Wer das jüdische Weib kennt von der Wollust bis in den Todesschrei, hat
keine Notwendigkeit, den Geist der Rasse lange zu studieren.
Das klingt im Überlegungsweg wie eine Roheit. Aber es ist eine mächtige
Lobpreisung. Es gibt im Schreibtum wie bei den Frauen die zwei Linien, von
denen eine das Ghetto durchgemacht hat, von denen die andere stolz und
aristokratisch aus Spanien über Saloniki oder Amsterdam ins zentrale Europa
kam. Einmal gab es eine national-übernationale Poesie unermeßlichen
Flügelschwungs, die Bibel, die Psalmen, das hohe Lied. Im Ghetto ging diese
Unmittelbarkeit verloren, da schliffen in den Judengassen die Städte,
Feudalen und Bourgois den Asiaten so die Leber, daß ihnen nichts andres
übrig blieb als Verteidigungs-Parade wie eine dolchscharfe Kultivierung des
Hirns. An dieser Übung zehrt, krankt und jubelt die ganze jüdische
Dichtung, die, ob sie deutsch, polnisch, russisch sich coiffiert, im
Boulevardrock, in Talmudlocken doch immer international und asiatisch ist.
Das ist wie ihre Diaspora wohl auch ihre Mission, so sehr Erwerbs- und
Konjunkturbeflissene, sowie einige in den Stand der Bourgeois Übergegangene
im Krieg sich germanisch maskierten, keltisch fluchten oder jingoisch die
Zähne bleckten. Das ist Rampenkomödie. Im Blut rollt unerbittlich, golden
und von den Jahrtausenden gefeiert der Rhythmus des Roten Meeres und des
Jordans und der Tempel Jerusalems.
Gott warf das Volk hinaus, damit es den groben Teig der stumpfen und
westlichen Völker durchsäure, es aufpeitsche, vermittle, Märtyrer sei für
die großen Ideen und die neuen Gewitter der geistigen und künstlerischen
Spannungen, aber er gab ihnen auch die wundervollste Tragik: nie vergessen
zu können, daß sie aus schöner Heimat zum schweren Dienst nur ausgesandt
seien, in Wahrheit aber die Sehnsucht nach der Rückkehr und der eigenen
Bestimmung nie verlören und einmal wohl bestätigt sehen würden. Die großen
Rabbiner des Ostens fanden, als sie gegen die rabbinitische Dogmatik
kämpften, in die Schlichtheit des Herzens zurückkehrend, wieder Klänge von
der Reinheit der davidischen Sänge. Baalschem hat eine in wundervollen
quellklaren Ekstasen Gott erreichende Stimme. Als Werfel zu singen begann,
war man erstaunt, in ihm die Ansätze manchmal einer Hymnik zu finden, die
unbeschwert und hell war. Doch sie dauerte nicht lange. Der größte Rufer zu
dem Goldton hin ist heut Martin Buber, der die junge jüdische Generation zu
einer Selbstbesinnung überzeugt. Ihm ist Palästina nicht so wichtig wie das
Bewußtsein der palästinensischen Idee. Schüler von ihm haben sich an
Hölderlin verschenkt, aber sie ertrinken in ihm. Das alles sind Kämpfe
gegen ein tragisches Schicksal. Nur die Lasker-Schüler, auf Mondsicheln
fahrend, ist frei. Sie ist die bedeutendste Dichterin des jüdischen Volkes
seit Jahrhunderten. Weib und Geist der Rasse sammeln sich unmittelbar in
ihr, fast über der Erde. Asien ist mächtig aufgewacht. Sie steht dicht
neben dem hohen Lied, keine irdische Passion, die sie hemmt. Wahrscheinlich
ist sie durch einen Irrtum einige tausend Jahre zu spät in die
Körperlichkeit geraten. Sie hat das Blutfunkeln, was auch Planetengeleucht
sein kann, und der Geruch ihrer Gedichte und ihrer Prosa ist von den
dumpfen und schönen Uranfängen der Menschheit. Sie trägt frei und königlich
das, worum die anderen unten sehr verzweifelt streiten. Manchmal scheint
es, sie lächle über diese Bemühung.
Das andere ist verhirnt. Doch darf man diesen Zustand nicht mit
Europäischem verwechseln, wo es vertrocknet, unschöpferisch, pedantisch,
lehrhaft klingt und den Kunstfunken schon bei der Geburt kastriert. Bei den
Juden ist das Hirn in die geistigen Zeugungsorgane gerutscht. Vielleicht
auch stieg das Sperma in das Hirn, es ist anatomisch nicht zu erklären.
Jedenfalls ergab sich aus der Ghettozeit her eine Vereinigung. Das rein
Gescheite kann nunmehr so sehr beflügelt werden, daß es Wolkenhöhe nehmen
und Blumenduft erreichen kann. Manchmal reitet das Hirn zärtliche Menuetts,
oft ist es auch in galanten Situationen. Es hat seine straffe Begrenzung
ausgezeichnet erweitert. Was an Vorrat bei einem von uns Goijims nur ein
mittelmäßiger Aufsatz oder eine Überzeugungstafel würde, kann sich zu
dichterischer Glosse und gut geformter Novelle hier steigern. Sie haben
eben Handikap, und als wir mit Macht und Gewalt jahrhundertelang sie
striezten und dumm und breit verlachten, wuchs ihr Hirn und ihr Instinkt
ein paar Jahrhunderte und viele Kilometer uns voraus. Stets hat der Geist
sich gegen die Brutalität gewehrt und gerächt mit Sieg. Schreit
alldeutscher Pressepöbel heut hepp hepp gegen jüdische Entrepreneure,
vermöchte ihr teutonischer Gott, selbst mit Stierhelm und Wolfsgurt
herabsteigend, sie leider nicht davon zu überzeugen, daß, wer dem
verkannten Künstler, dem genialen Projekt, dem extravaganten
Gedankenjongleur zäh, mit unbedingtem Glauben und materiellem Einsatz
jahrelang die Treue hielt, auch später Lohn dafür ernten dürfe. Es gibt für
alles Neue die ersten Jahre ja nur jüdisches Publikum. Sie opfern sich
schon für den von ihnen sofort erkannten Gehalt, während die protzigen
Kimbern sich noch vor Lachen über die Verrücktheit ihre fetten Wänste
schlagen. Auch ich bin, als ich zum erstenmal bei anderen die Sachlage
erkannte, von Wodan zu Jehova übergegangen. In gewissen Fällen, mit einigen
Vorbehalten, aber mit der besten Überzeugung.
Als unter dem großen Päderasten und Savoyer Eugen man mit Kreuzfahnen noch
gegen Belgrad und weiße Halbmonde zog, starrte Wien als Bollwerk des
Abendlandes gegen den züngelnden Orient. Heut haben Asiaten die Kanonen
herumgeworfen, und die Praterstadt ist die Schleuse, aus der Asien
unabänderlich in uns sich ergießt. In diesem Boden, wo es quirlt von
Zukunft und Rasse, und wo slavisch-südlicher Kulturboden ganz nah ist, hat
das Jüdische sich glänzend entfaltet. (In Norddeutschland hat nur Kerr
einen freien Blutstil des Essaiistischen gefunden und Hillers
Intellektualismus zieht einen rassig hirn-expressionistischen Stil herauf
(den er aber nicht haben will). Arnold Zweig, Heymann, auch Sternheim und
tausend andere haben das rein jüdische Bewußtsein nicht so bewahrt oder es
bürgerlich, politisch oder literarisch gemischt.) Der bedeutendste Sänger
seines Leids an der Überbewußtheit ist dort Ehrenstein. Manchmal reißt er
sich zu Gesängen auf, die fast klassisch in ihrer schmerzlichen Kühle
werden. Seine Verzweiflung wird oft kosmisch, eine teuflische Hilaritas,
ein Veitstanz aus dem wienerischen Geklügel ins Transzendente, Gelächter
mit Geheul drin. Kinder, es weint sich ein Beschnittener ins Himmelreich.
Die Welt ist über ihm als eine Wand, darum sucht er sie einzuschlagen, zu
anarchisieren. Keine großen Worte schüttet er auf seine Pistole. Er geht
spazieren an Wirtshausschildern, da weiß er alles, was ihn quält. Er sieht
da Arme, Reiche, an allem fühlt er begeistert, was ihn reißt. Er zäumt das
Zerebrale bis in die barocke Phantasie hinauf, aber auch in den
exotischsten Reichen, in spinneten Zuständen reißt er nur die Ironie bitter
in sie hinein. Sein Kampf ist karnevalisch-grotesk und erhaben im Pathos
wie ein Stück alten Stils. Wenn auch die Erkenntnis des Intellekts ihn
immer wieder befreit, läßt sie den Juden immer weiter schinden in der
Entsetzlichkeit der Realität. Es gab einmal eine »analytische Malergruppe«,
die nur grau malten. Ähnlich schon, wie er schreibt, aber er hat Geniales,
während die anderen spekulative Lapins waren. Das ist der Unterschied. Aber
in diesem kleinen Zerschlagenen und Aufgebäumten hat die jüdische
Intellektdichtung ihre heroisch-depressive Höhen Ein Zwerg hadert mit
sophokleischen Worten vom Sinai gegen Gott, aber dieser schaut nicht nach
dem Buckligen. Drumherum stehen Weltwendegewitter.
Ehrenstein kam aus Wien, wo die Psychologen im Zerspalten immer groß waren.
Auf tschechischem Kampfboden schlug die Einstellung etwas verändert aus.
Übrigens ist auch von da Galizien nicht mehr weit, wo die Hemmungslosigkeit
wohnen soll, und es gab und gibt viele, die Not und Eigenart der jüdischen
Seele aufzeichnen, ihre Landschaftslosigkeit, ihre Heimatlichkeit in
Jordanideen, ihre Efeuzähe, das Angeschmiegte an jede Staude, und doch im
Herz der unsplitterbare Glaube an die eigene Berufenheit. Scholem Alechem
und noch dichterischer Micha bin Gorion. Aber sie sind Schauende, Gebende,
Willige. Mehr zeigen die Gepreßten, die von der Tragik selbst Gehobenen,
die Exponenten des Zustandes. Die Prager gaben es bald auf, zu zerfasern
und Betrachtungen durch Zerlegung ihres inneren Wesens vorzunehmen. Sie
waren gläubig und hatten gleich ihr Ziel hoch im Ethischen aufgepflanzt und
machten sich entschieden gegen höchste Klarheiten hin auf. Das besserte ihr
Niveau ganz erstaunlich, und man dachte gar nicht so sehr an ihre
Machtfülle, sondern an ihre Absicht und über die Klugheit, die fast glatt
und sicher so sehr wußte, was not tat und was sie wollte.
Die Vordergrunderscheinung ist Max Brod und der medizinisch einwandfreieste
Fall. Wären Unruh oder Frank so gescheit, es zerschnitte ihnen mit vielen
Messern jeden Arbeitsblock. Bei Brod schleift es und treibt es voran. Je
unheimlicher das Kluge Gott zu suchen scheint, um so näher kommt es ihm
scheinbar, ja es findet bei »Tycho de Brahe« sogar einen philosophischen
Kunstgriff, ihn zu erreichen. Baalschem sandte wie einen Atemkringel den
Kreis der Gläubigkeit aufwärts, und bald stand der um den Jehova gespannt.
Brod erreicht ihn im Tennisduble. Es wird ein Kombinationsspiel.
Netzspieler und Driveschläger ergänzen sich zum dreifach eingesackten Satz.
Der bewußte Schaffer und der plötzlich eintretend Berufene erspielen die
Lösung, den HERRN zu erreichen. In Haag nennt man das »Swanze«. In
Marseille sagt man im Theater: »Une blague«. Am Hafen: »Un canard«.
Daß das mit Anstand, immer dichterisch, oft sehr langweilig, aber im Grunde
mit der letzten hingebenden Haltung, die das Talent ausgibt, gemacht ist,
darüber diskutiert man nicht. Aber diese Feststellung ist ungenügend. Es
kommt auf die Ausgiebigkeit an. Auf die Trommel der Brust, die Penetranz
des Tons. Man kann es nicht ganz als offene Karte hinnehmen, wenn zufällig,
weil es fast gleich aussieht, Gehirnwürze statt Unmittelbarkeit und
vornehmste Klugheit als Geist auftreten. Man wird sie entwirren.
Man schießt Brod wie Hirsche beim Wechseln ab.
Nach _einer_ Wiese geht seine Sehnsucht besonders absonderlich, aber es ist
sehr schwer für ihn hineinzukommen. Das ist das Übersinnliche. Er rennt,
wenn er sich unbeobachtet glaubt, immer davor auf und ab, und sieht man ihn
aus der Ferne, schaut es aus, obwohl gar nichts Hemmendes da ist, er renne
wie ein Zimmerfalter gegen Glas. Es gibt da etwas, was ihn hemmt, was er
nicht sieht. Aber da die Bewußtheit bis in die höchste Kultur bei ihm
verfeinert ist, weiß er es wohl, was hemmt, und es bedrückt ihn.
Durch nahe Schleier sieht er die wundervolle Weite der jüdischen Mystik,
die oft donnernder ist von Gottes Nahen als die katholische, und er möchte
gern in ihr sein wie die Rabbiner, die Propheten, möchte auch das Gras
essen des Rabbi Nachmann, und des Sirach. Aber ach, der Eingang ist ihm
unsichtbar versperrt. Nun hat er aber den heilgen Berg in manchem Traum auf
raffiniertesten Zirkeln seiner Seelenwege erschlichen, darum probiert er
jede Finte, mit dem Geweih, mit den Tönen, duckt sich, macht sich
unsichtbar, umschmückt sich mit Laub, daß er Bäumen gleiche.
Ehern ist ihm der Eingang gesperrt.
Einmal scheint es, er habe es erreicht. Doch ist es eine Spiegelung
gewesen. Je schwerer es wird, um so zäher wird er es versuchen. Es wird
noch lange so gehn.
Aber es gibt keinen Weg ins Übersinnliche, weil es im Herzen selbst ist.
Und wo die Einfachheit der Blutkanäle fehlt, kommt keine überlegene
Geistigkeit hinein. Sein Schleichen um die paradiesische Wiese ist ein
Zirkulieren um sich selbst. Er hat gezeigt, daß man Gott erleben kann auch
aus dem Hirn. Er hat es gewiesen auf die edelste Weise. Auch Karl May würde
auf seine Art es nicht unversucht lassen, dies Gleiche uns ebenfalls zu
klären. Schon in dem Augenblick, wo nur der Gedanke auftaucht, er wolle ins
Unsinnliche, liegt schon eine Welt zwischen ihm und dem Ziel. Wo er
versucht, das Mystische zu beschwören, indem er auf die Wiese wechselt,
springt ihm das eigene Hirn ins Gesicht und macht ihn blind.
Ich habe bei Hagenbeck in »Beasts and Men« ersehen, daß er glaube, in den
Sümpfen Afrikas würden ohne Zweifel noch Dinosauren leben. Kürzlich las ich
in der »Times«, bei Port Elizabeth im Kongo hätte Herr Levage ein Vieh
angeschossen, das einen Rüssel und zwei Nashörner hatte, vorne die Beine
des Gauls, hinten zwiegespaltene Hufe und zwischen den Schultern schalige
Wülste. Es werden dies, wie ich, auf dem Lande, in York, Chester, Norfolk,
im Lincoln Wold, in Kingston, in Hornby, Australien, Neuzeeland, im
schottischen Wigtown, in Haidarabad, im kanadischen Athabaska, am
Missinaibi-River, im Betschuanaland, in Somerset, in Kent, viele einfache
Menschen, Bauern, Neger, Kinder, lesen und glauben. Sie werden Gott näher
sein wie Max Brod, indem er ihn am heftigsten beschwört. Ich zweifle nicht,
eine solche Sache würde den Prager sehr reizen, aber er in phantastischem
Intellekt oder in logischer Ausschweifung daran verderben. Ich glaube, er
würde das Tier theleologisch erklären und auch der Tatsache des Wunders
einen tieferen Sinn und eine humane Notwendigkeit verleihen. Das gute Tier
bei Port Elizabeth aber frißt und liegt in der Sonne afrikanischer Wollust,
leckt sich den Bauch und verdaut. Ich muß dies bei aller Liebe und
Bewunderung zu so feiner Züchtung des Hirns hinzufügen.
Aber der Zeitgeist liebt Räderschlagen. Der Nichtjude Meyrink geht auf der
Wiese spazieren. Er ist tatsächlich darauf anwesend und geht mit
Selbstverständlichkeit in den jüdisch-mythologischen Bezirken sogar. Ihm
ist dagegen sehr unwohl draußen im Lebenskalkül. Als der Krieg ausbrach,
beschloß er sogar, als er mit dem Marktnetz, um Gemüse zu kaufen, nach
München hineinfuhr, in eine Bank einzutreten. Doch halfen ihm die plötzlich
einsetzenden Börsenhaussen seiner Bücher darüber hinweg. Ist er jedoch aus
dem Erd-Gedrückten ins Übersinnliche gekommen, hebt sich ihm Tatkraft und
Kopf, er wird gleich in Vollwichs erscheinen. Buber wird schmerzlich
lächeln und diese Prosa als Schändung des Göttlichen empfinden. Darüber
hat, da es ums Heiligste geht, wohl der feinste Jude nur das richtige
Urteil.
Meyrink ist der bedeutsamste Groteskendichter (weil symbolisch) unserer
Zeit. Er konnte früher fast allein überweltliche Atmosphäre gestalten.
Gewiß war sie oft von außen her gekommen, aber schließlich drang sie doch
in die Zimmer. Es ist etwas an Unerlöstheit schon daran, wie bei Kubin, wo
zwar die Gesichte manchmal tadellos durch die Bewußtseinsketten stürzen,
aber meist doch eine literarische Vorstellung bleibt. Auch mache ich das
Kreuz vor den Erfolgsbüchern. Man befaßt sich nicht literarischen Erwerbs
halber jährlich mit der Abfassung eines Buches um die letzten Dinge.
Dennoch ist er schwer verkannt. Sein Wesentliches wird effektiv lange
währen, wenn auch die Signale und Symbole, die er um sein Starnberger Haus
gesteckt hat, mit manchen Winden nach der Zugspitze flattern werden. Aber
aus Kolportage, Bordell und heiliger Handlung richten sich gleich
Fahnenspitzen die Dinge immer ins Gespenstige und das Entscheidende tritt
ein, daß es hieraus genau so sicher ins Symbolische geht. Also ist Größe
oft nicht fern. Auch ist die Sprache oft von dichterisch gezähmter Kraft.
Manchmal kommt er von Kubin bis Ensor und zu Munch. Und das Jüdische mit
mittelalterlicher Ghettoverdichtung, mit Angst, die Berufung verlieren, die
Ewigkeitsverbindung übers Leben hinaus, den Hineinbruch des Todes in die
Lebensebene als eine Parallele . . ., das sammelt sich hier in einer
Hellsicht, die vielleicht gartenlaubisch gefühlt ist, aber die Atmosphäre
hat, den Prozeß, die Faust und das Gelöste. Und selbst die Fanatiker, die
jeden, der in Deutschland mit Auflagen die Kaffeehausziffer überschreitet
und Erfolg hat, als Karrieremann und Miesnick so lange verbrüllen, bis sie
das gleiche erreicht haben und verächtlich nach hinten schauend lächeln
über die zurückgebliebenen Radikalen, auch jene Hanswurste der falschen
Entschlossenheit werden zugeben, daß ihm eine Reinheit des Gefühls sehr oft
nicht fehle, die an eine schönere und übersinnlichere Welt ein aromatisches
und gutes Erinnern trüge.
So wandelt er, vielleicht kitschig aber sicher, auf den mystischen
hebräischen Wiesen. Es hat den Fünfzigjährigen verwundert, als die
Antisemitischen ihm die Fenster einwarfen. Unten schaukelten seine
Segelboote, oben las er im aufgeschlagenen Fachblatt: »Wenige unseres Klubs
werden wissen, daß unser Ruderobmann Meyrink auch ein bekannter
Schriftsteller ist«. Aber wie Großes kann aus jüdischer Dichtung kommen
(schon Werfel zeigt es), wenn sie vom Hirn einmal wieder losgelöst ist und
mit Meyrinkscher Geschlossenheit auf den Wiesen geht. Buber wird Wege
wissen, wie dies zu erreichen sei. Wahrscheinlich wird die Zeit es noch
umfassender verstehen. Umsonst ist das internationale Band durch die
Palästinensische Invasion nicht um die Völker der Erde geschlungen.