Ein langes grauenhaftes Schreien, ohne Unterbrechung, wie ein einziger
nicht endender Ton, dringt auf den Hof. —
Der Aufseher am Türpfosten fährt zusammen und reißt den Torflügel auf.
— „Alle, marsch hinauf, auf die Zellen!“ schreit er, und die Gefangenen
laufen an ihm vorbei, ohne ihn anzusehen, die steinernen Treppen
hinauf. — Trapp, trapp, trapp — mit plumpen, genagelten Schuhen.
Dann ist es wieder still geworden. — Der Wind fährt in den öden Hofraum
hinunter und reißt eine alte Dachluke ab, die klirrend und splitternd
auf die schmutzige Erde fällt. — — —
Der Verurteilte kann nur den Kopf bewegen. — Er sieht die weiß
getünchten Kerkerwände vor sich. — Undurchdringlich. — Morgen früh um
sieben Uhr werden sie ihn holen. — Noch achtzehn Stunden bis dahin. —
Und sieben Stunden, dann kommt die Nacht. — — — Bald wird Winter sein,
und das Frühjahr kommt und der heiße Sommer. — Dann wird er aufstehen
— früh — schon in der Dämmerung —, und auf die Straße gehen, den alten
Milchkarren ansehen und den Hund davor ... Die Freiheit —! Er kann ja
tun, was er will. —
Da schnürt es ihm wieder die Kehle: — wenn er sich nur bewegen könnte,
— verflucht, verflucht, verflucht — und mit den Fäusten an die Mauern
schlagen. — Hinaus! — — — Alles zerbrechen und in die Riemen beißen.
— Er will jetzt nicht sterben — will nicht — will nicht! — +Damals+
hätten sie ihn hängen dürfen, als er ihn ermordet hat, — den alten
Mann, — der schon mit einem Fuß im Grabe stand. — — — Jetzt hätte er es
doch nicht mehr getan! — — — Der Verteidiger hat das nicht erwähnt. —
Warum hat er es den Geschworenen nicht selbst zugerufen?! — Sie hätten
dann anders geurteilt. — Er muß es jetzt noch dem Präsidenten sagen. —
Der Aufseher soll ihn vorführen. — Jetzt gleich. — — — — Morgen früh
ist’s zu spät, da hat der Präsident die Uniform an, und er kann nicht
so dicht an ihn heran. — Und der Präsident würde ihn nicht anhören.
— Dann ist’s zu spät, man kann die vielen Polizeileute nicht mehr
wegschicken. — Das tut der Präsident nicht. — — —
Der Henker legt ihm die Schlinge über den Kopf, — er hat braune Augen
und sieht ihm immer scharf auf den Mund. — Sie reißen an, alles dreht
sich — halt, halt — er will noch etwas sagen, etwas Wichtiges. — — —
Ob der Aufseher kommen und ihn heute noch losbinden wird von der Bank?
— Er kann doch nicht so liegen bleiben die ganzen achtzehn Stunden. —
Natürlich nicht, der Beichtvater muß doch noch kommen, so hat er es
immer gelesen. Das ist Gesetz. — Er glaubt an nichts, aber nach ihm
verlangen wird er, es ist sein Recht. — Und den Schädel wird er ihm
einschlagen, dem frechen Pfaffen, mit dem steinernen Krug dort. — — —
— Die Zunge ist ihm wie gedörrt. — Trinken will er — er ist durstig. —
Himmel, Herrgott! — Warum geben sie ihm nichts zu trinken! — Er wird
sich beschweren. — Er wird vortreten und sich beschweren, wenn die
Inspektion nächste Woche kommt. — Er wird es ihm schon eintränken, —
dem Aufseher, — dem verfluchten Hund! — Er wird so lange schreien, bis
sie kommen und ihn losbinden, immer lauter und lauter, daß die Wände
einstürzen. — Und dann liegt er unter freiem Himmel, ganz hoch oben,
daß sie ihn nicht finden können, wenn sie um ihn herumgehen und ihn
suchen. — — — — — — — — Er muß irgendwo herabgefallen sein, deucht ihm,
— es hat ihm einen solchen Ruck gegeben durch den Körper. —