Sie schrak zusammen. »Mikelis --! Was willst du hier?«

Er stand auf und trat an sie heran, das Pferd nach sich ziehend.

»Steige du auf,« sagte er, »der Weg bis zum Dorf ist weit.«

»Ich bin nicht müde,« entgegnete sie, »habe drei Wochen lang Zeit

gehabt, auszuruhen.«

Das fühlte er wie einen Stich ins Herz. »Ewe,« sagte er, »Gott weiß,

daß ich dir nicht habe Unrecht tun wollen.« Er ging neben ihr hin und

zog das Pferd am Zügel nach sich.

»Das mag sein,« antwortete sie, »aber es nützt mir nichts: ich habe

doch einmal im Gefängnis gesessen. Und dir hilft's nicht über die

Schande weg, mich da hineingebracht zu haben.«

»Ewe, wenn ich dir sage --«

»Du meinst's ja auch nicht, wie ich's meine. Und wenn du mir nicht

glaubst, ist mir das andere gleichgültig.«

Er legte die Hand auf ihre Hand, die das Bündel trug. »Ewe -- wenn ich

jetzt noch sagen könnte: ich glaube dir! Aber ich weiß nun, daß du

unschuldig bist, und ich weiß auch, wer schuldig ist ...«

Novellenbuch, 2. Band: Dorfgeschichten · 第 21 / 27 题