Gute Weihnachten! -- -- -- -- --

H, den 13. Dez. 1914.

L., meine plötzliche Einsamkeit im leeren Dörfchen erzeugt eine ganz

traumhafte Stimmung in mir; ich bin wie auf einer Insel; man weiß, daß

draußen, am Horizont das riesige Leben ist und man kann nicht zu ihm.

Ich sitze viel in meiner Bude (Hieron. im Gehäuse!) und schreibe wieder

an einem neuen Aufsatz. Sorge bitte, daß ich durch den Abdruck der

Aufsätze nicht das Autorrecht verliere, sie nachher gesammelt

herauszugeben. Die Schrift, an der ich hier noch arbeite, wird auch

Aphorismusform bekommen, sodaß gut alles zusammen in einem Buch

vereinigt werden kann. Erkundige Dich mal darüber, ev. bei ***, der sich

wohl darin auskennen wird.

Weihnachtsurlaub ist ausgeschlossen, aber 8. Februar komme ich. Ich

sehne mich jetzt oft schrecklich nach Hause, aber man muß tapfer

bleiben. Monate zählen heute nicht. Bleib nur gesund und frisch, dann

ist alles gut. -- Draußen ist ein elendes Schweinewetter; meine

Kameraden haben's nicht gut. Und ich sitz hier gemütlich im Trocknen;

ich hab halt »Glück«, wird Maman sagen.

H, den 15. Dez. 1914.

L., meinen Brief, der von unsrer Abreise und unserm Ausscheiden aus dem

Divisionsverband berichtet, wirst Du hoffentlich erhalten haben. Morgen

ziehen wir los. Stell Dir vor, daß wir die gesamte Weihnachtspost, (sie

füllt ein kleines halbes Zimmer in Manneshöhe!) mitschleppen müssen!

Meine harmlose Aufgabe hier wächst sich zu einem taktischen Problem aus,

zum mindesten zu einem Transportproblem und Kunststück. Die Armeeabt.

Gaede, der wir jetzt angehören, resp. die Division Fuchs, ist eine

Landsturm-Division! Also beunruhigen brauchst Du Dich _gar nicht_. Ich

sehe sogar damit die Aussicht, früher heimkehren zu können; denn am

ersten werden wohl die Landsturmformationen aufgelöst werden.

Eben kommt Nachricht, daß die Abteilung hierher -- zurück -- kommt, also

alles beim alten bleibt. Ich glaub's nicht; warte jedenfalls bestimmte

Nachricht ab, ehe Du _Briefe_ mit neuer Adresse schreibst.

Metz 16. Dez. 14.

L., nun ist die Unsicherheit endlich behoben; wir wurden heut nacht 1 h

alarmiert. 4 Stunden Zeit um die ganze Weihnachtsbagage, kranke Pferde

etc. in Bewegung zu setzen, bei wahnsinnigem Sturm und Regen. Schön war

dieser turbulente Abschied von Hg. doch! Jetzt sitzen wir schon

gemütlich auf der Bahn und freuen uns, wieder Neuem entgegenzufahren.

Die Adresse wird nun schon stimmen. Armee-Abt. Gaede etc. -- -- Wir

haben ca. 800 Weihnachtspakete als Transportgut!! Deines ist leider

nicht dabei, kommt also am Postweg nach -- aber wann?!

Gute Weihnachtstage!

Mühlhausen, 17. Dez. 14. Abend.

Briefe, Aufzeichnungen und Aphorismen. Erster Band · 第 26 / 158 题