XXIX.

Allerlei Chronika.

[Sidenote: Augustusplatz.]

Anno 1861 im Frühjahr wurden die Promenaden hinter dem Museum angelegt,

auch neue Bänke statt der früheren alten Latten- oder steinernen Bänke

für die Spaziergänger aufgestellt.

[Sidenote: Roßplatz.]

Nach der Messe zu Ostern, wurde ein Theil des Roßplatzes planirt und

mehr ebner gemacht als bisher, wobei man viele Skelette kaum eine Elle

tief in der Erde fand; aus den Ausrüstungsgegenständen, Knöpfen und

Uniformüberresten, welche gleichzeitig mit zu Tage kamen, erkannte man,

daß die Beerdigten meist der russischen Garde angehört hatten.

[Sidenote: Hirsch erlegt.]

Am 27. September schoß der damalige Burgkellerwirth Herr Trietschler

in der Burgaue bei Böhlitz-Ehrenberg einen starken Hirsch im Gewicht

von 288 Pfd. Es wird dies wohl der letzte Hirsch gewesen sein, der in

unseren Rathshölzern geschossen worden ist. Einige Tage darauf wurde

derselbe unter großem Zulauf im Hofe des Burgkellers öffentlich zur

Schau aufgehängt und dann in einer solennen Festlichkeit verzehrt.

[Sidenote: Pfähle und Ketten.]

Anno 1861 wurden auch die steinernen weißangestrichenen Pfähle vor

Teubners Haus am Augustusplatz, welche früher durch Ketten verbunden

waren, entfernt. (Es waren diese Pfähle bei den Herren Jungen sehr

beliebte Voltigirgegenstände.)

[Sidenote: Rundtheile.]

Im Spät-Sommer wurden die mit Gras bewachsenen und von einigen Büschen

umsäumten sogenannten Rundtheile vom Augustusplatz entfernt, Theile

des Fleischerplatzes planirt, sowie die Promenaden an der Thomaspforte

verändert.

[Sidenote: Gewerbefreiheit.]

Anno 1862 am 1. Januar trat im Königreich Sachsen die Gewerbefreiheit

in Kraft, welche insofern für viele Handels- und Gewerbetreibende von

hoher Wichtigkeit war, als mit ihr zugleich das Gesetz fiel, welches

bis dahin den Juden verbot, auch außer den Messen in Leipzig frei

Handel zu treiben, oder Grundbesitz zu erwerben. -- Die einzelnen

Gewerbe, fast sämmtlich in Innungen mit uralten und streng gehandhabten

Gesetzen, wachten peinlich darüber, daß nicht das Mitglied eines

andern Gewerbes etwas that, anfertigte oder verkaufte, welches in den

Gewerbebetrieb nur des Einen gehörte. Kein Herrenschneider durfte

Damensachen anfertigen und umgedreht und oft ging ein Gegenstand bis zu

seiner vollständigen Fertigstellung durch eine ganze Menge einzelner

an sich verschiedener Gewerke, weil eben jeder nur seinen Theil

daran machen durfte. Manche harte, aber auf der andern Seite wieder

wohlweise Einrichtungen und Gesetze über das Meisterwerden und den

ganzen Geschäftsbetrieb fielen mit einem Schlage, denn während früher

nur so viele Meister in einer Stadt ihr Gewerbe betreiben durften,

als auch voraussichtlich daselbst ihre gute Nahrung hatten, konnte

sich nun -- sogar ohne das Meisterstück zu machen, ja ohne überhaupt

das betreffende Handwerk erlernt zu haben, Jedermann etabliren. Daß

natürlich insbesondere die alten Meister, welche damals sämmtlich

ihre gute Existenz hatten und nun Alles aufbieten mußten, um der sich

mächtig entwickelnden Concurrenz entgegenzuarbeiten, sehr über die

neue Einrichtung räsonnierten, ist natürlich. Die Gewerbefreiheit ist

aber auch, trotz ihres Namens bis zum heutigen Tage, wo noch Anwalts-

und Apothekenzwang existieren, eine niemals vollkommene, ihren Namen

thatsächlich entsprechende gewesen und ihr Segen daher noch immer ein

fraglicher.

[Sidenote: Turnfest.]

Anno 1863 fand in der Zeit vom 2. bis 6. August unter kolossaler

Betheiligung aus ganz Deutschland das 3. deutsche Turnfest in Leipzig

statt. (S. No. XXXI.)

Erinnerungen eines alten Leipzigers · 第 36 / 71 题