4. II. 16.

L., ich weiß nicht, ob Du das, was ich in meinen letzten Briefen über

den Krieg gesagt habe, (Krieg als natürliche _Folge_ und insofern als

gerechte, unausbleibliche Sühne), richtig verstehen konntest. Die Dinge

im Leben sind so verkettet. Man kann ja zweifellos auch fragen, worin

sich denn eine Folge von einer Ursache unterscheide, und ob nicht beide

identisch sind oder zum mindesten gleich, sodaß man sie auch vertauschen

kann. Was sie voneinander _scheidet_, ist vielleicht nur der Begriff der

Zeit, die zwischen ihnen liegt, -- und das nennt man fälschlich

»Unterschied« und unterscheidet Ursache und Wirkung. Es liegt sogar sehr

im Menschlichen begründet, den Folgen zu fluchen und an den Folgen zu

»leiden« als an den Ursachen. Das tiefere Leiden ist aber gewiß das

Leiden an den Ursachen. In diesem Sinne geschieht es, wenn ich sage, daß

der Krieg für mich, für mein Mit-leiden vorüber ist und ich längst, mit

pochendem Herzen am Anfang der Dinge, an meinem eigenen Anfang stehe,

mit heimlicher Schaffensfreude; mit solchen Gedanken _kann_ man warten

ohne stündlich zu schmähen und stündlich kränker zu werden an der

Gegenwart. Dahin und dort möchte ich auch Dich und meine Freunde wissen.

»Meine Freunde«, -- auf die bin ich wirklich neugierig. Gundolf will ich

unbedingt kennen lernen. Ich bin sehr neugierig auf die neuen Hefte der

Jahrbücher; wir kennen nur 10, 11 und 12. Versäume nicht, Dich zu

erkundigen, was seitdem noch erschienen. Vergiß auch bitte nicht, mir

den Verlag der Jahrbücher zu ermitteln. Ich habe ja beide wieder

heimgeschickt und will nun *** auf sie aufmerksam machen, kann mich aber

des Verlags nicht entsinnen; es ist ein mir unbekannter Name.

Das Wetter scheint sich endlich ausgeregnet zu haben; nach einer kleinen

Nebelperiode wird es jetzt immer klarer und frühlinghafter. Nach allen

Anzeichen steht uns eine ziemlich harmlose Veränderung bevor, da -- d.

h. ich darf ordnungshalber nichts darüber schreiben und will diese

Vorschrift einhalten; aber die Bemerkung kann dich beruhigen.

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Briefe, Aufzeichnungen und Aphorismen. Erster Band · 第 122 / 158 题