Der Ihrige

Möller.

11.

Münster, den 9. Oktober 1835.

Ich komme zur Vielgeliebten mit dem Wunsche, daß die Biographie eines

Lieblings der deutschen Frauen, Jean Paul's, eine gütige Aufnahme finde.

Wie erinnere ich mich in diesem Augenblicke so lebhaft der schönen Stunden,

in welchen sein »Komet« in einem Kreise, der Sie so gern umschlang, gelesen

wurde! Höchst wahrscheinlich kennen Sie schon beiliegendes Werk, (ich sah

es jüngst im Buchladen und sogleich stieg mir Ihr liebes Bild vor meiner

Seele auf,) und haben es wohl schon genossen. Aber wenn Sie dann auch nur

beim Anblick desselben meiner gedenken, so habe ich sehr viel erreicht.

Denn in Ihrem Herzen zu leben -- welch eine süße Vorstellung! -- Wie

willkommen sind mir Ihre jüngsten Grüße gewesen, als holde Laute aus der

Ferne, und liebe Zeugen Ihres Andenkens! -- Wie lange schon harre ich der

Stunde, Sie endlich einmal wiederzusehen! Wie ungeduldig wird oft mein

Sehnen! -- Gegen Ende der künftigen Woche habe ich eine Reise in die

Grafschaft Mark zu machen, zu einem großen Predigerconvent, der leicht zehn

Tage währen kann. Da trage ich mich nun mit dem heimlichen, tiefen Wunsche,

von dort aus einen Ausflug nach dem Rhein, und so auch nach Ihnen zu

machen! O, daß der Himmel mich so lieb hätte, mir ihn zu erfüllen! -- Ohne

dies in den langen öden Winter hinabzusteigen, würde mir schwer fallen;

im entgegengesetzten Falle aber mancher trübe Nebeltag mir heller werden.

Warum müssen doch unsre liebsten Wünsche so schwer ihre Erfüllung finden?

Warum müssen sie wie Rosen unter Dornen sein? Warum _die_ in der Ferne, mit

denen man sich immer gern möglichst nahe sähe? -- Wenn ich Ihnen doch die

schönsten Stellen in Jean Paul's Leben, in Ihr Auge blickend, Ihre liebe

Hand fassend, vorlesen könnte; ganz allein, daß nichts von außen uns

störte; oder mehr noch, das dort so anziehend beschriebene Fichtelgebirge

durchwandern könnte mit Ihnen! --

Ich habe eine kleine Pause gemacht und mich losgerissen von solchen

aufregenden Bildern. Ich muß Ihnen nur eben noch sagen, daß meine liebe

Tochter bei mir ist, frisch und roth, und mich bittet sie in Ihr theures

Andenken zu bringen. Sie erwähnte eben noch Ihres einstigen Besuches in

Lienen mit großem Danke. _Gessert_ kommt auch; er ist sehr wohl, und ist

eben von Berlin mit seinem älteren Töchterchen wieder eingetroffen. Manches

andere, Sie vielleicht Interessirende, würde ich mündlich besser mittheilen

können, und will ich dies inbrünstig zu hoffen fortfahren. Auch die Engels

grüßt mit Ergebenheit.

Gräfin Elisa von Ahlefeldt, die Gattin Adolphs von Lützow, die Freundin Karl Immermann's · 第 30 / 49 题