Die ganze Nacht saß er auf seinem Schemel, — stand auch nicht auf, als
der Nachbar, der Trödler, den es befremdete, daß der Laden so lange
offen blieb, an die Fensterscheibe klopfte. —
Er hörte es in der Dunkelheit in den Käfigen flattern und hatte die
Empfindung, als ob kleine weiche Fittiche an sein Herz schlügen und um
Einlaß bäten. —
Als der Morgen graute, öffnete er die Tür, ging ohne Hut bis auf den
öden Marktplatz und sah lange in den erwachenden Himmel. —
Dann kehrte er still zurück in seinen Laden, machte langsam die Käfige
auf — einen nach dem andern — und wenn ein Vogel nicht sogleich
herausflog, holte er ihn mit der Hand aus dem Bauer. — — —
Da flatterten sie in dem alten Gewölbe umher, alle die kleinen
Nachtigallen, Zeisige und Rotkehlchen, bis Jürgen lächelnd die Tür
öffnete und sie ins Freie, in die luftige, göttliche Freiheit ließ — — —
Er sah ihnen nach, bis er sie aus den Augen verlor, und dachte an die
grünen, rauschenden Wälder im goldenen Sonnenglanz. — — —
Den Affen band er los, nahm das Brett von der Decke, daß der große
eiserne Haken frei wurde.
Den Strick, den er daran hängte, wand er zu einer Schlinge und legte
sie sich um den Hals. — Nochmals zog der Satz aus dem Buche des
Studenten durch seinen Sinn, dann stieß er mit dem Stelzfuß den Schemel
unter sich fort, auf dem er stand.