L., ich las nochmals Deinen Bericht über -- -- -- -- -- ich kann ihn mir
einfach nicht vorstellen! Daß das einer der Brennpunkte unsrer doch so
aufrichtig, wenn auch unerfahren und naiv gedachten geistigen Bewegung
wurde, das der Niederschlag so heißen Bemühens um Erneuerung! Nun, der
Krieg ist einer Ernüchterung durch -- -- -- -- -- zuvorgekommen. Daß Du
Dich dort grenzenlos einsam und unbehaglich fühltest, ist ja klar. Auch
ich wäre nicht in der Stimmung, die Gesellschaft _komisch_ zu nehmen;
man kann sich nur _fern_halten und _ohne Ärger_ schweigen; denn es geht
mit dieser Sache im kleinen wie mit dem Krieg im großen: man soll nicht
über einen Zustand, über das »Zustandekommen« eines Blödsinns schmähen
oder trauern oder lachen, sondern auf das Ur-mißverständnis blicken, auf
eigene Schuld. Das ist der einzig reinigende Gedanke. Der Blödsinn
stirbt eines Tages an seiner eigenen Leere, nur das schöpferisch
Gestaltete bleibt, das was Felsen unter sich hat und keine Mauer vor
sich, und was fröhlich bewußt vor sich sieht, nicht trauernd nach allen
Seiten oder wehklagend rückwärts.
Dein heutiges Kärtchen berichtet wieder von einem 8seitigen Klagebrief,
den Du, weil er »zu« traurig war, zerrissen hast! Erstens sollst Du
keine Briefe, die Du mir schreibst, zerreißen, -- Du kannst an ihnen
doch nur das Papier zerreißen, nicht die »einmal gewesene und in alle
Ewigkeit seiende Thatsache« dieses Briefes, und zweitens soll ein
solcher mutig abgesandter Brief Dich wenigstens nötigen, ihm einen
freudigeren Gegenbrief nachzujagen, -- statt beides bleiben zu lassen.
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