Das Urtheil sollte schon vollzogen werden und ein großer Scheiterhaufen

brannte angesichts Cajamalcas und der Eindringlinge, als hundert

Bataillone schneller, tapferer Peruaner hervorbrachen, um unter

den Waffen der von Osten Gekommenen den Tod zu suchen, oder ihren

unglücklichen und angebeteten Herrscher zu retten. Pizarro erkannte

die Gefahr und bereitete sich muthig zum Kampfe vor. Soto bewachte mit

hundert auserlesenen Männern den Inka und die Schätze, und Pizarro an

der Spitze der vierhundert Uebrigen erwartete ruhig den überflutheten

Strom, der ihn bedrohte. Da die Peruaner mit der Kriegsführung und

den Waffen der Spanier durch den mit ihnen gehabten Verkehr ein wenig

vertraut geworden waren, die fromme Verehrung, die sie ihnen eingeflößt

hatten, größtentheils verloren gegangen war und sie vor Rachedurst

brannten, konnte der Kampf nicht umhin, zweifelhaft, blutig und

hartnäckig zu werden.

Wie ein Strom stürzten sich die Peruaner über die spanischen Lanzen

her, und obschon das Feuer der Kanonen und der Hackenbüchsen die

Reihen lichtete, fielen sie tapfer, ergriffen aber nicht die Flucht;

sie erholten sich wieder, luden von Neuem und horchten auf die Befehle

des beherzten Huascars. Obwohl Almagro und seine Anhänger wußten, daß

ihnen kein anderes Mittel blieb, als Sieg oder Tod, kämpften sie jedoch

nicht auf das Aeußerste und noch weniger flößten sie Pizarro Vertrauen

ein. Der Kampf war hartnäckig, das Geschrei der Verwundeten und der

Anstürmenden mit dem Donner der Kanonen hallten fürchterlich; die

vierhundert Spanier waren ebensoviele Helden, aber bereits waren einige

unterlegen, indeß vielleicht die Peruaner Verstärkungen aus der Stadt

zuzogen. Pizarro erkannte das Mißliche seiner Umstände und er befahl

Soto, Atahulpa zu erschießen und mit den hundert auserlesenen Soldaten

zu laden.

Ruhig fiel der Inka vor der Sonne auf die Kniee nieder. »Du willst es,«

rief er aus, »wohlthätige Gottheit, ich werde in deine himmlischen

Wohnungen eingehen, aber den Untergang oder den Sieg deines Reiches

werde ich nicht mit ansehen.« Im Augenblick fiel er als ein Opfer des

brennenden Bleies und Soto lud wüthend in dem Kampf. Schon gaben die

Peruaner nach, und mit der Ankunft der neuen Streiter erklärte sich der

Sieg und sie flohen nach der Stadt. In dem Getümmel der Schlacht suchte

Almagro, die Gefahren verachtend, sehnsüchtig seine angebetete Coya,

um sie vor den Streichen irgend eines Unmenschen zu schützen. »Ah!

Treuloser,« sagte sie zu ihm, als sie ihn sah. »Ich bin unschuldig,«

wiederholte ihr der Krieger, »ich verehre dich,« und sie mit seiner

Waffe schützend, suchte Coya umsonst den Tod zu geben, noch ihn zu

empfangen.

Endlich siegte Pizarro; die Peruaner schlossen sich, aber erst nachdem

sie sich mit Muth und Verzweiflung geschlagen hatten, in den Mauern

Cajamalcas ein. Der Kampfplatz war mit Indianerleichen übersäet, aber

auch die Spanier erlitten, trotzdem sie sich mit ihren Panzern vor

den schwachen Waffen ihrer Feinde bedeckten, einige Verluste; sieben

Todte blieben auf dem Schlachtfelde, drei wurden als Gefangene nach

der Stadt fortgeschleppt und viele Verwundete waren kampfunfähig. Die

in ihrem Blute geröthete Leiche des Inkas besänftigte den Zorn des

fanatischen Luques nicht; noch brannte der Scheiterhaufen, worauf er

hätte aushauchen sollen, und sein Leib wurde, weil er in Ketzerei und

Sünde gestorben war, in die Flammen geworfen und seine Asche, als

der Bestattung unwürdig, dem Winde übergeben. Der Inka Atahulpa war

das erste Opfer, welches der Fanatismus des sechszehnten Jahrhunderts

an den Küsten des südlichen Meeres vor seinen schwarzen Altären

opferte, und mit seinem berühmten Namen eröffnete sich das peruanische

Märtyrerthum.

[Illustration]

[Illustration]

Kapitel 14.

Cajamalca.

Obschon sich die Peruaner mit der einem Volke eigenen Verzweiflung

schlugen, das für seine Gesetze, seine Reichthümer und seine Götter

kämpft, war ihre Niederlage dennoch eine vollständige und sie

flohen bestürzt, um sich in den schwachen Mauern einzuschließen;

das Schlachtfeld wurde mit Leichen bedeckt und tausend Gefangene

geriethen in die Gewalt der Sieger. Verstellung war bereits unmöglich;

der Augenblick der Entzweiung war angelangt und das Gold und das

Blut sollten von einer Welt zur andern fließen. Die fanatischen und

ehrgeizigen Eindringlinge hatten ebensowenig eine andere Zuflucht,

als Sieg oder Tod, und die Schlacht von Cajamalca bekäme einen neuen

Zeitabschnitt.

Kämpfend, oder um besser zu sagen, seine angebetete Coya schützend,

wußte Almagro nichts von dem Tode des Inkas, und als er seinen Leichnam

sah, durchschaute er endlich die Zurückhaltung seiner Gefährten

gegen ihn; aber wenn er, von dem Fanatismus seines Jahrhunderts

beherrscht, die Anklagen seiner Angebeteten fürchtete, bedauerte er

vielleicht das Schicksal des hartnäckigen Götzendieners nicht. Die

dunkeln Anforderungen des sechszehnten Jahrhunderts mußten erfüllt

und die Gefangenen zu Boden geschlagen werden, und der Leichnam

des Inkas wurde unter traurigen Bräuchen auf den noch brennenden

Scheiterhaufen geworfen. Wie ein Rasender lief Luque mit dem Cruzifix

in den Händen die Reihe der Gefangenen ab, indem er sie ermahnte, das

Kreuz anzubeten; ein unwiderruflicher Befehl verurtheilte denjenigen,

der das Wasser der Taufe nicht empfinge, zu ewiger Knechtschaft und

die bestürzten Gefangenen bogen dem Priester ihren Nacken, um das

erlösende Wasser zu empfangen, und indessen verbarg sich die Sonne

trüb und düster zwischen leichten Wolken, und ihre Anbeter warfen

ihre zitternden Angesichter auf die Erde nieder, und vielleicht ihren

Zorn befürchtend, brachen einige von feurigerem Blute in furchtbare

Verwünschungen gegen den Gott der von Osten Gekommenen aus, und sie

wurden in die Flammen geworfen und ihre Asche dem Winde übergeben, und

weder Pizarro noch der wüthende Luque waren Verbrecher, weil es ein

Verbrechen ihres Jahrhunderts war.

Da die Feindseligkeiten bereits mit aller Wuth ausgebrochen, sehnten

sich die Abenteurer nach dem Augenblicke, Cajamalca anzugreifen und

das Reich zu beherrschen. Der Eroberer glaubte, daß weder den Großen

noch dem Volke etwas von den blutigen Auftritten auf dem Schlachtfelde

verborgen bleiben dürfte, damit so der Schrecken seine Flügel im

ganzen Umkreise ausbreitete und er gab wirklich zehn Gefangene frei,

die voller Schrecken in der Stadt anlangten, wo man von Allem nichts

wußte. Als man den Tod des Inkas, die Verbrennung seines Leichnams, die

Knechtschaft oder die Taufe der Gefangenen, die Wuth des Schicksals

endlich, das dem Reiche drohte, erfuhr, erzitterte das Volk, und

umsonst verhielten sich die Priester ruhig, um Trost zu spenden und

demüthige Bitten an ihren Gott zu richten.

Feierliche Grabgesänge wurden in dem Tempel für den Inka und für die

in den Flammen oder auf dem Kampfplatz Gestorbenen angestimmt; aber

die niemals mit Blut gefärbten Sonnenaltäre begehrten den der drei

gefangenen Spanier, die man in der Schlacht ergriffen hatte, nicht.

Zum Tempel geführt, wohnten sie den Feierlichkeiten der Peruaner bei,

und im Namen der Sonne frug sie Vericochas nach der Herkunft ihrer

Vorfahren und nach den Beweggründen ihres Betragens. Obschon nur

einfache Soldaten, waren die Gefangenen genügend scharfsichtig, um

sich prunkvoller und räthselhafter Ausdrücke zu bedienen, welche die

Verwirrung der Peruaner vermehrten; stark genug, fürchteten sie die

Drohungen Huascars und der Krieger nicht und hielten unerschrocken

einen geheiligten Ursprung und Charakter aufrecht.

Von einem der tödtlich Verwundeten jedoch quoll das Blut in Strömen

und Todesblässe malte sich in seinen Zügen. Sorgfältig beobachteten

die Peruaner, daß das Blut das Leben jenes hinfälligen Körpers war,

sie sahen, wie ihre Waffen in sein Fleisch gedrungen waren, wie die

Beschaffenheit des Leibes der ihrigen gleich war, und sie überzeugten

sich, daß es hier nichts Uebernatürliches gab, daß die von Osten

Gekommenen auch Menschen und dem Tode unterworfen waren. Nachdem

die Gefangenen ihrer Rüstungen und Panzer entblößt worden waren,

betrachteten sie deren Herstellung und überzeugten sich, daß die Kunst

und nicht die Natur sie unverwundbar gemacht hatte, und von Tag zu Tag

verloren die Eindringlinge jene zauberhafte Gewalt, womit sie siegten,

ehe sie in den Kampf zogen.

In Thränen versunken, wagte Coya kaum, vor dem Gotte, den sie, von

einem treulosen Geliebten verführt, der ihr Geburtsland in Trauer

und Trümmer begrub, verlassen hatte, die Augen im Tempel zu erheben,

und trostlos, rührte Ocollo mit reichlichen, heißen Thränen das

Mitleid und den Zorn der Vasallen des Inkas. Vericochas erinnerte die

Peruaner an die Dankbarkeit, welche sie Gott schuldeten, und Huascar

verkündete beredt den Ruhm und die Freiheit. Oh! wenn die Peruaner auch

mörderische Waffen hätten!...

Pizarro dachte lebhaft an die Einnahme Cajamalcas, und er schickte sich

an die Stadt zu betreten, und den Bewohnern den Rückzug abzuschneiden,

damit sie die Schätze nicht mitnehmen konnten. Zweimal floh das

mächtige Heer, das ihn hätte einschüchtern können, bei dem Donner der

Kanone und den Angriffen der Reiterei. Konnten ihm tausend Gefangene,

die in ihren Zelten seufzten, hinderlich sein, so waren sie ihm für

die Führung und die Fortschaffung seiner Abtheilung gleichfalls

unentbehrlich, und er mußte sich ganz entschieden daran machen, das

Reich zu erobern, und auf den Schutz des Himmels rechnend, den Luque

verhieß, theilten die Abenteurer die ausgedehnten, üppigen Landschaften

bereits freudig unter sich.

In dem Augenblicke, als die Auszügler in San Mateo landeten und

sich der großartigen Entdeckung vergewisserten, schickten sie, ihre

Agenten um Hülfe bittend und für die Regierung Papiere übergebend, ein

Boot nach Panama ab, sie hatten aber nicht die geringste Nachricht

erhalten, noch war es möglich, daß sie mit Bestimmtheit weder auf

Verstärkung noch Mittheilungen hoffen konnten; sie mußten angreifen und

die Erfahrung sicherte ihnen den Sieg. Trotzdem, daß der Fanatismus

und die Voreingenommenheiten Almagro beherrschten, fühlte seine der

Zärtlichkeit und dem Mitleid leicht empfindliche Seele mit um so

größerer Macht die Einflüsterungen der Liebe. Zweimal war nach der

Schlacht und nachdem die Mittheilungen abgebrochen worden waren, die

Sonne im Osten erschienen, und fern von seiner Coya, war ihm das Dasein

unerträglich. Obgleich wild und vom Ehrgeiz beherrscht erinnerte sich

Pizarro ebenfalls mit Schmerzen der Reize der schönen Ocollo, und wie

ein blutdürstiger Tiger lauerte er auf die Beute, um sie zu verzehren.

Der fanatische Luque, welcher den Weg seiner ewigen Seligkeit in der

Bekehrung der neuen Welt, oder indem er die Götzendiener, welche mit

ihrer Sonnenanbetung die göttliche Majestät beleidigten, in den Flammen

umkommen ließ, offen sah, richtete ruhig seine Gebete zum Himmel, und

er war es, der sich am heißesten nach der Eroberung des Reiches sehnte.

Cajamalca mußte in seinen Mauern üppige Schätze einschließen; es

bot den Eroberern die Bequemlichkeiten, auf Verstärkungen zu hoffen

und sich zu erholen, da sie nicht nach Cuzco, der Hauptstadt des

Reiches gehen konnten, ohne daß sie zuerst Cajamalca, das ihnen

als Stufenleiter bei der Eroberung dienen sollte, einnahmen. Zwei

Nächte waren vergangen; im Lager Pizarros war es ruhig und die mit

Kriegern besetzten Mauern der Stadt schienen die Feinde zu beobachten.

Die Peruaner fanden jedoch keinen großen Vortheil dabei, Cajamalca

hartnäckig zu behaupten, und sie zogen jene kostbaren Sachen und

geschichtlichen Denkmäler oder Quipos, welche sie mit Schmerzen in den

Händen ihrer Feinde gesehen hätten, nach Cuzco zurück; das Gold aber

und die edlen Metalle waren in ihren Augen viel zu verächtlich, als daß

sie daran dachten, dieselben zu retten.

Die Dinge waren zur äußersten Entzweiung gelangt und das eine wie das

andere Lager schickte Vorposten aus, die den Feind mehr in der Nähe

beobachteten. Obschon seinem Charakter und Grade nach nicht geeignet,

lieh sich Almagro, damit es ihm leichter würde, wenigstens seine

Geliebte zu sehen, täglich zu dieser Art Dienst. Wenn die Sonne ihren

Lichtstrom ergoß, suchte der unglückliche Geliebte nahe den Mauern

ängstlich seine Angebetete und seine schmachtenden Seufzer ertönten bis

in die Umkreise der Stadt. Da eines Tages unterschied er sie zwischen

den Kriegern dort auf den Mauern und auch Coya erkannte ihren Almagro.

Ihre beredten Blicke verstanden sich und bei Tagesneige sollten sie

sich auf den Vorposten sprechen.

Der blasse Almagro sehnte den Augenblick herbei, seine Schöne zu

sprechen, denn auch er hatte seinen gerechten Zorn und seine traurigen

Seufzer. Die Stunde kam an, Coya trat mit der Bedeckung aus der Stadt

heraus und Almagro durchlief bereits ungeduldig den Kampfplatz. Sie

hatten sich bald erkannt und eine starre Betäubung bemächtigte sich

der beiden gefühlvollen Herzen. Unwillkürlich eilten sie nachher, wie

von einem unwiderstehlichen Drange hingerissen, sich zu umarmen und in

stummem und beredtem Stillschweigen warfen sie sich zärtliche Blicke zu

und erleichterten die geängstigten Herzen, als Coya, in einem Meer von

Thränen, trostlos ausrief: »Unmensch, wenn du doch zur Liebe geboren

wurdest und die Zärtlichkeit verkennst, warum hast du mich unglücklich

gemacht?«

»Coya!«

»Dort die tiefe Hölle hat euch aus ihren Höhlen geschleudert, um das

Reich zu verheeren. Die Ruhe, das Lächeln, das Glück, entflohen auf

immer von diesem Boden bei der Ankunft der von Osten Gekommenen;

wenn du nicht wärest, läge ich unter dessen Trümmern begraben, aber

nimmermehr würde ich unter so düstern Qualen seufzen.«

»Zerreiße mein Herz nicht, du weißt es, Coya, ich bin gefühlvoll und

bete dich an.«

»Und betest mich an und schwurst mir, den unschuldigen Monarchen

zu retten, und der unglückliche Inka wurde ein Opfer der Söhne des

Verbrechens, deiner Gefährten.«

»Mein Einfluß und deine Liebe wären hinreichend gewesen, um ihn zu

retten, aber die peruanischen Bataillone fielen über unsere Zelte

her, der Kampf entbrannte, vielleicht sollten wir mit fortgerissen

werden, und die Wache, welche den Inka bewachte, mußte unsere Reihen

verstärken. An deiner Seite, dich vor den tödtlichen Streichen der

Waffen rettend, erfuhr ich nichts, noch hätte ich etwas verhüten

können.«

»Und nachdem er in die Flammen geworfen worden war, übergaben sie seine

Asche dem Wind. Die adeligen Krieger, welche ermattet oder verwundet in

eure Gewalt geriethen, verließen, frevelhaft mit dem Dolche bedroht,

ihren Gott, oder wurden zu Sklaven gemacht, oder in die Flammen

geworfen, eure aber, welche vor unsern Waffen wichen, leben....«

»Ja, Coya, vielleicht ein Irrthum, aber ich bin unschuldig....

Glaube mir, das unerbittliche Schicksal hat mit unsern Waffen das

verhängnißvolle Ende des Reiches der Inkas bezeichnet; müde, die

götzendienerische Herrschaft auf Erden zu dulden, hat der gerechte Gott

den Befehl zur Ausrottung gegeben; fliehe aus seinen Trümmern, komme zu

mir in mein Lager, die Liebe wird ihr zauberhaftes Entzücken spenden.«

»Meinen wohlthätigen Gott habe ich verlassen und noch genügt es dir

nicht, ich soll mein Vaterland und die Tugend verlassen! Ah! wie sagte

mir doch mein Herz, daß deine Liebe ein schwarzer Unstern sein mußte!«

»Es wird kein schwarzer Unstern, es wird der Regenbogen der Ruhe und

des Glückes sein. Du betest meinen Gott an und in ewigen Banden werden

wir die Liebkosungen miteinander austauschen.«

»Nur durch deine Verführung verließ ich die Altäre des Gottes des

Tages, und seither zeigt er mir, bleich und trübe, vor meinen Augen

seinen Zorn an, und dies ist dein größtes Verbrechen und meine größte

Qual.«

»Von deinem Almagro verehrt, von dessen Gefährten geliebt, eile in

seine Arme, fliehe vor dem Untergang, womit der Himmel dein Land

bedroht.«

»Ich werde, ohne dem Gotte, den du mich hast anbeten heißen, undankbar

zu sein, unter seinen Trümmern begraben werden; mit den Waffen in der

Hand werde ich für die Freiheit Perus sterben.«

»Dein Wohl und meine Glückseligkeit gebieten es.«

»Nein, hoffe nicht, mich in noch größere Verbrechen zu stürzen.

Deinetwegen habe ich meinen Gott verlassen, verlasse meinetwegen deine

höllischen Gefährten; die Peruaner werden dich mit offenen Armen

empfangen, du wirst ein Held der Freiheit sein und deine Tugend wird

ewig währen.«

»Und du wagtest, Coya ... niemals ... niemals....«

Die beiden unglücklichen, zärtlich umschlungenen Geliebten vergossen

zahlreiche und heiße Thränen. »Laufe nicht dem Tode nach,« sagte

Almagro zu ihr; »Blitz auf Blitz wird über Cajamalca hereinbrechen, die

Stadt wird in Staub und Asche versinken; fliehe vor dem Tode, vermeide

die Gefahren, mögest du mich nicht in die bitterste Trostlosigkeit

begraben.«

Da die Verführung auf der einen und andern Seite nutzlos verlief,

kehrte Coya, nachdem sie über die Art und Weise, sich in der Folge zu

sehen, übereingekommen waren, nach der Stadt und Almagro nach seinem

Lager zurück.

Pizarro und Luque erkannten, daß sie nicht länger auf Nachrichten von

Panama hoffen durften, und daß Cajamalca ihnen sehr geringen Widerstand

entgegensetzen würde. Sie brachten in einer nahen Gebirgsgegend zwei

Feldstücke unter, und vierhundert Mann in verschiedenen Stellungen

ausbreitend, fingen sie an, die Stadt zu beschießen. Trotzdem es nur

Feldstücke waren; waren die Mauern und Gebäude so schwach, daß sie

die größten Verheerungen anrichteten, und nach eintägigem Feuern

hatten sie Bresche geschossen. Die Peruaner kannten die Kriegskunst,

eine Belagerung auszuhalten, nicht, ihre Waffen waren machtlos auf

Kanonenschußweite und ihre Anstrengung wäre umsonst gewesen. Huascar

lief tapfer die Mauern und die Stadt ab und ermuthigte das Heer; aber

Ausfälle gegen den Feind wären, wie es ihnen die Erfahrung zeigte,

als sie den Inka retten wollten, wirkungslos und theuer erkauft,

und Cajamalca zu behaupten, war nicht von der größten Bedeutung.

Ein ehrlicher Rückzug, der das Heer rettete, um Cuzco zu befestigen

und sich bis auf den Tod zu schlagen, wäre für das Reich das

Vortheilhafteste und der Oberbefehlshaber und der Senat ordneten auf

Mitternacht den Rückzug an.

Pizarro konnte mit wenig Leuten nicht erwarten, alle Punkte zu decken,

er hatte aber gleichwohl Vorposten, welche die Wege beobachten sollten.

Er bereitete sich vor, am folgenden Tage einen Angriff zu machen, als

er in der Nacht die Nachricht bekam, daß sich das zahlreiche Heer auf

der Hauptstraße nach Cuzco zurückzöge. Es von Neuem in die Flucht

schlagen zu wollen, konnte seine kurze Abtheilung bloß stellen, da

er nicht wußte, ob Streitkräfte, welche in der Stadt verblieben, ihn

als Nachtrab angreifen würden, und es nicht in seinem Interesse lag,

einen hartnäckigen Zusammenstoß zu veranlassen. Alles entschied ihn

dazu, den neuen Tag abzuwarten, und als bereits die Sonne die Gipfel

vergoldete, schickte er Vorposten aus, welche nachsehen sollten, ob die

Bresche thunlich war und welche die Bewegungen der Stadt beobachten

sollten. Grabesstille herrschte in den Mauern und in den Umkreisen der

Ortschaft, und es war kein Zweifel, daß das Heer und die Bewohner ihre

Wohnstätten der Willkür des Feindes preisgegeben hatten. Pizarro rückte

mit seiner Colonne heran, und ohne die geringste Erstarrung und ohne

daß sie einen Bogen schwirren, noch eine schwache Lanze drohen sah,

übersprang sie die Bresche, besetzte die Mauern, zerstreute sich auf

Plätzen und Straßen und pflanzte das triumphirende Banner Castiliens in

Cajamalca auf.

[Illustration]

[Illustration]

Kapitel 15.

Knechtschaft.

Gewiß, daß keine verborgenen Streitkräfte sie bedrohten, und ihres

Sieges sicher, wurde die Stadt von den Siegern der Plünderung

preisgegeben und die Eindringlinge begingen alle dem Kriege eigenen

Verbrechen. Grausam zu Boden getreten, sahen sich die Bewohner

Cajamalcas sogar den goldenen Zierrath entreißen, der sie bedeckte;

viele waren ein Opfer der Wildheit; zarte Jungfrauen verloren ihren

Schatz, der keusche Ehegatte sah seine Ehegattin geschändet und das

Weinen und Wehklagen ertönte in den Umkreisen der Stadt.

Die Liebe, welche Ocollo Pizarro eingeflößt hatte, war kein

vorübergehendes Aufflackern, es war ein unauslöschliches Feuer, das

sein Herz quälte und seine Brust zerriß. Da er die Liebe kannte,

welche sie zum Inka hatte, glaubte er, daß sie die Nachricht seines

Todes nicht überleben würde, und sehnsüchtig frug er die Bewohner

nach derjenigen, die seine Zufriedenheit entriß, und als er mit

Bestimmtheit erfuhr, daß sie mit dem Heere floh, glänzte, durch die

Hoffnung ermuthigt, sie eines Tages in seine Arme schließen und seine

unzüchtigen Begierden sättigen zu können, ein wildes Lächeln in dessen

Augen; aber die Erinnerungen der Liebe versüßten seine Seele nicht und

vergebens flehten die Unglücklichen sein Mitleid an.

Vericochas zog gleichfalls mit dem Heere, nicht weil er befürchtete,

ein Opfer seiner Glaubenslehren im Tempel zu werden, sondern weil

Huascar, um nicht einen so unschätzbaren Schatz zu verlieren, ihn

nöthigte, sich zu retten; es wurde aber, da unter den Peruanern die

geheiligten Sachen so hoch verehrt waren, daß sie nicht begreifen

konnten, wie die Wildheit ihrer Feinde so weit ging, dieselben mit

Füßen zu treten, dem Heiligthum nichts entnommen. Nach sechsstündiger

Wuth und Plünderung gab Pizarro ein Zeichen und die Verheerungen hörten

auf, ohne daß der Tempel der Sonne, um seine Zierden zu entreißen,

geebnet worden wäre.

Noch mit dem Blute der Unschuldigen gefärbt, mit den Schätzen, welche

sie entrissen hatten, beladen, stellten sich die Abenteurer beim

Schalle der Trommeln auf, und der fanatische Luque erhob das Kreuz

in seiner Rechten und richtete sich an seine Landsleute: »Dieses

Siegeszeichen,« schrie er, »stürzte die Mauern ein und öffnete euch die

Thore der Stadt; stundenlang habt ihr Zeit gehabt, um euch den Preis

eurer Mühen zu verschaffen, einige Augenblicke sollen dazu gewidmet

werden, dem Herrn zu danken und seine Barmherzigkeit zu segnen,« sagte

er, und sich seiner Schuhe entledigend und ein großes und schweres

Kreuz auf den Achseln tragend, ging er auf den Tempel zu und befahl,

dessen Thüren zu erbrechen. Verwundert blieben die Sieger beim

Anblicke so großer Herrlichkeit und so vielen Goldes stehen, und Luque

heftete in Mitten der allgemeinen Betäubung seine funkelnden Blicke auf

das Sinnbild der Sonne und auf die Bildnisse der Gerechten, welche die

Gottheit Perus umgaben.

»Fürwahr, ihr Christen,« rief er, ohne noch von dem Kreuze, das seine

Schulter niederbog, gelassen zu haben, erglühend aus, »da habt ihr die

barbarischen Götzenbilder dieses verdammten Reiches; was haltet ihr

euch auf, richtet diese Teufelspracht zu Grunde!«

Für fromme Handlungen hörten die Abenteurer auf, Soldaten zu sein

und die Befehle Pizarros zu erwarten; es waren nichts als Fanatiker,

welche auf die Stimme eines menschenfresserischen Priesters hörten. Wie

hungrige Wölfe, wie schlecht angeschossene Tiger stürzten sie sich über

die unschuldigen Bilder her, zertrümmerten und zerrissen dieselben und

schleiften sie unter Freudengeschrei durch den Tempel. Dann pflanzte

Luque die Fahne Zions auf, gebot der gottlosen Zerstörung Einhalt, und

Feuer aus den Augen sprühend, murmelte er Teufelsbeschwörungen, um den

Satan aus jenem Raume zu verjagen, und dem Herrn der Siege dankend,

wurde ein feierliches _Te Deum_ gesungen.

Die Eroberung von Peru · 第 8 / 17 段