heute wurde ich furchtbar sehnsüchtig; es regnete und tropfte von allen
Zweigen mit einem Klang, den es nur im Frühling gibt. Ich mußte denken,
wie es jetzt daheim in unsrer Waldecke duften muß! In den Gärten treiben
schon die Knospen an den Obstbäumen, die Rhododendren entfalten schon
Blättchen, wie wäre es jetzt schön, in Ried zu sein! Pfleg nur alles
recht schön im Gärtchen und genieße es, auch wenn Du allein bist. Was
macht der Specht? Ist wieder das Rotschwänzchenpaar da? Ist der Fasan
wiedergekommen? Der köstliche Storch hier macht mir doppelt Lust, einen
Kranich zu halten. Grüß die kleinen Rehe; die werden wieder knabbern,
wenn der Schnee weg ist! -- Wenn Du mir etwas von Gundolf schicken
willst, freut es mich sehr. Ich bin jetzt schon zum Lesen aufgelegt. Nur
nichts über Plato! Daß die Leute immer hinter der Front der Gegenwart
nach dem Heil und Guten suchen! Immer auf Krücken gehen, auf fremden
Zeiten; es sind keine _schöpferischen_ Menschen. Mein Hauptgedanke ist
jetzt: Entwurf zu einer neuen Welt; immer schaffen, _vor sich_ arbeiten.
-- --
Fz. M.