König +Assurubállit+ von Assur, befreundet mit +Burnaburjasc

Anmerkungen zur Transkription

Fett gedruckter Text ist gekennzeichnet mit ~Tilde~, kursiver und

gesperrter mit +Plus+.

AUSZUG

AUS DER

ALTEN, MITTLEREN UND NEUEREN

GESCHICHTE.

VON

DR. KARL PLŒTZ (†),

EHEM. PROFESSOR AM FRANZÖSISCHEN GYMNASIUM IN BERLIN.

NEU BEARBEITET VON PROF. DR. MAX HOFFMANN (†)

UND

PROFESSOR DR. FRIEDRICH KÄHLER,

SIEBZEHNTE AUFLAGE.

LADENPREIS: GEBUNDEN 3 MARK.

LEIPZIG 1912.

VERLAG VON A.G. PLŒTZ.

Alle Rechte vorbehalten.

Copyright 1912 by A.G. Plœtz, Leipzig.

Vorwort zur 16. Auflage.

Das vorliegende geschichtliche Handbuch, seit der neunten Auflage

von dem jetzigen Herausgeber bearbeitet, ist durch Umgestaltung und

Vermehrung des Inhalts bei den wiederholten Auflagen mehr und mehr

ein Werk des Herausgebers geworden, von ihm zu vertreten hinsichtlich

seiner Eigenheiten und Mängel. Doch ist die übersichtliche Anlage

und Einrichtung des Buches ein bleibendes Verdienst des Verfassers;

auf dem von ihm gelegten Grunde ließ sich leicht weiterbauen.

Prof. Dr. +Plœtz+, 1848–1852 Oberlehrer am Katharineum zu Lübeck,

dann Prof. am Französischen Gymnasium in Berlin, weithin bekannt

durch seine Lehrbücher der französischen Sprache, hatte dieses

Buch als Leitfaden für den Geschichtsunterricht an höheren Schulen

entworfen, ausgehend von dem Grundsatz, daß »nur das Tatsächliche in

möglichst übersichtlicher Gruppierung vorzuführen sei«, weil »ein

Leitfaden, der zusammenhängende Erzählung bietet, dem Vortrage des

Lehrers notwendigerweise Eintrag tut«. Er hatte es aber auch für den

Privatgebrauch bestimmt, »um ein rasches Orientieren über historische,

dem Gedächtnis augenblicklich nicht gegenwärtige Verhältnisse zu

ermöglichen«. Die späteren Auflagen haben diesen letzteren Zweck

mehr berücksichtigt und sind über die dem Schulunterricht gesteckten

Grenzen hinausgegangen; doch ist dem Lehrer die Auswahl dessen, was

gelernt werden soll, leicht gemacht durch die Einrichtung des Druckes.

Strebsamen Schülern ist es vielleicht willkommen, manches hier zu

finden, was bei späteren Studien näher ins Auge gefaßt werden kann.

Für die neueste Zeit seit 1866 ist den späteren Auflagen sehr

schätzbare Mitarbeit von militärischer Seite zugute gekommen; diese

Mitarbeit erstreckt sich bei der vorliegenden auch auf die deutschen

Kolonien, deren Entwickelung von so hoher Bedeutung für Deutschlands

Weltstellung ist. Auch sonst ist hier und da gebessert, um die

Brauchbarkeit des Buches zu erhöhen. Möge es auch ferner Nutzen stiften

als Führer durch ein weites, fast unermeßliches Gebiet, dessen Kenntnis

doch unentbehrlich ist.

+Lübeck+, 9. Oktober 1909.

~Max Hoffmann.~

Vorwort zur 17. Auflage.

Als ich nach dem 1910 erfolgten Tode des langjährigen Herausgebers

dieses Buches, des Herrn Professors Dr. +Hoffmann+ in +Lübeck+, von

dem Herrn Verleger den ehrenvollen Auftrag erhielt, die Besorgung

der neuen Auflage zu übernehmen, habe ich mich dieser dankenswerten

Aufgabe um so lieber und eifriger unterzogen, als ich bereits die

letzten Ausgaben mit regem Interesse verfolgt hatte. Bei meinen

nahen persönlichen Beziehungen zu dem verdienstvollen bisherigen

Herausgeber glaubte ich anfangs, aus Rücksichten der Pietät für die

17. Auflage noch von größeren Änderungen Abstand nehmen zu müssen.

Jedoch drängte sich mir je länger, je mehr die Erkenntnis auf, daß

die Geschichte Asiens, besonders Ostasiens, infolge der erheblich

lebhafter gewordenen Beziehungen zu Europa und Amerika notwendig eine

eingehendere Behandlung und Würdigung verlange und zweitens, daß der

Wunsch nach einer übersichtlicheren Einteilung und Gliederung des

neuesten Geschichtsstoffes nicht wohl unberücksichtigt gelassen werden

könne. Nach beiden Seiten hin bin ich bestrebt gewesen, entsprechende

Änderungen durchzuführen. Was ich sonst im einzelnen im »Auszug aus der

Geschichte« wie im »Anhang« gekürzt, erweitert oder berichtigt habe,

wird der aufmerksame Leser leicht erkennen.

Möge das Buch in dieser neuen Fassung die gleiche wohlwollende Aufnahme

finden wie die früheren Auflagen! Möge es ihm gelingen, das Interesse

für die Geschichte und insonderheit die Liebe zur Geschichte +unseres+

Volkes, die Erkenntnis und Wertschätzung der Grundlagen seiner Kultur

und das Verständnis für seine Größe und seine Ziele in immer weitere

Kreise zu tragen!

Herrn Professor +Fischer+ in Blaubeuren und Herrn +R.A. Plœtz+ in

Margate (England) sage ich auch an dieser Stelle meinen aufrichtigen

Dank für wertvolle Notizen zur deutschen und englischen Geschichte.

+Husum+, 18. Februar 1912.

~Friedrich Kãhler.~

Inhalt

Seite

Einteilung der allgemeinen Weltgeschichte 1

Die Rassen in der Weltgeschichte 2

~I. Alte Geschichte.~

A. Die ägyptisch-semitischen Völker.

§ 1. Ägypter 3

§ 2. Babylonier und Assyrer 6

§ 3. Juden (Hebräer, Israeliten) 11

§ 4. Phöniker und Karthager 13

B. Die asiatischen Arier.

§ 1. Völker Kleinasiens 15

§ 2. Inder 16

§ 3. Iranier 17

C. Die Völker Ostasiens 21

D. Die Griechen.

§ 1. Mythische Zeit 23

§ 2. Staaten und Kolonien 27

§ 3. Perserkriege und Blütezeit Athens 38

§ 4. Peloponnesischer Krieg 47

§ 5. Makedoniens Emporkommen 53

§ 6. Alexander der Große 59

§ 7. Hellenistische Zeit 63

§ 8. Griechische Kunst und Wissenschaft 69

E. Die Römer.

§ 1. Zeit der Königsherrschaft 71

§ 2. Rom als Republik 75

§ 3. Unterwerfung Italiens 82

§ 4. Die Punischen Kriege 87

§ 5. Ausbreitung der römischen Herrschaft 94

§ 6. Bürgerliche Unruhen 100

§ 7. Marius und Sulla 103

§ 8. Pompejus und Cäsar 107

§ 9. Untergang der Republik 118

§ 10. Kunst und Literatur bei den Römern 120

§ 11. Kaiserzeit bis zum Untergang des weströmischen Reiches 121

~II. Mittlere Geschichte.~

A. Bis zum Vertrage von Verdun (375–843).

§ 1. Völkerwanderung 139

§ 2. Frankenreich unter den Merowingern 145

§ 3. Das oströmische Reich 147

§ 4. Mohammed und das Kalifat 148

§ 5. Frankenreich unter den Karolingern 150

B. Bis zum Beginn der Kreuzzüge (843–1096).

§ 1. Italien und Deutschland (Karolinger, sächsische,

fränkische Kaiser) 155

§ 2. Frankreich 169

§ 3. England und der Norden 169

§ 4. Die Pyrenäische Halbinsel 171

§ 5. Der Osten 172

C. Das Zeitalter der Kreuzzüge (1096–1270).

§ 1. Kreuzzüge 173

§ 2. Deutschland und Italien (Hohenstaufen) 179

§ 3. Frankreich 191

§ 4. England 192

§ 5. Die Pyrenäische Halbinsel 194

§ 6. Der Osten 194

D. Bis zur Entdeckung Amerikas (1270–1492).

§ 1. Deutschland bis auf Maximilian I 195

§ 2. Frankreich bis auf Karl VIII 207

§ 3. Italien 210

§ 4. England bis auf Heinrich VII 211

§ 5. Die Pyrenäische Halbinsel 214

§ 6. Der Norden und Osten 215

~III. Neuere Geschichte.~

A. Bis zum Westfälischen Frieden (1492–1648).

§ 1. Erfindungen, Entdeckungen und Kolonien 221

§ 2. Die Reformation in Deutschland 224

§ 3. Frankreich bis auf Ludwig XIV. 234

§ 4. Italien 239

§ 5. Die Pyrenäische Halbinsel und die Niederlande 241

§ 6. England und Schottland 245

§ 7. Der Norden und Osten 249

§ 8. Deutschland, Dreißigjähriger Krieg 251

B. Bis zur französischen Revolution (1648–1789).

§ 1. Frankreich unter Ludwig XIV. 261

§ 2. Deutschland unter Leopold I. 265

§ 3. Der Norden und Osten 267

§ 4. England 269

§ 5. Der spanische Erbfolgekrieg 272

§ 6. Der Nordische Krieg 274

§ 7. Deutschland, Friedrich der Große 278

§ 8. Der Norden und Osten 292

§ 9. Großbritannien und Nordamerika 298

§ 10. Südeuropa 303

§ 11. Frankreich unter Ludwig XV. und XVI. 305

C. Bis zum Wiener Kongress (1789–1815).

§ 1. Die Revolution in Frankreich 306

§ 2. Frankreichs Kriege gegen das Ausland 313

§ 3. Machtentfaltung des ersten französischen Kaiserreiches 321

§ 4. Sturz des ersten französischen Kaiserreiches. Deutscher

Befreiungskrieg 331

§ 5. Herstellung des europäischen Staatensystems 339

D. Bis auf unsere Zeit.

§ 1. Neue Erfindungen 343

§ 2. Verfassungs- und Unabhängigkeitskämpfe 345

§ 3. Die Zeit von 1830–1848 348

§ 4. Die Revolutionszeit 1848–1852 354

§ 5. Kunst und Wissenschaft im 19. Jahrhundert 363

§ 6. Machtentfaltung des zweiten französischen Kaiserreichs.

Nationale Einigung Italiens 365

§ 7. Deutschlands Einigung durch Preußen 371

§ 8. Deutsch-französischer Krieg 1870–1871 381

§ 9. Das Deutsche Reich seit 1871 393

§ 10. Österreich-Ungarn 397

§ 11. Rußland 399

§ 12. Die dritte französische Republik 403

§ 13. England 406

§ 14. Holland, Luxemburg, Belgien, Dänemark, Skandinavien,

Schweiz 410

§ 15. Italien 411

§ 16. Die Pyrenäische Halbinsel 413

§ 17. Die Balkanhalbinsel 414

§ 18. Amerika 416

§ 19. Asien 419

§ 20. Entwickelung der deutschen Kolonien 423

Anhang. I. Brandenburgisch-preußische Geschichte 427

II. Die andern Staaten des Deutschen Reiches 434

Namen- und Sachregister 439

~Einteilung der allgemeinen Weltgeschichte.~

Bis ~375~ n. Chr. I. ~Alte Geschichte,~ von der Zeit der ersten

geschichtlichen Kunde bis zum Beginn der Völkerwanderung.

~375–1492.~ II. ~Mittlere Geschichte,~ vom Beginn der Völkerwanderung

bis zur Entdeckung Amerikas.

Seit ~1492.~ III. ~Neuere Geschichte,~ von der Entdeckung Amerikas bis

auf unsere Zeit.

Die ~alte~ Geschichte gliedert sich nach den hervortretenden Völkern in

+fünf Abschnitte+. Diese Völker sind:

1. ~Die ägyptisch-semitischen Völker.~ 2. ~Die asiatischen Arier.~ 3.

~Die Völker Ostasiens.~ 4. ~Die Griechen.~ 5. ~Die Römer.~

Die ~mittlere~ Geschichte teilt man nach den hervorragenden Ereignissen

in +vier Perioden+:

~375–843.~ 1. Vom Beginn der ~Völkerwanderung~ bis zum ~Vertrag von

Verdun~.

~843–1096.~ 2. Vom ~Vertrag zu Verdun~ bis zum Beginn der ~Kreuzzüge~.

~1096–1270.~ 3. Das Zeitalter der ~Kreuzzüge~.

~1270–1492.~ 4. Vom Ende der ~Kreuzzüge~ bis zur ~Entdeckung Amerikas~.

Die ~neuere~ Geschichte gliedert sich ebenfalls in +vier Perioden:+

~1492–1648.~ 1. Von der ~Entdeckung Amerikas~ bis zum ~Westfälischen

Frieden~.

~1648–1789.~ 2. Vom ~Westfälischen Frieden~ bis zum Beginn der

~französischen Revolution~.

~1789–1815.~ 3. Vom Beginn der ~französischen Revolution~ bis zum

~Wiener Kongreß~.

Seit ~1815~. 4. Vom ~Wiener Kongreß~ bis auf unsere Zeit.

~Die Rassen in der Weltgeschichte.~

Die Naturforschung bestimmt die Rassenunterschiede des

Menschengeschlechts nach körperlichen Merkmalen; anders müssen

sie von der geschichtlichen Forschung aufgefaßt werden. Reine

Rassen im Sinne der Naturforschung liegen für den Zeitraum unserer

Weltgeschichte nirgends vor. Nur die Nachklänge der Rasseneinheiten,

die man für vorgeschichtliche Zeiten voraussetzen darf, nämlich der

Durchschnitt der körperlichen und geistigen Eigentümlichkeiten, und als

Haupteinteilungsprinzip die Sprache, sind die Merkmale der Rasse im

Sinne des Historikers. In Betracht kommen dabei hauptsächlich folgende

Rassen:

I. Die +sumerische+ Rasse, die Urbewohner von Babylonien.

II. Die +ägyptisch-semitische+ (Semiten im weiteren Sinne), deren

Ursitz Arabien gewesen zu sein scheint.

III. Die +zagrische+ mit dem Hauptsitze um die Grenzgebirge zwischen

der heutigen Türkei und Persien (die herrschende Bevölkerung in Elam).

IV. Die +kleinasiatische+ (Hethiter), die mit der +indo-atlantischen+

verwandt zu sein scheint (Urarthier, Mitanier).

V. Die +arische+ (indo-europäische): Iranier, Inder, Phryger, Griechen,

Italiker, Kelten, Germanen, Litu-Slaven. Diese Völker sind die

Hauptträger der geschichtlichen Entwickelung.

VI. Von der +altaischen+ Rasse haben die Chinesen und Japaner im Osten

einen eigenen Kulturkreis gebildet, die Bulgaren, Magyaren und Türken

in Europa eine gewisse Bedeutung gewonnen.

Andere Rassen (Ainos, Dravidas, Malaien, Iberer, Basken, Amerikaner,

Neger) haben eine mehr passive Rolle gespielt als zurückweichende

Urbevölkerung.

~I. Alte Geschichte.~

~A. Die ägyptisch-semitischen Völker.~

§ 1. Ägypter.

~Ägypten~, das von Höhenzügen und Wüsten eingeschlossene, oberhalb

des Delta nur wenige Stunden breite, etwa 1100 km lange Tal des

untern ~Nil~, der alljährlich vom Juli an auf fast 4 Monate seine

Ufer überflutet und so das Land befruchtet. Zwei Landesteile:

~Unter-Ägypten~ mit der Hauptstadt +Memphis+ und dem Deltalande;

~Ober-Ägypten~ mit der Hauptstadt +Theben+ (Nu-Amôn), Südgrenze die

Stromschnellen bei +Syene+, jetzt Assuan. Beide bestanden ursprünglich

als selbständige Staaten nebeneinander. Ackerbau, Handwerk und Kunst

erscheinen im vierten Jahrtausend v. Chr., wo die geschichtlichen

Nachrichten beginnen, schon hoch entwickelt.

~Staatswesen~: Erbliches Königtum, die Könige gelten als Söhne des

Sonnengottes +Râ+ selbst für göttliche Wesen. Glänzende Hofhaltung,

viele Beamte, das Land in bestimmte Gaue geteilt. Bedeutender Einfluß

der Priester, denen auch die Pflege der Wissenschaften (Sternkunde,

Heilkunde, Rechtskunde) obliegt. Frühzeitige Feststellung des

+Sonnenjahres+. Strenge Regelung des gesamten Lebens durch religiöse

Satzungen. Erbliche +Stände+, nicht völlig gegeneinander abgeschlossene

Kasten.

~Religion~: Verehrung der persönlich gedachten Naturkräfte, verbunden

mit symbolischem Tierdienst. Die einzelnen Gaugötter schließen sich

allmählich zu Götterkreisen zusammen. Oberster Gott der Sonnengott +Râ+

ihm sind die Obelisken geweiht. Neben ihm andere Gottheiten der Sonne,

des Mondes, des Nils usw. Besondere Verehrung des +Ptah+ in Memphis,

des +Amôn+ in Theben, der +Neit+ in Saïs. Der Kampf der dem Menschen

heilsamen und feindlichen Naturkräfte, wie er sich in dem alljährlichen

Aufblühen, Absterben und Wiedererwachen der belebten Natur ausprägt,

wird dargestellt in dem Mythus von +Osiris+. Osiris, der Gott des

Lebens, wird von +Set (Typhon)+, dem Dämon der verzehrenden Gluthitze,

getötet, von seiner trauernden Gemahlin +Isis+ gesucht; endlich

überwindet +Hôrus+, der Sohn beider, den Set. +Osiris+, wieder

belebt, herrscht in der Unterwelt über die Seelen der Abgeschiedenen

(Totengericht).

Sorgfältige Bestattung der Toten, die für die einmal wiederkehrenden

Seelen durch Einbalsamierung in Felsengräbern und Pyramiden erhalten

wurden (Mumien). Heilige Tiere: der Stier +Hapis+ in Memphis als Abbild

des Ptah verehrt; die Kühe der Isis, die Katzen der Bast, die Sperber

dem Hôrus geheiligt.

Die ~Hieroglyphenschrift~,[1] ursprünglich Bilderschrift, hat

Buchstaben-, Silben- und Wortzeichen; oft wird dem mit Buchstaben- und

Silbenzeichen geschriebenen Worte ein Bild zur Verdeutlichung angefügt.

Sie wurde hauptsächlich zu Inschriften an den Wänden der Tempel und

Grabkammern benutzt; für den gewöhnlichen Gebrauch schrieb man auf

Papyrusblättern mit einer abgekürzten, der +hieratischen+ Schrift,

später mit der noch mehr verkürzten +demotischen+ Schrift.

[vor Chr. Vor ~3000.~]

Das ~alte~ Reich,

begründet von König ~Mena~ durch Vereinigung der beiden Landesteile.

Wechselnde Residenzen der Könige in der Gegend von +Memphis+ (oberhalb

Kairo). Ihre Grabdenkmäler sind die ~Pyramiden~; über 70 noch

erhalten. Die höchsten (bei dem Dorfe Gizeh) sind von den Königen

der +4. Dynastie+[2] (um 2800) erbaut: +Snofru+, +Chufu+ (Cheops bei

Herodot),[3] +Chafrâ+, +Menkaurâ+. Unter der 6. Dynastie zerfällt

die Einheit des Reiches; mehrere Könige herrschen nebeneinander.

Herstellung der Einheit durch die von +Theben+ in Ober-Ägypten

ausgehende 11. Dynastie.

[Um 2100.]

Das ~mittlere~ Reich,

die klassische Zeit Ägyptens. Blüte der Baukunst und der Literatur

(religiöse, medizinische, biographische Schriften; Märchen, Fabeln

und Lieder). Handelsverkehr mit Syrien und dem Weihrauchlande Punt

(Südarabien). Residenzen in der Landschaft +Fajjûm+ oberhalb +Memphis+.

+Amenemhât I+. (12. Dynastie) baut den Amôntempel in Theben, seine

Nachfolger unterwerfen das Land Kusch (Nubien), +Wesertôsen III.+

ist der in der griechischen Sage hervortretende Sesostris. +Amenemhât

III.+ legt im Fajjûm den +Moeris-See+ an, um die Überschwemmungen des

Nils zu regeln, und erbaut dort einen großen Reichstempel, von den

Griechen Labyrinth genannt. Auch diese Dynastie hat Pyramiden gebaut;

Felsengräber von Priestern und hohen Beamten bei Beni-Hassan.

[Um 1800.]

Eroberung Ägyptens durch die ~Hyksôs~, Hirtenkönige semitischer

Abkunft, die über die Landenge von Suez eindrangen. Sie beherrschten

hauptsächlich das untere Land, Ober-Ägypten wurde von einheimischen

Statthaltern verwaltet. Einer von diesen, +Ahmôse+, Statthalter in

Theben, vertreibt endlich im 16. Jahrhundert die Hyksôs und herrscht

dann als König.

[Um 1530.]

Das ~neue~ Reich (Hauptstadt +Theben+)

erhebt sich bald zu bedeutender Macht und Größe. König ~Dhutmôse I.~

(Thutmosis) aus der 18. Dynastie macht Nubien zur Provinz und dringt

in Syrien bis zum Euphrat vor. Seine Tochter +Hatschepsowet+ sendet

Schiffe aus nach dem Weihrauchlande Punt. ~Dhutmôse III.~ macht

+Syrien+ und +Palästina+ zu Provinzen: höchste Machtfülle Ägyptens.

Seine Nachfolger erhalten diesen Umfang des Reiches aufrecht.

~Amenhotep III.~ schmückt Theben mit glänzenden Bauten; Ruinen bei den

jetzigen Dörfern +Karnak+, +Luksor+ und +Medinet-Abu+; bei letzterem

noch jetzt zwei sitzende Kolosse, Statuen des Amenhotep, deren eine von

den Griechen die +tönende Säule des Memnon+ genannt ward.

[Um 1400.]

~Amenhotep IV.~ führt einen Sonnen-Monotheismus ein; alle anderen

Götter sollen dem +Râ+ weichen. Er gründet eine neue Residenz in

Mittel-Ägypten (Ruinen von El-Amarna), steht in freundschaftlichen

Beziehungen zu den Königen von +Babel+ und +Assur+. Nach seinem Tode

Wiederherstellung der früheren Götterverehrung, zumal des Amôn von

Theben.

[Um 1300–1270.]

~Seti I.~ und sein Sohn ~Ramsês II.~ (19. Dynastie) kämpfen mit den

+Hethitern+ (Cheta), die in Nordsyrien ein Reich gegründet haben (S.

15). Ramsês siegt in der Schlacht bei +Kadêsch+ am Orontes, deren

epische Beschreibung (der Schreiber Pentaur) in Tempelinschriften

erhalten ist. Blüte des Reichs unter seiner fernerhin friedlichen

Regierung; Residenz zu +Tanis+ im Deltalande, Tempelbauten zu Theben

und Abu-Simbel (in Nubien), Nilkanal bis zum Timsah-See.

[Um 1180.]

~Ramsês III.~ (20. Dynastie) behauptet das Ansehen des Reichs durch

Kämpfe gegen die »Seevölker«, welche in Syrien eindringen, und gegen

die Libyer im Westen.

~Zeit des Verfalles~ unter den folgenden Herrschern, Syrien wird

unabhängig, in Nubien erhebt sich das Reich von +Napăta+. Die

Priesterschaft des Amôn von Theben wird allmächtig, und endlich stößt

der Oberpriester +Hĕrihôr+ den letzten Ramsês (XII.) vom Throne. Gegen

seine Nachfolger erhebt sich eine neue Dynastie (21.) in +Tanis+.

Kriegerisch tritt noch einmal König +Scheschonk I.+ auf (22. Dynastie),

der um 920 für kurze Zeit +Jerusalem+ erobert. Dann Schwäche der

Königsmacht gegenüber den Gaufürsten.

[Um 775.]

+Pianchi+, König von +Napăta+, erobert Ägypten; doch wird es nach

einiger Zeit wieder selbständig. Dauernde Eroberung 728 durch

+Schabăka+, König von Napăta, der die 25. Dynastie begründet. Sein

zweiter Nachfolger +Taharka+ tritt den Assyrern in Syrien entgegen.

[670.]

~Assurachiddin~, König von Assur, erobert Ägypten und ernennt 22

Statthalter, meist ägyptische Gaufürsten; doch hat er, wie auch sein

Nachfolger Assurbanipal, gegen den von Napăta zurückkehrenden +Taharka+

und dessen Nachfolger +Tantamôn+ um den Besitz des Landes zu kämpfen.

Nach des letzteren Tode treten die ägyptischen Statthalter wieder in

ihre Rechte.

[645.]

+Herstellung des Reiches.+ ~Psamêtik~ von Sais, einer der Statthalter,

macht sich mit Hilfe karischer und ionischer Söldner unabhängig

von Assyrien (S. 10), residiert zu +Sais+ im Deltalande (26.

Dynastie), öffnet das Land dem Fremdenverkehr (Syrer, Karer, Ionier).

Unzufriedenheit im Stande der Krieger, ein Teil derselben wandert nach

Nubien aus. Sein Sohn

[610–594.]

~Neko~ (Necho) setzt den Bau des Kanals vom Timsah-See bis zum Roten

Meere fort, ohne ihn zu vollenden, läßt durch phönikische Seeleute

Afrika umfahren, versucht Syrien wiederzuerobern, wird aber 605 von

den Babyloniern unter Nebukadnezar II. bei +Gargămisch+ am Euphrat

zurückgeschlagen. Sein Enkel +Wahabrê+ (bei Herodot Apries) wird

entthront von

[570–526.]

~Ahmôse~ (Amāsis), dessen Regierung die letzte Glanzzeit Ägyptens

ist. Freundschaft mit den Griechen von +Kyrēne+ und mit +Polykrătes

von Samos+; den ionischen Griechen wird die Ansiedlung in +Naukrătis+

gestattet. Tempelbauten in Sais und Memphis. Sein Sohn

[525.]

~Psamêtik III.~ wird in der Schlacht bei ~Pelusium~ von ~Kambyses~

besiegt. ~Ägypten persische Provinz.~

§ 2. Babylonier und Assyrer.

Ebenso alt wie im Niltal ist die Kultur in der fruchtbaren Ebene am

Unterlauf des +Euphrat+ (Purat) und +Tigris+ (Diglat), welche später

nach ihrer Hauptstadt ~Babylonien~ hieß. Träger dieser bis ins fünfte

Jahrtausend vor Chr. nachweisbaren Kultur sind die nichtsemitischen

~Sumerer,~ doch sind zu der Zeit, wo die geschichtlichen Nachrichten

beginnen, schon +semitische Stämme+ eingedrungen, zumal in Nord

Babylonien, und haben sich die vorgefundene Kultur angeeignet.

Die Entwickelung von Gewerbtätigkeit und Handel führt frühzeitig zur

Ausbildung eines genauen Gewichts- und Maßsystems, bei welchem die

Zahl 60 der Einteilung zugrunde liegt (Sexagesimal-System); an die

Beobachtung der Sterne knüpft sich genaue Zeitrechnung, doch auch der

Aberglaube der Sterndeutung (Astrologie).

~Religion~: Von der Verehrung der leuchtenden Himmelskörper ausgehend

bildet sich eine vielgestaltige Götterwelt. Oberster Gott +Ellit,+

später +Bêl+ genannt, Sohn des Himmelsgottes +Anu+; seine Gemahlin

+Belit+. Andere Götter +Samas,+ der Sonnengott, +Sin,+ der Mondgott,

+Rammân,+ der Gott des Gewitters, +Marduk+, der Stadtgott von Babel,

+Nergal, Istar, Nabu+. Hohes Ansehen der Priester, die wie in Ägypten

zugleich Lehrer der Wissenschaft sind.

An der altbabylonischen Kultur nimmt teil das von zagrischen Völkern

bewohnte Land ~Elam~ (Hauptstadt +Susa+ am Choaspes) und allmählich

auch das weiter nördlich am oberen Tigris gelegene Land ~Assur~

(Assyrien). Überall ist die ~Keilschrift~ im Gebrauch, mit Griffeln auf

Tontafeln und Tonzylinder eingeritzt, später in vereinfachter Form von

den Persern angenommen.[4]

[Um ~3000.~]

Stadtkönigtümer im Lande der +Sumerer+ (Südbabylonien), gestützt auf

alte Kultstätten: Ur, Eridu, Larsa, Lagas (Sirpurla), Nipur mit dem auf

Terrassen hochgebauten Tempel des Ellit.

Im Norden Stadtkönigtümer der +Semiten+: Akkad, Sippara, Borsippa,

Babel.

[Um 2800.]

König +Sargon+ von +Akkad+ (Nordbabylonien) gründet ein Reich, das sich

bis nach Syrien erstreckt.

[Um 2600.]

Im Süden erheben sich die Könige von Ur, dann die von Larsa; die

Herrscher dieser Dynastien bezeichnen sich auch als Könige von +Sumer

und Akkad+.

[Um 2300.]

Kudur-Mabuk, König von +Elam+ (Susiana), erobert Ur und Larsa.

[Um 2200.]

~Hammurabi~, König von Babel, befreit den Süden von dem Joch der

Elamiter und zwingt ihn für immer unter die Herrschaft des Nordens;

begründet damit das ~Babylonische Reich~. Die Hauptstadt, ein großes

ummauertes Viereck, vom Euphrat durchströmt; auf der einen Seite des

Flusses die Königsburg, auf der andern ein in 8 Stockwerken sich

erhebender Tempel des Bêl. Sorgfältiger Ackerbau, Anlage von Kanälen.

Eine umfassende +Gesetzgebung+, bekannt geworden durch eine 1901 in

Susa gefundene Inschrift dieses Königs, regelt das bürgerliche Leben:

Landbau, Schiffahrt, Handel, Eherecht, Erbrecht.

[Um 1700.]

Herrschaft der vom Zagrosgebirge her eingedrungenen Kassu (Kossäer)

über Babel;[5] seit etwa 1250 wieder einheimische Könige.

[Um 1500.]

~Reich Assur am oberen Tigris.~ Alte Hauptstadt gleichen Namens;

spätere Residenzen der Könige sind +Ninua+ (Ninive)[6] und +Kalach+.

Ausbildung des Kriegswesens und geordnete Verwaltung; die Jahre werden

nach dem Wechsel der obersten Staatsbeamten (Limu) gezählt.

[Um 1450.]

König +Assurubállit+ von Assur, befreundet mit +Burnaburjasch+ von

Babel, zerstört das Nachbarreich der +Mitani+ am oberen Euphrat. Lange

Zeit bestehen die drei Reiche +Babel+, +Elam+, +Assur+ nebeneinander,

verbunden durch Handelsverkehr, aber auch öfters in Feindschaft.

+Tiglatninib+ von Assur herrscht um 1280 eine Zeitlang auch über Babel,

+Nabukudrossor I.+ (Nebukadnezar I.) von Babel ist um 1130 siegreich

gegen Elam, führt die geraubte Mardukstatue aus Susa zurück.

[Um 1100.]

+Tiglatpilêsar I.+ von Assur schlägt einen Angriff der kleinasiatischen

+Muski+ (S. 15) zurück, dringt erobernd vor nach +Naīri+ (den Gebieten

nördlich vom oberen Tigris) und nach +Nordsyrien+, wo das Reich der

Hethiter (S. 5) sich in kleinere Staaten aufgelöst hat; er erreicht bei

Arwad (Aradus) in Phönizien das Mittelmeer. Die nächstfolgenden Könige

haben diesen Umfang der Herrschaft nicht behauptet; dann aber folgt die

Gründung der ~Assyrischen Großmacht~.

[885–860.]

+Assurnâssirpal+ (III.) erobert die Länder am oberen Euphrat und

Nordsyrien und dringt wieder bis zum Mittelmeer vor. Tyrus und Sidon

zahlen Tribut.

[860–825.]

+Salmanâsar II.+ wiederholt diese Züge, greift zwar +Damaskus+

mehrfach vergeblich an, hält aber Tyros, Sidon und das Reich Israel

(König Jehu) tributpflichtig, ebenso im Osten die indogermanischen

+Madai+ (Meder) (S. 17); in +Babel+ greift er bei einem Thronstreit

mit Heeresmacht ein. Sein zweiter Nachfolger +Râman-nirari III.+ (um

800) erobert auch +Damaskus+ und führt reiche Beute davon. Unter ihm

reicht die assyrische Macht von Medien über ganz Palästina bis nach

Edom. Dann folgt eine Zeit des Niedergangs; +Salmanâsar III.+ (um 780)

kämpft erfolglos gegen das in den nördlichen Bergländern (Armenien)

entstandene Reich +Urarthu.+

[745–727.]

~Tiglatpilêsar III.~ (Pulu), ein Usurpator, stürzt den schwachen König

Assur-nirari und erhebt die assyrische Macht aufs neue. Er bekriegt

das westliche +Medien+, bricht die Macht der +Urarthier+, stellt die

Herrschaft über +Syrien+ wieder her. Die Könige von Damaskus, Israel,

Tyros zahlen ihm Tribut. In +Babel+ bestätigt er zuerst den König

+Nabunâssir+[7] als aber nach dessen Tode Ukînzêr, Fürst der Kaldi

(Chaldäer, im südlichen Babylonien) sich des Thrones bemächtigt,

vertreibt er diesen und macht sich selbst unter dem Namen Pulu zum

König von Babylon, Sumer und Akkad. So wird er der Gründer des

assyrischen Weltreichs, indem er

[~729.~]

~Assur und Babel vereinigt~.

[722–705.]

~Sarrûkîn~ (Sargon), Begründer einer neuen Dynastie, beendet die

von seinem Vorgänger Salmanâsar IV. begonnene Belagerung von

+Samaria+, führt die Einwohner nach Medien, schlägt einen Angriff

des ägyptischen Königs Schabăka (S. 6) bei +Raphia+ (unweit Gaza)

zurück, vernichtet durch Eroberung von +Gargamisch+ (Karchemisch)

den letzten Hethiterstaat in Syrien (S. 8). Dann unterwirft er das

westliche +Medien+, siegt über den König Rusas von +Urarthu+, zwingt

Mita, den König der +Muski+ (Midas von Phrygien, S. 8), zur Huldigung.

Cypern tributpflichtig. Inzwischen hat sich in +Babel+ Mardukbaliddin,

Fürst der Kaldi, von Elam her unterstützt, der Herrschaft bemächtigt;

Sarrûkîn besiegt ihn 710 und stellt die Vereinigung beider Reiche

wieder her. Elam bleibt selbständig. Neue Residenz Dûr-Sarrûkîn

(Chorsâbâd) nördlich von Ninive. Sein Sohn

[705–681.]

~Sinachirib~ (Sanherib) behauptet Syrien gegen die Ägypter, belagert

aber Tyros und Jerusalem vergeblich (König Hiskia), zerstört die Stadt

Babel nach abermaligem Aufstande der Einwohner.

[681–668.]

~Assurachiddin~ (Assarhaddon) stellt Babel wieder her, begünstigt

die Babylonier, unterwirft +Ägypten+ (S. 6, Memphis 670 erobert) und

mehrere +arabische+ Stämme. Sidon erobert und zerstört, wird assyrische

Provinzialstadt. Unter diesem König hat das Reich seine größte

Ausdehnung. Aber schon unter seiner Regierung beginnen nomadische

Indogermanen, die +Skutscha+ und +Gimirai+ (Skythen und Kimmerier), das

Reich vom Norden her zu bedrohen.

[668–626.]

~Assurbanipal~ (Sardanapal) wird durch den Aufstand seines Bruders

+Samassumukîn+, den Assurachiddin zum König von Babel eingesetzt

hatte, genötigt, Ägypten aufzugeben (vgl. S. 6), unterwirft jedoch

+Babel+ wieder und macht dem Reiche ~Elam~ ein Ende durch Eroberung der

Hauptstadt +Susa+. Seine durch Bauten verschönerte Residenzstadt ist

~Ninive~; dort ist in den umfangreichen Ruinen der größte Teil seiner

großartigen Bibliothek aufgefunden worden (Tafeln und Zylinder aus Ton

mit Keilschrift). Nach seinem Tode wird +Babel+ wieder selbständig

und erhebt sich bald zu großer Macht, während das assyrische Reich

durch die verheerenden Kriegszüge der +Skythen+, die bis nach Syrien

vordringen, geschwächt wird.

[~626–539.~]

~Das Neu-Babylonische (chaldäische) Reich.~

[626–605.]

~Nabupalôssor~, ein Chaldäerfürst, König von Babel, erkennt die

assyrische Oberhoheit nicht mehr an, verbündet sich mit dem König der

+Meder+ Kyaxāres (S. 17).

[606.]

~Ende des assyrischen Reiches,~ die vier Residenzstädte, namentlich

+Ninive+, von den Medern unter Kyaxāres zerstört. König +Neko+ von

Ägypten, welcher Syrien zu erobern versucht (609 Schlacht bei Megiddo,

wo König Josia von Juda fällt), wird von +Nabukudrossor+, Nabupalôssors

Sohn, zurückgeschlagen.

[605–561.]

~Nabukudrossor II.~ (Nebukadnezar) läßt die vergrößerte Stadt Babel

(Babylon) mit einer doppelten Mauer umziehen, legt die sogen.

schwebenden Gärten der Semiramis (Terrassen) an, stellt den Tempel

des Bêl und die das Land vor Versumpfung schützenden Kanäle wieder

her (Wasserbecken bei +Sippāra+), sichert das Land im Norden durch

die vom Euphrat bis zum Tigris reichende medische Mauer. Amasis von

Ägypten, der sich mit griechischen Inselmächten verbündet hat, 605 bei

Karchemisch besiegt. Krieg gegen Juda. 586 Jerusalem zerstört, die

Einwohner am Euphrat angesiedelt, 573 Tyros unterworfen.

Nach dem Tode des großen Königs Verfall des Reiches durch Thronstreit.

Kurze Regierungen der drei Nachfolger aus Nebukadnezars Familie; dann

wird die chaldäische Dynastie von den Priestern gestürzt, die einen

Babylonier +Nabunêd+ auf den Thron erheben. Dieser bemüht sich um

Herstellung der Tempel und Einkünfte der Priester, erliegt aber dem

Angriffe der +Perser+.

[539.]

~Babylon von Kyros erobert~; Babylonien wird zunächst ein Kronland der

Perserkönige, dann nach einem Aufstand unter Xerxes persische Provinz.

Der Marduktempel von Xerxes zerstört, bleibt seitdem in Trümmern.

§ 3. Juden (Hebräer, Israeliten).

~Syrien~, von semitischen Völkern bewohnt, hat nach dem Verfalle der

Macht der +Hethiter+ (S. 8) keine zusammenfassende Staatsbildung

aufzuweisen; im 9. Jahrhundert wird es von den +Assyrern+ abhängig.

Doch behalten die Einwohner ihre alte Religion und Sprache; in

Nordsyrien herrscht die +aramäische+ Sprache.

Geschichtlich bedeutsam durch seine +Religion+ ist das im Lande

~Kanaan~ (Palästina) wohnende jüdische Volk, dessen ältere Geschichte

sagenhaft ist. Stammväter: +Abraham+, +Isaak+, +Jakob+; Auswanderung

nach Ägypten, Rückkehr unter +Mose+, Gesetzgebung am +Sinai+. Unter

+Josuas+ Führung werden die Völker Kanaans besiegt; Verteilung des

Landes zu beiden Seiten des +Jordan+ unter die 12 Stämme; der Stamm

Levi zur Priesterschaft bestimmt. Verehrung des einigen unsichtbaren

Gottes +Jahveh+ (Jehovah); sein Heiligtum die tragbare Stiftshütte,

darin die Bundeslade, in welcher die Gesetztafeln aufbewahrt werden.

Das Gesetz Jahvehs beherrscht das ganze bürgerliche Leben. (Theokratie.)

Weitere Kämpfe mit den Völkern Kanaans unter Führung der ~Richter~:

Gideon, Jephtah, Simson, Samuel.

[Um 1000.]

Auf Verlangen des Volkes salbt Samuel den ~Saul~ (aus dem Stamme

Benjamin) zum +König+. Saul, siegreich gegen die Nachbarvölker,

entzweit sich bald mit dem Priestertume. Samuel salbt einen andern

König, +David+, aus dem Stamme Juda. Diesen nötigt Saul zur Flucht,

tötet sich aber selbst nach einem unglücklichen Kampfe gegen die

Philister.

[Um 980.]

~David~ treibt die Feinde zurück, entreißt den Jebusitern +Jerusalem+,

wohin die Bundeslade gebracht wird, und macht diese Stadt zur

Hauptstadt.

[Um 950.]

~Salomo~ baut den Tempel zu Jerusalem; Freundschaft mit dem König

Hirôm I. von Tyros, gemeinsame Seefahrten nach dem Lande +Ophir+

(Ostarabien?); glänzende Regierung. Nach seinem Tode

[Um 925.]

~Teilung~ des Reiches der Juden. Die Stämme Juda und Benjamin halten zu

+Rehabeam,+ dem Sohne Salomos, die andern zehn Stämme unter +Jerobeam+

bilden das Reich +Israel+ (Hauptstadt Sichem, später seit Ahab Samaria).

Im Reiche ~Israel~ gelangt unter König +Ahab+ (um 870) durch den

Einfluß seiner Gemahlin +Isebel+, Tochter +Itobaals I.+ von Tyros,

der phönikische Baal- und Astartedienst zu großer Verbreitung. Kampf

der ~Propheten~ (~Elîa~, +Elisa+ u. a.) gegen das götzendienerische

Königtum. Ahab fällt im Kampf gegen Damaskus. Der Feldhauptmann

+Jehu+, von Elisa gesalbt, tötet Isebel, rottet das Geschlecht Ahabs

aus, macht sich zum König und verbietet den Baaldienst; er wird 842

dem +assyrischen+ Könige Salmanâsar II. tributpflichtig (S. 9).

Dann Bedrängnis durch die Könige von +Damaskus+, glücklichere Zeit

unter +Jerobeam II.+ König +Menachem+ wird 738 wiederum den Assyrern

untertan; König +Hosea+ wird, als er sich der assyrischen Herrschaft zu

entziehen sucht, 724 von Salmanâsar IV. geschlagen und gefangen. Nach 3

jähriger Belagerung wird

[~722.~]

+Samaria+ von +Sarrûkin+ (S. 9) erobert, das ~Reich Israel zerstört;~

über 27000 Einwohner weggeführt und in Assyrien und Medien angesiedelt.

Das Reich ~Juda~ wird noch unter +Rehabeams+ Regierung von den Ägyptern

unter +Scheschonk+ (S. 6) mit Krieg überzogen. König +Josaphat+ (um

870) vermählt, um ein friedliches Verhältnis mit dem Reiche Israel

herzustellen, seinen Sohn mit +Athalja+, der Tochter Ahabs von

Israel und der Isebel. Athalja bemächtigt sich 843 in Jerusalem der

Herrschaft, ermordet, um Davids Stamm auszurotten, ihre eigenen Enkel

(nur +Joas+ wird wunderbar gerettet und im Tempel Jehovahs auferzogen)

und führt in Jerusalem den Baaldienst ein. Sie wird 837 von dem

Hohenpriester +Jojada+ gestürzt und getötet, der junge +Joas+ auf den

Thron gesetzt, der Baaldienst aufgehoben.

König +Hiskia+ (um 700), der Leitung des Propheten ~Jesaja~ folgend,

verbannt aufs neue die Abgötterei, verweigert den Assyrern den Tribut

und verbindet sich mit Ägypten. Die Assyrer unter +Sinachirib+ belagern

vergeblich Jerusalem, führen aber viele Bewohner des offenen Landes in

die Gefangenschaft.

Unter +Josia+ (640–609) verheeren die +Skythen+ (s. S. 10) das Land.

Herstellung des Jehovahdienstes nach Auffindung des Gesetzbuches im

Tempel (621); der Prophet ~Jeremia~. König Josia fällt im Kampfe gegen

den ägyptischen König +Neko+ (s. S. 10) bei +Megiddo+ 609. Das Reich

Juda wird den Ägyptern und nach der Schlacht bei +Gargamisch+ (S. 6)

den Babyloniern Untertan. Ein Versuch des letzten Königs +Zedekia+,

die Unabhängigkeit wieder zu gewinnen, mißlingt trotz ägyptischer Hilfe.

[v. Chr. 586.]

~Nabukudrossor~, König von Babylon, ~zerstört Jerusalem~. Viele Juden

in die +babylonische Gefangenschaft+ geführt.

[539.]

~Kyros~ gestattet den Juden die Rückkehr nach Palästina und die

Wiederherstellung eines Staates Juda. Jerusalem und der Tempel wieder

aufgebaut. Herstellung des mosaischen Gesetzes durch +Esra+ 458,

Mauerbau unter +Nehemia+ 445. An der Spitze des kleinen Staates steht

unter persischer Oberhoheit der +Hohepriester+; Feindschaft gegen

+Samaria+, wo Vermischung mit anderen Völkern eingetreten ist.

§ 4. Phöniker und Karthager.

~Phönikien~, der schmale, hafenreiche Küstenstrich westlich vom Gebirge

Libanon, bewohnt von einem semitischen Volke, welches frühzeitig Städte

gründete: +Arwad+ (Arados), +Gubal+ (Byblos), +Berut+ (Berytos),

+Sidon+, +Zor+ (Tyros). ~Sidon~ seit etwa 1500 v. Chr. die bedeutendste

Stadt.

Die +Religion+ der Phönīker mit der babylonischen verwandt, durch

Ausschweifung und Grausamkeit entstellt. Hauptgötter +Baal+, +Astarte+

und +Moloch+, der Feuergott, welchem Menschenopfer dargebracht wurden.

In Tyros +Melkart+ besonders verehrt, in Gubal der Frühlingsgott

+Adonis+.

Die Phöniker trugen als +Handelsvolk+ die in Ägypten und Babylonien

begründete Kultur nach den Ländern des Westens. Ihre Häfen standen

durch Karawanenstraßen (über Damaskus und Thadmor) mit dem Euphratlande

in Verbindung. Mannigfache +Gewerbtätigkeit+: Weberei, Purpurfärberei,

Glasbereitung, Bergbau, Bearbeitung der Metalle. Ausbildung der

(konsonantischen) Lautschrift, von der die europäischen und neueren

asiatischen »Alphabete« abstammen.

Gründung zahlreicher ~Kolonieen~ auf Cypern, Rhodos, Kreta, Kythera,

auf Inseln des Ägäischen Meeres, auf Sicilien, an der Nordküste von

+Afrika+ (Utica, Leptis), an der Südküste von +Spanien+ (Gades).

Weitere Handelsfahrten teils nach der Westküste Afrikas, teils nach

Britannien und der deutschen Seeküste, wo sie u. a. den Bernstein

fanden.

[Um 1100.]

~Tyros~ gelangt an Stelle von Sidon zum Vorrang unter den phönikischen

Seestädten.

[Um 950.]

Blüte von +Tyros+ unter König ~Hirôm I.~, dem Freunde Salomos (S. 11).

+Neu-Tyros+, auf einer Insel der Altstadt gegenüber gelegen, wird

erweitert, befestigt und durch einen Damm mit dem Festlande verbunden.

Später entstehen innere Zwistigkeiten; ein großer Teil der alten

Geschlechter verläßt unter Führung der Königstochter +Elissa+ die Stadt

Tyros und gründet

[v. Chr. Um 814.]

~Karthāgo~, punisch +Kartchadast+ (d. h. die neue Stadt), an der

Meeresbucht zwischen dem +Schönen+ und dem +Hermäischen+ Vorgebirge,

nicht weit von dem heutigen +Tunis+ (Doppelhafen, Burg +Byrsa+). Die

Gründerin +Elissa+ wird später als Göttin +Dido-Astarte+ (Beschützerin

der Kolonisation) verehrt.

Verfassung Karthagos: Aristokratische Republik, die Herrschaft in der

Hand der reichen Großkaufleute und Gewerbetreibenden, an der Spitze

zwei jährlich erwählte +Suffeten+, d. h. Richter, auch Könige genannt,

ein engerer und ein weiterer Senat; die Bürgerschaft hat das Wahlrecht

und wird bei wichtigen Entscheidungen befragt.

Allmähliches Sinken der Städte des Mutterlandes; sie geraten unter die

Botmäßigkeit der +Assyrer+, dann der +Babylonier+; nur +Tyros+ erhält

sich bis 573 frei. Währenddessen breiten sich die +Griechen+, welche

schon früher (um 1000 v. Chr.) die Phöniker aus dem Ägäischen Meere

verdrängt hatten, an den Küsten und Inseln des westlichen Mittelmeeres

aus und bedrohen die phönikischen Niederlassungen mit Vernichtung.

[Um ~600~.]

Gegenüber dieser Gefahr beginnt ~Karthago~ die Phöniker des Westens

unter seiner Führung zu sammeln und gründet ein ~seemächtiges Reich~

in +Nordafrika+, +Westsicilien+ und +Südspanien+. Grenzkriege mit

den Griechen von +Kyrēne+; die Altäre der Philänen (östlich von

Groß-Leptis) als Grenze festgestellt. Auch +Sardinien+ wird von den

Karthagern besetzt; aus +Korsika+ vertreiben sie, im Bunde mit den

Etruskern, die Griechen von Phokäa (Seeschlacht bei Alalia 540).

[586–573.]

~Tyros~ hält eine dreizehnjährige Einschließung (von der Landseite)

durch +Nabukudrossor+ aus, muß aber zuletzt die Oberherrschaft des

Königs von Babylon anerkennen (S. 10).

[539.]

Nach Zerstörung des Babylonischen Reiches durch +Kyros+ werden die

Phöniker den Persern Untertan, sie stellen fortan den Hauptteil der

+persischen Seemacht+. ~Sidon~ wird nunmehr wieder die erste Stadt

Phönikiens. +Tripolis+ als Bundesstadt gegründet von Arados, Sidon und

Tyros.

[332.]

Nach der Eroberung von Tyros durch +Alexander d. Gr.+ wird Phönikien

und ganz Syrien, bald auch Ägypten und Babylonien ein Teil der großen

~griechisch-makedonischen~ Monarchie.

Fussnoten:

[1] Die Entzifferung der Hieroglyphen gelang zuerst dem französischen

Gelehrten +Champollion+ 1822 mit Hilfe des 1799 von Napoleons I.

Soldaten bei +Rosette+ aufgefundenen Steines, der eine Inschrift aus

der Ptolemäerzeit in ägyptischer und griechischer Sprache enthält.

[2] Einunddreißig +Dynastien+ ägyptischer Könige, mit +Menes+

beginnend, bis auf Alexander d. Gr. verzeichnete um 280 v. Chr. der

Priester +Manĕtho+ zu Heliopolis (On) in einem griechisch geschriebenen

Werke über Ägyptens alte Geschichte.

[3] +Herodot+, welcher um 450 v. Chr. Ägypten bereiste, nennt die

Könige Cheops, Chephren, Mykerinos. Seine Angaben über die ältere

Geschichte Ägyptens sind sagenhaft; wertvoll ist seine Schilderung des

Landes und der Volkssitten.

[4] Die Entzifferung der Keilschrift begann +G. F. Grotefend+ 1802,

indem er in den Inschriften von Persepolis die persischen Königsnamen

erkannte. Weitere Fortschritte namentlich durch +Rawlinson+, welcher

1846 die persische Inschrift von Bagistana (Behistun) (s. S. 20)

herausgab.

[5] Die fünfte Dynastie bei +Berōssos+, der um 280 v. Chr. die Sagen

der babylonischen Urzeit (große Flut) und die Königsreihen in einem

griechisch geschriebenen Geschichtswerk verzeichnete.

[6] Die Ruinen von +Ninive+ bei Môssul (am Tigris) zuerst 1842 von dem

Franzosen Botta, 1845 von dem Engländer Layard erforscht, die Ruinen

von +Babylon+ 1853 von Oppert und Rawlinson. Deutsche Ausgrabungen

1886, dann seit 1901.

[7] Mit Nabunâssirs Regierungsantritt 747 v. Chr. beginnt der in dem

astronomischen Werke des Alexandriners +Ptolemaios+ (um 150 nach Chr.)

erhaltene +astronomische Kanon+, ein Verzeichnis der Herrscher, die

über Babylon regiert haben, bis Antonius Pius, mit genauer Angabe der

Regierungszeiten.

~B. Die asiatischen Arier.~

Ein neues Zeitalter beginnt mit dem Auftreten der ~Arier~

(Indoeuropäer). Zuerst treten die +asiatischen+ Zweige dieser

Völkergruppe hervor in Iran, Kleinasien, Armenien, Indien, dann die

+südeuropäischen+ (Griechen und Italiker), weiterhin die Kelten und

Germanen, zuletzt die Slaven und Letten.

§ 1. Völker Kleinasiens.

Um 1500 v. Chr. erscheinen zuerst die den Phrygern verwandten +Muski+

und Stämme der iranischen +Saken+ (Skythen) in Kleinasien. Sie

verdrängen die +Hethiter+ (S. 5, 8, 9), von deren früherer gewaltiger

Herrschaft sich Denkmäler westlich vom Halys in Syrien, Mesopotamien,

Kilikien, Kappadokien, auch am Sipylos finden. Das ~Phrygische Reich~,

dessen König Mita (Midas) 710 den Assyrern huldigt (S. 9), erliegt bald

darauf dem Ansturm der +Kimmerier+ (S. 10), die ebenso wie die +Saken+

oder +Skythen+ iranische Stämme sind, die nicht seßhaft werden. Als

selbständige seßhafte Stämme erscheinen die Armenier, Kappadokier,

Lykier; an der Westküste bildet sich das ~Lydische Reich~ und gewinnt

dann weitere Ausdehnung.

[Um 670.]

König ~Gyges~, Begründer der +Mermnaden+-Dynastie, huldigt dem

assyrischen Reiche, fällt im Kampf gegen die +Kimmerier+, welche die

Hauptstadt +Sardes+ bis auf die Burg erobern, dann aber zurückweichen.

Seine Nachfolger unterwerfen +Mysien+ und +Phrygien+, bekämpfen die

Griechenstädte. ~Alyattes~, der vierte Mermnade, gerät in Krieg mit

Kyaxâres von Medien.

[~585.~]

Unentschiedene Schlacht am Halys zwischen +Alyattes+ und +Kyaxâres+

(Sonnenfinsternis, vorhergesagt von Thales von Milet). Der +Halys+ wird

als Grenze zwischen dem lydischen und dem medischen Reiche festgesetzt.

Des +Alyattes+ Tochter wird mit +Astyages+, dem Sohne des +Kyaxâres+,

vermählt. +Alyattes+ unterwirft +Bithynien+, +Paphlagonien+, +Karien+,

auch die meisten Griechenstädte, zerstört +Smyrna+. Aufhäufung großer

Schätze in der Königsburg von Sardes.

[~554–541.~]

~Kroisos~, Sohn des Alyattes; er unterwirft nach der Einnahme von

+Ephĕsos+ alle griechischen Küstenstädte, mit Ausnahme von +Milet+, mit

dem er das von Alyattes erzwungene Bundesverhältnis erneuert. Reger

Verkehr mit dem europäischen Griechenland.

Nach der Entthronung seines Schwagers +Astyages+ von Medien durch den

Perser +Kyros+ überzieht +Kroisos+ das persische Reich mit Krieg. Auf

den (zweideutigen) Rat des delphischen Orakels überschreitet er den

+Halys+. Unentschiedene Schlacht bei +Pterĭa+. Kroisos geht unschlüssig

nach Sardes zurück. Kyros folgt ihm, siegt in einer zweiten Schlacht,

erobert Sardes und nimmt Kroisos gefangen.

[Um ~545.~]

~Untergang des lydischen Reichs,~ das mit dem persischen vereinigt wird.

§ 2. Die Inder.

Um 1500 v. Chr. Einwanderung +arischer+ Stämme in das Tiefland des

~Indus~; sie breiten sich allmählich aus über das +Ganges+land, über

die Halbinsel +Dekhan+ und die Insel +Ceylon+ (Singhala), überall

eine dunkelfarbige Urbevölkerung (+Dravidas+) verdrängend. Gründung

zahlreicher Staaten.

Der alt-arische Götterglaube, den die Eroberer mitbrachten, bilderlose

Verehrung der Naturmächte (der Himmelsgott +Diausch-Asura,+ der Gott

des allumfassenden Weltraumes +Váruna,+ der Feuergott +Agni+, der

Gewittergott +Indra+ u. a.), ward unter dem Einfluß der Priester

allmählich zu der mehr monotheistischen ~Brahma~-Religion umgebildet,

die das gesamte Denken und Leben in strenge Satzungen einfügte. Viele

Vorschriften der Reinigung, Lehre von der Seelenwanderung. Das Volk

wird in vier streng geschiedene Stände (Kasten) geteilt: Priester

(+Brahmanen+), Krieger (+Kschatrija+), Ackerbauer und Gewerbetreibende

(+Vaiçja+), die unterworfenen Ureinwohner als Dienende (+Çudra+): am

niedrigsten stehen die als unrein verachteten +Paria+. Die Könige gehen

aus dem Kriegerstande hervor, sie wählen ihre Ratgeber und Beamten aus

den Brahmanen.

Reiche Entwickelung der Literatur; +Sanskrit+ die Schriftsprache, von

der Volkssprache unterschieden. +Vedas+ die heiligen Bücher (Hymnen,

Gebete, Sprüche), Gesetzbuch des +Manu+. Die epischen Dichtungen

+Mahabhârata+ und +Ramâjana+ schildern die Heldentaten der Kriegszeit,

doch hat ihr ursprünglicher Inhalt manche Umbildung in priesterlichem

Sinne erfahren. In Baukunst und Skulptur ist seit dem 6. Jahrhundert

+persischer+ Einfluß erkennbar.

[Um 520.]

~Buddha,~ ein Königssohn (seine Heimat an den Vorhöhen des Himâlaya),

tritt als Reformator auf, verwirft die strengen Satzungen und

Kastenunterschiede, lehrt sittliche Vervollkommnung durch Entsagung

und Mitleid, stellt als Ziel die Ruhe der Seele (Nirwāna) auf. Er wird

später selbst als Gott verehrt, sein Bild in den Tempeln aufgestellt.

[Um 450.]

Das Reich von ~Magādha~ im Gangeslande erhebt sich nach Unterwerfung

mehrerer Nachbarstaaten zu größerer Bedeutung: seine Könige nehmen den

Buddhismus an. Residenz +Pataliputra+ (Patna).

[317–291.]

+Tschandragupta+, ein Flüchtling aus Magadha, vertreibt die Makedonier

aus dem +Indus+lande, macht sich zum König von Magadha und erweitert

das Reich fast über die ganze vorderindische Halbinsel. Sein Enkel

[263–226.]

+Açoka+ durch milde und sorgsame Regierung berühmt. Blütezeit des

Buddhismus; die +Stupa+, Kuppelbauten zum Schutz der Reliquien Buddhas,

+Bhagavāti+ die pyramidenförmig aufsteigenden Tempel (Pagoden). Anlage

von Straßen, Brunnen, Krankenhäusern (auch für Tiere). Inschriften

bezeugen seine Beziehungen zu den Herrschern der Diadochenreiche.

Im Reiche Magadha lebte im 6. Jahrhundert +nach+ Chr. der Dramendichter

Kalidâsa (Sakuntăla). Im 3. Jahrhundert gelangt die +Brahma+lehre

wieder zur Herrschaft; der Buddhismus breitet sich nach Hinterindien,

Tibet, China, Japan aus. Das Eindringen fremder Eroberer beginnt erst

in der Zeit des Islam.

§ 3. Die Iranier.

Auszug aus der Alten, Mittleren und Neueren Geschichte · 第 1 / 49 段