»Ich weiß davon.«
»Urte, ich bin nicht umsonst über die Grenze geritten -- ich hab' mir
etwas erspart. Und wenn's nicht genug ist -- der Jude braucht mich und
borgt mir mehr.«
»Geh! Ich mag dein Geld nicht. Zu verkaufen bin ich nicht wie du.«
»So mag der Teufel dir's bezahlen!« schrie er wild und warf die Tür
hinter sich zu.
[Illustration]
7.
So war nun das Letzte vergeblich versucht. Hätte er sich nur auf Ewe
fest verlassen können! Die aber schien jetzt, da sie sich in der Not
beweisen sollte, ganz den Mut verloren zu haben. Er ließ sie nicht
aus den Augen, und was er sah, konnte ihm nicht gefallen. Es kam zu
Vorwürfen, zu harten Reden. Und dann gingen sie tagelang stumm und
verschlossen neben einander her. Michel war so verbittert, daß er ihr
schon das Schlimmste zutraute. »Warum weinst du?« fragte er barsch.
»Weil ich traurig bin,« antwortete sie sanft.
»Und warum bist du traurig?«
»Weil es uns so schlecht geht, Mikelis.«
»Es geht uns nicht schlecht. Du hörst nur zu viel auf andere Leute.«
»Sie sprechen ja gar nicht mit mir.«
»Was geht es dich an? Werden sie dich brauchen, werden sie auch wieder
freundlich sein.«
»Die Frommen nicht, Mikelis.«
»Zum Teufel mit den Frommen! Ich glaube nicht daran, daß sie zwei von
einander beten können, wenn die nur selbst festhalten. Aber ich merke
wohl, dir tut's schon leid.«
»Mikelis --!«
»Da es zur Heirat nicht kommen kann, willst du's so lange treiben, bis
ich freiwillig vom Hofe gehe.«
»Es wäre vielleicht besser, du gingst.«
»Und dann käme ein Anderer.«
»Ich denke an keinen Andern, Mikelis. Aber so kann's nicht bleiben.«
Er griff nach seiner Brieftasche und legte sie vor sich hin. »Kann's
nicht? Meinetwegen schon. Der Wirt auf deinem Grundstück kann ich
freilich für jetzt nicht werden. Aber ...« Er klopfte auf seine
Brieftasche.
Sie sah ihn fragend an, indem sie den Kopf in die Hand stützte.
»Mikelis,« sagte sie dann, »es ist besser, wir trennen uns jetzt und
geben den Frommen kein Ärgernis. Sie machen uns Schande in der Kirche.«