Die Gestaltungskraft der Natur hatte sich hier verrannt; durch

eine bloße Steigerung der Masse schuf sie etwas Unnatürliches und

verurteilte diese „Überriesen“ zu schnellem Untergang. Vielleicht

ward dieser beschleunigt durch einen Klimawechsel oder durch das

Überhandnehmen gefährlicher Raubtiere.

+Diplodokus.+

[Illustration: Abb. 12. Diplodokus.]

Neben den plumpen, massigen Atlantosauriern, wozu auch der Brontosaurus

gerechnet wird, erscheint der Diplodokus (Doppelbalken) geradezu als

eine zierliche Form. Er entstammt den gleichen Fundorten wie die

vorigen und gehört gleichfalls der unteren Kreide an, dem sogenannten

Wealden, das heißt der „Wälderformation“. Diese hat insofern manche

Ähnlichkeit mit der Steinkohlen- und der Keuperformation, als die

damaligen Festländer mit großen Sümpfen und Moorwäldern bedeckt waren

und ein langandauernder Kampf zwischen Land und Meer herrschte.

Aus jener Zeit stammen zahlreiche Steinkohlenflöze, die allerdings

im allgemeinen von geringer Mächtigkeit sind, aber doch an manchen

Orten bergmännisch abgebaut werden, so am Osterwald, am Deister, in

Schaumburg und Bückeburg. Sie sind natürlich nicht aus den typischen

Steinkohlenpflanzen (Siegel- und Schuppenbäumen usw.) hervorgegangen,

denn jene existierten ja längst nicht mehr, sondern aus Pflanzen

der Jura- und der ältesten Kreidezeit, hauptsächlich aus Farnen,

Nadelhölzern und Sagobäumen (Zykadeen, Farnpalmen). Der Gattung

Diplodokus gehören Tiere von 16 bis 25 Meter Länge und 3 bis 4

Meter Höhe an. In welcher Stellung sich dieselben bewegt haben, ist

noch nicht festgestellt und je nachdem gelangt man zu verschiedenen

Höhenangaben. Der 6 Meter lange Hals gleicht einer Riesenschlange

und trägt einen großen, 60 Zentimeter langen Kopf, der etwelche

Ähnlichkeit mit einem Pferdekopf hat, die Nasenlöcher befinden sich

jedoch weit hinten bei den Augen. Die Kiefer sind nur im vorderen

Teil bezahnt, die hinteren Zähne fehlen gänzlich; wir haben es also

weder mit einem Raubtiergebiß, noch mit dem eines Pflanzenfressers zu

tun. Die Zähne sind lang, dünn, stäbchenförmig und stehen ziemlich

weit auseinander, wie die Zähne eines Rechens. Der ungeheure Schwanz

zählt nicht weniger als 60 Wirbel. Es ist nicht leicht, sich die

Lebensweise dieses märchenhaften Drachen vorzustellen. Man hat daran

gedacht, daß er im Wasser nach Muscheln, Schnecken, Fischen, Krabben

und Lurchen grundelte, wobei die Zähne nicht zum Beißen, sondern als

Seiher dienten, also die gleiche Funktion ausübten wie das Fischbein

der Bartenwale. Das hat in der Tat viel Wahrscheinlichkeit für sich.

Die größte Art (~Diplodocus Carnegiei~) wurde vor einigen Jahren auf

Kosten des bekannten Stahlkönigs Carnegie ausgegraben und im Museum

zu Pittsburg aufgestellt. Das Berliner Museum besitzt einen Gipsabguß

davon, weitere befinden sich in Wien, Paris und London. Überreste nahe

verwandter Gattungen wurden in Südamerika, Frankreich und England

entdeckt.

[Illustration: Abb. 13. Dach- oder Panzerdrache.]

Einen hochinteressanten Fund machten vor kurzem die Gebrüder Sternberg

im westlichen Teil der Union, sie förderten den vollständigen Kadaver

eines Diplodokus mit erhaltener Hautbedeckung zutage. Das betreffende

Riesenvieh scheint durch einen Unglücksfall umgekommen und auf eine

Sandbank im Flusse geschwemmt worden zu sein. Dort wurde es zu einer

Mumie ausgetrocknet und durch gewaltige Schlammassen, die später zu

Tonschiefer erhärteten, zugedeckt. Die Haut ist mit seltsamen zarten

Schuppen gespickt. Der ganze Kadaver, der auf dem Rücken lag, bedeckte

eine Fläche von 12 Quadratmeter.

+Panzer- und Horndrachen.+

[Illustration: Abb. 14. Dreihorndrache, rechts oben ein Pteranodon.]

Diese stehen den vorigen an Größe beträchtlich nach, sehen aber

dafür um so putziger, wirklich drachenhaft aus. Fast möchte man

wähnen, ein phantasievoller Fabulierkünstler des Mittelalters

hätte dieselben erfunden. +Die Panzerdrachen oder Dachdrachen+

(+Stegosaurier+) waren plumpe Riesen von mindestens Elefantengröße,

jedoch weit beträchtlicherer Länge, nämlich bis zu 10 Meter! Sie

hatten wieder die Gewohnheit der alten Reptilien angenommen, das heißt

sich einen dicken Panzer angeschafft, also ein Rückfall auf eine

tiefere Entwicklungsstufe; denn das Hautskelett ist das ursprüngliche,

das älteste; erst verhältnismäßig spät machte sich das innere

Knochenskelett geltend, wodurch das erstere allmählich überflüssig

wurde, weil es die aufsteigende Entwicklung hinderte. Der Rückenpanzer,

der sich vom Kopf bis zur Schwanzspitze erstreckte, bildete ein

schützendes Dach aus starken, dicken Schilden und war überdies mit

einem ungeheuren Kamm versehen, der aus zwei Reihen aufrechtstehender

meterlanger Platten bestand. Am Ende des langen Schwanzes waren jene

Knochentafeln zu spitzigen halbmeterlangen Stacheln reduziert. Das war

zweifelsohne eine sehr gefährliche Waffe, und der Koloß konnte damit

furchtbare Schläge austeilen. Die Kehlgegend war durch einen besonderen

Knochenharnisch geschützt. Offenbar fehlte es zu jener Zeit (untere

Kreide) nicht an mächtigen Feinden. Die Glieder sind ungleich lang, und

zwar sind die vorderen wieder beträchtlich kürzer als die hinteren.

Die Zahl der Zehen betrug je fünf, jedoch waren bei den Hinterfüßen

die beiden äußeren verkümmert, so daß das Tier nur mit je drei Zehen

austrat. Dadurch entstanden sonderbare Fährten, die den Eindruck

erweckten, als seien zwei ganz verschiedene Tierarten (Herr und

Diener) stets miteinander oder vielmehr hintereinander auf dem nassen

Boden dahingewandelt. Der kleine Kopf mit einer Art Iguanodongebiß

endete in einen plumpen Schnabel, was dem gepanzerten Ungeheuer ein

besonders phantastisches Aussehen verschaffte. Besondere Erwähnung

verdient die Schädelhöhle; dieselbe ist nämlich sehr klein, so daß

nur ein winziges Gehirn in derselben Platz hatte. Der Rückenmarkkanal

im Kreuzbein ist wohl zehnmal so groß als die Hirnhöhle, so daß man

von einem „Kreuzbeinhirn“ gesprochen hat. Letzteres bestand aber

selbstverständlich nicht aus Hirnsubstanz, sondern aus Nerven für den

kolossalen Hinterkörper.

Diese Panzerdrachen haben sich wohl durch eine geradezu beispiellose

Dummheit ausgezeichnet. Sie konnten wahrscheinlich gleich den

Iguanodonten aufgerichtet auf den Hinterbeinen einherschwanken, aber

ebensogut auf allen vieren davonstapfen.

Ein ebenso wunderlicher Kauz, ein Vetter des vorigen, war der

+Dreihorndrache+ (+Trizeratops+), 8 bis 9 Meter lang, wovon 2 Meter

auf den spitzdreieckigen, vorn ebenfalls in einen Schnabel endigenden

Kopf entfallen. Dieser Schreckdrache, der also im Gegensatz zu seinem

mikrozephalen Vetter zu den „Großköpfen“ gehört, trug neben einem

meterlangen Horn über der Nase noch zwei seitliche hintere Hörner über

den Augen. Der Hinterkopf endete in einen knöchernen Nackenschirm, der

am Rande mit zackigen Knochenplatten besetzt war und wie eine große

Halskrause aussieht. Die Zähne deuten auf Pflanzennahrung und haben

-- bei Reptilien etwas Unerhörtes -- zwei Wurzeln, was sonst nur bei

Säugetieren vorkommt. Auch die Glieder weisen gewisse Säugetiermerkmale

auf, die Zehen tragen nämlich große Hufe, wie diejenigen der Huftiere

(Schweine, Pferde, Wiederkäuer). Dazu der gehörnte Kopf, der an gewisse

Urhufer der Braunkohlenzeit gemahnt.

Diese Säugetierähnlichkeit ist noch größer beim +Einhorndrachen+

(+Monoklonius+) mit mächtigem, nach rückwärts gekrümmtem Horn, dem

+Zweihorndrachen+ (+Dizeratops+) und dem +Stierdrachen+ (+Torosaurus+),

alle der oberen Kreideformation Nordamerikas angehörend. Vereinzelte

Bruchstücke einer nahe verwandten Art wurden auch bei Wiener-Neustadt

gefunden. Dem winzigen Gehirn nach zu schließen, sind alle Horndrachen

sehr stumpfsinnige Geschöpfe gewesen.

Afrikaner.

Nordamerika galt als das Paradies der Schreckdrachen, und seine

Reptilienwelt überragte alles bis anhin Bekannte. Da trat Afrika als

Konkurrent auf, und zwar -- wer hätte das für möglich gehalten? --

mit Erfolg. Zunächst richtete die Südspitze des Schwarzen Erdteils

die Augen der Paläontologen auf sich. Dort -- in der sogenannten

Karrooformation -- entdeckte man nämlich eine Menge versteinerter

Knochen, welche von einer höchst seltsamen Tierwelt zeugten, die in

der Perm- und Triaszeit dort gehaust. Die einen jener Knochentrümmer

schienen einer besonderen Gruppe von Uramphibien (Wickelzähnern,

Panzerköpfen) anzugehören, andere waren entschieden reptilienhaft

und manche, besonders die Zähne, wiesen auf niedere Säugetiere hin.

Die Bezahnung ließ nämlich eine Gruppierung in Schneide-, Eck- und

Backenzähne erkennen. Sollte man es hier mit den Stammvätern der

höchststehenden Tierklasse zu tun haben? Sollte nun Licht in die

Dunkelheit ihrer Herkunft fallen? Die hochgespannten Erwartungen

der Forscher erfüllten sich nicht. Immerhin ist zu sagen, daß jene

Afrikaner höchst interessante Zwischenformen (Kollektiv- oder

Sammeltypen) und daß die berühmtesten unter ihnen, die +Theromorphen+,

das heißt die +Säugetierähnlichen+, offenbar Seitenzweige jenes

Hauptastes sind, dem die Ursäugetiere entstammen. Zwischen beiden

bestehen nicht bloß oberflächliche Ähnlichkeiten (Analogien), sondern

enge verwandtschaftliche Beziehungen.

[Illustration: Abb. 15. Schädel eines Wolfsauriers aus der

südafrikanischen Trias. ~a.~ Oberkiefer. ~b.~ Unterkiefer.]

Die „+Säugetierähnlichen+“ bewohnten übrigens nicht ausschließlich

Südafrika, sondern auch Amerika, Ostindien, Europa (Rußland, England,

Frankreich, Deutschland, Schweiz). Sie scheinen samt und sonders schon

in der Triaszeit ausgestorben zu sein; die heutige Tierwelt hat nichts

Gleichartiges. Man kennt zirka 100 Gattungen; ihre versteinerten

Skelette sind meist schlecht, oft nur in wenigen Knochenstücken

erhalten und dann schwer zu deuten. Unter den vielen Arten gibt es

Zwerge, die nur die Größe einer Ratte erreichen, aber auch einzelne

schwerfällige Riesen von Nashorngröße. Ich führe nur zwei Vertreter mit

Namen an, den +Wolfsaurier+ (+Lykosaurus+), ein Raubtier mit scharfem

Gebiß, und den plumpen +Pareiasaurus+ (+Backensaurier+), ein bizarres,

drei Meter langes Monstrum, ein „dackelhafter Bär“ auf kurzen, dicken,

geknickten Beinen, deren unglaublich dicke Zehen wahrscheinlich zum

Graben eingerichtet und mit großen Krallen versehen waren. Er hielt

sich wohl mit Vorliebe an der Küste auf und ernährte sich von allerlei

kleinem Getier, das er aus der Erde hervorscharrte. Der breite, kurze

Schädel war mit vielen Höckern und der Unterkiefer mit zapfenartigen

Auswüchsen geziert. Von einem ähnlichen Biest (Sklerosaurus) fand man

Überreste im Buntsandstein von Riehen bei Basel. Aber damit sind wir

mit Afrika und den Afrikanern noch keineswegs zu Ende.

In den allerjüngsten Zeiten ging uns von dem rühmlich bekannten

Stuttgarter Geologen Fraas die unverhoffte Kunde zu, daß drüben in

Deutsch-Ostafrika sich ein Drachenfriedhof befinde, der mit den

amerikanischen Fundorten im Staate Wyoming in jeder Hinsicht den

Vergleich aushält. Dort ist nun eine reichsdeutsche Expedition seit

einigen Jahren beschäftigt, die wunderbaren Reste ausgestorbener

Tierriesen auszugraben und der wissenschaftlichen Untersuchung

zugänglich zu machen. Jene Gigantosaurier (Riesendrachen) scheinen

ihren amerikanischen Vettern, den Atlantosauriern, Zanklodonten,

Panzerdrachen usw. mindestens ebenbürtig zu sein. Wie in Wyoming

liegen die Knochen teilweise an der Oberfläche oder in geringer Tiefe,

aber deren Konservierung und Transport zur Meeresküste und von dort

nach Europa ist ein ebenso schwieriges wie kostspieliges Geschäft.

Das Berliner Museum hat bereits durch jene Funde eine erstaunliche

Bereicherung erfahren.

Die Grabungen werden am Tendaguruhügel, nordwestlich von Lindi

vorgenommen, wobei benachbarte Negerstämme das Ausgraben und den

Transport besorgen. Die Arbeiten sind mit sehr großen Schwierigkeiten

verbunden. Fürs erste sind jene Gegenden mit fast undurchdringlichem

Gras- und Buschwald bewachsen und weit ab von Verkehrslinien, sodann

macht die Regenzeit jede Arbeit unmöglich, und im Sommer, wo gar kein

Regen fällt, hat man mit Hitze, Fiebern, Nahrungsmangel und einem Heer

bösartiger Insekten zu kämpfen, nicht zu rechnen mit den Überfällen von

Löwen, Leoparden und Schlangen.

[Illustration: Kreidelandschaft.

Tiere: Maassaurier, Kreidevögel (Ichthyornis), im Hintergrund ein

Iguanodon.

Pflanzen: Zypressen, Palmen, Weiden.]

Im ersten Jahre wurde mit 150 Arbeitern begonnen, im zweiten mit

200, und diese Zahl stieg allmählich auf 500. Es sind drei

übereinanderliegende Saurierschichten vorhanden, die verschiedenen

Zeiten, aber insgesamt der ältesten Kreideperiode angehören, somit

gleichaltrig sind wie die berühmten Kreideschichten in Nordamerika.

Welche Riesen (Gigantosaurier) zutage gefördert wurden, mag folgender

Vergleich zeigen:

Ein Oberarmknochen des Diplodokus mißt 0,95 Meter

„ „ „ Gigantosaurus „ 2,10 „

„ Halswirbel „ Diplodokus „ 0,65 „

„ „ „ Gigantosaurus „ 1,2 „

„ Schulterblatt „ Diplodokus „ 1 „

„ „ „ Gigantosaurus „ 2 „

Eine Rippe „ Diplodokus „ 1,86 „

„ „ „ Gigantosaurus „ 2,5 „

Der Hals „ Diplodokus „ 7 „

„ „ „ Gigantosaurus „ 12 „

Neben einem solchen afrikanischen Riesendrachen erscheint der größte

lebende Bewohner Afrikas, der Elefant, tatsächlich als ein Zwerg.

Leider fand man bis jetzt niemals vollständige Skelette, sondern nur

einzelne Knochen, so daß es schwer hält, sich ein Bild vom ganzen Tier

zu machen.

Über die afrikanischen Arbeiter, welche auf die 20 Fundstellen

verteilt waren, sind die Leiter der Expedition des Lobes voll. ~Dr.~

Hennig berichtet darüber: „Wenn man auf der Ausreise von Aden ab das

schwarze Gesindel der Hafenstädte kennen lernt, so bildet sich ein

unter Umständen schon in der Heimat eingeflößtes schlechtes Vorurteil

in verstärktem Maße aus. Schon in Lindi, das dem großen Verkehrsweg

einigermaßen entrückt ist, herrschen wesentlich erfreulichere Zustände,

wie selbst Daressalam gegenüber nichtdeutschen Häfen ein günstigeres

Zeugnis ausgestellt werden kann. Im unberührten Lindi-Hinterland aber

sitzt eine Bevölkerung, die ich aufrichtig liebgewonnen habe. Am

wichtigsten und erstaunlichsten zugleich war die Anstelligkeit, mit der

sie nicht nur die ungewohnten Grabgeräte handhaben lernten, sondern

sehr bald sich auch in die feineren Präparationsarbeiten hineinfanden.

Bei den oft brüchigen Knochen in härterer Gesteinsumhüllung erforderte

die Präparation zweifellos Hingabe an die Arbeit, Sorgfalt,

Gewissenhaftigkeit. Bei dem Umfang, den das Werk bald annahm, war es

unmöglich, diesen Teil der Arbeit uns selbst vorzubehalten, ganz

abgesehen von der Bedenklichkeit des Unterfangens, sich als Europäer

der vollen Tagesglut im windgeschützten glühenden Schacht dauernd

auszusetzen.

Wenn man wünschenswerte Eigenschaften im Neger nicht findet, so

liegt das in sehr, sehr vielen Fällen nicht am Objekt, sondern am

Sucher! Denn auch ohne fremde Erziehung, schon aus eigenem Wesen

heraus, weisen die Eingeborenen im Süden der Kolonien manchen sehr

sympathischen Zug auf. Der Grundton ihres Wesens ist Sorglosigkeit;

sie kann sich als Fatalismus, als Mangel an Voraussicht (zumal in

Verpflegungsfragen) äußern, sie gibt sich aber auch in jener heiteren

Gemütsart kund, die jederzeit zu Scherz und Spiel bereit und für Humor

überaus empfänglich ist, die auch über erlittenes Ungemach schnell

hinwegzuhelfen vermag. Ich habe gesehen, daß beim Abbrennen eines

Dorfes nach der unter Geschrei und Gezänk beendeten Löscharbeit sofort

die Aufräumungsarbeiten mit lustigem Gesang aufgenommen wurden.

Endlich ist die Intelligenz keineswegs zu verachten. Und zwar

besteht nicht nur Empfänglichkeit für Neues und Ungewohntes, sondern

vielfach auch eine gewisse aktive Beweglichkeit, die den Dingen aus

eigenem Antrieb entgegengeht. Der erste Eindruck der Arbeiten bei der

umwohnenden Bevölkerung war natürlich eine Verwunderung darüber, daß

die Europäer etwas in ihrem armen Lande zu finden und auszunutzen

verstanden, was sie selbst nie beachtet noch zu verwenden gewußt

hatten. Es drangen zweifelnde Fragen bis zu uns, was denn wohl aus den

Funden gemacht werden könne; die einzigen Möglichkeiten, die ihnen

dabei vorschwebten, waren: Zaubermittel, Geld oder Tücher! Dann traten

doch aber bald auch tieferforschende Fragen auf, nach dem Namen und

Wesen des Tieres, nach der Herkunft solcher Reste und ihrem Alter,

nach der Lebensweise und dem Vorhandensein in der Gegenwart, ganz

vereinzelt wohl auch der staunende Gedanke: woher wissen die Weißen das

alles? Das letztere Problem hörte ich übrigens mit der ersichtlich voll

zufriedenstellenden Antwort lösen: ‚Die Europäer lernen so etwas in der

Schule.‘ ... Der Gedanke, daß dort, wo sie jetzt schafften und lebten,

einst Meer gewesen sei, daß zur Zeit, da diese Ungeheuer ihr Wesen

trieben, es noch keine Menschen gegeben habe, daß die versteinerten

Muscheln, Schnecken, Fische an Ort und Stelle im Wasser gestorben

seien, wo sie doch seit Menschengedenken nur Busch zu sehen gewohnt

waren, bereitete ihrer Vorstellungskraft keinerlei Schwierigkeiten.“

Über die ausgegrabene Saurierwelt selbst schreibt ~Dr.~ Hennig: „Die

ungeheure Größe einiger der ostafrikanischen Dinosaurier macht sie zu

den gewaltigsten überhaupt je bekannt gewordenen Landbewohnern der

Erde. Ist die Größe an sich auch ohne sonderliche wissenschaftliche

Bedeutung, so war sie doch selbst für Fachkreise eine Überraschung,

hauptsächlich aber für uns, die wir diese Giganten aus dem Erdreich

herausschälen durften.

Erreichte nun der Oberarmknochen bei der größten Form mehr denn 2

Meter, so mißt er bei der kleinsten nur wenige Zentimeter. Nicht

selten kam es vor, daß Skeletteile so verschieden gestalteter Wesen

durcheinanderlagen. Da war es dann natürlich nicht schwer, die

zusammengehörenden herauszufinden. Unangenehmer war es schon, wenn

viele beieinander gefundene Wirbel, Rippen, Beine Hoffnung auf ein

nahezu vollständiges Skelett erweckt hatten und dann etwa ein sich

einstellender dritter Oberschenkel von der Anwesenheit mindestens

zweier Individuen gleicher Größe zeugte. Am schwierigsten aber

gestaltete sich die Trennung in zwei Fällen, wo sich ganze Herden

von fünfzig und mehr Individuen kleinerer Art auf engem Raume

beisammenfanden.

Wiederum an anderen Stellen gab es wahre Trümmerstätten, wo nur

die festeren Bein- und Flächenknochen verschiedenster Sorten in

Mengen angehäuft lagen. Viele Kadaver sind wohl eine Zeitlang im

Wasser umhergetrieben, ehe sie auf den Boden sanken oder strandeten

und nun erst endgültig eingebettet wurden. Dabei konnten leicht

einige Teile des Körpers abfaulen und weit entfernt zur Ablagerung

gelangen. Wie aber sind die riesigen Tiere in solchen Mengen in

ein Küstengewässer geraten? Man könnte etwa annehmen, ein flaches

Wattenmeer sei zur Ebbezeit auf weite Strecken hinaus trockengefallen

und jene Kolosse hätten den halbtrockenen Meeresboden nach Tangen und

kleinen Wassertieren abgesucht, die ihnen zur Nahrung dienten, die

rückströmende Flut habe ihnen dann in Unebenheiten des Strandes den

Rückweg abgeschnitten und vielen ein Grab bereitet. Es ließe sich auch

denken, daß bei dem Auf- und Niedersteigen des Küstengebiets kleinere

Inselpartien nach und nach abgescheuert und später samt den darauf

zusammengedrängten Bewohnern gänzlich verschlungen wurden.... Um über

derartige Möglichkeiten eine Entscheidung herbeizuführen, hätte es

geologischer Untersuchungen in weiterem Rahmen bedurft. Dafür gebrach

es uns in Ansehung der Hauptaufgabe leider an Zeit.

Ein Bild läßt sich aber auch so gewinnen von dem wundersam

vielgestaltigen Leben, das sich hier am Rande des Kreidemeers

abgespielt haben muß. Da trotteten stumpfsinnig jene Ungeheuer mit

einem mehr als 12 Meter langen und bis 2 Meter dicken Hals, mit

Beingestellen, die alles gewohnte Maß übersteigen; da tummelte sich die

große und kleine Drachenbrut bis hinab zum winzigsten Eidechslein; da

zogen Herden gepanzerter Schreckgestalten daher, mit mächtigen Stacheln

auf Rücken und Schwanz; da eilten auch kleine, flinke Saurier, auf

den Hinterbeinen erhoben; da flogen andere durch die Luft; da gab es

neben fleischfressenden Räubern auch Giganten, die ihren Riesenleib

von Pflanzen und kleineren Seetieren ernährten.“ (Aus ~Dr.~ Hennig, Am

Tendaguru.)

Der Leser möchte vielleicht gern wissen, welcher Zeitraum seit dem

Untergang jener riesenhaften und wunderbar mannigfaltigen Tierwelt

verflossen ist. Leider ist die Wissenschaft gegenwärtig noch nicht

imstande, darauf eine genaue Antwort zu geben; man muß sich mit bloßen

Schätzungen begnügen, und diese schwanken zwischen vier und zehn

Millionen Jahren.

Buschklepper.

Als die gewaltigen Kolosse der Jura- und Kreideperiode -- die

stumpfsinnigen Atlantosauren, Brontosauren, Gigantosauren,

Zanklodonten, Iguanodonten, Panzerdrachen und hundert andere verwandte

Formen -- die damaligen Festländer bewohnten, die eine von den heutigen

ganz abweichende Gestalt und Ausdehnung hatten, mußten goldene Zeiten

für die Wegelagerer und Freibeuter sein. An solchen fehlte es in der

Tat nicht. Der größte unter allen scheint der +Tyrannosaurus+ gewesen

zu sein, dessen Skelett vor kurzem in Montana (Nordamerika) aufgefunden

und im New Yorker Naturhistorischen Museum aufgestellt worden ist. Er

wird als ein 12 Meter langes Biest mit meterlangen Kiefern und 6 bis 18

Zentimeter langen Zähnen geschildert. Er war mit solcher Riesenkraft

und so furchtbaren Waffen ausgerüstet, daß er sich wohl an jeden

anderen Riesen heranwagen konnte. Seine Landsleute und Zeitgenossen,

der +Allosaurus+ und der +Lälaps+, stellten sich ihm würdig an

die Seite. Sie konnten zweifelsohne trotz ihrer Größe gewaltige

Sprünge ausführen, da Schwanz und Hinterbeine ungeheuer muskulös und

die größeren Knochen zudem hohl waren, wodurch das Körpergewicht

beträchtlich herabgemindert ward. Der +Nashorndrache+ (+~Ceratosaurus

nasicornis~+), beträchtlich kleiner und zierlicher, ist 4 bis 5 Meter

lang, hat kurze Vorderbeine mit vier Fingern und große Hinterbeine

mit drei Zehen. Auf der Nase trug das Tier ein großes Horn. Der

Nashorndrache mag große Ähnlichkeit mit dem Iguanodon besessen haben,

war aber schlanker, leichter und flinker als letzteres.

Weit verbreitet war der +Megalosaurus+ (der Große), dessen Reste aus

Europa, Afrika, Ostindien, Australien und Südamerika bekannt sind. Er

erreichte 8 Meter Länge, sein Oberschenkel 1 Meter, das Schulterblatt

80 Zentimeter. Die 4 Zentimeter langen Zähne sind vorn und hinten

zugeschärft und fein gesägt.

Die Maasechsen oder Seeschlangen.

Riesen und Drachen der Vorzeit. Geschichte der Erde, Dritter Teil · 第 3 / 7 段