ganz andere Art, als die der andern Nationen Amerikas. Sie kämpften
weder wie die Wilden, um zu zerstören und zu vertilgen, noch wie
die Mexikaner, um die Gefangenen fortzuschleppen und die Altäre
barbarischer Gottheiten mit Blut zu bespritzen. Sie führten Krieg,
um die Besiegten zu civilisiren und um Künste und Wissenschaften
auszubreiten. Sie setzten die Gefangenen nicht den Beschimpfungen und
den Qualen aus, wozu sie bei allen Völkern der neuen Welt bestimmt
waren. Die Inkas nahmen die Völker, welche sie unterwarfen, in ihren
Schutz und ließen sie an allen Vergünstigungen, deren sich ihre
Unterthanen erfreuten, theilnehmen. Dieses, der amerikanischen Wildheit
so sehr entgegengesetzte und der Menschlichkeit der gebildetsten
Nationen so würdige Verfahren mußte einzig dem Schutzgeiste ihrer
Religion zugeschrieben werden. Die Inkas, welche die irgend einem
andern Gegenstande als dem auf der Höhe der himmlischen, von ihnen
verehrten Macht stehenden gezollten Huldigung als gottlos betrachteten,
hielten unter sich das Banner der Bekehrung hoch, sie führten aber die
Götzenbilder der besiegten Völker im Triumphe nach dem großen Tempel
von Cuzco, wo sie als die Macht der beschützenden Gottheit des Reiches
zeigende Trophäen aufgestellt wurden, und das Volk behandelte man mit
Milde und unterwies es in der Religion der Eroberer, um den Ruhm zu
haben, die Zahl der Sonnenanbeter zu vermehren. Wenn auch diese reinen
und altväterischen Gebräuche der Peruaner im sechszehnten Jahrhundert
sie innerlich zu einem glücklichen Volke gestalteten, so war ihre
materielle Macht doch sehr beschränkt. Da ihre Bedürfnisse mit den
Erzeugnissen des Bodens gedeckt waren, wußten sie durchaus nichts
vom Handel und ihre Gestade waren allen übrigen Völkern unbekannt,
und sie kannten weder die Schifffahrt noch andere Länder, noch
andere Menschen, noch andere Sitten, noch andere Götter, noch andere
menschliche Sinnesänderungen. Wenn sie auch mit den umliegenden Stämmen
Krieg geführt hatten, war ihnen doch die Herstellung und der Gebrauch
von Hieb- und Stichwaffen durchaus unbekannt; ihre zahlreichen Heere
wußten nichts von Taktik und Strategie der Bewegungen, die Anzahl und
die Tapferkeit, nicht die künstlichen Hülfsmittel der europäischen
Heere, verhalfen ihnen zum Siege; und die Verwendung von Infanterie,
Artillerie und Kavallerie und die Zuflucht der militärischen
Bewegungen waren für die Peruaner jenes Jahrhunderts viel höhere Dinge,
was sie bei aller Kriegskunst nicht einmal zu fassen vermocht hätten.
Die Spanier im Gegentheil waren, in achthundert Jahren der Kämpfe
mit den Sarazenen an den Krieg gewohnt, von auf den Schlachtfeldern
und in den Schiffbrüchen abgehärtetem Körper, in jenem Jahrhundert
der Schrecken ganz Europas. Mit Helm und Panzer ausgerüstet, die
sie gegen die schwachen Pfeile und Speere der Peruaner unverwundbar
machten, ausschließliche Besitzer in jenen Gegenden, der schrecklichen
Wirkung der Entzündung des Pulvers, mit einiger Artillerie versehen,
gewandt und taktisch in den militärischen Bewegungen, sandten sie
auf zweihundert Schritte den Tod aus ihren Waffen, wobei der Knall
der Kanone dem Donner glich, der ihren Feinden den Zorn ihres Gottes
anzeigte; kurz, Alles gab denselben in jenen Gegenden eine solche
Ueberlegenheit, daß sich jeder Abenteurer ein Gott däuchte, welcher in
seinem Zorne das ganze Reich der Inkas fürchterlich bedrohte.
Andrerseits haben wir bereits den Einfluß gesehen, den bei der
Eroberung Mexikos die Prophezeihungen hatten, welche anzeigten, daß
von Osten Kommende dem Reiche große Umwälzungen brächten, und in Peru
waren ähnliche Prophezeiungen darüber, daß von Osten Kommende dem
Lande neue Gesetze geben würden, vorhanden. So schnell wie Pizarro
im Reiche landete, war die Prophezeihung, daß andere Söhne der Sonne
den göttlichen Auftrag hätten, dem Lande neue Gesetze zu geben, in
Erfüllung gegangen. Der Schrecken, welcher sich in Mexiko Montezumas
bemächtigte, erstarrte auch Atahulpa (den Inka von Peru) und sein
ganzes Reich, und die moralische Macht, welche diese Prophezeihungen
Pizarro verliehen, setzten ihn, wenn er seinen geheiligten Charakter zu
wahren wußte, in die vortheilhafteste Lage.
Ebenfalls haben wir die religiöse Scheu beobachtet, womit die Peruaner
die Familie und das Geschlecht der Inkas betrachteten, weil sie als
Abkömmlinge Manco Capacs und Mama Ocollos Söhne der Sonne, Söhne
Gottes waren, den sie anbeteten; und da die von Osten Kommenden auch
für Söhne der Sonne gehalten wurden, mußten die Peruaner es als eine
Entheiligung ansehen, sie anzugreifen und mit Pfeilen zu beschießen,
die stets machtlos gegen die eisernen Panzer und Waffen der Spanier
sie mehr und mehr in der Voreingenommenheit bestärkten, daß sie als
Söhne ihres Gottes unverwundbar waren. Die Eindringlinge im Gegentheil,
gewohnt, auf jedem Festlande der neuen Welt kupferfarbene Menschen,
bartlos, wie sie waren, und fast wie sie die Natur erschaffen
hatte, anzutreffen, welche entsetzt beim Knall der Gewehre flohen,
verschmähten beinahe, sie für Menschen anzusehen und hielten sie eher
für Thiere, die dazu geboren waren, ihren Ehrgeiz und ihren Hochmuth
zu sättigen. Andrerseits rottete, in den blutigen, düstern Deckmantel
religiösen Fanatismus eingehüllt, das sechszehnte Jahrhundert mit Feuer
und Schwert alle Glaubenslehren, welche von der des Kreuzes abwichen,
aus; und wenn in Europa die Gläubigen Muhameds wüthend verfolgt wurden,
so tilgte man auf dem amerikanischen Festlande erbarmungslos die
Sonnenanbeter und alle andern Gottheiten aus, da die Fanatiker des
sechszehnten Jahrhunderts so vor den Augen ihres Gottes, den sie als
ebenso barbarisch wie ihr Jahrhundert hinstellten, wohlgefällige Werke
zu verrichten glaubten. Die Peruaner glaubten daher, mit unverwundbaren
Göttern zu kämpfen. Die Eindringlinge mit verächtlichen Wesen in
Menschengestalt, deren Schweiß und Blut Karls V. mächtiger Thron und
der auf der Schädelstätte gestorbene Gott beanspruchte.
[Illustration]
[Illustration]
Kapitel 6.
Tumbez.
Geschickt streute Pizarro die unermeßlichen Reichthümer, welche er
der Hauptstadt von Coaque entzog, über Panama und die umliegenden
Niederlassungen aus und machte so binnen kurzem, daß man in allen jenen
Ländern die vortheilhaftesten Begriffe von den Schätzen Perus hegte;
das Gerücht verbreitete sich und tausend Abenteurer strömten, begierig
die reiche Beute zu theilen und ihre Habsucht zu sättigen, von allen
Seiten herbei. In Tumbez einquartiert, erwartete er, um die Eroberung
des Reiches zu unternehmen, die Ankunft seiner Gefährten und machte
sich inzwischen mit den Gebräuchen der Peruaner bekannt, lernte ihre
Sprache und bereitete sich auf den Triumph vor.
Die Peruaner konnten sich von der Absicht, in der die Spanier ihr
Land besetzten, keinen genauen Begriff machen und sie ergingen
sich in tausend Vermuthungen. Sollten sie diese Fremdlinge für
übernatürliche Wesen ansehen, die gekommen waren, ihre Vergehen zu
bestrafen und an ihrem Glücke zu arbeiten, oder wohl als Feinde ihrer
Ruhe und ihrer Freiheit? Die Betheuerungen, womit sie die von Osten
Gekommenen überhäuften, daß sie jenes Land besetzt hatten, um sie zur
Erkenntniß der Wahrheit zu führen, gaben der ersten Meinung einige
Wahrscheinlichkeit; in Erwartung ihrer Gewaltthätigkeit, ihrer
Habgier und ihres Betragens aber konnten sie nicht umhin, vor solchen
Fremdlingen bange zu sein. Unter keinen Umständen ist die Seelenruhe
mit dem Aberglauben und den Vorurtheilen vereinbar. Die Peruaner
hielten die Sonne, ihren Gott und Vater, für beleidigt, die Spanier für
ihre Rächer und sie mußten bestürzt sein.
Sobald als Pizarro sein Quartier in Tumbez aufgeschlagen hatte,
sandte er an Luque und Almagro ausführliche Berichte hinsichtlich der
Hoffnungen, welche die Goldländer, die er besetzte, versprachen. Voll
Ehrgeiz und Fanatismus, schickten sich, bald um die großen Auslagen
der Expedition zu erstatten, bald um ihre religiöse Lehre auszubreiten
und um ihre Namen zu verewigen, diese beiden Seelen an, in Gefahr zu
fliegen. Von dem Statthalter der Kolonie unabhängig, gingen sie gemäß
den von Pizarro am Hofe von Madrid erlangten Vergünstigungen in aller
Freiheit vor und waren in ihren Unternehmungen rasch und tüchtig. Die
Schätze, welche die Abenteurer Mexikos nach Hause brachten, die neuen
Nachrichten von den Reichthümern der peruanischen Küste und die auf den
berühmten Namen Pizarros gestützten wirksamen Versprechungen Almagros
und Luques, Alles, Alles half dazu, daß andere Abenteurer, begierig,
auf den Raub auszugehen, nach Panama strömten.
In wenigen Tagen konnten sie dreihundert Mann zusammen bringen, die
sich in aller Eile einschifften, um nach Tumbez zu marschiren. Auf zwei
leichten Fahrzeugen segelten sie nach San Mateo ab, wo Pizarro eine
kleine Abtheilung gelassen hatte. Obschon Almagro bereits in jenen
Gewässern kundig war, machten sie, tausend Gefahren trotzend, die
Ueberfahrt in siebenzehn Tagen, während derer die Führer alle Mittel
in Bewegung setzten, in ihren Soldaten den Anreiz, der sie verzehrte,
zu beleben, und der Kapitän sie mit dem Tode vertraut machte, und der
Verweser ihnen im Namen Gottes ewigen Ruhm versprach, wenn sie bei der
Zerstörung der Götzenbilder der unschuldigen Sonnenanbeter umkommen
sollten.
Sie landeten endlich in San Mateo, umarmten zärtlich ihre Gefährten
und folgten ihrem Wege nach Tumbez. Hier erwartete sie Pizarro mit
Ungeduld, da er, obgleich besonnen, sich bei dem Durchmarsch von Coaque
dadurch in übeln Ruf gebracht hatte, daß er die wehrlosen Indianer
angriff und tausend Gewaltthätigkeiten verübte; der Schrecken aber,
den die von Osten Gekommenen als Söhne der Sonne den unschuldigen
Bewohnern der neuen Welt eingeflößt hatten, hielt alle Gemüther in
Erwartung, und es war noch nicht zum Bruche gekommen. Atahulpa, der
Herrscher von Peru, stand mit einem prächtigen, vortrefflichen Heere
in Cajamalca, einer zwölf Tagereisen von Tumbez entfernten Stadt, aber
die religiöse Furcht und die Betheuerungen Pizarros machten, daß er sie
wie höhere, von seinem Gott gesandte Wesen ansah, um die Verbrechen
des Bürgerkrieges, der in dem Reiche entbrannt war, zu bestrafen, und
weit entfernt, zum Angriff überzugehen, trug er seinen Unterthanen
auf, sie als Gesandte der Sonne zu behandeln. Ein einziger Augenblick
jedoch konnte die Peruaner dieser traurigen Befangenheit entreißen und
ihre Angreifer konnten sich vernichtet sehen. Immerhin waren sie in
bedenklichen Umständen und Pizarro und seine Gefährten gaben bereits
dem mächtigen Triebe ihrer Habgier und ihres gewaltthätigen Charakters
nach und nur die Schätze und die Götzenbilder Perus vermochten ihre
Sehnsucht zu stillen.
In diesem Augenblicke langten Almagro und Luque in Tumbez an, und
ihre erlittenen Drangsale und Gefahren vergessend, gaben sie sich,
da sie den Augenblick, ihre Wünsche zu vollbringen, nahe sahen, den
lebhaftesten Fröhlichkeitsergüssen hin. Pizarro hatte zweihundert
Soldaten behalten, die mit den dreihundertundneun als Verstärkung
Angekommenen das Heer der Eindringlinge ausmachten, welches ein
ungeheures Reich beherrschen sollte. Unter dieser geringen Anzahl von
Kämpfern zählten sie sechsundsechszig Pferde und drei Stücke Artillerie
kleineren Kalibers; alle mit Feuerwaffen und verwegen, todesmuthig,
fanatisch und ehrgeizig.
Es würde scheinen, daß man sich mit einer so schwachen Abtheilung
vergebens unterfinge, ein in Civilisation fortgeschrittenes und
sehr bevölkertes Land von ungeheurer Bodenfläche zu plündern und zu
zerstören, wenn wir uns nicht auf die betreffenden, bereits angezeigten
moralischen Heereskräfte verließen. Atahulpa hatte in Cajamalca
sechszigtausend Streiter, welche tapfer und kriegerisch, aber ohne
Mannszucht und ohne Kenntnisse in der Kriegsführung, und ohne andere
Waffen waren, als einfache Bogen und Pfeile von geringer Festigkeit,
die umsonst gegen die Rüstungen und Panzer der Spanier, die sie
unverwundbar machten, anzukommen suchten; indem das einfache Leinen,
womit sich die Peruaner bekleideten, die schneidende Schärfe der
europäischen Waffen nur abstumpfte. Obschon die Peruaner ihre Wohnsitze
und ihre Freiheit vertheidigten, fühlten sie doch den ganzen Muth
vaterländischer Begeisterung, und die Habsucht und der Fanatismus,
welche in den Herzen der Europäer brannten, trieb dieselben ebenso
unerschrocken in den Tod. Der Ruhm als Sieger Mexiko’s flößte den einen
die Gewißheit der Siege ein, indeß die andern, von einer religiösen
Furcht beherrscht, es für eine Gotteslästerung hielten, ihre Pfeile auf
ihre Gäste zu richten, und wie wenn ein vom Himmel entfesselter Blitz
über ihren Häuptern niedergefahren wäre, warfen sie sich, als sie den
todbringenden Knall der Kanone vernahmen, bei dem dumpfen Donner, der
ihnen den Zorn Gottes, des Lichtes, verkündete, zitternd auf die Kniee
nieder.
So ungeheuer der Unterschied der numerischen Stärke der Heere war,
so ungeheuer war auch der Unterschied der moralischen Stärke und der
Sieg zweifelhaft. Die Einen wie die Andern rechneten auf kriegerische,
tapfere Anführer und die einen wie die andern Helden trachteten nach
dem Siege und nach der Unsterblichkeit. Ruhig und tapfer, wußte
Atahulpa den Gefahren zu trotzen; muthig und verwegen stürzte sich
Pizarro in den Tod. Almagro empfand in Mitten seiner Kraftfülle den
Zauber der Unsterblichkeit. Huascar, voll jugendlichen Feuers, auf den
Schlachtfeldern erzogen, hatte den ganzen edlen Stolz eines Kriegers.
Luque, das Cruzifix in der Linken und die Fackel in der Rechten,
riß mit seiner Beredsamkeit die fanatische Menge mit sich fort und
die peruanischen Priester wußten, den Weihrauch auf ihren Altären
verbrennend, den religiösen Eifer ihrer Proselyten zu rühren. Das waren
die Anführer und die Heeresmächte der kriegerischen Parteien.
Als die Genossen bereits über den Feldzugsplan nachdachten, kam in
Tumbez eine prunkvolle Abordnung Atahulpas an, um die von Osten
Gekommenen zu begrüßen und sie zu bitten, jene Gebiete zu verlassen
und wieder in ihre Heimath zurückzukehren. Der Kaiser konnte den
Schrecken, den sie beim Betreten seiner Besitzungen einflößten, nicht
verhehlen. An der Spitze der Abordnung war der Prinz Huascar, ein
Jüngling aus der Familie der Inkas, der im Namen Atahulpas die Spanier
als seine Verwandten, als Söhne der Sonne, anerkannte und ihnen seitens
des Kaisers Früchte, Korn, silberne und goldene Gefäße und tausend
smaragdne Kostbarkeiten überbrachte. So den Spaniern ihre Aufwartung
erzeigend, wollten sie die Sonne, welche sie mit Peru erzürnt
vermutheten, versöhnen; alle Völker überhäuften sie um die Wette mit
Geschenken, liehen denselben ihre Dienste und trieben ihre Achtung bis
zur Verehrung.
Umsonst bat Huascar im Namen seines Kaisers Pizarro um befriedigende
Erklärungen wegen seines Verbleibens in Tumbez und wegen seines
feindseligen Betragens; er konnte nur als Antwort darauf erlangen,
daß er seitens seines Gebieters, des großen Königs im Osten, dem
Kaiser mündliche Mittheilungen zu machen hätte, und da er die ganze
Macht seiner vortheilhaften Lage kannte, sprach Pizarro sanften aber
prophetischen und erhabenen Tones mit Huascar. Noch ehe er weg ging,
befahl er, seine Abtheilung zu versammeln, und lud den kriegerischen
Peruaner ein, das Martialische der Vasallen des Königs im Osten zu
sehen. Wirklich, als die Spanier anfingen, ihre Schwenkungen zu machen,
schaute der tapfere Huascar mit Erstaunen die Pracht der Waffen, die
Schnelligkeit der Pferde und die Einheit und Gleichförmigkeit der
Bewegungen der Massen; beim Knattern der Gewehre aber und bei dem
Donner der Kanone bemächtigte sich ein Schrecken seiner Blicke und
in stumpfsinniger Ehrfurcht verabschiedete er sich von Pizarro und
marschirte, in düstere Vorahnungen versunken, seinem Hofe zu.
Pizarro beschränkte sich nicht blos darauf, ihm zu sagen, er habe dem
Kaiser mündliche Mittheilungen zu machen, er hatte hinzugefügt, daß
er dringend auf dessen Erlaubniß wartete, um nach Cajamalca zu ziehen
und mit ihm zu sprechen, und daß er andernfalls den Weisungen gemäß,
die er von seinem Herrn, dem König im Osten, empfangen hatte, handeln
würde. Zu gleicher Zeit, als er angesichts Huascars seine Soldaten
schwenken ließ, wollte er ihn mit seiner Artillerie erschrecken, damit
man ihn für den Herrn der Blitze hielte, und er erreichte seinen Zweck.
Als Huascar bei Hofe angekommen war, legte er Atahulpa den festen
Vorsatz Pizarros, nach Cajamalca zu gehen, um mit ihm zu sprechen, dar,
schilderte ihm mit Furcht und Zagen den Anblick und die Waffen der
Spanier, und gab ihm durch das dumpfe Getöse des zwischen den hohen
Klippen der Anden dahinrollenden Donners einen Begriff von dem Knall
der Kanone. Huascar, der tapferste Krieger Perus, war der Feigheit
nicht verdächtig und er machte Atahulpa schaudern.
Der Kaiser versammelte die Klügsten und Aeltesten, um über den
Ausbruch des Krieges oder die Duldung der von Osten Gekommenen zu
berathschlagen; der Schrecken aber, der in ganz Peru allgemein war,
und die freundschaftlichen Anerbietungen Pizarros ließen sie das
Auskunftsmittel annehmen, einen neuen Boten nach Tumbez zu senden, daß
die von Osten Gekommenen vor die Mauern Cajamalcas kämen. Wirklich
ging eine neue Abordnung, Pizarro den Bescheid zu überbringen und das
Reich erwartete mit der größten Angst den Ausgang eines so verworrenen
Dramas. Die drei Genossen erkannten alsbald das Ehrwürdige, daß die
Vorurtheile ihren Namen gemacht hatten, und sie zweifelten keinen
Augenblick daran, ihren Marsch zu unternehmen.
Kaum durchbrach eines Morgens im Oktober 1532 die Morgenröthe das
Dunkel der Nacht, als, nachdem sich die Spanier vereinigt hatten, Luque
mit dem ganzen religiösen Gepränge das Opfer der Messe feierte und
die spanische Division ihren Marsch unternahm. Dem peruanischen Heere
wäre es vielleicht ein Leichtes gewesen, die günstigen Stellungen,
welche ihnen der Weg darbot, zu besetzen, die Spanier zu überraschen
und in die Flucht zu schlagen, aber die Schlauheit Pizarros, die ihm
die Freundschaft des Inkas gewann oder ihn mit Schrecken erfüllte,
sicherte ihnen einen so schwierigen Durchzug. Die einsamen Ebenen
zwischen Tumbez und Motupe erstrecken sich, ohne weder Wasser noch
einen Baum, noch eine Pflanze, noch irgend welches Grün auf dieser
entsetzlichen Strecke versengten Bodens anzutreffen, achthundert
Meilen weit, die unglücklichen Peruaner aber, welche der Division als
Lastthiere dienten, verschafften ihnen in dieser grauenhaften Einöde
alles Nöthige. Von Motupe aus wandten sie sich den Gebirgen zu, die
den untern Theil Perus umgeben, und kamen durch einen so schmalen
und unzugänglichen Engpaß, daß eine geringe Anzahl von Soldaten ihn
gegen ein mächtiges Heer hätte vertheidigen können: Aber durch die
unvorsichtige Leichtgläubigkeit stellte sich den Auszüglern nicht das
geringste Hinderniß entgegen, und ruhig nahmen sie Besitz von einer
Festung, die diesen wichtigen Uebergang vertheidigte.
Endlich langten sie vor Cajamalca an, wo auf einer ausgedehnten
Ebene grobe Lagerzelte mit genügenden Vorräthen an Lebensmitteln
zubereitet worden waren, in denen sie sich sehr bequem dem Schlafe und
der Ruhe hingeben konnten. Bei ihrer Ankunft ließ Atahulpa sie ihre
Freundschaftsschwüre erneuern und schickte ihnen noch reichere und
auserlesenere Geschenke als zuvor und Pizarro, welcher die Denkungsart
und die Großmüthigkeit der unschuldigen Bewohner der neuen Welt bereits
kannte, überließ sich, in Erwartung des neuen Tages, wo er seinen Plan
der Zerstörung und der Eroberung in’s Werk setzen konnte, dem Schlafe
und der Ruhe. Die Peruaner kamen ihrem Schwure nach, weil sie es mit
Göttern zu thun zu haben glaubten; die von Osten Gekommenen hielten
sich nicht zu dieser religiösen Auffassung verpflichtet, weil sie
Götzendienern schwuren, die im sechszehnten Jahrhundert verfluchte und
verabscheuungswürdige Ungeheuer waren.
[Illustration]
[Illustration]
Kapitel 7.
Huldigung.
Das Reich schwankte zwischen Vertrauen, Furcht und Zweifel; alle
Peruaner wollten die neuen Söhne der Sonne, die von Osten gekommen,
sehen und bewundern; aber ein unerklärlicher Schrecken hielt sie
ebenfalls in den Mauern von Cajamalca zurück, und sie wagten nicht,
sich dem Lager ihrer Gastfreunde zu nähern. Schon hatte die Nacht ihren
schwarzen Schleier ausgebreitet, als die Eindringlinge ihre Zelte
bezogen, und die Bewohner jener bevölkerten Stadt konnten die Sehnsucht
nicht stillen, die Männer, welche nach ihrer Annahme den Göttern gleich
kamen, weder zu sehen, noch zu unterscheiden. Doch der neue Tag fing
an, den Horizont zu erhellen, und die Zinnen und die Anhöhen der Stadt
erschienen von einem ungeheuren Volke überdeckt, das seine Blicke
erstaunt auf das Lager der von Osten Gekommenen heftete.
Es wäre Pizarro ein Leichtes gewesen, von dem Inka den Eintritt
in die Stadt zu erlangen und sich seines Palastes zu bemächtigen,
es schien ihm aber klüger, kein solches Opfer zu fordern, da er
wegen der Vortheile, die ihm seine Kavallerie und Artillerie gab,
vorziehen mußte, sich auf freiem Felde zu schlagen, als sich mit
einem Volke einzulassen, das er nicht kannte, wo er nicht mit so
großer Unbefangenheit handeln konnte. Um seine geheimen Pläne vorwärts
zu bringen, schickte er an jenem selben Morgen Almagro mit einem
glänzenden Gefolge ab, damit sie den Inka beglückwünschen, ihn von
Neuem ihrer friedlichen Anordnungen versichern, und um mit ihm den
Zweck, der die Söhne der Sonne in sein Land brachte, ausführlicher zu
besprechen, ihn um eine Zusammenkunft bitten sollten. Seine Abordnung
wurde mit allen den Aufmerksamkeiten der Gastfreundschaft empfangen,
welche die Peruaner den besten Freunden erweisen konnten. Atahulpa
umarmte Almagro, empfing ihn mit den zärtlichsten Ausdrücken und ließ
ihn bei Tafel von Prinzen seines Geblütes bedienen, verhehlte aber das
Verlangen nicht, welches er hatte, daß die Spanier sein Land verlassen
möchten, und um das Alles zu ordnen, versprach er ihm, Pizarro am
folgenden Morgen besuchen zu wollen.
Die anständige Tafel des Monarchen, die Ordnung, welche an seinem
ganzen Hofe herrschte, die Achtung, mit der sie mit ihm sprachen und
dessen Befehle entgegennahmen, wunderte die Spanier, welche noch nichts
als schwache Caziken herumziehender Stämme gesehen hatten. Noch mehr
aber hefteten sie ihre Aufmerksamkeit auf die ungeheuren Reichthümer,
welche so verschwenderisch den Palast schmückten, den kostbaren
Zierrath des Inkas und seines ganzen Hofes, die Gefäße und goldenen
und silbernen Tafelgeschirre, die Menge aller Art Geräthschaften aus
kostbaren Metallen, Alles war für die Boten ein Anblick, der jede Idee,
welche sich ein Europäer aus dem sechszehnten Jahrhundert von der
Ueppigkeit machen konnte, bei Weitem übertraf.
Inzwischen vermochte Almagro, obwohl auf den Schlachtfeldern
aufgewachsen und unter Blut und Greuel großgezogen, die durchdringenden
Reize der schönen Coya, einer ebenso verführerischen wie kriegerischen
Prinzessin aus dem Geschlechte der Inkas, nicht unempfindlich zu sehen.
Angethan mit einem kurzen, luftigen Unterkleide von weißem Leinen,
mit quer umgehängtem Köcher, und in der Linken den Bogen, stand sie
an der Spitze der peruanischen Krieger, welche hinausgezogen waren,
um die Abgesandten aus dem spanischen Lager zu empfangen. Weiß, wie
die Gipfel der schneeigen Anden, frisch wie eine Nelke im Monat Mai,
schlank und niedlich wie ein flüchtiges Reh, im achtzehnten Frühling
ihres Alters, wogte ihr welliges Haar in der Gewalt der leichten Winde,
ihre Blicke durchdrangen die eisernen Waffenrüstungen, kein Mensch
widerstand ihrem Zauber und Alle fielen als Sklaven ihrer Liebe nieder.
Noch jung und von Natur aus hübsch, fühlte Almagro die ganze Macht der
Schönheit Coyas und im Innersten seines Herzens brannte die Liebe mit
unauslöschlichem Feuer.
Endlich ging die Botschaft aus Cajamalca heraus und kehrte in das
Lager Pizarros zurück. Mit von dem Anblick, dessen Zeugen sie gewesen
waren, noch entflammter Einbildungskraft machten die Botschafter ihren
Gefährten von dem, was sie gesehen hatten, eine so verführerische
Beschreibung, daß Pizarro in dem Vorsatz, worüber er bereits
nachgedacht hatte, bestärkt wurde. Durch das, was er an den Sitten der
neuen Welt beobachtete, wußte er, wie vortheilhaft es für ihn wäre,
sich der Person des Inkas zu bemächtigen, und er entwarf einen Plan,
der ebenso große Kühnheit als Geistesgegenwart erforderte. Mit Umgehung
des ernsten Charakters, den er annahm, wenn er sich als Gesandten eines
großen Machthabers anzeigte, der mit dem Inka ein Bündniß einzugehen
wünschte, mit Umgehung der wiederholten Freundschaftsbetheuerungen, die
er an ihn verschwendet und der Anerbietungen, die er ihm gemacht hatte,
beschloß er, sich der leichtgläubigen Einfalt, womit Atahulpa seinen
Betheuerungen vertraute, zu bedienen und sich bei der Zusammenkunft, zu
der er ihn eingeladen hatte, der Person dieses Fürsten zu bemächtigen.