Möller.
17.
Münster, den 26. August 1838.
Wie sehr, meine Theure, hat mich Ihre gütige Nachricht erfreut, daß endlich
einmal Ihre holde Erscheinung mir _hier_ werden soll. Kaum kann ich diese
Freude aussprechen.
Könnten Sie sich entschließen, hier eine Weile zu sein und sogleich an
meiner Wohnung, Böselagerhof auf der Hollenbeckerstraße abzusteigen und
das Logis zu nehmen! Ich bin zwar ganz allein, aber desto romantischer für
mich! Meine Hausgenossin ist nach Elberfeld.
Könnte ich doch durch Eine Zeile von Ihnen erfahren, an welchem Tage Sie
hier eintreffen. Ich würde dann auf dem Posthofe um acht Uhr sein und
in der Passagierstube Sie begrüßen, und zur Erquickung etwas darbieten.
Erhalte ich die Zeilen nicht, so wird doch vom 2. September an,
jeden Morgen ein Wesen auf dem Posthofe sein, das bei der Ankunft des
Düsseldorfer Wagens nach Ihnen fragt. -- Wäre ich ein freier Mann, statt
ein gebundener zu sein, ich führe mit Ihnen bis -- Hamburg -- Holstein! --
Mein Herz will schon jubeln, es wird aber geschwind in das Schnürleib der
eisernen Nothwendigkeit eingeklemmt.
Und wenn denn auch nur ein Blick von Ihnen jetzt mir werden soll, so muß
ich doch dringend bitten, hoffen, flehen, beschwören, daß Sie auf der
Rückreise meine unvergleichlichen Gärten sehen wollen. Mein Haus ist reich
an Zimmern, ganze Familien sind oft bei mir -- dabei reich an gutem Willen
-- an Liebe! Ich meine letztere besonders jetzt ganz eigen zu fühlen. Es
ist mir innig wohl zu Muthe.
Ich muß abbrechen, da ich zu Vinckens zum Mittag gebeten bin. Prinz Wilhelm
wird zum zweitenmale erwartet.
Tausendmal grüßt Sie mein Herz! Wie viel öfter noch ruft es: Willkommen! --
Wie sind Sie jetzt schon in meiner warmen Phantasie so nahe