L..., Koehler schrieb mir heute auf einer Sturm-Postkarte meiner
»Tierschicksale«. Bei ihrem Anblick war ich ganz betroffen und erregt.
Es ist wie eine Vorahnung dieses Krieges, schauerlich und ergreifend;
ich kann mir kaum vorstellen, daß ich das gemalt habe! In der
verschwommenen Photographie wirkt es jedenfalls unfaßbar wahr, daß mir
ganz unheimlich wurde. Es ist von einer künstlerischen Logik, solche
Bilder _vor_ dem Kriege zu malen, nicht als dumme Reminiszenz nach dem
Kriege. Da muß man konstruktive zukünftige Bilder malen, keine
Erinnerungen, wie es meist Mode ist. Ich habe auch nur solche im Kopf.
Ich wunderte mich zuweilen darüber, jetzt weiß ich, warum es so sein
muß. Aber diese alten Bilder des Herbstsalons etc. werden noch einmal
ihre Auferstehung feiern.
Heute sah ich die feine Sichel des neuen Mondes und dachte lebhaft an
Dich und Ried und die Rehe -- über Euch allen stand sie auch, so fein
und leicht wie ein Diadem. Und diese Frühlingsluft, in der alles so
sonderbar klingt. An dieses Frühjahr werden noch Generationen denken;
die ältesten Leute werden noch später von ihm erzählen; die Stimmung
steigt immer mehr ins Unbegreifliche. Wie bist Du glücklich Deinen
Flügel zu haben und spielen zu können. Bei mir stapelt sich alles bis
zur schmerzhaften Müdigkeit im Kopf; aber ich fang jetzt leise an im
Skizzenbuch zu zeichnen. Das erleichtert und erholt mich.
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Dein Frz.