L., ich weiß nicht, ob Du das, was ich in meinen letzten Briefen über
den Krieg gesagt habe, (Krieg als natürliche _Folge_ und insofern als
gerechte, unausbleibliche Sühne), richtig verstehen konntest. Die Dinge
im Leben sind so verkettet. Man kann ja zweifellos auch fragen, worin
sich denn eine Folge von einer Ursache unterscheide, und ob nicht beide
identisch sind oder zum mindesten gleich, sodaß man sie auch vertauschen
kann. Was sie voneinander _scheidet_, ist vielleicht nur der Begriff der
Zeit, die zwischen ihnen liegt, -- und das nennt man fälschlich
»Unterschied« und unterscheidet Ursache und Wirkung. Es liegt sogar sehr
im Menschlichen begründet, den Folgen zu fluchen und an den Folgen zu
»leiden« als an den Ursachen. Das tiefere Leiden ist aber gewiß das
Leiden an den Ursachen. In diesem Sinne geschieht es, wenn ich sage, daß
der Krieg für mich, für mein Mit-leiden vorüber ist und ich längst, mit
pochendem Herzen am Anfang der Dinge, an meinem eigenen Anfang stehe,
mit heimlicher Schaffensfreude; mit solchen Gedanken _kann_ man warten
ohne stündlich zu schmähen und stündlich kränker zu werden an der
Gegenwart. Dahin und dort möchte ich auch Dich und meine Freunde wissen.
»Meine Freunde«, -- auf die bin ich wirklich neugierig. Gundolf will ich
unbedingt kennen lernen. Ich bin sehr neugierig auf die neuen Hefte der
Jahrbücher; wir kennen nur 10, 11 und 12. Versäume nicht, Dich zu
erkundigen, was seitdem noch erschienen. Vergiß auch bitte nicht, mir
den Verlag der Jahrbücher zu ermitteln. Ich habe ja beide wieder
heimgeschickt und will nun *** auf sie aufmerksam machen, kann mich aber
des Verlags nicht entsinnen; es ist ein mir unbekannter Name.
Das Wetter scheint sich endlich ausgeregnet zu haben; nach einer kleinen
Nebelperiode wird es jetzt immer klarer und frühlinghafter. Nach allen
Anzeichen steht uns eine ziemlich harmlose Veränderung bevor, da -- d.
h. ich darf ordnungshalber nichts darüber schreiben und will diese
Vorschrift einhalten; aber die Bemerkung kann dich beruhigen.
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