Vierundvierzigstes Kapitel

Der folgende Tag war ein strahlender Frühlingstag. Der Himmel hatte die

Erde noch einer gründlichen Waschung unterzogen, bevor er ihr das

Frühlingskleid über die noch frierenden Schultern zog. Arnolds Laune

besserte sich; seine Wanderlust erwachte, und er schritt viele Stunden

lang auf bekannten und neuen Wegen. Wenn er irgendwo rastete oder in

einem Dorf bei Milch und Käse seinen Hunger stillte, zog er ein Buch aus

der Tasche, denn er konnte nicht lange Zeit hindurch müßig sitzen oder

liegen. Manchmal bemächtigte sich Ungeduld seiner Sinne. Die Einsamkeit

der Felder wurde ihm dann drückend und nichtssagend. Lästig erschienen

ihm die Bilder der Landschaft, die sanften, schattenvollen Täler, die

sich nicht tiefer senkten, als ein Teller unter seinen Rand, die

schmutzigen Bauernhöfe, das dürftige Gras der Wiesen, der unbequeme

Ostwind, die neugierigen Kinder in den Dörfern. Unruhe flammte in ihm

auf.

Am Palmsonntag kehrte er durch Podolin nach Hause zurück. Noch hatte er

nicht den Hauptplatz erreicht, als jemand mit tiefer Stimme seinen Namen

rief. Er drehte sich um und sah Alexander Hanka auf sich zukommen.

»Ich habe erst gestern gehört, daß Sie hier sind, und zwar durch den

Briefträger«, sagte Hanka und drückte Arnolds Hand mit Herzlichkeit und

Freude. Er schien größer, denn seine Gestalt war noch hagerer geworden,

sein Gesicht länger und farbloser; die schwarzen Augen hatten einen

Ausdruck vollkommenen Ernstes.

Arnolds Freude, Hanka wiederzusehen, war nicht ganz frei von

Befangenheit. »Wo kommen Sie her?« fragte er. »Wo waren Sie solange?«

»Ich war in Rom, Sizilien und Tunis«, berichtete Hanka, »und jetzt bin

ich hier, weil meine Schwester erkrankt ist.«

»So? Was fehlt ihr denn?«

Der Moloch · 第 53 / 84 题