13. II. 16.

L., ich wollte, Du könntest einmal bei der Briefkontrolle neben mir

sitzen und manche von diesen Liebesbriefen mitlesen. Schon die Stimmung

auf dem Couvert:

An Frl. Zenzi Duffner

zum Köpferl in der Wis

Post Miesbach

und dergleichen. Und manches ist so reizend und rührend ausgedrückt;

oder so lakonische Bemerkung: jatzt, wan der Krieg no lang dauert, wer i

ungemütlich. Daß Niestlé diese Briefe nicht lesen kann!

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Heute erzählte jemand, daß wenn der deutsche Tagesbericht

funkentelegraphisch über ganz Deutschland geht, der Eiffelturm sehr oft

grob dazwischen diktiert: »ist gelogen«, »Prahlerei« usw. Ist das

nicht unglaublich? Diese Vorstellung, daß der Eiffelturm so

dazwischenschimpft!

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Man bringt mir eben meine Post, die den Tod unsrer armen lieben kleinen

Hanni meldet. Wie traurig hat mich das gemacht! Lina schrieb es mir

gleichzeitig. Zu helfen war da natürlich nicht mehr. Sie ist wenigstens

nicht allein gestorben und hat die pflegenden Hände sicher wohltätig

gespürt. Ich leg Dir Linas Brief bei. Ob nur die Schwächung durch die

Geburt und schwache Ernährung schuld ist, möchte ich sehr bezweifeln.

Wild _darf nicht_ stark gefüttert werden; Heu bekam es ja wohl, soviel

es wollte. Schon die Drüsenanschwellung ist das Symptom irgendeiner

inneren (wohl Blut-)Krankheit, die dann in einer Darmkolik endete. Ich

kenne es bei Pferden jetzt so gut. Das Tierchen hat ein friedliches,

liebes Leben bei uns gehabt, -- so denke ich auch nicht weh an Hanni

zurück, -- und an Russl auch nicht; denn ich schrieb Lina, daß ihn Bauer

unbedingt schmerzlos in seinen Hundehimmel schicken soll. Schon im

November war mir klar, daß er an einer schweren Alterskrankheit leidet;

Linas Brief schildert sie ja so gut, daß ich mich sofort entschieden

habe. Es wäre grausam, ihn leben zu lassen in dem einsamen Rehhüttchen

und überhaupt. An ihm herumdoktern hat gar keinen Sinn. Halte Dir, wenn

Du heimkommst und kein Lämmchen halten willst, ein Vögelchen.

Der arme Dietzel!! Du schreibst: kein Mensch hat das Recht, dem andern

das Leben zu nehmen. Ich sage: kein Mensch hat das Recht, den andern

auszubeuten, ihm in den Weg zu treten, dem Geld einen solchen Schups zu

geben, daß es zu einem rollt u. s. f. Der Krieg ist nur die Folge im

Großen, der Bazillus und die Krankheit sind für mich dasselbe. --

Februar-Urlaub ist unmöglich; ich führe ja noch immer die Kolonne ganz

allein und kann nicht weg.

Aber es geht mir famos.

Briefe, Aufzeichnungen und Aphorismen. Erster Band · 第 130 / 158 题