17. III. 15.

L..., Koehler schrieb mir heute auf einer Sturm-Postkarte meiner

»Tierschicksale«. Bei ihrem Anblick war ich ganz betroffen und erregt.

Es ist wie eine Vorahnung dieses Krieges, schauerlich und ergreifend;

ich kann mir kaum vorstellen, daß ich das gemalt habe! In der

verschwommenen Photographie wirkt es jedenfalls unfaßbar wahr, daß mir

ganz unheimlich wurde. Es ist von einer künstlerischen Logik, solche

Bilder _vor_ dem Kriege zu malen, nicht als dumme Reminiszenz nach dem

Kriege. Da muß man konstruktive zukünftige Bilder malen, keine

Erinnerungen, wie es meist Mode ist. Ich habe auch nur solche im Kopf.

Ich wunderte mich zuweilen darüber, jetzt weiß ich, warum es so sein

muß. Aber diese alten Bilder des Herbstsalons etc. werden noch einmal

ihre Auferstehung feiern.

Heute sah ich die feine Sichel des neuen Mondes und dachte lebhaft an

Dich und Ried und die Rehe -- über Euch allen stand sie auch, so fein

und leicht wie ein Diadem. Und diese Frühlingsluft, in der alles so

sonderbar klingt. An dieses Frühjahr werden noch Generationen denken;

die ältesten Leute werden noch später von ihm erzählen; die Stimmung

steigt immer mehr ins Unbegreifliche. Wie bist Du glücklich Deinen

Flügel zu haben und spielen zu können. Bei mir stapelt sich alles bis

zur schmerzhaften Müdigkeit im Kopf; aber ich fang jetzt leise an im

Skizzenbuch zu zeichnen. Das erleichtert und erholt mich.

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Dein Frz.

Briefe, Aufzeichnungen und Aphorismen. Erster Band · 第 42 / 158 题