L., voraus einmal Lisbeth meinen Dank für die köstliche Tunisaufnahme
von August, -- wie besonnt und harmlos glücklich reitet da der gute
schwere August auf seinem Esel, nicht ganz jesusgleich; es fehlt auch
der Jünger Moilliet; im Hintergrund ist wohl Klee mit einem seiner
Malapparate in der Hand? ich freu mich recht über diese kleine Aufnahme;
sie zeigt denselben vergnügten August wie wir ihn in Paris um uns
hatten.
Was Du von August's hinterlassenem Reichtum schreibst, freut mich
riesig. Freilich erfüllt diese posthume Lebendigkeit mit doppeltem Weh
über den Weggang dieses Menschen; aber der jähe Weggang durch eine
feindliche, fast möchte man sagen: befreundete Kugel, -- denn es war
eine französische -- scheint mir doch nicht ungereimter als der Tod von
M.'s Frau oder irgendein anderes, »natürliches« Unglück. Auch der Krieg
ist naturhaft; es ist nicht haltbar, wie Du es immer thust, den Krieg
gänzlich außerhalb des natürlichen Geschehens zu stellen. Die
Massensuggestion, die er zweifellos darstellt, ist naturhaft bedingt so
gut wie die Thetsefliege oder ein Pestbazillus. Mein Blick hat sich
_längst ganz vom Krieg abgewendet_. Mein Wesen sucht allerdings nicht
die Indifferenz von *** und *** zu gewinnen, sondern ist nur ein für
allemal _belehrt_, geheilt und zurückgeschleudert von den Peripherien
früherer Interessiertheit in's alte verlassene Zentrum der reinen
_Funktion_. August ist diesem Zentrum von jeher näher gestanden; er war
keine ausgreifende, immer fragende, unerlöste Natur wie ich.
Wie freut es mich, daß Du Dir jetzt wirklich das Malen und Sticken in
Ried vornimmst, -- führ es wirklich durch und führ Dein Wesen ins
Fruchtbare statt in die Wüste des ewigen Jammerns und womöglich Hasses,
_der nie was gutes erzeugen kann_.
Du willst später mehr Sachen von mir aufhängen? Meinethalben, -- wenn
Dir dann nicht mein lebendiger Leib genügt! Was mich früher immer
abgehalten hat, mich mit meinen eigenen Erzeugnissen zu umgeben, ist
eine scharf gefühlte -- Scham vor der eignen Produktion; dies Gefühl ist
schwer erklärbar, -- es geht auf den Moment der Schöpfung zurück, in dem
an Stelle des persönlichen Willens der rätselhafte Zwang einer Eingebung
trat. Ich weiß von so vielen und gerade meinen stärkeren Sachen absolut
nicht mehr _wie_ sie entstanden sind; ich wundre mich, daß ich sie
gemacht habe und sie beunruhigen mich. Selbst beim Durchblättern meiner
Skizzenbücher erschrecke ich zuweilen förmlich.
Heut war ein strahlend schöner Tag, voll Anmut und Farbe und voll
Heimweh! Seid beide umarmt und lieb gegrüßt und geküßt von Eurem Frz.
Empfiehl mich bitte bei den schön stickenden Müttern, -- dies im Geiste
August's Arbeiten ist rührend.