Immermann.
Briefe von Möller an Elisa.
1.
Münster, den 25. Dezember 1830.
Daß der wackere Lord Byron, meine Verehrteste, mir Veranlassung giebt,
Ihnen zu schreiben, soll ihm noch in seiner Familiengruft zu Nottingham
gedankt werden. Nehmen Sie gütigst sein Bild und seine Gedichte als ein
Scherflein zum Andenken -- an mich! Das ist wohl kühn gesagt! Aber Liebe
und Vertrauen wagen etwas. -- Seitdem Freundin _Engels_ bei mir ist,
theilen wir sehr oft das Verlangen, Ihnen näher, ja ganz und gar mit Ihnen
zu sein. Die schönen, unvergeßlichen Tage und Stunden, die einst durch Sie
mir hier wurden, ließen sich dann erneuern, und die verbesserte Auflage
meines häuslichen Lebens könnte so etwas dazu mitwirken. Unter den vielen
Revolutionen unserer Zeit ist die, welche Christiane mit mir, ihrem
Häuptlinge, und dem ganzen Gebiete meiner Herrschaft unternommen hat, so
weit ich vergleichen kann, noch immer die beste, und würden die andern
wohlthun, ihr Muster nach dieser zu nehmen. Die Veränderungen sind nicht
nur unblutig, sondern sogar unmerklich, und auch diejenigen, welche dem
auf Gewohnheit haltenden Häuptlinge unbequem sind, weiß die
Constitutionskünstlerin so fein anzurichten, daß sie am Ende ihm glatt
eingehn. Ja, ich muß ihr die Gerechtigkeit widerfahren lassen, -- sie
bereitet mir ein tägliches Wohlleben; ich nenne sie aus Dankbarkeit
mitunter Melitta (die Honigträgerin.)
Ich bitte mich einmal über das andere zu empfehlen dem seltenen Humoristen
und trauten Freunde _Immermann_. -- Ungern trenne ich mich von der Rede mit
Ihnen. Sie wollen mich weiterhin wieder anknüpfen lassen. Glauben Sie daß
mein Geist Sie oft umschwebt, und daß zu meinen liebsten und schönsten
Wünschen gehört, daß Sie zugethan bleiben