L., also das arme liebe Schlickchen hat auch seinen kleinen Rehtraum
ausgeträumt. Es ist doch eigentlich wirklich so; wenn ich an so ein
kurzes kleines Leben eines solchen Tierchens denke, werde ich das Gefühl
nicht los, daß es doch nur ein Traum war, diesmal ein Rehtraum, ein
andermal ein Menschentraum; aber das, was träumt, _das_ Wesen, das ist
immanent, unzerstörbar. Ich hab in diesen Tagen auch einen so
merkwürdigen, aufregenden Pferdetod erlebt. Das schönste, feurigste und
dabei frömmste Pferd der Kolonne, ein wundervoller, starknackiger
Schimmel, ein richtiges _Pegasuspferd_ der Sage, ist plötzlich an einer
Blinddarmentzündung (es waren Würmer im Blinddarm!) gestorben. Es kam
ganz unerwartet; es war kaum 3 Tage richtig krank; die letzten 2 Stunden
hatte es große Schmerzen, stöhnte und seufzte wie ein Mensch. Ich hatte
dabei das Gefühl, daß es aufseufzt wie ein Mensch, den man aus einem
lebhaften Traum aufrüttelt. Kurze Minuten drauf lag ein plumper, häßlich
verfallender Pferdeleib vor mir, -- der Pegasus war fort, -- man hatte
nur die irdischen stinkenden Reste vor sich, die man eingraben ließ, --
da fiel mir das ewig denkwürdige, durch Jahrtausende hallende Wort ein:
»Laß die Toten ihre Toten begraben!«