L., im Gegensatz zu gestern ist heute ein abscheulicher Regentag; es ist
alles so verschleiert, daß an Schießen nicht zu denken ist. Dafür war
gestern Mittag und Nachmittag eine derart furchtbare Kanonade, wie ich
sie bis jetzt noch nicht gehört hatte; alles zitterte und gellte. Eine
Reihe Dörfer brennen. Es ist ein zu merkwürdiger Krieg: von einem
systematischen Durchbruchsversuch der Franzosen ist keine Rede. Meist
lassen wir die Franzosen anfangen; kaum ist der erste Granatengruß
herübergekommen, quittieren wir mit einem gleichen. So folgen sich die
»Gänge des Duells!«, bis dem einen oder andern plötzlich die Geduld
reißt und er »Ruhe haben will« und er, nach Erkundigung der feindlichen
Stellung durch die vorangegangenen Einzelschüsse, mit wahnsinnigen
Salven losgeht; es kommt eigentlich darauf an, wer zuerst zu diesen
Salven wirksam übergehen kann. Liegen die Schüsse gut, verstummt der
Feind, um seine Stellung nicht noch mehr zu verraten. Gestern sollen wir
zwei französische Gebirgsgeschütze vernichtet haben. Als »Strafe«
schossen die Franzosen Sennheim in Brand. Wir revanchieren uns, indem
wir Thann in Brand schießen. An Vorgehen hier in die Berge ist ja nicht
zu denken; und die Franzosen trauen sich auch nicht in die Ebene; hier
kann nie eine große Schlacht oder Entscheidung fallen. Ich sitz in
warmer Stube und schreib an meinem Artikel! -- Alles Liebe und Gute --
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Bertschweiler, 3. Jan. 15.