L., was magst Du bei ***'s Brief gedacht haben? d. h. ich weiß
natürlich, daß Du dasselbe dachtest, wie ich: Mitleid nicht nur mit dem
gequälten leiblichen Menschen sondern doppeltes mit seiner Seele und
seinem Geist. Er leidet nicht, um die Sünde und Wirrnis des Europäers zu
büßen sondern im Gegenteil sie zu glorifizieren. Mich hat ja der Krieg
das _erstere_ gelehrt. Wer diese Zeit so erlebt, kann wohl einen Gewinn
und Sinn aus dem Kriege ziehen; der kehrt mit einem neuen Welt-Verstand
in's Leben zurück; aber was soll man mit einem Geist wie *** nach dem
Kriege machen? Zudem er zweifellos die immense Majorität darstellen
wird; was wie wir denkt, ist ein verschwindend kleiner Bruchteil,
wahrscheinlich überhaupt nur ein paar Menschen. Denn die Teile, die auf
den Krieg als solchen schimpfen, ohne auf seine tiefsten Ursachen, _auf
sich selbst_ zurückzugreifen, -- mit denen paktiere ich nicht. Du sagst
ganz richtig, daß es so wenig Menschen gibt, die _Konsequenzen_ zu
ziehen imstande sind, -- darin liegt's. --
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Eben kommt Dein lieber langer Brief über Koehlerabend, Militarismus usw.
-- ich kann nur wieder sagen: verschwendet Euren Haß und Eure Trauer
nicht am _gegenwärtigen_ Zustand, sondern am allgemeinen. Du siehst sehr
gut und scharf, aber zu nah, zu speziell; das Typische erscheint dir
nicht, darum kannst du das Spezielle auch so schwer überwinden.