Möller.
10.
Münster, den 17. Februar 1835.
Kaum weiß ich ein Jahr wie das vorige erlebt zu haben, wo ich so viele mir
werthe und befreundete Menschen durch den Tod verloren. Mit welcher Wehmuth
erfüllt es mich auch eben jetzt wieder, daß hierzu auch der Name von
_Lützow_ zu zählen ist. Ein beweinenswerthes Geschick, das mich so innig
auch und anhaltend an Sie, die edle, gefühlvolle Freundin, denken ließ.
Auch hier ist Klage erschollen, und es zeigt sich überall Theilnahme.
Edelmüthig hat sich hier auch Berlin und der Hof gezeigt; und dies auch
neulich noch bei dem Erinnerungsfeste an den Königlichen Aufruf im Februar
1813 von Breslau aus, den ich damals aus erster Hand in Breslau selbst
mitvernahm. Die Freiwilligen in Berlin haben bei jenem Feste in herrlicher
Weise unseres Lützow gedacht! Gewiß haben Sie die Zeitungsberichte hierüber
gelesen. -- Wie oft habe ich in der nächstverflossenen Zeit mir die Worte
Klopstock's gesagt:
»Ihr Edleren, ach! es bewächst
Eure Male schon ernstes Moos;
O wie glücklich war ich, als ich mit Euch noch
Sahe sich röthen den Tag, schimmern die Nacht!«
Der Frühling kommt und giebt der Welt und dem Leben wieder neuen Reiz. Ich
freue mich der Hoffnung, Sie grade dann zu sehn -- liebe, holde Freundin!
Mein Herz schlägt Ihnen entgegen! Leben Sie wohl! Ich grüße Immermann.