Er trat ärgerlich mit dem Fuße auf. »An unserm Hochzeitstage --«

»Sie kommen deinetwegen, Mikelis.«

»Sie können mir nichts beweisen. Laufe ich fort, so bin ich schuldig.«

»Aber du bist frei.«

Er blickte zum Fenster hinaus auf die Straße. Eben kam der Gensdarm

angeritten. »Es ist auch zu spät zur Flucht. Ja -- wenn der Fuchs noch

im Stall stände --!«

Nun trat der Richter ein und sagte: »Michel Endrullis, es tut mir leid,

daß ich das Hochzeitsfest stören muß. Ich will wünschen, daß ich dich

und deine Braut nicht lange aufzuhalten brauche. Das Gericht hat aber

guten Grund, bei dir eine Haussuchung zu halten. Ich frage dich: bist

du in der Nacht, als deine abgeschiedene Frau ermordet wurde, hier im

Dorfe gewesen?«

»Ich weiß nichts davon, daß sie ermordet ist,« antwortete er, finster

zur Erde blickend.

»Antworte geradeaus,« forderte der Richter. »Bist du hier im Dorf

gewesen oder nicht?«

»Ich bin drüben in Rußland gewesen -- mein Pferd ist gefallen -- es ist

durch Zeugen erwiesen.«

»Und hier im Dorfe warst du nicht? Sieh mich an!«

Endrullis bemühte sich, dem Richter fest in die Augen zu sehen. »Wer

sagt, daß ich hier im Dorfe gewesen bin?«

»Das sollst du später erfahren. Ja oder nein?«

»Nein! Ich kann nicht durch die Luft fliegen.«

»Wo sind die Kleider, die du damals getragen hast -- in Rußland

natürlich.«

Endrullis warf den Kopf zurück. »Sie sind doch schon einmal untersucht,

und es hat sich nichts Verdächtiges daran gefunden.«

»Keine Blutspur, das ist richtig. Aber im Protokoll steht geschrieben,

daß an der Jacke zwei Knöpfe fehlten. Die fehlten schon lange, nicht

wahr? So hast du früher behauptet.«

»Was ich gesagt habe, ist wahr.«

»Zeige doch die Jacke noch einmal vor.« Sie wurde herbeigebracht. Der

Richter wickelte aus einem Stück Papier einen Knopf und verglich ihn

mit denen an der Jacke. »Die Knöpfe stimmen genau überein, das wirst du

selbst zugeben müssen.«

»Es tragen viele Littauer solche Knöpfe, Herr.«

»Aber dieser hat offenbar hier gesessen; die Fäden sind scharf

durchschnitten und passen der Zahl nach zusammen.«

Endrullis versuchte zu lachen. »Das kann ja sein, Herr. Wenn ich ihn

verloren habe, kann ihn auch wohl einer gefunden haben.«

»Ganz richtig. Und weißt du auch, wo ihn einer gefunden hat?«

»Was geht mich das an?«

»An der hinteren Ecke des Holzstalls hier auf dem Hofe neben einem

losen Brett der Verkleidung.«

Der Littauer besann sich einen Augenblick. Es kam nun darauf an,

vorsichtige Antworten zu geben. »Warum soll er da nicht gefunden worden

sein, Herr?« fragte er dann zurück. »Seit länger als einem Jahre gehe

ich hier auf dem Grundstück herum und habe die Jacke immer getragen.«

»Aber der Knopf ist dort gerade am Morgen nach jener Nacht gefunden.«

»Das lügt die Gaidullene.«

»Die Gaidullene? Wie weißt du, daß von der die Rede ist.«

»Weil sie mir den Knopf für hundert Taler angeboten hat, Herr. Ich habe

sie ausgelacht und fortgejagt. Dafür rächt sie sich nun durch falsches

Zeugnis.«

Das ließ sich hören. »Gehen wir in den Stall,« sagte der Richter. »Ist

in jener Nacht jemand an der Stelle, wo das Brett losgebrochen sein

soll, eingedrungen, so wird er auch wohl einen Zweck dabei verfolgt

haben. Wo ist der Stall?«

Endrullis zeigte widerwillig den Weg. Ewe, die ihn begleitete, sprach

viel von der Schlechtigkeit und Rachsucht der Altsitzerin, die für ein

Quartier Branntwein falsch schwöre.

Im Stall lag Holz und Torf, an einem Hauklotz eine Axt. In einer Ecke

stand ein Spaten. »Steht der Spaten immer hier?« fragte der Richter.

»Wozu wird er gebraucht?«

»Den Torfgrus einzusacken,« erklärte Ewe, »aber der Stall ist lange

nicht gereinigt.« Endrullis war ganz still geworden.

Der Richter ließ das Holz hinauswerfen. Unter demselben zeigte sich

am Boden eine Stelle, etwa einen Fuß im Geviert, von dunklerer Farbe.

Die schwarze Erde lag hier obenauf nur dünn mit Holzabfällen bestreut.

»Hier wollen wir nachgraben.«

Nach wenigen Minuten stieß der Spaten auf klingendes Metall. Bei diesem

Klange zuckte Endrullis zusammen, und Ewe warf ihm einen ängstlichen

Blick zu. Der Richter bückte sich und hob aus dem Loch ein Beil. Die

schartige Seite war mit einer dunklen Masse überzogen, an welchem lange

Haare hingen. »Nun --? Wem gehört das Beil, Endrullis?«

»Ich weiß es nicht. Es kann da lange gelegen haben. Das Grundstück

gehört mir noch nicht.«

Novellenbuch, 2. Band: Dorfgeschichten · 第 23 / 27 题