Der folgende Tag war ein strahlender Frühlingstag. Der Himmel hatte die
Erde noch einer gründlichen Waschung unterzogen, bevor er ihr das
Frühlingskleid über die noch frierenden Schultern zog. Arnolds Laune
besserte sich; seine Wanderlust erwachte, und er schritt viele Stunden
lang auf bekannten und neuen Wegen. Wenn er irgendwo rastete oder in
einem Dorf bei Milch und Käse seinen Hunger stillte, zog er ein Buch aus
der Tasche, denn er konnte nicht lange Zeit hindurch müßig sitzen oder
liegen. Manchmal bemächtigte sich Ungeduld seiner Sinne. Die Einsamkeit
der Felder wurde ihm dann drückend und nichtssagend. Lästig erschienen
ihm die Bilder der Landschaft, die sanften, schattenvollen Täler, die
sich nicht tiefer senkten, als ein Teller unter seinen Rand, die
schmutzigen Bauernhöfe, das dürftige Gras der Wiesen, der unbequeme
Ostwind, die neugierigen Kinder in den Dörfern. Unruhe flammte in ihm
auf.
Am Palmsonntag kehrte er durch Podolin nach Hause zurück. Noch hatte er
nicht den Hauptplatz erreicht, als jemand mit tiefer Stimme seinen Namen
rief. Er drehte sich um und sah Alexander Hanka auf sich zukommen.
»Ich habe erst gestern gehört, daß Sie hier sind, und zwar durch den
Briefträger«, sagte Hanka und drückte Arnolds Hand mit Herzlichkeit und
Freude. Er schien größer, denn seine Gestalt war noch hagerer geworden,
sein Gesicht länger und farbloser; die schwarzen Augen hatten einen
Ausdruck vollkommenen Ernstes.
Arnolds Freude, Hanka wiederzusehen, war nicht ganz frei von
Befangenheit. »Wo kommen Sie her?« fragte er. »Wo waren Sie solange?«
»Ich war in Rom, Sizilien und Tunis«, berichtete Hanka, »und jetzt bin
ich hier, weil meine Schwester erkrankt ist.«
»So? Was fehlt ihr denn?«