L., ich schrieb Dir schon gestern, mit welcher Freude ich Emanuel Quint
lese. Die Idee des Buches deckt sich vollkommen mit meiner Auffassung
des Christentums, -- nämlich ihrer prinzipiellen _Gegensätzlichkeit
gegen pazifistische Organisationen_ (wie in den Neuen Wegen),
sozialistischen Kommunismus, der ein Erlahmen der Seele und des
christlichen Opfer- und Überwindergedankens bedeutet. Bestimmend ist
immer der Eine Gedanke: die Welt, das »leibliche Wallen« berührt uns
nicht, da wir nicht auf das Sichtbare sehen, sondern auf das
Unsichtbare. Die Nächstenliebe ist wie die menschliche Nahrung _eine
symbolische Handlung_. Der Mangel jeglichen sozialistischen Empfindens
ist gerade das Prächtige, Sieghafte an Quint: er lebt nur seiner eigenen
Erniedrigung vor der Welt und damit seiner Befreiung; er _will_ den
Menschen gar nicht körperlich helfen und sie leiblich satt und gesund
machen; seine auf das Geistige, Unsichtbare gerichtete Seele schrickt
schmerzlich vor dieser Bitte zurück, die er in den Augen der Menschen,
zu seiner bitteren Enttäuschung immer wieder liest. Das ist das große
Mißverständnis der Welt an Christo. Als Quint von den Gendarmen
fortgeführt wird, spricht er das furchtbare, schneidende Wort: »nach mir
aber fraget niemanden fortan«!
In nächster Woche soll hier wieder ein Aspirantenkurs stattfinden, --
ich freu mich um der Abwechslung willen darauf; ich vermute, daß ich als
ausbildender Offizier dazu kommandiert werde, was mich nur amüsieren
würde; das Leben hier ist trotz mannigfacher Arbeit zu öde so. Ich gebe
jetzt jeden Nachmittag meinem Chef theoretischen Artillerie-Unterricht;
er möchte ja zur Balkan-Armee, besitzt aber nur ziemlich mangelhafte
Artillerie-Kenntnisse. Was ist das alles für ein verrücktes Theater- und
Traumleben!
Betreff Zentralheizung: Zeichne mir doch einmal einen ganz groben Plan
des Hauses, ungefähre Zimmergröße und Höhe (also Kubikinhalt). Ich habe
hier Gelegenheit, mir einen Voranschlag machen zu lassen, was so eine
Installation ungefähr kostet; ich möchte diese unverbindliche
Gelegenheit benutzen, um für später eine Handhabe zu besitzen, und
spätere Voranschläge zu beurteilen.
Leb wohl und gehe etwas vergnügt in unserm Häuschen umher, -- der Krieg
dauert nun keine Ewigkeit mehr. -- -- --
Frz.