem Beinamen Langhand (Longimănus).
Zweiter Aufstand der Ägypter unter +Inărōs+, von den Athenern
unterstützt, von +Megabyzos+, dem Satrapen von Syrien, unterdrückt (S.
44). Friede mit den Griechen nach 449; Empörung des Megabyzos durch
Verhandlungen beigelegt. Sein Sohn +Xerxes II.+ wird im zweiten Monat
seiner Regierung ermordet von seinem jüngeren Bruder +Sogdianos+;
diesen stürzt der Halbbruder
[424–405.]
~Dareios II.~ (Nothos), der dann mit Satrapenaufständen zu kämpfen
hat. Dritter Aufstand der +Ägypter+, die über 60 Jahre lang ihre
Unabhängigkeit behaupten.
[405–359.]
Artaxerxes II. (Mnemon) besiegt seinen jüngeren Bruder +Kyros+, der
als Statthalter in Kleinasien sich empört hat, 401 bei +Kunaxa+ unweit
Babylon, nimmt die Griechenstädte in Kleinasien wieder unter seine
Herrschaft (S. 55).
[359–338.]
~Artaxerxes III.~ (Ochos) unterwirft die Phönīker, nach drei Kriegen
auch die Ägypter, herrscht als tatkräftiger Despot, wird endlich
von seinem Günstling, dem Ägypter +Bagoas+, vergiftet. Dieser setzt
+Arses+, des Königs jüngsten Sohn, auf den Thron, beseitigt ihn aber
nach zwei Jahren und macht den Enkel eines Bruders von Artaxerxes II.,
[336–330.]
~Dareios III.~ (Kodomannos), zum König. Bagoas muß den Giftbecher
trinken. Dareios regiert wohlwollend, erliegt aber dem Angriff der
makedonischen Macht.
[330.]
~Vernichtung des Perserreiches~ durch ~Alexander d. Gr.~ Die
griechische Kultur kommt in Vorderasien zum Siege.
Fussnoten:
[8] Stammtafel der Achämeniden:
Tschischpisch.
_____| |__________
| |
Kurusch I. Anjarâmna.
| |
Kambudschija I. Arschâma.
| |
Kurusch II. Vischtâspa.
_____| |_____ |
| | |
Kambudschija II. Bardija. Darijavahusch.
~C. Die Völker Ostasiens.~
Durch die weiten Hochflächen des inneren Asiens von den westlichen
Kulturvölkern getrennt entsteht frühzeitig in ~China~ ein bedeutendes
Reich, gegründet auf den +Ackerbau+ in den fruchtbaren Flußtälern
des Hoangho und Jantsekiang. Die sagenhafte Überlieferung stellt an
den Anfang fünf große Kaiser, die in der Zeit von 3300–2207 v. Chr.
regiert haben sollen. Als Gründer des Reiches gilt ~Fohi~, der seine
Untertanen den Gebrauch der Haustiere und die Schriftzeichen lehrte;
+Schinnung+ führte den Ackerbau ein, +Hoang-ti+ lehrte die Zeitrechnung
und ordnete die Verwaltung der Provinzen, seine Gemahlin begründete die
Seidenweberei.
Zwei Dynastieen regieren von 2207–1122 v. Chr.; unter der zweiten wird
die Macht des Kaisers durch die großen Lehnsträger sehr beschränkt.
+Wu-wang+, Begründer der dritten Dynastie (1122–256). Diese erwirbt zu
dem ursprünglichen Reichsgebiet am unteren Hoangho auch die Länder am
Jantsekiang, verliert aber alle Macht an die großen Feudalherren.
[551–478.]
In einer Zeit des Verfalls und innerer Wirren tritt ~Kong-fu-tse~
(Confucius) als religiöser Reformator auf. Er sammelt Sittensprüche
und Lieder der älteren Zeit in den fünf heiligen Büchern (King);
seine Lehre wird zu seinen Lebzeiten nicht beachtet, später jedoch
unter der Dynastie Han zur Staatsreligion erhoben. Die Grundzüge der
alten Religion (Verehrung des Himmels, der mächtigen Geister und der
Ahnen) hat er nicht verändert. Er will die Menschen glücklich machen
als Mitglieder der Familie und des Staates. Das Einzelindividuum hat
sich der Gewalt und Autorität der Älteren und Höheren unbedingt zu
unterwerfen.
[255–206.]
Der Kaiser +Schi-huang-ti+, Begründer der vierten Dynastie, bricht die
Feudalherrschaft der Großen, stellt die Einheit des »Reiches der Mitte«
her, beginnt den Bau der +Großen Mauer+ (2500 km lang, mit Wachttürmen)
zur Abwehr der Einfälle nördlicher Mongolenvölker.
[206 vor Chr. bis 263 nach Chr.]
Die +Han+-Dynastie gibt dem Reiche seine größte Ausdehnung und
höchste Blüte im Innern. Im Süden werden Tongking, Anam, Cochinchina
unterworfen, im Westen das Tarim-Gebiet, im Nordosten Korea.
[Seit 65 n. Chr.]
Eindringen des +Buddhismus+. Handelsverbindungen nach dem Westen; den
Römern wird die Seide (vestis Serĭca) bekannt. Der römische Kaiser
Marcus Aurelius soll 166 eine Gesandtschaft nach China geschickt haben.
[220–617.]
Zeit innerer Kriege; es bilden sich mehrere Reiche, die aber unter
+Wuti+, dem Stifter der Dynastie Tsin (263–420) und dem großen Kaiser
+Taitsung+ (627–659) aus der Dynastie +Tang+ (618–906) vorübergehend
wieder vereinigt werden. Später China unter tatarischen und
mandschurischen Dynastien.
Die chinesische Kultur verbreitet sich namentlich nach ~Japan~, dessen
Geschichte um 600 v. Chr. mit der Gründung eines Reiches auf der Insel
+Kiusiu+ beginnt.
~D. Die Griechen.~
Einen großen Fortschritt in der weltgeschichtlichen Entwickelung hat
das hochbegabte Griechenvolk bewirkt. Gegenüber der religiösen und
politischen Gebundenheit der asiatischen Völker zeigt es die +freie+
Entwickelung der menschlichen Kräfte und hat in Staat, Kunst und
Wissenschaft eine noch jetzt in vieler Beziehung vorbildliche Höhe
erreicht. Die griechische Kultur, begünstigt durch ein wohlgelegenes,
reich gegliedertes Land, stand noch in Blüte, als das +Christentum+ in
die Welt eintrat, und hat ihm die Wege gebahnt.
§ 1. Mythische Zeit.
Der Name +Griechen+ ist deutsche Umformung des von den Römern
gebrauchten Namens +Graeci+.[9] Sie selbst nannten sich +Hellenen+;
als Ureinwohner ihres Landes bezeichneten sie die +Pelasger+. Alte
Heiligtümer des pelasgischen Zeus waren zu +Dodōna+ in Epirus und auf
dem Berge +Lykaios+ in Arkadien. Der Name ~Hellenen~ erscheint bei
Homer noch nicht als Gesamtname des Volkes; die später gewöhnliche
Ansicht unterschied vier Hauptstämme des hellenischen Volkes: +Äŏler+,
+Achäer+, +Dorier+, +Ionier+.
Merkwürdige Überreste aus der hellenischen Vorzeit sind seit 1870
durch die von +Schliemann+ und seinen Nachfolgern zuerst in +Troja+
(Hissarlik), dann in +Amyklä+, +Mykenä+, +Orchomenos+, +Tiryns+
veranstalteten Ausgrabungen zu Tage gekommen. Man fand in den
Unterbauten weit ausgedehnter Königspaläste und in wohlerhaltenen
Gräbern vielerlei Waffen, eine erstaunliche Menge Goldschmuck,
Wandmalereien, bemalte Tongefäße und anderes. »Schatzhaus des
Atreus«, Löwentor in Mykenä. Weitere Grabungen auf den +Inseln+,
namentlich Cypern, Rhodos, Thera, Kreta, haben gezeigt, daß eine
frühe altertümliche Kultur die Küsten und Inseln des Ägäischen Meeres
umfaßte und unter orientalischem Einfluß, hauptsächlich infolge der
regen Handelsbeziehungen mit den Phönīkern, sich höher entwickelte.
Die Zeit dieser +Mykenischen Kultur+, deren bedeutsamster Mittelpunkt
+Kreta+ war (König +Minos+), ist 1500 bis 12 v. Chr.; eine jüngere
Zeit schildern die +Homerischen Gedichte+. Von alters her viele kleine
Staaten unter kriegerischen Königen, aber kein grausamer Despotismus
wie bei den Assyrern; milde Behandlung der Sklaven.
~Religion~. Die den arischen Völkern gemeinsame Verehrung der
Naturkräfte bildet sich bei den Griechen frühzeitig um zur Verehrung
+persönlich+ gedachter Götter. Aus dem +Chaos+ sollen Himmel und
Erde (+Urănos+ und +Gaia+) entstanden sein, von diesen stammt das
Göttergeschlecht der +Titanen (Krŏnos, Rhea, Promētheus+ u. a.). Dieses
verdrängen die +olympischen Götter+, an ihrer Spitze der Himmelsgott
+Zeus+, Sohn des Kronos und der Rhea, welcher die Herrschaft der
Welt mit seinen Brüdern +Poseidon+ (Meer) und +Hades+ oder +Pluton+
(Unterwelt) teilt. Als +olympische Götter+ werden besonders folgende
12 zusammengefaßt: +Zeus+, +Hera+, +Poseidon+, +Demēter+, +Hestia+,
+Hephaistos+, +Ares+, +Apollon+, +Artĕmis+, +Pallas Athene+,
+Aphrodite+, +Hermes+ (die letzten 7 gelten als Kinder des Zeus).
Andere Gottheiten: +Persephŏne+ (Tochter von Zeus und Demeter, Gemahlin
Plutons), +Eros+, der ständige Begleiter der Aphrodite, +Dionysos+ oder
+Bakchos+ (Sohn des Zeus und der thebanischen Königstochter +Semĕle+),
in seinem Gefolge der Hirtengott +Pan+, die Satyrn und Nymphen;
+Asklepios+ (Sohn des Apollon), die 9 +Musen+ (Klio, Euterpe, Thalīa,
Melpomĕne, Terpsichŏre, Erăto, Polymnia, Urania, Kalliŏpe, Töchter des
Zeus und der Mnemosy̆ne), ferner +Eos+, +Iris+; die Meergottheiten
+Nereus+ (seine Töchter die Nereĭden), +Amphitrīte+, +Triton+,
+Proteus+, +Glaukos+.
Die Abhängigkeit des Menschengeschlechts von den Göttern gibt sich kund
in +Gebeten, Opfern, Festzügen+; durch +Orakel, Vorzeichen+ (Weissagung
aus dem Vogelflug und aus den Eingeweiden der Opfertiere) geben die
Götter ihren Willen kund. Glaube an ein Fortleben nach dem Tode
(Elysion, Tartăros).
Reiche Entwickelung der +Götter- und Heldensage+, ein Schatz für die
griechische Poesie der folgenden Zeiten.
Die Erinnerung an die Tatsache, daß Griechenland die Anfänge höherer
Kultur von den Völkern des Ostens erhalten hat, spiegelt sich wieder in
den +Einwanderungssagen+:
~Danăos~, Gründer der Burg von +Argos+, soll aus +Ägypten+ gekommen
sein, seine 50 Töchter, die +Danaiden+, ermorden ihre Männer, die
Söhne des Äigyptos; nur Hypermnestra rettet den Lynkeus. Ihr Nachkomme
+Perseus+, Sohn des Zeus und der Danae, gründet nach der Rückkehr von
seinen Heldentaten (Medusa getötet, Andromĕda befreit) die Burg von
+Mykēnä+ als Herrschersitz. Aus seinem Geschlecht stammen +Eurystheus+
und +Herăkles+.
~Pelops~, Sohn des Königs +Tantălos+, soll aus +Lydien+ nach Elis
gekommen sein. Seine Söhne +Atreus+ und +Thyestes+ bemächtigen sich,
nachdem Eurystheus im Kampfe gegen die Herakliden gefallen ist (s. S.
25), der Herrschaft in +Mykenä+. Atreus’ Sohn +Agamemnon+ herrscht nach
ihm in Mykenä, der jüngere Sohn +Menelāos+ in +Sparta+ als Erbe des
Königs Tyndareos, dessen Tochter Helĕna ihm vermählt ist.
~Kadmos~, Sohn des phönikischen Königs Agenor von +Sidon+, gründet die
Burg von +Theben+ (Kadmēa), wo seine Nachkommen herrschen; er soll den
Griechen die Buchstabenschrift gebracht haben.
In Attika gilt als uralter +einheimischer+ König ~Kekrops~, Gründer der
Burg von Athen; an ihn knüpft sich die attische Königsreihe, in welcher
+Erichthonios+, +Erechtheus+, +Jon+, +Ägeus+, +Theseus+ hervortreten.
Unter Ägeus soll Attika der Seeherrschaft des Königs ~Minos~ von
+Kreta+ untertan geworden sein. Letzterem wird, wie dem Kadmos,
+phönikische+ Abstammung zugeschrieben; er gilt als Sohn des Zeus und
der +Europa+, Tochter des Königs Agenor.
Nationalhelden der griechischen Sage sind +Herăkles+ und +Theseus+.
~Herăkles~ (+Hercŭles+), Sohn des Zeus und der +Alkmēne+ aus Perseus’
Stamm, in +Theben+ geboren, wird seinem Vetter +Eurystheus+ in +Mykenä+
dienstbar,[10] zieht in Gemeinschaft mit +Telămon+ und +Peleus+,
den Söhnen des Königs +Aiăkos+ von Ägina, gegen +Troja+ (König
Laomĕdon, Vater des Priamos), besiegt den König +Neleus+ in +Pylos+.
In +Kaly̆don+ heiratet er die Königstochter +Dejaneira+, welche ihm
später das mit dem Blut des Kentauren +Nessos+ getränkte Gewand sendet;
er verbrennt sich selbst auf dem +Öta+ und wird unter die Götter
aufgenommen. Die ~Dorier~ haben ihn zu ihrem ~Stammheros~ gemacht;
ihre Könige nannten sich seine Nachkommen, von ihm leiten sie ihr
Recht auf den Besitz der Peloponnes ab. Seine Söhne, die +Herakliden+,
sollen gegen die Verfolgungen des Eurystheus bei +Theseus+ in Athen
Schutz gefunden haben; sie versuchen vergebens die Rückkehr, erst den
Nachkommen gelingt sie (dorische Wanderung, S. 28).
~Theseus~; Sohn des Kekropiden +Ägeus+, ist der Stammheros der
~Ionier~, insbesondere der ~Athener~. Er fährt nach +Kreta+, tötet dort
den +Minotauros+ und rettet mit Hilfe der Königstochter +Ariadne+ die
demselben zum Opfer bestimmten athenischen Jünglinge und Jungfrauen.
Bei der Rückfahrt bleibt Ariadne auf +Naxos+ zurück und wird Gemahlin
des Gottes Dionysos; Theseus vergißt das schwarze Segel mit dem weißen
zu vertauschen, Ägeus stürzt sich in das nach ihm benannte Meer.
Theseus wird +König von Athen+, vereinigt die Bewohner Attikas zu
+einem+ Staate. Er stirbt auf der Insel +Skyros+ im Kampf gegen den
König Lykomēdes.
Als Gründer des attischen Staates soll er das Volk in drei +Stände+
geschieden haben: +Eupatriden+ (Adel), +Geomoren+ (Bauern) und
+Demiurgen+ (Gewerbtreibende). Dagegen wird die Einrichtung der vier
alten +Phylen+ (d. i. Stämme): +Geleonten+, +Hoplēten+, +Argadeis+,
+Aigikoreis+ (die Glänzenden, Wehrhaften, Feldarbeiter, Ziegenhirten),
deren jede wieder in drei Phratrien zerfiel, auf +Ion+, den mythischen
Stammvater des ionischen Stammes, zurückgeführt.
Drei gemeinsame Unternehmungen in der heroischen Zeit sind durch Sagen
verherrlicht, die den Hauptstoff für die griechische Poesie bilden.
1. Der ~Argonautenzug~. +Phrixos+, Sohn des Minyerkönigs +Athămas+ von
+Orchomĕnos+, flüchtet vor der Stiefmutter Ino mit seiner Schwester
+Helle+ auf dem Widder mit goldenem +Vlies+, den beide von ihrer Mutter
+Nephĕle+ erhalten haben. +Helle+ stürzt auf der Flucht bei Abȳdos
ins Meer, welches nun +Hellespontos+, d. h. »Meer der Helle«, heißt.
+Phrixos+ kommt nach ~Kolchis~ (am +Pontos Euxeinos+, Schwarzen Meere)
zum Könige +Aiētes+. Der Widder wird geopfert, das goldene Vlies in
einem Haine des Gottes Ares von einem Drachen bewacht. -- +Iason+ aus
+Iolkos+, von seinem Oheim +Pelĭas+ aufgefordert, fährt auf dem Schiffe
~Argo~ an der Spitze einer Heldenschar nach Kolchis, um das Vlies zu
holen; es wird mit Hilfe der Zauberin +Medeia+, Tochter des +Aiētes+,
gewonnen. Rückkehr nach +Iolkos+; +Pelĭas+ auf Antrieb der +Medeia+
getötet. --
2. ~Krieg der Sieben gegen Theben~. +Ödipus+, Sohn des +Laïos+, Königs
von Theben aus Kadmos’ Stamm (die Labdakiden) und der +Jokaste+, wird
infolge eines unheilverkündenden Orakels von den Eltern ausgesetzt, in
Korinth von +Poly̆bos+ erzogen. Er tötet bei Delphi den Vater, ohne
ihn zu kennen, löst das Rätsel der +Sphinx+, wird König in Theben und
heiratet seine eigene Mutter. Als ihm der Greuel entdeckt wird, beraubt
er sich selbst des Augenlichts. Seine Töchter +Antigŏne+ und +Ismēne+
geleiten ihn in die Verbannung. +Theseus+ gewährt ihm Aufnahme; sein
Grab am Hügel +Kolōnos+ bei Athen. In Theben Bruderzwist seiner Söhne
Eteŏkles und Polyneikes.
Mit dem vertriebenen +Polyneikes+ ziehen gegen Theben: +Adrastos+
(König von Argos), +Tydeus+, +Amphiarāos+, +Kapăneus+, +Hippomĕdon+,
+Parthenopaios+. Die feindlichen Brüder fallen im Zweikampf, auch die
andern Fürsten alle bis auf +Adrastos+ kommen um. +Kreon+, der Oheim
der Brüder, wird König von Theben, verurteilt +Antigŏne+ zum Tode, weil
sie den Polyneikes bestatten wollte.
Zehn Jahre später Zug der +Epigonen+ (Söhne der +Sieben+). Theben
wird eingenommen; +Thersandros+, des +Polyneikes+ Sohn, als König
eingesetzt.