der herzlich ergebene
Möller.
24.
Münster, den 11. Februar 1841.
Endlich, gütigste Frau Gräfin, kann ich für Ihr köstliches
Neujahrsgeschenk, Ihre unvergleichliche Zuschrift vom 1. Januar, meinen
Dank bezeigen, einen Dank, der nie inniger ausgesprochen ist. Wie hätte ich
damit bis hieher zögern können, wenn es mir eher möglich gewesen! --
Aber es sind dies die ersten Zeilen meiner Hand seit dem vorigen
Weihnachtsfeste, wo die sibirische Witterung, die erstarrende, ewige
Kälte meine Natur und namentlich die Brust so angegriffen und mit einem
unablässigen Husten, den ich nie gekannt, dergestalt gequält hat, daß mir
alle Lust am Leben entfloh. -- Jetzt ist alles wieder in guter Ordnung; das
schöne Genesungsgefühl durchdringt mich lieblich, und Auge und Herz sind
wieder mit neu erwachten süßen Gefühlen auf die edle Freundin gerichtet.
Wie oft hat in den schlimmen Tagen und schlaflosen Stunden der Inhalt
Ihrer Zeilen mich erquickt -- wie oft habe ich an Ihr schönes Herz mich
geschmiegt! Und wie schmerzhaft war es mir, Ihnen nichts sagen zu können!
-- Sie haben mich mit neuer Kraft gestählt; mein Geist schwingt sich
über die weite Schneewelt empor; ich kann mich wieder des Lebens und der
Freundin freuen! Möchte ich nur aus diesem Schwunge Sie selbst erreichen!
-- Holdes Wiedersehen -- wirst Du mir werden? -- O, ich hoffe! -- ich
glaube. -- Bei Ihrem vor mir liegenden Blättchen wird mir zu Muthe, als ob
ich in Ihr liebes Auge sähe, was ich immer so gern gethan! -- Mit Poesie
und Kunst eröffnet mir Ihre schöne Hand die Pforte der neuen Zeit. Möge
sie für uns heilbringend sein. -- Alle Schritte, Worte, Thaten unseres
trefflichen Königs nehme ich zu Herzen. Wie viel Schönes hat er in kurzer
Zeit vollbracht. O, hätte ich, trotz dem Regen, ihn selbst gehört! --
Es lassen sich Stimmen hören, als halte man den Rosenglanz jener
unvergleichlichen Feier schon für erblichen! Ich meine aber, so kann nur
hypochondrischer Mißmuth reden. -- Daß der König gleich seinen Sitz in
Sanssouci genommen, seine erste Verfügung von dort aus ergehen ließ, war
mir ein sehr angenehmes und willkommenes Zeichen der neuen Zeit. -- Die
hiesigen Katholiken -- namentlich der Adel -- waren nie so preußisch.
Doch werden sie sich ohne Zweifel in der Hoffnung betrügen, daß ihnen der
Erzbischof wiedergegeben wird! Das kann und will ich nicht denken!
Wie oft gedenke ich Immermann's! O, theurer Name, von so Vielen beweint!
-- Wie herrlich, daß der König seiner jungen Wittwe nun die volle Summe von
400 Thalern als Pension bewilligt! --
Ach, so ist nun auch schon die kleine Unterhaltung zu Ende. Ich muß
schließen, womit ich begonnen habe, mit Ergüssen des Dankes, der Freude
und Liebe gegen die edle, die liebenswürdige Freundin -- an die ich so gern
denke, an deren Bilde ich oft mit ganzer Seele hänge, in die ich mich oft
hineinlebe, als wäre ich eins mit ihr. O, daß ich schließen muß, und damit
alles sich wieder in die Ferne zieht! -- Bis zum Wiedersehen der geliebten
Elisa
der ergebenste Freund
Möller.
25.
Münster, den 11. Februar 1842.
Theuerste Frau Gräfin!
Ich bin aus langer Finsterniß an's Licht gekommen, der Erstling meiner
neuen Tage sei der innigste Herzensgruß an Sie, meine holdselige Freundin!
-- Nie kann ein Dank beseelter ausgesprochen sein, als der, den ich hiermit
ausdrücke dafür, daß Sie, sich immer gleich, mir hold und zugethan bleiben,
Sie sind mir dadurch wie ein Stern aus besseren Welten. Sie denken wohl
nicht, wie oft in den nächstvorigen Tagen Sie wie eine holde, unsichtbare
Macht aus weiter Ferne mich getröstet und erhoben haben. Ich habe nämlich
eine lange Zeit durch den barbarischen Winter gelitten, mit Nervenschwäche
und einem grippenartigen Uebel gekämpft. Es kam hinzu, daß auch meine guten
Kinder und Enkel von ähnlichen Uebeln heimgesucht wurden. --
Jetzt bin ich an den hellen Tag gekommen und freue mich unaussprechlich,
Ihnen wieder frisch und fröhlich schreiben zu können. Die hier
eingetretenen frühlingsmäßigen Tage durchströmen mich mit neuer Lebenslust.
O, daß ich heute Sie sähe -- die Freundin auch der Natur -- gewiß röthet
die so schön aufgegangene Morgensonne höher Ihre Wange, und die blauäugigte
Athene blickt lächelnd zu dem ihr befreundeten Himmel! Gewiß ist es so,
denn ich sehe Sie ja! An diese liebliche Vorstellung -- (o, wie sie mich
anzieht!) knüpft sich eine andere, schon ältere, aber immer wiederkehrende,
und immer ungestümer werdende -- Sie nicht mehr nur im Geiste -- sondern
Auge in Auge, Hand in Hand -- mit einem Worte -- von Angesicht zu
Angesicht, leibhaftig zu sehen, und daß ich Sie -- Potsdamerstraße 38
begrüße und besuche! Der Mai müßte dazu gewählt, und von mir ein Urlaub
auf längere Zeit erbeten werden. Himmel, wenn ich dann ganz frank und frei,
gleich den Vögelein über den Wolken mich bewegen, frei athmen, die Welt
wie mein fühlen, und das Leben recht eigentlich genießen kann -- und das in
Ihrer Nähe -- des ewigen Zwanges entledigt!
Wie danke ich dem Himmel, daß die Götterkraft der Freuden, der Liebe, mich
wieder durchdringt. Wie leicht und schön wird da das Leben! --
Die ganze Reise des Königs ist ein Triumphzug der edelsten Art, nicht nach
blutigen Siegen, sondern nach einer unermeßlichen Herzenseroberung. Mehr
ist kein Titus geliebt worden. -- Ohne Zweifel wird in Elberfeld auch
_Friedrich Krummacher_, meiner Schwester Sohn, zur Cour kommen, und es wird
sich nun wohl bald zeigen, ob man ihn nach Berlin will. Er hat mir gar
sehr gerühmt, Ihnen seine Aufwartung gemacht zu haben, wie auch der Frau
Paalzow.
Eben komme ich von Fräulein von _Wrede_; sie wurde beredt, als sie Ihr Lob
aussprach, und kann nicht genug rühmen von Berlin und des schönen Tages, wo
sie mit Ihnen und Wach's zusammengewesen. -- Freundin Engels empfiehlt sich
sehr. Im Ganzen hält sie sich wohl und thätig in Handel und Wandel.
Herr von Vincke ist dem König entgegengereist, seine Familie sehr wohlauf.
So auch die von Pfuel'sche, die uns auch hier sehr werth ist.
Die Berliner Zeitungen lese auch ich sehr fleißig, und grade diese um so
lieber, da ich dadurch an Sie zu denken veranlaßt werde. Ist etwas Hübsches
vorgefallen, so sehe ich Sie dabei gegenwärtig, z. B. bei den Conzerten
des dort so hoch gefeierten Liszt, der übrigens auch bei uns einige große
Concerte gegeben.
Wie viel auch historisch Wichtiges haben Sie mir im jüngsten Briefe
erzählt. Wie soll ich dabei Ihnen genug danken. Sie verstehen sich vor
allem auf die Freuden des Freudemachens.
Buchstaben befriedigen mich so wenig, ich meine immer noch nichts gesagt
zu haben. Bei und mit und in Ihnen sein, ist allein das Rechte. Das Sie mir
nur hold bleiben mögen! Fräulein von Wrede sagte mir heute, Sie seien eine
unvergängliche Schöne! Ich hörte das mit Freude und den besten Wünschen.
Hoffentlich führt mich der Mai zum fröhlichen Anschaun! Ihre lieben, holden
Hände tausendmal küssend, empfiehlt sich Ihnen mit warmem Herzen der innig
ergebene Freund
Möller.
26.
Münster, den 14. April 1843.
Eben, holdselige Freundin, geht die Morgensonne auf und verklärt mein
Gärtchen, aber auch, und mehr noch, meinen Sinn, mein Herz und Gemüth.
Denn ich habe Muth gefaßt, Ihnen zu schreiben. Emil Krummacher, Prediger in
Duisburg, Sohn meiner Schwester in Bremen, Bruder des Fritz Krummacher zu
Elberfeld, der im vorigen Jahr Ihnen einen Besuch zu machen so glücklich
gewesen, zieht in diesen Tagen nach Berlin, den König einer Kirchensache
wegen zu sprechen. Diesem will ich dies Blättchen geben, es Ihnen zu
überbringen. -- Daß ich so lange habe schweigen können, möchte ich die
Götter befragen. Und doch gehören Sie zu einem meiner herrschendsten
Gedanken, und wird dies auch nie bei mir aufhören. Sie sind mir auf dem
Wege meines Lebens eine so theure, unvergeßliche Erscheinung geworden,
daß es keiner Schriftzeichen bedarf; sie reichen nie hin, mein Innerstes
auszudrücken; ein holder Genius aus einer schöneren Welt sind und bleiben
Sie mir. -- O, lassen Sie mir den unentbehrlichen Trost, daß Sie mir
zugethan bleiben! Mehr als ich auszudrücken vermag,