Möller.
27.
Münster, den 28. August 1844.
Unmöglich ist es mir, hochgeliebte Freundin, meinen sehr werthen Freund,
Consistorialassessor Daub, (Prediger an der hiesigen evangelischen Kirche)
nach Berlin zum dortigen Gustav-Adolphverein abreisen zu lassen, ohne ihm
ein Wörtchen an Sie mitzugeben, ohne ihn zu bitten, den Muth zu fassen, zu
Ihnen zu eilen, daß er meinen Liebes- und Friedensgruß Ihnen bringe, und
mir dafür einen Abglanz Ihres holden lieben Wesens zurückgebe. Wie mit
erneuerter Liebe werde ich seiner mich freuen, wenn er von _Ihnen_ zu
mir gekommen ist. Ich glaube an eine Welt, wo Alles vergolten, an ein
Unvergängliches -- schon darum, weil meine Liebe, mein Vertrauen, meine
Sehnsucht -- nach Ihnen, Ihrem Herzen und Wesen schlechthin unveränderlich
und unvergänglich ist. Sobald Ihr liebes Bild in mir lebendig wird,
ergreift mich ein wundersam schönes Gefühl, dem ich keine Abnahme, kein
Ende wünschen möchte. -- Sie lächeln wohl eines solchen Bekenntnisses? Wie
sollte ich es aber verhehlen! Es ist mir ein gar zu süßes Bedürfniß, es
auszusprechen.
Eine völlige Unmöglichkeit wäre es jetzt für mich, mit Herrn Daub mich
aufzumachen, bei der Eile, womit gereist werden muß -- bei hiesiger
äußerster Geschäftigkeit, und bei der Sündfluth des Regens, obwohl ich
mir es für Augenblicke romantisch denke, Ihnen zur Seite, auch über den
Weltocean in einer Noah'schen Arche zu segeln. --
Meine einzige, herzlichtreue Schwester, Eleonore Krummacher zu Bremen habe
ich durch den Tod verloren, was eine Wehmuth über mein ganzes noch übriges
Leben bringt. Es ist dadurch auch die ohnehin geschwächte Gesundheit meines
Schwagers so stark angegriffen, daß er es schwerlich überwinden wird. Mit
diesem Schwager, dem Dichter und Schriftsteller, habe ich das Schönste auf
Erden genossen -- vollkommene Freundschaft! Diesen Engel des Lebens habe
ich in allen seinen Seligkeiten kennen gelernt, so daß ich schon deßhalb
sagen darf: Ich habe nicht umsonst gelebt!
»Das arme Herz hienieden --
Von manchem Sturm bewegt!
Wann findet es den Frieden? --
Wenn es sich nicht mehr regt.«
Meine alte Freundin Engels hält sich zum Bewundern froh und gesund. Immer
dieselbe! gekräftigt und glücklich im Handel für Bedürftige. -- Von
Pfuel's sind noch nicht aus Ostende zurück; sie sind mir sehr lieb. -- Die
Milanollo's haben Sie auch gehört? Nichts Schöneres in dieser Art hab' ich
vernommen.
Aber wohin habe ich mich verirrt -- so zu schwatzen! Doch werden Sie es
gütig beurtheilen. Mit Geliebten plaudert sich's so gern! --
Ach, daß ich schließen muß. Es war mir, als ob ich bei Ihnen wäre! Selige
Zeit, wo es sich einst wirklich so verhielt! -- Lassen Sie mir den
Trost, daß Sie noch mein gedenken -- mir noch zugethan sind -- mich nicht
vergessen! Ich habe Sie gar zu lieb! Christiane Engels empfiehlt sich
bestens. Ein freundlicher Himmel umschwebe Sie stets! Immer und immer, o,
liebe holde Elisa! --