möglich, gegen diese verschiedenen, längs der Grenze aufmarschierten
feindlichen Abteilungen schnell unsere Hauptkräfte abwechselnd gegen
die eine, dann gegen eine andere einzusetzen. Wir mußten daher an dem
Hauptgedanken unserer Kriegführung festhalten, vom Gebiete der Nordbahn
aus den dort gegenüberstehenden Feind kräftig anzufassen und auf diese
Weise mittelbar auch die anderen Stellen, an denen Krieg geführt wurde,
zu entlasten. Notgedrungen mußten aber diese Nebenstellen gelegentlich
verstärkt werden.
So waren September 1914 von Iringa und Ubena aus die Hauptleute
Falkenstein und Aumann mit Teilen der 2. Kompagnie in den Bezirk
Langenburg gerückt. März 1915 wurde die 26. Feldkompagnie von
Daressalam über Tabora nach Muansa geschoben. Im April 1915
veranlaßten die Truppenansammlungen des Feindes im Maradreieck
(östlich des Viktoriasees) und bei Bismarckburg weitere zeitraubende
Truppenverschiebungen aus Daressalam über Muansa zum Maradreieck,
sowie über Kigoma nach Bismarckburg; letztere wurden auf dem
Tanganjikasee durch den langsam fortschreitenden Bau des in Kigoma
liegenden Dampfers „Goetzen“ noch besonders verzögert.
Zunächst richteten sich die feindlichen Angriffe hauptsächlich auf die
Küste.
Unser kleiner Kreuzer „Königsberg“ war zu Anfang des Krieges aus
dem Hafen von Daressalam ausgelaufen und hatte am 20. September
1914 bei Zanzibar den englischen Kreuzer „Pegasus“ überrascht und
zusammengeschossen. Darauf waren mehrere große feindliche Kreuzer
eingetroffen, die eifrig nach der „Königsberg“ suchten. Am 19.
Oktober fuhr eine Pinaß bei Lindi zu dem im Lukuledifluß versteckten
Dampfer „Präsident“ der Ostafrika-Linie. Die in Lindi aufgestellte
Schutzgebietswehr und Ersatzkompagnie war unter Hauptmann Augar
gerade zur Abwehr einer bei Mikindani vermuteten Landung abwesend, so
daß gegen die Pinaß nichts unternommen werden konnte.
Erst am 29. Juli 1915 sprengten mehrere Walfischfänger, die den
Lukuledi aufwärts fuhren, den dort liegenden Dampfer „Präsident“.
Unser kleiner Kreuzer „Königsberg“ hatte sich nach erfolgreichen
Kreuzfahrten im Indischen Ozean in der Rufidjimündung versteckt.
Sein Aufenthalt war aber dem Feinde bekannt geworden. Der Fluß
bildet hier ein weit verzweigtes und sehr unübersichtliches Delta,
dessen Inseln mit dichtestem Busch bewachsen sind. Die Ausgänge der
einzelnen Wasserarme wurden von der Abteilung „Delta“, einer aus
Marinemannschaften, eingezogenen Europäern und Askari gebildeten
Schutztruppenabteilung von etwa 150 Gewehren, einigen leichten
Geschützen und einigen Maschinengewehren unter dem Korvettenkapitän
Schoenfeld verteidigt. Die vielfachen Versuche des Feindes, mit
leichten Fahrzeugen in die Flußmündung hineinzufahren, wurden stets
mit erheblichen Verlusten für ihn abgewiesen. Der „Adjutant“,
ein kleiner Dampfer, den die Engländer als gute Prise genommen
und armiert hatten, war ihnen bei dieser Gelegenheit wieder
abgenommen worden und diente uns fortan als Hilfskriegsschiff auf
dem Tanganjikasee. Auch einige englische Flugzeuge waren an der
Rufidjimündung zu Schaden gekommen. Ein Sperrschiff, welches die
Engländer in der nördlichsten der Rufidjimündungen versenkt hatten,
hatte seinen Zweck, das Fahrwasser zu sperren, nicht erfüllt. Den
mehrfachen Beschießungen mit Schiffsgeschützen, gegen die er an
sich machtlos war, war Kapitän Schoenfeld durch geschickte Anlage
seiner Stellungen und rechtzeitige Veränderung derselben begegnet.
Anfang Juli 1915 hatten die Engländer zwei flachgehende, mit
schweren Geschützen besetzte Kanonenboote zum Rufidji herangebracht.
Am 6. Juli erfolgte der erste Angriff von 4 Kreuzern, 10 anderen
armierten Schiffen, 2 Flußkanonenbooten. Die feindlichen Schiffe
beschossen unter Fliegerbeobachtung die „Königsberg“, die im Fluß
vor Anker lag. Der Angriff wurde abgeschlagen; aber bei seiner
Wiederholung am 11. Juli hatte die „Königsberg“ schwer zu leiden. Die
Bedienungsmannschaften der Geschütze wurden außer Gefecht gesetzt.
Der schwer verwundete Kommandant ließ die Verschlüsse der Geschütze
über Bord werfen und das Schiff sprengen. Der an sich schmerzliche
Verlust der „Königsberg“ hatte wenigstens für den Kampf an Land das
Gute, daß das gesamte Personal und das wertvolle Material nunmehr der
Schutztruppe zur Verfügung standen.
Korvettenkapitän a. D. Schoenfeld, der an der Rufidjimündung an Land
den Befehl hatte, machte sich dann sofort mit großer Umsicht daran,
die über Bord geworfenen Geschützteile wieder heraufzuholen. Unter
seiner Leitung wurden die 10 Geschütze der „Königsberg“ vollzählig
geborgen und wieder feuerbereit gemacht; 5 fanden Aufstellung in
Daressalam, je 2 in Tanga und Kogoma und 1 in Muansa. Für den
Transport konnte Schoenfeld einige für schwere Lasten gebaute
Fahrzeuge verwenden, die sich auf einer nahen Pflanzung vorfanden.
Die Geschütze haben in ihren gegen Sicht gedeckten Stellungen an
Land vortreffliche Dienste geleistet, und meines Wissens ist bei
dieser Art der Verwendung trotz der zahlreichen Beschießungen durch
feindliche Schiffe nicht ein einziges beschädigt worden.
Am 26. September 1915 wurde der Dampfer „Wami“ nachts aus dem Rufidji
nach Daressalam gebracht.
Ende August kamen mehrere Boote mit Mannschaften vom Dampfer
„Ziethen“ aus Mozambique in Lindi an, um in die Truppe einzutreten.
Auf Mafia landeten am 10. Januar 1915 etwa 300 Mann indischer und
schwarzer Truppen mit Maschinengewehren. Unsere aus 3 Europäern, 15
Askari und 11 Rekruten bestehende Polizeitruppe leistete 6 Stunden
tapferen Widerstand, ergab sich dann aber nach Verlust ihres schwer
verwundeten Führers, des Leutnants d. Res. Schiller, der von einem
Mangobaum aus ein wohlgezieltes Feuer auf den Feind unterhalten
hatte. Die Engländer hielten Mafia durch einige hundert Mann
besetzt und richteten auch auf den kleineren Inseln in der Umgebung
Beobachtungsposten ein.
Anscheinend von hier aus wurden auch die Eingeborenen aufgereizt. In
der Nacht vom 29. zum 30. Juli 1915 wurde bei Kisidju eine Dhau mit
derartigen Flugblättern gefangen.
Die Ereignisse bei Daressalam, wo am 22. Oktober 1914 der Kommandant
eines englischen Kreuzers sich durch keinerlei Abkommen für gebunden
erklärte, sind bereits besprochen.
Ein für Zwecke der Ausstellung vor Kriegsbeginn in Daressalam
eingetroffenes Flugzeug wurde bei Ausbruch der Feindseligkeiten in
den Dienst der Truppe gestellt, am 15. November aber bei Daressalam
durch einen Unglücksfall zerstört. Oberleutnant Henneberger fand
hierbei den Tod.
Bei Tanga war es nach den großen Gefechten vom November 1914 ruhig
gewesen. Am 13. März 1915 war ein Schiff auf einem Riff festgekommen,
bei Springflut aber wieder frei geworden. Mit der Bergung von 200
Tonnen Kohlen, die das Schiff über Bord geworfen hatte, wurde sofort
begonnen.
Mehrere Reihen selbst konstruierter Minen, mit Zündung von Land aus,
haben sich nicht bewährt, und es stellte sich später heraus, daß sie
unbrauchbar geworden waren.
Beschießungen der Küstenplätze fanden dauernd statt.
Am 20. März beschoß ein Kriegsschiff Lindi, als seine Forderung, die
dortigen Truppen sollten sich ergeben, abgelehnt wurde. Ebenso wurde
am 1. April 1915 die Gegend südlich Pangani beschossen, ferner am
12. April die Insel Kwale, in der Nacht vom 23. zum 24. April das
Rufidjidelta.
Am 15. August 1915 erschienen vor Tanga „Hyazinth“ und 4 Wachtboote.
Unsere zwei 6 ~cm~-Geschütze wurden schnell von ihrem Ruhelager
Gombezi nach Tanga transportiert und griffen gemeinsam mit einem
leichten Geschütz aus Tanga am 19. August wirksam ein, als
„Hyazinth“, 2 Kanonenboote und 6 Walfischfänger erneut erschienen,
den Dampfer „Markgraf“ zerstörten und Tanga beschossen. Ein
Kanonenboot erhielt 2 Treffer, die Walfischfänger, von denen der eine
mit Schlagseite abfuhr, vier Treffer.
Im Ssonjogebiet, zwischen Kilimandjaro und Viktoriasee, hatten sich
im Laufe der Monate mehrfach feindliche Patrouillen gezeigt, und die
Eingeborenen schienen aufsässig werden zu wollen. Feldwebel Bast, der
mit einer Patrouille dorthin entsandt wurde, fiel infolge Verrats der
Ssonjoleute am 17. November 1914 in einen Hinterhalt und fand hierbei
mit 5 Askari den Tod. Durch eine Strafexpedition des zur Truppe
eingezogenen Bezirksamtmannes von Aruscha, Leutnants d. R. Kaempfe,
wurden die Ssonjoleute wieder zur Ordnung gebracht.
Erst im Juli 1915 kam es in dieser Gegend wieder zu
Patrouillengefechten; bei einem derselben fielen 22 feindliche
bewaffnete Eingeborene. Ende September und Anfang Oktober 1915 machte
dann die Patrouille des Oberleutnants Büchsel einen mehrwöchigen
Ritt durch Ssonjo in das englische Gebiet, ohne auf den Feind zu
stoßen, da ein englischer Posten, der offenbar gewarnt worden war,
ausgewichen war.
Am Viktoriasee standen die 7. Kompagnie in Bukoba und die 14.
Kompagnie in Muansa mit einander in funkentelegraphischer Verbindung.
Die Herrschaft auf dem See war unbestritten in englischer Hand, da
der Feind hier mindestens über 7 große Dampfer verfügte. Trotzdem
aber konnten unser kleiner Dampfer „Muansa“ sowie auch andere
kleinere Fahrzeuge sich große Bewegungsfreiheit bewahren. Während
nun der Resident von Bukoba, Major a. D. von Stuemer, die Grenze mit
seiner Polizei und mit Hilfskriegern der befreundeten Sultane deckte,
war Hauptmann Bock von Wülfingen mit dem Hauptteil der 7. Kompagnie
von Bukoba nach Muansa gerückt. Von dort aus marschierte er Anfang
September 1914 mit einem aus Teilen der 7. und 14. Kompagnie sowie
Wassukumarekruten und Hilfskriegern gemischten Detachement am
Ostufer des Viktoriasees nach Norden gegen die Ugandabahn vor. Am
12. September warf er jenseits der Grenze bei Kisii eine feindliche
Abteilung zurück, zog dann aber auf die Meldung vom Anmarsch weiterer
feindlicher Streitkräfte nach dem Süden ab. Die Grenze östlich des
Viktoriasees wurde dann nur durch schwächere Abteilungen verteidigt.
Die Kriegsführung am Viktoriasee war für uns recht schwierig;
stets bestand die Gefahr, daß der Feind bei Muansa oder an einem
anderen Orte des Südufers landete, Usukuma in die Hand bekam und
die historische Hauptstadt des Landes, Tabora, bedrohte. Blieben
unsere Truppen in der Gegend von Muansa, so waren aber die Gebiete
um Bukoba und infolgedessen auch Ruanda bedroht. Am meisten Aussicht
am Viktoriasee versprach noch eine aktive Kriegführung unter
einheitlicher Leitung. Aber auch die Durchführung dieser Absicht
war nicht ganz leicht, da der hierfür in erster Linie in Betracht
kommende Major von Stuemer durch seine Tätigkeit als Resident an
den Bezirk Bukoba gefesselt wurde, während doch Muansa gerade das
wichtigere war.
Ende Oktober 1914 war der Versuch, einen Teil der Truppen von Muansa
auf Booten wieder nach Bukoba zu transportieren, durch das Erscheinen
armierter englischer Schiffe bei Muansa gescheitert. Anscheinend
hatte der Feind unseren funkentelegraphischen Verkehr entziffert
und daraufhin seine Gegenmaßregeln getroffen. Die zur Unterstützung
Bukobas am 31. Oktober 1914 auf Dampfer „Muansa“ von Muansa mit 2
Schleppern und 10 Dhaus abgehende Expedition von 570 Gewehren, 2
Geschützen und 4 Maschinengewehren wurde am gleichen Morgen durch
plötzlich auftretende feindliche Dampfer zerstreut, aber bald wieder
ohne Verluste in Muansa gesammelt. Ein englischer Landungsversuch
bei Kajense nördlich Muansa wurde am gleichen Tage verhindert, der
englische Dampfer „Sybil“ nach einigen Tagen bei Majita gestrandet
gefunden und zerstört.
Am 20. November warf Abteilung Stuemer nördlich Bukoba die in das
deutsche Gebiet eingedrungenen englischen Truppen in zwölfstündigem
Gefecht zurück und schlug sie erneut, als sie den Kagerafluß
überschritten hatten, bei Kifumbiro. Am 5. Dezember 1914 haben die
Engländer Schirati, am 6. Dezember Bukoba ohne Erfolg von See aus
beschossen.
Kleinere Patrouillengefechte fanden östlich und westlich des
Viktoriasees dauernd statt. Einen größeren Schlag versuchte der Feind
am 8. Januar 1915, wo er mit 6 Geschützen und mit Maschinengewehren
von See aus Schirati beschoß und 2 indische Kompagnien und eine
größere Anzahl berittener Europäer landete. Oberleutnant von
Haxthausen mit seinen 22 Gewehren war nach 3½stündigem Gefecht
vor der Übermacht ausgewichen. Der Feind verstärkte sich dann in den
nächsten Tagen auf 300 Europäer, 700 Inder. Am 17. Januar schlug
Haxthausen dann 70 Europäer, 150 Askari mit 2 Maschinengewehren an
der Grenze, und am 30. Januar räumte der Feind Schirati wieder und
schiffte sich nach Karungu ein. Ich glaube, daß dieser Abzug eine
Folge der schweren Niederlage war, die der Feind inzwischen, am 18.
Januar, bei Jassini erlitten hatte. Er hielt es für geboten, seine
Truppen wieder an die Ugandabahn zu schneller Verfügung heranzuziehen.
Westlich des Sees überfiel Hauptmann von Bock nördlich Kifumbiro
einen 40 Mann starken feindlichen Posten und jagte ihn mit einem
Verlust von 17 Gefallenen zurück.
Englische Schiffe hatten am 1. März 1915 den Dampfer „Muansa“ an der
Rugesidurchfahrt angegriffen. „Muansa“ war leck geworden und fuhr
dicht an Land auf. Ein Abschleppungsversuch durch den Feind wurde
durch unser Feuer verhindert, so daß es glückte, am nächsten Tage
den Dampfer zu bergen und nach Muansa in Sicherheit zu bringen, wo
er repariert wurde. Bei der Schwierigkeit der Truppenverschiebungen
zu Wasser zwischen Muansa und Bukoba war weiterhin eine gemeinsame
Befehlsführung unzweckmäßig; die Befehlsführer beider Bezirke wurden
deshalb unmittelbar dem Kommando unterstellt.
Landungsversuche der Engländer wurden am 4. März in der Moribucht,
am 7. März bei Ukerewe, am 9. März bei Musoma von unseren Posten
abgeschlagen. Bei Schirati fanden zu gleicher Zeit mehrere
Patrouillengefechte statt, bei denen der Führer, Oberleutnant Recke,
fiel und unsere Patrouillen zerstreut wurden. Am 9. März schlug
Oberleutnant von Haxthausen mit 100 Europäern und Askari am Maikaberg
einen vierfach überlegenen Feind; nach einem feindlichen Verlust von
17 gefallenen Weißen und einer größeren Anzahl Askari zog der Gegner
ab. Bei uns waren ein Europäer und 10 Askari gefallen, 2 Europäer,
25 Askari verwundet, ein Europäer verwundet gefangengenommen worden.
Außer der bereits erwähnten 26. Feldkompagnie wurde Muansa durch
100 Askari aus dem Bezirk Bukoba verstärkt, die am 6. April dort
eintrafen.
Anfang April wurden auch einige Punkte der Ostküste von See aus
beschossen, gleichzeitig machten Masai einen Einfall östlich des
Sees, töteten einen Missionar und mehrere Eingeborene und raubten
Vieh. Mitte April rückte Hauptmann Braunschweig von Muansa mit 110
Europäern, 430 Askari, 2 Maschinengewehren und 2 Geschützen zum
Maradreieck ab und verstärkte Oberleutnant von Haxthausen. In Muansa
blieben über 500 Gewehre zurück.
Am 4. Mai wurden einem englischen Dampfer in der Marabucht 3 Treffer
durch ein Geschütz ~C~/73 beigebracht und hierdurch anscheinend eine
Truppenlandung verhindert. Am 12. Mai wurden bei Majita 300 Mann
gelandet, fuhren aber schon am 18. Juni wieder ab und schleppten das
Wrack der „Sybil“ mit sich. Auch das Maradreieck hatte der 900 Mann
starke Feind am 20. Mai wieder geräumt und sich jenseits der Grenze
auf mehreren Bergen verschanzt. Beschießungen der Küste fanden in
jener Zeit des öfteren statt.
Major von Stuemer hielt seit Anfang Dezember 1914 eine weit
ausgedehnte Stellung am Kagera besetzt. Allmählich wurde der
auf etwa 300 Mann geschätzte Feind reger. Es schien, als ob er
Übersetzmaterial für den Kagera vorbereitete, seine Schiffe zeigten
sich häufiger in der Sangobucht.
An der Grenze von Schirati wurde in der Nacht vom 4. zum 5. Juni 1915
der Posten Becker, 10 Askari stark, durch 10 Europäer und 50 Inder
vom 98. Regiment umzingelt. In das Gefecht griff auch ein armierter
Dampfer ein. Der Feind wurde aber geschlagen und verlor 2 Europäer
und 5 Askari an Toten.
Es mag hier erwähnt werden, daß die feindlichen bewaffneten Späher
sich auch an der Schiratigrenze der Giftpfeile bedienten.
Am 21. Juni griffen die Engländer mit 800 Europäern, 400 Askari, 300
Indern, 3 Geschützen und 8 Maschinengewehren, die durch das Feuer
der armierten Dampfer verstärkt wurden, Bukoba an. Unsere wenig
über 200 Gewehre starke Besatzung räumte den Ort nach zweitägigem
Kampfe. Der Feind plünderte ihn, zerstörte den Funkenturm und fuhr
am 24. Juni in Richtung auf Kissumu wieder ab. Er hatte schwere
Verluste erlitten. Nach seiner Angabe waren 10 Europäer gefallen, 22
verwundet. Deutscherseits war aber beobachtet worden, daß ein Dampfer
mit 150 Toten und Verwundeten abgefahren war. Auf unserer Seite waren
2 Europäer, 5 Askari, 7 Hilfskrieger gefallen, 4 Europäer, 30 Farbige
verwundet, das Geschütz verloren gegangen.
Von den Ereignissen der folgenden Zeit ist zu erwähnen, daß Bukoba
am 18. Juli 1915 ohne Erfolg beschossen wurde. In Mpororo ging ein
größerer Häuptling zu den Engländern über. In Muansa traf am 12.
September eins der 10,5 ~cm~-„Königsberg“-Geschütze ein; dort waren
aus Wassukumaleuten mit der Zeit 5 Kompagnien neugebildet worden.
Es machte den Eindruck, daß der Feind sich gegenüber Bukoba
hinhaltend verhielt und Truppenverschiebungen von dort nach Kissenji
vornahm. Am 29. Oktober wurde ein englischer Angriff durch etwa 100
Gewehre, mit Maschinengewehren, Geschütz und einem Minenwerfer gegen
unsere Kagerastellung mit anscheinend großen Verlusten für den Feind
abgewiesen. Auch am 4. und 5. Dezember blieben englische Angriffe
am unteren Kagera erfolglos. Mehrere feindliche Abteilungen drangen
in die Landschaft Karagwe ein. Den Befehl in Bukoba übernahm Ende
1915 Hauptmann Gudovius, bisher Bezirksamtmann in Pangani, dem die
neu zusammengestellte 7. Reservekompagnie als Verstärkung für Bukoba
folgte.
In Ruanda führten die durchgreifenden Maßnahmen des dortigen
Residenten, des Hauptmanns Wintgens, zu guten Erfolgen. Er
überraschte am 24. September 1914 die Insel Idschwi im Kiwusee und
nahm den dortigen belgischen Posten mit seinem Stahlboot gefangen.
Ein anderes Stahlboot hatte Oberleutnant z. S. Wunderlich, der
mit einigen Mannschaften der „Möwe“ zum Kiwusee gerückt war,
auf einem requirierten Motorboot gleichfalls genommen. Am 4.
Oktober warf Wintgens nördlich Kissenji mit seinen Polizeiaskari,
Hilfskriegern und einigen Leuten der „Möwe“ 4 belgische Kompagnien
mit schweren Verlusten für den Feind zurück. Nach weiteren kleineren
Zusammenstößen brachte Hauptmann Wintgens dann der belgischen
Überlegenheit von 1700 Mann und 6 Geschützen am 20. und 30. November
1914 sowie am 2. Dezember nördlich Kissenji eine Teilniederlage
bei. Am Tschahafisee warf er eine englische Postierung zurück. Ein
Engländer, 20 Askari fielen, auf unserer Seite fielen 2 Askari, ein
Europäer wurde schwer verwundet.
Bei Kissenji und an der Grenze fanden dann im Februar 1915 wieder
mehrere kleine Zusammenstöße statt. Am 28. Mai wies Leutnant Lang mit
seiner kleinen Besatzung in Kissenji den Angriff von 700 Belgiern
mit 2 Maschinengewehren ab. Der Feind hatte dabei schwere Verluste,
bei uns fiel ein Europäer.
[Illustration: Kilimandjaro]
Im Juni 1915 sollen in der Gegend des Kiwusees über 2000 belgische
Askari mit 9 Geschützen und 500 englische Askari zusammengezogen
gewesen sein; die Reise des belgischen Oberbefehlshabers Tombeur
zum Kiwu spricht für die Wahrscheinlichkeit dieser Nachricht. Am
21. Juni wurde ein Angriff von 900 Belgiern mit 2 Maschinengewehren
und 2 Geschützen auf Kissenji abgeschlagen. In einem Nachtangriff
von 400 Belgiern am 5. Juli auf Kissenji hatte der Feind starke
Verluste. Am 3. August wurde Kissenji wirkungslos mit Geschützen und
Maschinengewehren beschossen. Infolge der drückenden feindlichen
Übermacht wurde die 26. Feldkompagnie von Muansa nach Kissenji
verlegt.
Unmittelbar nach Eintreffen der 26. Kompagnie bei Kissenji am 31.
August schlug Hauptmann Wintgens die belgischen Vorposten, von denen
10 Askari fielen. Am 2. September nahm er eine von 150 Askari mit
3 Geschützen und einem Maschinengewehr besetzte Stellung im Sturm.
Im Laufe der folgenden Wochen fanden täglich kleinere Zusammenstöße
statt. Am 3. Oktober wurde der Angriff von 250 Askari mit einem
Maschinengewehr bei Kissenji abgeschlagen, wobei 14 Mann Verluste
beim Feinde beobachtet wurden. Es wurde dann, vielleicht infolge
des Gefechtes bei Luwungi am 27. September, der Abmarsch stärkerer
feindlicher Truppen nach Süden festgestellt.
Am 22. Oktober wurde wieder ein belgischer Vorposten von 300 Askari
mit 2 Geschützen und 2 Maschinengewehren überrumpelt, wobei der Feind
10 Askari an Toten verlor. Am 26. November warfen die Abteilung
Ruanda und ein Zug der von Bukoba eingetroffenen 7. Kompagnie, im
ganzen 320 Gewehre, 4 Maschinengewehre und ein 3,7 ~cm~-Geschütz
den 200 Mann starken Feind aus einer befestigten Stellung, wobei
er 2 Europäer und 70 Askari an Toten, 5 Askari an Gefangenen und
viele Verwundete verlor. Bei uns fielen ein Europäer und 3 Askari,
verwundet wurden 4 Europäer, 5 Askari, ein Hilfskrieger. Am 21.
Dezember griff der Feind mit 1000 Askari, 2 Maschinengewehren, 8
Geschützen, darunter 4 modernen 7 ~cm~-Haubitzen erneut Kissenji
an. Er ließ 21 gefallene Askari liegen, 6 wurden verwundet
gefangengenommen, zahlreiche Verwundete abtransportiert. Unsere 350
Gewehre, 4 Maschinengewehre, 2 Geschütze starke Truppe verlor 3
Askari an Toten, einen Europäer und einen Askari als Schwerverwundete.
Am 12. Januar 1916 überfiel Hauptmann Wintgens nördlich Kissenji
eine belgische Kolonne, wobei 11 belgische Askari fielen. Am 27.
Januar wies Hauptmann Klinghardt mit 3 Kompagnien einen Angriff von
2000 belgischen Askari mit Handgranaten und 12 Geschützen gegen die
Kissenjistellung mit schweren Verlusten für den Feind ab.
Auch das Gebiet des Russissi war reich an Zusammenstößen. Am 10.
und 13. Oktober hatten bei Changugu, am 21. und 22. Oktober bei
Chiwietoke, am 24. Oktober bei Kadjagga erfolgreiche kleine Gefechte
zwischen deutschen Patrouillen mit Kongotruppen stattgefunden.
Am 12. Januar 1915 griff Hauptmann Schimmer ein belgisches Lager bei
Luwungi an, der beabsichtigte Überfall glückte aber nicht. Hauptmann
Schimmer und 3 Askari fielen, 5 wurden verwundet.
Am 16., 17. und 20. März 1915 fanden dann kleinere
Patrouillengefechte statt, und am 20. Mai wurde ein belgischer
Posten überfallen. So gab es dauernd kleine Zusammenstöße, auch
während des Juni und Juli. Im August schien der Feind seine
Kräfte dort zu verstärken. Den Befehl am Russissi erhielt jetzt
Hauptmann Schulz; unsere dort befindlichen Streitkräfte bestanden
nunmehr aus 4 Feldkompagnien, einem Teil der Besatzung der „Möwe“
und der etwa kompagniestarken Abteilung Urundi. Ferner befanden
sich 2 leichte Geschütze dort. Am 27. September wurden bei einem
Angriff des Hauptmanns Schulz auf Luwungi 4 Europäer, 54 Askari
als tot festgestellt, außerdem 71 Askari als getroffen gezählt.
Die Verluste beliefen sich also, auch im Einklange mit späteren
Eingeborenenaussagen, auf etwa 200. Bei uns fielen 4 Europäer, 20
Askari; 9 Europäer, 34 Askari wurden verwundet.
Bei den Gelände- und Stärkeverhältnissen am Russissi kam es dort
nicht zu dem von uns angestrebten Waffenerfolge. Es blieben dort
deshalb nur die Abteilung Urundi und eine Feldkompagnie; 2 Kompagnien
rückten am 18. und 19. Dezember 1915 zu Hauptmann Wintgens nach
Ruanda, 3 zur Mittellandbahn ab.
Am 19. Oktober hatte der Feind bei einem Zusammenstoß mit der 14.
Reservekompagnie trotz doppelter Überlegenheit 20 Askari verloren;
bei uns fielen 3 Askari, 12 wurden verwundet. Trotz des nahen, nach
glaubwürdigen Eingeborenenaussagen 2000 Askari starken belgischen
Hauptlagers war es angängig, unsere Truppen am Russissi zugunsten
anderer Stellen zu vermindern, da beiderseits die Bedingung für eine
Offensive nicht günstig zu sein schien. Am Russissi blieb Major von
Langenn mit der Abteilung Urundi und der 14. Reservekompagnie.