L., recht gefreut hab ich mich über ***'s Meldung, daß wieder was
verkauft ist, das neue Schafbild -- -- -- -- und 2 Holzschnitte, also --
-- -- -- -- Du hast also bestimmt und ausreichend Geld vor Dir, -- von
mir kommen auch wieder -- -- -- in den nächsten Tagen; ich sende sie der
Einfachheit halber _direkt an Muttchen_, damit ja keine Schwierigkeiten
mit dem Geldempfang entstehen.
Dein lieber Brief vom 27. kam auch heute; nimm's nicht zu tragisch, wenn
ich Dir Lisbeth als Vorbild der Lebensmutigkeit hinstellte; ich bin ja
klug genug, die Unvergleichbarkeit Eurer Situationen und Charaktere auch
zu sehen. Ich dränge aber auch nicht aus Gedankenlosigkeit zu einer
tapferen Fröhlichkeit trotz allen Leides; solange das Blut in einem
pocht, muß man an's Leben glauben und sich nicht mißtrauisch separieren;
und Dein Wort: »ich kann nicht« ist schließlich graduell wie alles im
Leben; etwas weniger -- etwas mehr, -- das ist das Geheimnis des
Wartens, Wartenkönnens und der Sehnsucht; der _Stolz_ muß im Menschen
siegen über alle Dinge, nicht die indische _Trauer_.
Daß ich den Krieg als Gesundungsprozeß wie jede (auch die tötlichste)
Krankheit ansehe, hat ja natürlich nur den Sinn, daß ich auch den Krieg
nicht als solchen angreifen und vertilgen möchte, sondern seine
_Ursachen_. Der Mensch stirbt nicht an der Krebswucherung, sondern an
dem tötlichen Keim, den die Wucherung nicht zu überwinden vermag. Auch
darf man solche Vergleiche nicht zu weit treiben, sonst hinken sie eben.
Aber ich wehre mich unablässig gegen die herrschende Gedankenlosigkeit,
den Krieg als solchen so zu hassen als sich selbst, den Aussatz unsrer
Seele. -- Man muß seine Gedanken nicht gegen den Krieg richten,
sondern gegen sich, und _sofort_ damit anfangen. Nichts ist
selbstverständlicher, strafgerechter als dieser Krieg. Kein Mensch sieht
das, -- wenigstens keiner will's _an sich_ selbst sehen.
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