Punkten einen Zufluchtsort gesucht hatten, verbreitete sich in der
Stadt gar bald die in dem Tempel begangene Entweihung, und die Peruaner
schauderten vor Entsetzen, ihre Götter so schändlich entweiht zu sehen,
und in ihren Adern glühte der Geist der Rache und ihre Herzen fühlten
einen allen Gefahren überlegenen Muth. Wie gewiß ist es, daß sich der
Sieger, welcher die Voreingenommenheiten der Völker nicht achtet,
eines Tages besiegt sehen wird! Die Peruaner sahen den Untergang ihrer
Freiheit und ihrer Gesetze an, sie sahen, wie man ihnen ihre Schätze
entriß, ihre Jungfrauen schändete, das Blut ihrer Söhne vergoß, und sie
litten in furchtbarem Stillschweigen; aber als sie ihre Tempel entweiht
und ihre Götter weggeschleppt sahen, platzte ihre Entrüstung und ihre
Rache los. Noch beim Absingen des _Te Deums_ wurden die Sieger von
den wenigen kräftigen Bewohnern, welche in der Stadt geblieben waren,
im Tempel angefallen, und an eine Ueberraschung glaubend, erschraken
sie und viele waren ein Opfer der Wuth der Besiegten. Nachdem sie
sich endlich wieder erholt hatten, wurden die Peruaner in dem Tempel
geopfert und der religiöse Fanatismus entflammte die Seelen für einen
Krieg bis auf den Tod.
Zum Blutbade rufend, gab Luque nachher die Seelen der Besiegten dem
Teufel und jedem der Soldaten zehn Tage Ablaß. »Diese Barbaren,« rief
er aus, »von dem Teufel, der seine Macht in diesem Reiche zu Ende gehen
sieht, hingerissen, haben die Heiligkeit unseres Festes entweihen
wollen; im Tode und in der höllischen Pein haben sie ihre würdige
Strafe gefunden. Es gebe kein Erbarmen, ihr Christen, die Götzendiener
kennen keine Reue und Barmherzigkeit; wer das Wasser der Taufe nicht
empfängt, werde in Gottes Namen verbrannt.« Beim Verhängen dieses
Urtheils schien das ganze Reich zu erzittern.
Inzwischen war Pizarro nicht mehr als ein Christ, der demüthig auf
die Stimme des Priesters hörte und beim Aussprechen eines Bannfluches
bebte. Vor dem Kreuze niederknieend, gab er seinen Soldaten das
Beispiel des Gehorsams, und in seinem Innern kämpfte der Ehrgeiz, die
Blutgier, seine verzweifelte Liebe und der brennende Wunsch ewigen
Wohlergehens. Zu seiner Linken ebenfalls knieend, zeigte Almagro in
seiner Miene die Zeichen von Fanatismus; aber gefühlvoll geboren und
kräftigeren Verstandes als Pizarro, mißbilligte sein Herz das Betragen
seiner Gefährten, und er zweifelte, daß ein Gott des Friedens mit
Vergnügen das Blut unschuldiger Opfer fließen sähe. Die Liebe zu Coya
und das seinen Gefühlen so entgegengesetzte Betragen seiner Gefährten
veruneinigte ihn jeden Tag immer mehr mit den Interessen seiner
Waffenbrüder und der Bürgerkrieg war sehr nahe daran, im Lager der
Sieger auszubrechen.
Unermüdlich in seinem Bekehrungseifer und unversöhnlich in seinem
Blutdurst, wenn es sich um Götzendienerei handelte, stieg Luque
auf die Kanzel im Tempel, predigte den Abenteurern ausführlich
von den christlichen Geheimnissen, erinnerte sie an das Leiden
Christis, stellte als Hauptglaubensgrundsatz auf, daß es nicht
einmal eine erläßliche Sünde sei, einen Götzendiener zu tödten,
und daß, wo die Indianer nicht das Wasser der Taufe empfingen und,
was ein heilsames Mittel sei die ewige Seligkeit zu erlangen, das
Glaubensbekenntniß ablegten, man sie den Flammen übergeben solle, um
mit dem Teufelsgeschlecht auf Erden fertig zu werden. Freilich waren
die Eroberer der neuen Welt, welche, um ihren Ehrgeiz zu sättigen,
die Meere durchfahrend, in den Tod gingen, im Allgemeinen sittenlose
Abenteurer, es waren aber am Ende Männer des sechszehnten Jahrhunderts,
die sich bei den Worten des Priesters demüthig niederwarfen und die
ihre Leidenschaften verschwiegen, wenn die Wuth des mißverstandenen
Christenthums sprach: Luque ermahnte im Namen Gottes und der
allmächtige Luque beherrschte die Herzen und entflammte den Zorn.
Dort, in dem selben Tempel wurde in der Folge der Beschluß dreier
Jahrhunderte verhängnißvollen Krieges, der schimpfliche Beschluß,
welcher eines Tages das Blut von einer Welt zur andern fließen lassen
würde, gefaßt. »Alle Peruaner,« sagte das auf Tafeln geschriebene
Gesetz, »werden das Wasser der Taufe empfangen und Sklaven des
Königs im Osten sein; wenn sie aber gottlos auf der Götzendienerei
beharren, werden sie in die Flammen geworfen und ihre Seelen dem
Teufel überliefert werden.« Ah! unschuldiges Amerika! Oh! sechszehntes
Jahrhundert, Schandfleck entlegener Geschlechter!
Das Gesetz wurde auf Straßen und Plätzen veröffentlicht, und die Stadt
zitterte und das Reich erbebte. Die unglücklichen, ihrer Reichthümer
beraubten Bewohner, wo der Gatte die Gattin, die Geliebte ihren
Geliebten, vielleicht ein alter verwundeter Vater die geschändeten
Jungfrauen beweinte, hörten alle, von dem unmenschlichen Schmerze,
ihren Tempel entweiht und ihre Altäre umgestürzt zu sehen, bedrückt,
in starrer Betäubung das ruchlose Gesetz an. Der schwache Greis wollte
zum Märtyrer seiner süßen Glaubenslehren werden, der kräftige Jüngling
bot seiner wohlthätigen Gottheit seine Stärke und sein Blut an; die
Jungfrau und die Gattin weinten um ihre Wittwenschaft und warfen
sich den Gatten zu Füßen; es war lauter Trostlosigkeit; die dunkle
Knechtschaft war der Preis der Abtrünnigkeit, der Scheiterhaufen der
Inquisition das Ende ihrer unschuldigen Glaubenslehren.
Gefühllos bei so großem Schmerz und so großem Wehklagen, begannen
Luque und Pizarro mit der Ausführung des barbarischen Beschlusses. Die
Unglücklichen, welche ergriffen wurden, mußten ihr Glaubensbekenntniß
ablegen oder kamen in den Flammen um; Alle sahen sich genöthigt, in
dem Tempel zu erscheinen, um der Religion ihrer Väter zu entsagen oder
in die rauhen Wälder zu entfliehen und sich vor der Wuth ihrer Feinde
zu befreien. Fern von seiner Coya, vielleicht befürchtend, ihre Liebe
verloren zu haben, und obschon in eine unmerkliche Kälte versunken,
ohne Hoffnung, sie wieder in seine Arme zu schließen, konnte Almagro
die Greuelthaten, womit man das Christenthum beschimpfte und die
Menschenwürde gering schätzte, nicht dulden. »Ueberzeuge,« sagte er zu
Luque, »diese unglücklichen Bewohner mit der Beredtsamkeit, die dir
Jesus einflößt, reiße sie aus der Götzendienerei heraus, aber der Dolch
macht keine Christen.« Alles war umsonst; »Satan,« sagte der Priester,
»vermag mehr als die Gnade,« und Pizarro vertheidigte schon darum die
Sklaverei der Indianer, weil er sie kaum für Menschen hielt, und weil,
wenn er sie nicht mit Ketten belud, sie leicht ihre Arme nach Rache
ausstrecken würden.
Beim Landen in der neuen Welt führte, da Pizarro weit eher Regionen
zu entdecken, als Reiche zu erobern gekommen war, und da die Gelder
der Gesellschaft nach den bei den ersten Streifereien gemachten
beträchtlichen Auslagen zu gering waren, die Expedition sehr wenige
Kriegsvorräthe mit sich, und vor Allem hatte sie einen großen Mangel
an Pulver und Geschossen. Unter den Eindringlingen gab es Männer von
genügenden Kenntnissen zur Gewinnung des Pulvers und zur Herstellung
und zum Gießen der Metalle, und die Gebirge besichtigend, welche
Cajamalca umgaben, fanden sie Salinen und Mineralien, so viel sie
nur wünschen mochten, im größten Ueberflusse vor. Tausende von
Unglücklichen wurden zur Ausbeutung der Bergwerke fortgeschleppt und
kamen bei der Strenge einer beständigen und ihnen unbekannten Arbeit
um, oder fielen in den Schlünden der tiefen Ausgrabungen erstickt
nieder. Sie zogen die Urstoffe aus dem Innern der Erde hervor und
hernach gossen und verarbeiteten sie die Europäer allein, damit ihre
Sklaven nicht zerstörende Waffen verfertigen lernten. Die unglücklichen
Peruaner schmiedeten ihre eigenen Ketten!
Die Reichthümer, welche die Gebirge in ihren Höhlen bargen,
beschränkten sich nicht nur auf Salinen und gewöhnliche Metalle; bei
den Nachgrabungen fanden sich auch Gold- und Silberadern vor, die den
Ehrgeiz der Sieger entflammten und eine Million Indianer zum Tode
verdammten. Trotz des Ueberflusses an Gold, den die Amerikaner hatten,
war ihnen die Kunst der Ausbeutung nicht bekannt, und niemals entnahmen
sie den Gebirgen und Flüssen andere Metalle als diejenigen, welche die
Natur verschwenderisch aus deren Schooße warf, und obschon diejenigen,
welche Cajamalca umgaben, nicht die ergiebigsten der neuen Welt waren,
so waren sie nichtsdestoweniger reich an Schätzen, die sich alsbald bei
dem Schweiße zeigten, den die Indianer bei den Nachgrabungen unter der
hartherzigen Leitung ihrer Besieger vergossen.
Nach Entnahme großer Mengen von Salz und Schwefel verfertigten sie
eine große Menge Pulvers, gossen unzählige Geschosse, worauf man die
Eroberung des Reiches gründete, und schmiedeten schwere eiserne Ketten,
woran sie die unschuldigen Sklaven, welche in ihrer Miene die Zeichen
der Verzweiflung, sich vor Elend sterben zu sehen, und unter einer
Arbeit gebeugt, die ihnen unwiderstehlich war, zur Schau trugen, um so
leichter versichern konnten.
Alle Bewohner Cajamalcas und von dem Lande, die das Wasser der Taufe
empfingen, wurden zu den Nachgrabungen in den Bergwerken verdammt,
und diejenigen, welche ihrem Glauben nicht entsagen wollten, flohen
in die Gebirge oder retteten sich vor ihren Verfolgern nach Cuzco.
Den unglücklichen Lastträgern wurde kaum das zum täglichen Unterhalte
Unerläßliche angewiesen, und die Sieger sorgten, mit dem Degen in der
Hand, dafür, daß die Arbeit betrieben wurde, und sie hatten das Recht,
denjenigen, welchen sie für träge hielten, zu verwunden und zu tödten.
So eine grausame Gewaltherrschaft brachte die unglücklichen Peruaner
bis zur Verzweiflung, und mehr als einmal spürte man theilweise
Aufstände, die aber immer durch grausame Metzeleien erstickt wurden.
Um selbst die geringste Gefahr zu vermeiden, und da sie genügend
Mineralien hatten, schmiedete man die Arbeiter mit schweren Ketten
aneinander, welche, indem sie deren Arme zur Arbeit frei ließen,
ihre Körper erdrückten und ihnen weder Ueberfall noch Vertheidigung
ermöglichten. Mit Schmerzensthränen benetzten jene Unglücklichen die
Schätze, die sie verfluchten.
Eine Zeit lang war Pizarro im Namen des Königs von Spanien Herr
aller Sklaven und sie arbeiteten in den öffentlichen Bergwerken und
wurden von dem Schatze bezahlt. Bald aber machten, um sein Ansehen
aufrecht zu erhalten, seine Freigebigkeit und der noch immer nicht
gesättigte Ehrgeiz der Abenteurer, daß die Sklaven durch Geschenk oder
Kauf in Privateigenthum übergingen. Der Herr hatte durch die ganze
Nachkommenschaft hindurch das Recht über Leben und Tod und verschaffte
sich die Wiedergeburt der Sklaven mit derselben Thätigkeit, mit
denselben Mitteln und denselben Zwecken, wie diejenigen irgendwelcher
anderer Hausthiere, die das Erbgut des Herrn vermehrten. Auf so
eine ungeheuerliche Staatswirthschaft konnte die Eroberung eines
Reiches nicht fußen! Und noch sind im neunzehnten Jahrhundert auf
unsern Besitzungen von Asien und Amerika schlagende Spuren jener
unmenschlichen Knechtschaft vorhanden.
[Illustration]
[Illustration]
Kapitel 16.
Verstärkung.
Obschon mit Lorbeern und Schätzen beladen, befand sich doch die
feindliche Abtheilung in den bedenklichsten Umständen, und die
Eroberung Perus konnte ihr immer noch unter ihren Händen entwischen.
Nur fünfhundert Abenteurer waren auf Pizarros Befehl in San Mateo
gelandet, und die verschiedenen Klimas und die erbitterten Kämpfe
hatten unter so geringen Streitkräften beträchtliche Verminderungen
hervorgerufen. Mit Schätzen überladen hatten sie im Allgemeinen ihren
Ehrgeiz schon befriedigt, und wären die Anführer nicht ebenfalls
ruhmsüchtig gewesen, so wünschten wohl alle, in ihr Vaterland und in
den Schooß ihrer Familien zurückzukehren, um die Früchte ihrer Gefahren
und ihrer Unerschrockenheit zu genießen. Almagro, der Gewaltherrschaft
Luques und Pizarros zum Theil immer entgegengesetzt, hatte ebenfalls
Anhänger im Lager, und der Bürgerkrieg drohte mit größerem Schrecken,
als die Eroberung des Reiches.
So schwierige Umstände waren Luque und Pizarro, welche mit allen nur
erdenklichen Mitteln den Ehrgeiz und die Begeisterung aufrecht zu
erhalten suchten, nicht verborgen, aber ihre Anstrengungen hatten
nicht immer den gewünschten Erfolg. Zu gleicher Zeit war Huascar mit
einem mächtigen Heere nach Cuzco gezogen, und neue Truppenaushebungen
machten, so furchtbar die Spanier auch in den Siegen gehaust hatten,
die Eroberung des Reiches von Tag zu Tag ansehnlicher. Mit so schwachen
Streitkräften konnte Pizarro, wenn er schon die Punkte San Mateo und
die übrigen Häfen oder Küstenorte verlassen hatte, die Stadt Cajamalca
nicht auch ohne irgend welche Kriegsmacht lassen, weil die Bewohner
erbittert zu den Waffen greifen würden, die Frucht seiner Siege
verloren ginge und er im Falle einer Niederlage keinen Punkt hätte,
wohin sich zu retten. Sich, obwohl mit Schätzen beladen, von Cajamalca
zurückzuziehen und sich wieder nach Panama einzuschiffen, würde ihrem
Namen sehr wenig Ehre und den glorreichen Waffen der Spanier weniger
Glanz verleihen.
Von einem versengenden Feuer zu Coya verzehrt, vermochte Almagro ebenso
wenig den Gedanken zu ertragen, sich wieder einzuschiffen, ohne die
Schöne, welche, da sie das Wasser der Taufe empfangen hatte, einer so
süßen Vermählung nichts entgegen setzen konnte, ewig in seine Arme zu
schließen. Wenn Pizarro, heftig und wild in seinen Leidenschaften, die
Zärtlichkeit, die süßeste Schwermuth der Einflüsterungen der Liebe
nicht kannte, fühlte er eine lebendige Leidenschaft für Ocollo,
welche durch den Stolz als Eroberer geschürt, ihm nicht erlaubte,
von dem Gedanken abzustehen, sich auf sein Opfer zu stürzen, um es
zu verzehren. Luque, der in Mitten seines fanatischen Wahnwitzes
seine ewige Erlösung auf die Bekehrung zum Glauben der Sonnenanbeter
bezifferte, würde eher den Tod vorziehen, als, die Eroberung Perus
verlassend, sein Seelenheil gefährden.
Die Abenteurer, welche sich von Tod und Gefahren umgeben sahen, fingen,
als sie ihren Ehrgeiz befriedigt hatten, an, mit Nachdruck die Stimme
zu erheben, um nach Panama zurückzukehren, und weder Luque noch Pizarro
konnten dieselben, außer für ihre eigene Vertheidigung, die Waffen
ergreifen lassen. Der Angriffskrieg schien bei seinem Ende angelangt
zu sein, und das Leben der Oberhäupter schwebte, ohne daß Pizarro die
Aufrührerischen bestrafen konnte, tausend Mal in Gefahr. Tage lang
verharrte die Abtheilung in einem so gewaltsamen Zustande, ohne daß
sie etwas von der Kolonie und noch weniger von der Hauptstadt wußten.
Nicht ein einziger Spanier war zwischen San Mateo, Tumbez und Cajamalca
zurückgeblieben, um angesichts der Landungsplätze zu sein, und den
weiten Weg zu besetzen; besiegt, waren die Peruaner immer noch nicht
bezwungen. Es war schwierig, daß die Eindringlinge Zuzug bekämen, und
Pizarros ganze Tapferkeit und Luques ganzer Fanatismus vermochten kaum,
ihre Abenteurer zurückzuhalten.
In so bitterer Lage stand an einem heißen Tage die Sonne hoch am
Himmel, als Pizarro und Luque von Ferne den Schein von Panzern und
Waffen erglänzen sahen. Sie glaubten vielleicht, daß ihre Feinde
bereits geschult und bewaffnet, sie zum Kampfe herausforderten, welches
war aber ihre Ueberraschung, als sie sahen, daß es Spanier, daß es
ihre Brüder waren, die ihnen zu Hilfe flogen! Fernando, der Bruder des
Statthalters, des Anführers der Abenteurer, führte von Panama, von
Guatemala und Nicaragua, achthundert nach den Schätzen Perus dürstende
Abenteurer her.
Pizarro, als er Peru entdeckte, dessen Küsten entlang lief und Tumbez
in Besitz nahm, schickte seinen damit beauftragten Bruder, überall die
günstigsten Nachrichten zu verbreiten, die dem Ehrgeiz eine glückliche
Zukunft verhießen, nach Panama, und in den Papieren, welche er der
Regierung übergab, waren, um die Kolonieen und die Hauptstadt in
Bewegung zu setzen, die Reichthümer bis ins Unendliche übertrieben.
So war es auch wirklich, sowie man in Panama die Berichte Pizarros
veröffentlichte und sich die Neuigkeit hievon nach den nahen Inseln
verbreitete, strömten Hunderte von Abenteurern herbei, um sich unter
die Fahne seiner Werber einzureihen; und sicher, sie mit Vortheil
wieder einzuheimsen, streckten die Kapitalisten für deren Ausrüstung
eilfertigst ansehnliche Summen vor. In kurzer Zeit vermochte Fernando
mit einer zu jener Zeit ansehnlichen Macht unter Segel zu gehen,
und nur so konnte er sich, Mangels an Hülfsmitteln, an denen die
Eindringlinge litten, der bereits schwankenden Eroberung vergewissern.
Schwierig wäre es, mit deren eigenen Farben jene Freude und jene
Ueberraschung zu schildern, die Luque und Pizarro, als sie sich von
achthundert Streitern verstärkt sahen, in ihren Mienen bekundeten.
Viele Stunden lang dauerten die ununterbrochenen Umarmungen und
das Geschluchze. Luque hob die Hände zum Himmel und segnete seine
Barmherzigkeit. Weit entfernt von Pizarro der Gedanke an Furcht, als
er mit Luque allein über ihre mißlichen Umstände nachdachte, er war zu
verwegen und tapfer genug, um sich nicht in Mitten seiner Dreistigkeit
vor dem Tode zu fürchten, sein Tod aber wäre fruchtlos und vermehrte
die Kühnheit seiner Feinde. Wenn Luque der Gedanke daran tröstete,
in der neuen Welt bereits das Evangelium gepredigt und hunderte von
Neubekehrten gemacht zu haben, zerriß ihn gleichfalls der Gedanke, den
Satan nicht vollends aus dem ausgedehnten Reiche werfen zu können.
Selbst Almagro, welcher seine Thränen mit denjenigen der unglücklichen
Besiegten vermischte, freute sich, weil er seine Hoffnungen nährte,
seine schöne Coya wiederzusehen, gleicherweise mit Begeisterung über
die Ankunft Fernandos.
Obwohl Fernando mit Pizarro bis nach Tumbez vorgedrungen war, wußte
er nichts von dem Innern des Reiches; und von den Nachrichten, welche
ihm die bestürzten Peruaner bei den Durchzügen verschafften, geführt,
tausenderlei Ungemach und Entbehrungen erleidend, konnte er, von dem
Getümmel, das den Bewegungen der Abtheilung Pizarros folgte, getrieben,
nur bis Cajamalca gelangen. Die Berichterstattung so verwickelter
und schwieriger Abenteuer, sowie die Beschreibung der Siege und der
ungeheuren Schätze und Trümmer des Reiches, erfüllte die Spanier viele
Stunden lang.
Fernando war nicht mehr als ein einfacher Heerführer, denn sobald er in
Cajamalca ankam, übergab er es Pizarro, als dem Anführer der Eroberung
und Statthalter der zu entdeckenden und zu erobernden Länder; Almagro
war sein Unterfeldherr, und Luque, allerhöchsten Ernennungen der
Hauptstadt zufolge, Generalverweser des ganzen Reiches.
Sowie sich Pizarro mit einer Verstärkung sah, welche seine
Streitkräfte, die er hatte, verdreifachte, gedachte er auf Cuzco
loszumarschiren und die Eroberung mit einem Schlage zu beendigen.
Die neuen Abenteurer, welche seine Reihen verstärkt hatten, mußten
ihm, wiewohl erst angeworben und nicht an das Klima der neuen Welt
gewohnt, ein vollständiges Vertrauen einflößen; nach Schätzen dürstend,
fanatisch und unmenschlich führte sie Alles zum Siege, und machte sie
Alles zu Luques und Pizarros würdigen Helden. Trotz der aus bereits
angedeuteten Gründen strengen Mannszucht herrschte unter den Siegern
Cajamalcas eine vollständige Widersetzlichkeit, und Pizarro erkannte,
daß es für ihn nicht vortheilhaft war, in seiner Abtheilung Soldaten zu
haben, welche ihm kein Vertrauen einflößten und welche die Zwietracht
einführten, und er veröffentlichte einen unverzüglichen Befehl, wonach,
wer wollte, auf den Schiffen, welche in San Mateo durchfuhren, in sein
Vaterland zurückkehren konnte. So erreichte er nicht nur, daß ihm
entschlossene Männer folgten, sondern auch, daß, da die Abenteurer
mit Gold beladen in ihr Land zogen, der Ehrgeiz Krieger, welche seine
Eroberung mehr befestigten, in die neue Welt lockte.
Zweihundert Mann baten um ihren Urlaub und zogen nach Tumbez und San
Mateo; und noch verblieben im Lager weitere zweihundert, die mit den
achthundert von Fernando Zugeführten, nach dem kühnen Anführer, eine
genügend starke Streitmacht bildeten, um auf Cuzco loszumarschiren.
Ein Theil der Kriegsmacht mußte in Cajamalca gelassen, und um die
Mittheilungen der Hauptstadt und der Kolonieen zu sichern, und sich der
bei den Ausgrabungen der Bergwerke beschäftigten unglücklichen Sklaven
zu versichern, bis zur Eroberung ausgedehnt werden.
Hundert Mann besetzten Cajamalca, und weitere hundert Mann erstreckten
sich, da Pizarro noch achthundert blieben, welche das Heer oder die
Operationsdivision bilden sollten, nach Tumbez und an die Küste.
In wenigen Tagen wurden die Zurüstungen und Vorräthe besorgt, und die
kühne Abtheilung war bereit, auf die Hauptstadt des mächtigen Reiches
loszumarschiren. An den glatten Rüstungen und den blinkenden Waffen
erglänzte die Pracht des herrlichen Thrones Karls des Fünften, und auf
den runzligen und schwermüthigen Stirnen zeichnete sich der religiöse
Fanatismus des sechszehnten Jahrhunderts mit seinen schwarzen Merkmalen
ab.
[Illustration]
[Illustration]
Kapitel 17.
Cuzco.
Reich an unbedingt nothwendigen Vorräthen, gewährte das Lager von
Cajamalca der Feldzugsabtheilung alle nöthigen Hülfsquellen, und
die an Mineralien reichen Gebirge, welche es umgaben, hatten ihnen
ebenfalls genügend Salpeter und Geschosse geliefert, um an großartige
Unternehmungen zu denken. Viertausend unglückliche Sklaven, welche
unter den gebieterischen Befehlen Pizarros seufzten, sollten als
Lastthiere für die Transporte dienen, so daß die Expeditionsdivision
die ganze Beweglichkeit hatte, welche der thätige Eroberer und die
augenblickliche Nothwendigkeit beanspruchten. Dem tapfern Kapitän
Manuel Ojeda wurde mit hundert erprobten Soldaten, welche sie
besetzten, der Oberbefehl der Stadt übertragen, und von seinen
Befehlen abhängige Unteroffiziere sollten, um den Nachtrab geschützt
zu halten, die Landungen zu erleichtern und die Mittheilungen mit den
Kolonieen und der Metropole zu sichern, die Detachements befehligen,
welche sich nach Tumbez und San Mateo erstreckten, und so eröffneten
die todesmuthigen Abenteurer mit großem Lärm und Geschrei, nicht wie
wenn sie in den Kampf zogen, sondern wie wenn sie bereits unter den
Ueberbleibseln der Beute den Sieg anstimmten, ihre Bewegung auf Cuzco.
Das peruanische Heer war unter dem Befehle des allgemein zum Nachfolger
des Inkas und Oberhaupt des Reiches anerkannten Huascars in Cuzco
eingezogen, wo es, durch neue Truppenaushebungen verstärkt, zu einer
nach ihrer Art Kriegsführung vollständig ausgerüsteten Streitmacht
von siebzigtausend Mann anwuchs. Die von den Eindringlingen in
Cajamalca begangenen Gewaltthätigkeiten waren ihnen wohl bekannt,
sie wußten um die Opfer, welche dieselben bei den Nachgrabungen der
Bergwerke und der Führung der Transporte hinmordeten; sie kannten
das unbillige Gesetz, welches sie zur Sklaverei und dazu verdammte,
ihren süßen Glaubenslehren zu entsagen, oder in den Flammen zu
sterben, und das ganze von Huascar beseelte Heer war entschlossen,
eher auf dem Schlachtfelde zu sterben, oder unter den Trümmern von
Cuzco zu versinken, als Sklaven der von Osten Gekommenen zu sein.
Eine ansehnliche Versammlung von Aeltesten trug mit ihrem Rathe zur
Regierung des Reiches bei; und Vericochas, im Namen der Sonne, in der
Sprache der Götter, nicht mit der des Todes und des Verderbens, zu den
Peruanern redend, entzündete sanft die Gemüther, eher rühmliche Opfer
zu werden, als den Wohlthätigkeiten des leuchtenden Gestirns undankbar
zu sein.