11. Consulatswesen.

* * * * *

Kein einziger Staat auf der ganzen Erde hat sich so in seiner

Abgeschlossenheit zu erhalten gewusst wie Marokko. Während die Türkei schon

seit langer Zeit in diplomatischem Verkehr mit allen europäischen Mächten

steht, in allen europäischen Ländern Gesandte und Consuln unterhält;

während China, wenn es auch noch keine Agenten in Europa hat, doch

fortwährend in diplomatischer Verbindung mit den christlichen Mächten steht

und das Reich der Mitte jetzt den Europäern geöffnet ist, bleibt der

äusserste Westen, el-Rharb-el-Djoani, geheimnissvoll verschlossen.

Weder die Schlacht von Isly oder des Prinzen von Joinville Bombardement von

Tanger und Mogador, noch die Einnahme von Tetuan haben vermocht, irgendwie

eine Veränderung herbeizuführen. Mit Ausnahme einer einzigen Macht,

Englands, sind die Beziehungen Marokko's zu allen übrigen Mächten förmlich

und kalt; sie beschränken sich eigentlich auf Differenzen der Mohammedaner

und Christen in den marokkanischen Hafenstädten.

Es haben indess früher wohl bessere Zeiten existirt, wir wissen, dass nach

den heftigsten Feindseligkeiten der Christen mit den Mohammedanern Spaniens

und Marokko's Pausen eintraten, in welchen beide vereint den Wissenschaften

oblagen. Die erste Vertreibung der Mohammedaner aus Spanien, endlich die

letzte im Jahre 1609, legte Grund zu jenem unauslöschlichen Hasse, den die

Norwestafrikaner [Nordwestafrikaner] von nun an gegen alles Christliche

kund geben. Dazu kamen auf den Thron von Marokko neue Dynastien, die erste

der Filali oder Schürfa, dann zu Anfang des 17. Jahrhunderts die zweite

Dynastie der Schürfa.

Marokko wetteiferte um diese Zeit mit den übrigen Raubstaaten im Capern

christlicher Schiffe, keine Macht war sicher, und hatte je ein europäisches

Schiff das Unglück an der gefährlichen Küste, die sich von der Strasse

Gibraltars bis zur Sahara hinerstreckt, zu stranden, so waren das Schiff

und was es enthielt unbedingt Beute der umwohnenden Völker, die Bemannung

aber wurde gemordet, verstümmelt, geschändet, im besten Fall aber ins

Innere geschleppt, um dort als Sklaven mittelst härtester Arbeit das Leben

zu fristen.

Und haben diese Verhältnisse vielleicht Besserung erfahren? Keineswegs!

Allerdings hat schon Sultan Soliman, oder Sliman, wie ihn die Marokkaner

nennen, die Aufhebung der christlichen Sklaven decretirt, und erleidet

jetzt ein Schiff irgendwo an der marokkanischen Küste Schiffbruch, so wird

die Mannschaft nicht mehr verkauft, sondern gemeiniglich nach langen Leiden

ausgeliefert. Werden unter der Zeit einige davon gemordet, werden, falls

Frauenzimmer dabei sind, diese nicht respectirt, so hat das noch nie Folgen

gehabt. Eigenthum wird aber auch heutigen Tages noch nie geachtet; der

Schiffsladung beraubt, des persönlichen Eigenthums bestohlen, so werden die

armen Verunglückten dem betreffenden Consul überhändigt. Sicher verlangt

der mit der Uebergabe Betraute vom christlichen Consul noch ein bedeutendes

Geschenk, möglicherweise wird auch noch eine Rechnung für Verpflegung

eingereicht. Und die Consuln zahlen und danken.

Im selben Jahr 1852, als der englische Admiral Napier marokkanische

Unbilden, gegen englische Unterthanen begangen, rächen wollte, aber nur

unnützerweise seine Flotte angesichts der marokkanischen Küste spazieren

führte, im selben Jahre wurde die preussische Brigg Flora an der Rifküste

geplündert. Vier Jahre später wurde Prinz Adalbert von Preussen, der

jetzige Admiral des Deutschen Reiches, an der nämlichen Küste beim

Wassereinnehmen verrätherisch angegriffen und verwundet. Marokko hat nie

Satisfaction dafür gegeben, gegen Preussen liess es sich durch den

schwedischen General-Consul damit entschuldigen (wie mir später der

marokkanische Grosswessier Si Thaib Bu Aschrin selbst bestätigte): der

Sultan habe keine Gewalt über die Rif-Bewohner, und lehne daher jede

Verantwortung für dergleichen Acte ab, und mit England wurden die guten

Beziehungen dadurch wieder hergestellt, dass das stolze Königreich dem

Sultan Geschenke machte.

Um die Politik Englands zu verstehen, müssen wir bis zum Jahr 1684

zurückgehen, zu welcher Zeit England die Stadt Tanger, welche Karl II. von

seiner portugiesischen Gemahlin Katharina zwanzig Jahre früher bekommen

hatte, freiwillig aufgab. Dieser unkluge Streich, einen Stützungspunkt am

Eingange des Mittelmeers freiwillig zu verlassen, wurde für die englische

Regierung dadurch neutralisirt, dass schon 20 Jahre später der kaiserliche

Feldmarschall Prinz Georg von Hessen-Darmstadt Gibraltar für England

eroberte, und Grossbritannien ist seitdem im stetigen Besitze dieser Veste

geblieben.

War es nun in früheren Zeiten England hauptsächlich darum zu thun, mittelst

Gibraltars die dortige Meerenge beherrschen zu können, dort am Eingange des

Mittelmeeres einen sichern Punkt für eine Kriegsflotte zu besitzen, so hat

die Dampfschifffahrt hierin eine vollständige Veränderung hervorgerufen.

Seitdem ein Dampfschiff in einer Stunde 15, ja ausnahmsweise 20 Knoten

zurücklegen kann, beherrscht der Fels von Gibraltar die Meerenge nicht

mehr. Ueberdies lässt sich mit den weittragendsten Kanonen die ganze

Passage bis zum afrikanischen Ufer nicht bestreichen. Für England aber wird

Gibraltar immer Wichtigkeit behalten wegen der Nähe von Marokko und als

Sammelplatz für eine Flotte. Aber weit wichtiger in dieser Beziehung würde

für England der Besitz von Ceuta sein. Was die Lage dieses Ortes

anbetrifft, so ist sie ebenso günstig wie die von Gibraltar, in Beziehung

zu Marokko aber bedeutend günstiger. Und insofern ist es wohl zu verstehen,

dass in jüngster Zeit immer wieder das Gerücht auftauchte, England

beabsichtige Gibraltar gegen Ceuta auszutauschen.

Das Interesse nun, welches England an Marokko bindet, liegt zum Theil

darin, weil der englische Handel, die englischen Producte fast

ausschliesslich den marokkanischen Markt beherrschen, dann in Eifersucht

gegen fremde Mächte, vorzugsweise Spanien und Frankreich. Und diese

Eifersucht entspringt hauptsächlich wieder daraus, dass England fürchtet

von eben diesen Mächten vom marokkanischen Markte verdrängt zu werden. Wir

wollen nicht zurückgreifen, und daran erinnern, wie England der Staat war,

der die Eingeborenen Algeriens und namentlich Abd-el-Kader thatsächlich

gegen Frankreich unterstützte, wir wollen bei den letzten Ereignissen

stehen bleiben.

Als am 25. März 1860 Mulei Abbes und O'Donnell Frieden schlossen, hatte

bald darauf der spanische General Kos de Olano, von seinen Soldaten

Abschied nehmend, vollkommen Recht zu sagen: "Wir haben einen für uns

neuen, ja einzigen Krieg in seiner Art beendigt, in welchem, nach meinem

Urtheile, wir bei jeder Action siegreich gewesen sind, aber dennoch die

Campagne verloren haben."

Olano hatte vollkommen Recht so zu sagen, denn gewonnen haben die Spanier

in diesem Feldzuge nichts. Das Versprechen Agadir abzutreten ist nicht

gehalten worden, im Gegentheil, im Jahr 1862 konnte ich mich überzeugen,

dass der Sultan Sidi Mohammed aufs eifrigste damit beschäftigt war, diesen

Ort, der früher nur mangelhaft befestigt war, durch neue und gut

ausgeführte Befestigungen zu schützen. Eine Mission in Fes und Mikenes

einzurichten, daran haben die Spanier bis jetzt nicht denken können,

trotzdem, dass auch dies beim Friedensschluss verabredet war. Tetuan musste

wieder herausgegeben werden, und die Kriegskosten sind noch lange nicht

bezahlt, und werden es auch, wenn es so fort geht, nach eigener spanischer

Berechnung in hundert Jahren noch nicht sein.

Und wer brachte diesen für Spanien so ungünstigen Frieden zuwege? Wer

verhinderte die Spanier von Tetuan nach Tanger zu marschiren, wer

verhinderte das Bombardement von Tanger, Mogador und anderen marokkanischen

Hafenplätzen? Nur England! Sidi el Hadj Abd es Ssalam, Grossscherif von

Uesan, erzählte mir sogar ein Jahr später, dass englische Soldaten als

Marokkaner verkleidet, an den Batterien in Tanger gestanden haben, um die

Kanonen zu bedienen, falls die Spanier dennoch einen Angriff wagen würden.

Natürlich kann ich nicht einstehen für die Wahrheit dieser Aussage, sie

bekundet aber, wie innigen Antheil England derzeit an Marokko nimmt.

Die ersten regelmässigen Beziehungen Spaniens mit Marokko fanden im Jahr

1767 und 1798 statt. Wie die übrigen christlichen Nationen verstand auch

Spanien sich zu einem jährlichen Tribut, der sich indess nur auf etwa 1000

Thlr. belief. Freilich mussten bei einem jeden Consulatswechsel 12,000

Thlr. extra bezahlt werden. Spanien betonte übrigens in dem 1798

abgeschlossenen Vertrage, die Geschenke nur deshalb leisten zu wollen,

damit die in Mikenes, Marokko, L'Araisch und Tanger bestehenden Klöster

ohne Hinderniss ihre Religion ausüben könnten. Die Klöster im Innern waren

hauptsächlich errichtet, christliche Sklaven freizukaufen und ihnen in

Krankheit Beistand zu leisten, namentlich auch sie in der christlichen

Religion zu stärken und zu erhalten. Höst in seinem 1781 erschienenen Werke

erwähnt noch dieser Klöster. Aber da der religiöse Fanatismus in Marokko

bis jetzt immer noch wachsend gewesen ist, sah sich Spanien genöthigt,

schon Ende des vorigen Jahrhunderts die Klöster von Mikenes und Marokko

aufzuheben; das von L'Araisch wurde 1822 geschlossen.

Augenblicklich lebt der spanische Generalconsul in Tanger mit der Regierung

von Marokko auf gutem Fusse, spanische Agenten theilen mit denen des

Sultans sämmtliche Hafeneinkünfte aller Häfen, damit Spanien so zu seiner

Kriegskostenentschädigung komme.

Der einzige Staat, der es verschmäht hat, je Verbindung mit Marokko

anzuknüpfen oder gar Tribut zu zahlen, ist Russland, und eigenthümlich,

Russland ist in Marokko am meisten gefürchtet, den Namen "Muscu" spricht

jeder Marokkaner mit einer gemessenen ehrfurchtsvollen Scheu aus.

Frankreich behauptet[108], schon 1577 Consuln in Fes gehabt zu haben, ob

dem so ist, wollen wir dahin gestellt sein lassen. Die ersten

diplomatischen Beziehungen waren der Vertrag vom 3. Sept. 1630, vom 17. und

24. Sept. 1631, vom 16. Jan. 1635 und vom 29. Jan. 1682[109], endlich 1693

zur Zeit Louis XIV. Letzterer trat erst 1767 in Kraft. Frankreich bezahlte

keine bestimmte jährliche Summe, aber die jährlichen Geschenke giebt Hemsö

auf mehr als 100,000 Thlr. an.

[Fußnote 108: Jules Duval, Rev. des deux mondes 1859.]

[Fußnote 109: Du Mont, Corps diplomatique t. V. VI. u. VII.]

Von dem ersten Tage der Eroberung Algeriens an hat Frankreich beständig mit

Marokko auf dem qui vive gestanden. Die Schlacht von Isly, durch den jetzt

regierenden Sultan Sidi Mohammed verloren, das Bombardement von Mogador und

Tanger haben keineswegs dazu beigetragen, die Franzosen beliebt zu machen.

1844 als Friede und ein neuer Vertrag geschlossen wurde, konnte

Abd-er-Rhaman sich nicht dazu verstehen, den französischen Gesandten in

Fes zu empfangen, er ging eigens zu dem Ende nach Rbat.

Seit der Zeit hat Frankreich keine ernste Streitigkeiten mit Marokko

gehabt, die Expedition gegen die Beni-Snassen war lokal und geschah mit

Genehmigung des Sultans, andere Differenzen, z.B. manchmal Auslieferungen

algerinischer Verbrecher und Revolteure, wurden immer dadurch beigelegt,

dass Marokko wo es nur konnte aufs schnellste Frankreichs Wünsche erfüllte.

Denn England wird in Marokko geliebt, Spanien gehasst, aber Frankreich

gefürchtet. Das ist die eigene Aussage des marokkanischen ersten Ministers.

Obgleich England nicht zu den Mächten gehört, welche die ältesten Tractate

mit Marokko geschlossen haben, so sehen wir doch schon, dass zur Zeit der

Regierung der Königin Elisabeth englischer Handel sich an der

marokkanischen Küste entwickelte. Am 2. Januar 1718 wurde der erste[110]

und unter Georg II. und Sultan Mulei Hammed el Dahabi im Juni 1729 ein

zweiter Vertrag geschlossen. Von den Sultanen Sidi Mohammed 1760, von Mulei

Yasid 1790, und von Mulei Sliman 1809 wurde dieser Vertrag bestätigt[111].

Denn die Sultane von Marokko anerkennen die Acte ihrer Vorgänger nur, wenn

sie dieselben ausdrücklich bestätigt und erneuert haben, namentlich solche

mit den christlichen Mächten. Ein Hauptgrund zu einem solchen Verfahren

ist, dass bei einer Vertragserneuerung die betreffenden Staaten bedeutende

Geschenke an den Sultan und seine Regierung zu machen haben. In einer 1815

vom englischen Parlament veröffentlichten Liste ersehen wir, dass Marokko

mit einer jährlichen Liste von 16,177 Pfd. St. von 1797 bis 1814 figurirt

als Kriegsunterstützung[112]. Ausserdem hat die grossbritannische Legation

in Marokko über jährliche 10,000 Piaster zu Geschenken zu verfügen, und

versorgt zum Theil Marokko gratis mit Munition[113] und Waffen wegen der

Erlaubniss, nach Gibraltar Vieh und Getreide so viel es braucht ausführen

zu können.

[Fußnote 110: Du Mont, Corps diplom. T. VIII.]

[Fußnote 111: Gråberg di Hemsö, p. 232.]

[Fußnote 112: Revue des deux mondes 1844. Maroc, ses moeurs et

ressources.]

[Fußnote 113: S. Calderon.]

Die grössten Erfolge verdankt England jedoch seinem jetzigen Repräsentanten

in Marokko, Sir Drummond Hay. Um Männer zu haben, die genau mit den Sitten

und mit der Sprache des Volkes bekannt sind, hat England zu seinen

Vertretern in Marokko nur solche Leute genommen, die dort im Lande geboren

sind. So auch Sir Drummond, der wie kein anderer das Land kennt, und mit

Hoch und Niedrig umzugehen weiss. Am 9. December 1859 schloss Sir Drummond

mit Abd-er-Rhaman einen neuen Handelsvertrag, und traf Bestimmungen, von

denen alle christlichen Mächte profitiren sollten. Indess beanspruchte im

Vertrage von 1861, der, was das Commercielle anbetrifft, revidirt wurde,

England für sich eine Ausnahmestellung.

So heisst es z.B., Englands Consuln dürfen residiren, in welchem Hafen oder

in welcher Stadt[114] es Grossbritannien für gut findet, während für die

Consuln der übrigen Mächte nur die Hafen erwähnt sind. Andererseits ist

anzuerkennen, dass England in diesem Vertrage zum erstenmal für alle

europäischen Agenten das Recht erlangte, die Fahne da aufzuhissen, wo man

es wollte, und nicht bloss wie früher im "unreinen Ghetto" der Juden. Und

vor allen Dingen ist hervorzuheben, dass England den Protestanten volle

Freiheit bei Ausübung ihres Cultus zusicherte. Im Jahre 1862 war Sir

Drummond selbst in Mikenes während eben der Zeit wie ich dort war, und ich

konnte mich selbst überzeugen, wie allmächtig sein Einfluss, mithin der

Englands in Marokko ist, und irre ich nicht, so hat Drummond Hay im Jahre

1867 sogar in Fes den Sultan besucht. Derjenige, der weiss, wie sehr

schwierig es ist, mit den marokkanischen Monarchen in Person zu verkehren,

namentlich in einer der Hauptstädte des Landes selbst, wird ermessen

können, welch grosses Zutrauen der derzeitige Sultan zum jetzigen

grossbritannischen Consul hat.

[Fußnote 114: Um Marokko nicht zu verletzen, würde übrigens England

wohl nie darauf bestehen, im Innern des Landes Consuln zu halten.]

Aber die englische Regierung, die weiss, dass solchen Völkern hauptsächlich

durch Glanz, Reichthum und Macht imponirt wird, hat in Tanger ein

Consulatsgebäude herstellen lassen, das seiner Zeit mehr als 70,000 Thaler

kostete, der Generalconsul und Ministerresident bezieht einen Gehalt von

mindestens 50,000 Francs; ausserdem stehen dem englischen Minister zur

Seite ein bezahlter Viceconsul, ein Arzt, Prediger, verschiedene

Dolmetsche, Cavassen und Diener, alle gleichfalls hoch besoldet. In

Mogador, Asfi, Darbeida, Dar-Djedida, Rbat, L'Araisch, Arsila und Tetuan

unterhält England ebenfalls bezahlte Consulate, Viceconsulate und

Agenturen.

Im Anfang der 60er Jahre vertrat England ausserdem das Königreich Dänemark,

Oesterreich und die deutschen Hansestädte.

Die Hanseatischen Städte zahlten auch Tribut. 1750 musste Hamburg 50

Lafetten liefern, ausserdem 300 Centner Pulver etc.[115].

[Fußnote 115: Pacy, La piraterie musulmane, Revue africaine. 1858.]

Am 18. Juni 1753 (Höst, p. 284) schloss Dänemark einen Tractat mit Marokko;

da die meisten älteren Tractate ähnlicher Art sind, heben wir daraus

hervor: § 6 und 10. Jeder Däne kann im Lande reisen und hat Sicherheit (?).

Keine andere Nation ist der dänischen bevorzugt. § 9. Kein dänisches

schiffbrüchiges Schiff darf beraubt, oder die Mannschaft davon misshandelt

werden (?). Kein Maure darf den Dänen zwingen, seine Waare unter dem Werthe

zu verkaufen. Kein Matrose darf mit Gewalt von einem dänischen Schiffe

genommen werden. § 12. Wenn ein dänisches Schiff einige von seinen in einem

marokkanischen Hafen bereits verzollten Waaren nach einem anderen Hafen in

Marokko bringen möchte, so soll kein Zoll aufs neue von den an Bord

befindlichen Waaren erlegt werden, die anderwärts hin bestimmt sind. Von

Munition und Schiffsbaumaterialien wird kein Zoll bezahlt.--Dänemark

bezahlte dafür (Hemsö p. 235) jährlich 25,000 Thaler, und auserdem

[ausserdem] für die Erlaubniss, eine Handelscompagnie an der Küste von Sla

bis Asfi anzulegen, ein Annuum von 50,000 Thlrn.

Im Jahre 1844 hat Dänemark erst aufgehört Tribut an Marokko zu zahlen,

während Schweden, welches im Jahr 1763 den ersten Vertrag mit Marokko

unterzeichnete, hierfür dem Sultan einen jährlichen Tribut von 20,000

Thalern gab. Vorher bestanden die Geschenke Schwedens in Naturalien: Holz,

Tauwerk, Munition etc. 1771 unter Gustav III. wurde ein neuer Vertrag

vereinbart, wonach Schweden jährlich zweimal einen Gesandten mit Geschenken

zu schicken hatte, aber 1803 derselbe alte Vertrag wieder erneuert, wonach

Schweden 20,000 Thaler leistete, und noch die Demüthigung erfuhr, dass

dieses Geschenk _öffentlich_ durch den Consul überreicht werden

musste. Unter Bernadotte wurde der Tribut dann gänzlich aufgehoben; der

schwedische Generalconsul hatte die Annuität von 20,000 Thalern eines

Jahres zum Bau eines Consulatsgebäudes[116] benutzt, und später die Zahlung

nicht weiter geleistet. Zur Zeit, als ich in Marokko anwesend war, vertrat

Schweden und Norwegen zugleich Preussen.

[Fußnote 116: Siehe von Maltzan: "Drei Jahre im Nordwesten von

Afrika."]

Oesterreich, das sich jetzt auch durch England vertreten lässt, schloss,

nachdem der Kaiser Rudolph II. im Anfange des 17. Jahrhunderts einen

Gesandten an Sultan Abu Fers geschickt hatte, einen Vertrag mittelst des

Engländers Shirley; im Jahre 1783 am 17. April, also ungefähr 150 Jahre

später (Schweighover, Staatsverfassung von Marokko und Fes), erneuerte es

den Vertrag. Zu der Zeit hatte Sidi Mohammed einen Gesandten an Joseph II.

geschickt, Namens Mohammed Abd-el-Malek, der mit dem Rath von Jenisch den

Vertrag erneuerte und besiegelte. Im Jahre 1815 verpflichtete sich Kaiser

Franz gegen Marokko für Venedig einen jährlichen Tribut von 10,000 Sequinen

zu zahlen, wozu sich 1765 die Republik verpflichtet hatte. Im selben Jahre

jedoch brach Oesterreich jede Verbindung mit Marokko ab, und hörte, wohl

von allen europäischen Staaten der erste, auf, Tribut zu zahlen.

Oesterreich verwies seine Unterthanen an Spanien. Die vielen Vexationen,

die Sultan Abd-er-Rhaman aber gegen Oesterreicher ausübte, zwangen diesen

Staat zu einer militärischen Demonstration. 1829 bombardirte der

österreichische Admiral Bandierra einige Küstenstädte, aber ohne grossen

Erfolg. Unter Dänemarks Vermittelung kam am 12. Februar 1830 ein Vertrag

mit Marokko zu Stande, von dem nur bekannnt [bekannt] ist, dass Oesterreich

sich nicht zu Geschenken oder Tribut verpflichtete. Die Vertretung blieb

Dänemark und später England überlassen.

Mit dem Sultan Sliman hatte im Jahr 1817 Preussen versucht ebenfalls einen

Vertrag abzuschliessen, der aber nicht zu Stande kam, und seit der Zeit

blieb, wie angeführt, die Vertretung dieses Landes Schweden überlassen. Im

Anfange dieses Jahrhunderts hatte denn auch Hamburg versucht, einen Vertrag

zu Stande zu bringen, da ein Hamburger Artikel früher wie auch jetzt

(wenigstens dem Namen nach), nämlich weisser Kattun, "Amburgese" genannt,

sehr gesucht war; auch dieser kam nicht zu Stande; Hamburg liess sich dann

später durch Portugal vertreten, und zuletzt mit den übrigen Hansestädten

durch England.

1825 schloss Sardinien mit Marokko einen Vertrag und verpflichtete sich,

bei jedesmaliger Erneuerung des Consulats 25,000 Frcs. in Geschenken zu

erlegen.

Die durch die kleinen italienischen Staaten abgeschlossenen Verträge, von

Sardinien (und vordem von Genua), von Toscana, vom Königreich beider

Sicilien, wurden 1859 durch einen neu zwischen Gesammt-Italien und Marokko

vereinbarten Tractat aufgehoben. Mau hat im letzten Jahre von Differenzen

gehört, die zwischen Marokko und Italien ausgebrochen waren. Italien hat

ebenfalls ein Generalconsulat in Tanger, und in den meisten Hafenplätzen

Agenturen.

Die Niederlande, die am frühesten mit Marokko in Rapport waren, der erste

Vertrag wurde am 5. Mai 1684, dann später einer 1692 am 18. Juli (von Du

Mont, t. VII.) geschlossen, zahlten jährlich dem Sultan 15,000 Thaler.

Schon 1604 hatte Sultan Abu Fers einen Gesandten nach Holland geschickt,

der dort starb. Im Jahr 1815 schickte Wilhelm, König der Niederlande,

eigens einen General nach Marokko, um dem Sultan zu notificiren, er sei

nicht mehr tributär. Die Holländer, heute durch England vertreten, besitzen

eines der schönsten Consulatsgebäude in Tanger.

Portugal unterhält wie England, Frankreich und Spanien einen Generalconsul

und Ministerresidenten. Seitdem 1769 der Sultan Mohammed Masagan den

Portugiesen genommen hat, sind die Beziehungen gut gewesen. Und Portugal

ist der einzige Staat, von dem man sagen kann, Marokko behandle ihn auf

gleichem Fuss, denn die jährlichen Geschenke, welche der Sultan von Marokko

an den König von Portugal schickt, sind allerdings nicht so werthvoll, wie

die, welche er empfängt, deuten aber doch die Achtung vor der

portugiesischen Macht an.

Selbst die Vereinigten Staaten von Nordamerika konnten dem Tribute nicht

entgehen, den fast alle christlichen Staaten die Feigheit begingen, Marokko

jährlich zu entrichten. 1795 wurde mit Mulei Sliman ein Vertrag auf 50

Jahre geschlossen, also bis 1845; in diesem verpflichteten sich die

Amerikaner zwar nicht zu einer bestimmten jährlichen Summe, indess die

Zwangsgeschenke betrugen alle Jahre ungefähr 15,000 Thaler. 1845 wurde eine

neue, diesmal für Amerika günstigere Uebereinkunft getroffen. Amerika hat

in Tanger ein Generalconsulat.

Brasilien und einige kleinere amerikanische Staaten haben ebenfalls in

Tanger und den übrigen marokkanischen Hafenorten Vertretung.

Heute ist die Stellung der europäischen Consuln in Marokko eine ganz

verschiedene, aber dennoch ist die Macht derselben weit entfernt von der,

welche die christlichen Consuln in der Türkei haben. Für das Innere gelten

auch heute alle Verträge und Bestimmungen nicht, sobald sie Europäer

betreffen; das Ansehen eines europäischen Consuls ist im Innern gleich

Null. Tribut zahlt heute kein einziges Consulat mehr, aber die mehr als

königlichen Geschenke, die vor und nach namentlich England und Spanien an

Marokko geleistet haben, habe ich selbst bewundern können; und so erfordert

es ausserordentliche Klugheit und Gewandtheit für einen Consul mit den

Marokkanern zu verkehren. Wenn Fälle wie ehedem auch wohl nicht mehr

vorkommen, wo europäische Consuln willkürlich auf ein Schiff gepackt und

fortgeschickt wurden[117], falls sie den Marokkanern nicht gefallen, so

verweigerte doch 1842 der Sultan dem französischen Consul Pelissier in

Mogador das Exequatur, bloss weil es Sr. marrokkanischen Majestät so

gefiel. Leon Roche musste von Tanger abberufen werden, weil er zu genau die

marokkanischen Interessen und Zustände kannte, und England und Marokko dies

nicht dulden wollten. Nach 1844 ist zwar Frankreich ganz anders

aufgetreten.

[Fußnote 117: Die marokkanische Regierung kann dies heute schon

deshalb nicht mehr, weil sie kein einziges Schiff zur Disposition

hat.]

Was Marokko selbst anbetrifft, so hat es nie daran gedacht sich im Auslande

vertreten zu lassen, oder aus eigenem Antriebe diplomatische und

commercielle Verbindungen mit fremden Mächten anzuknüpfen. Die

verschiedenen Gesandtschaften, welche die Regenten Marokko's nach Europa

schickten, hatten alle nur den Zweck Geschenke flüssig zu machen und Gelder

zu erpressen. Eine möchten wir ausnehmen: die von Mulei Abbes, Bruder des

jetzigen Sultans, nach Spanien im Jahre 1860/61. Sie hatte natürlich nicht

im Auge Gelder oder Geschenke zu bekommen, es handelte sich darum eine

Ermässigung der Entschädigungsgelder für Marokko zu erlangen, und auch

diese wurde nicht aus freiem Antriebe entsandt. Spanien hatte ausdrücklich

erklärt über diesen Gegenstand nur mit dem Bruder des Sultans im eigenen

Lande verhandeln zu wollen. Und Marokko erlitt die Demüthigung, dass,

nachdem man Mulei Abbes durch Spanien spazieren geführt hatte, kein Deut

von den Kosten erlassen wurde.

An Consuln besitzt Marokko nur einen[118]. Es ist dies der Hadj Said

Guesno, der in Gibraltar gewissermassen das ganze Consulatswesen seines

Monarchen gegenüber den Christen repräsentirt. Was für eine Art dieser

Consul ist, davon kann sich der Leser am besten einen Begriff machen aus

dem Briefe eines Freundes in Gibraltar, datirt vom 18. Mai 1871: "Mein

marokkanischer College, ein Ex-Slave, jetzt Pantoffelnfabrikant und schwarz

wie ein Teufel, würde sehr staunen, wenn ich fragen würde, ob er mir einige

Aufklärungen geben könnte über diesen oder jenen Stamm, ob er arabischen

oder berberischen Ursprungs sei--er würde mich gar nicht verstehen, erstens

weil er über solche Dinge wohl nie nachgedacht hat, und zweitens weil sich

sein ganzes Sinnen und Trachten auf seine gelben Pantoffeln

concentrirt[119]."

[Fußnote 118: Der ehemals in Genua residirende marokkanische Consul

existirt dort seit Jahren nicht mehr.]

[Fußnote 119: Ich hatte diesen Freund gebeten, mir vom marokkanischen

Consul einige Noten über marokkanische Stämme zu erbitten.]

Dies ist der einzige würdige Repräsentant seiner unfehlbaren marokkanischen

Majestät im Auslande.

Es tritt nun noch die Frage auf, wäre es wünschenswerth für das _deutsche

Reich_ eine Vertretung in Marokko zu haben? Wir müssen dies auf alle

Fälle bejahen. Unsere politischen Interessen sind in Marokko so ziemlich

identisch mit denen Englands, das ausserdem seine wichtigen commerciellen

Angelegenheiten zu wahren hat. Wir stimmen insofern mit den Ansichten

Englands vollkommen überein, dass Frankreich seine Herrschaft nicht auf

Marokko ausdehne. Allein schon die Nähe der französischen Colonie macht es

für uns nothwendig in Marokko Vertreter zu haben.

Da natürlich eine Consulatseinsetzung in Marokko nicht so ohne weiteres vor

sich gehen kann, so müssten vor allen Dingen erst Unterhandlungen

angeknüpft werden, entweder vermittelst eines schon in Marokko bestehenden

und anerkannten Consulats oder direct mit der Regierung des Sultans. Wählt

man das erstere, so würde jedenfalls das grossbritannische Generalconsulat

am geeignetsten sein, es ist die Persönlichkeit Sir Drummond Hay's, des

englischen Ministers, die in Marokko beliebteste und geachtetste. Wählt man

den Weg einer directen Verständigung, so würde jedenfalls das Beste sein

den Zeitpunkt abzuwarten, wo der Sultan, der ganze Hof und die Regierung

sich in Rbat befinden, dort den Abgesandten des deutschen Reiches durch

einige Kriegsschiffe hinbegleiten zu lassen, damit dadurch zugleich Marokko

eine _sichtbare_ Vorstellung von der Macht unseres Landes bekäme.

Natürlich müsste mit der Anknüpfung diplomatischer Beziehungen ein Geschenk

verbunden sein, aber einige 1000 Chassepots, dem Sultan gegeben, würde ein

ebenso angenehmes Geschenk für ihn wie ein für uns erpriessliches

[erspriessliches] sein.

* * * * *

Mein erster Aufenthalt in Marokko und Reise südlich vom Atlas durch die Oasen Draa und Tafilet. · 第 16 / 20 题