Seb. Ich wandle Abends im Garten --

Sal. Gut!

Seb. Dort trifst du mich. Auf Wiedersehen!

Sal. Auf Wiedersehen!

Sie trennten sich wieder. In Salassins Herzen keimte eine Grille um die

andere: von seinem Entzücken abgespannt ward er schnell in einen

Tiefsinnigen verwandelt.

Sebald -- sah sie noch nicht? O freilich -- wie kann das seyn? Lolly war

bei mir -- o nun ists doch gewiß -- Sebald liebt Lolly, die mit jenem

Mädchen eins und dasselbe ist -- Sebald -- gewinne dir ihre Liebe -- ich

mag in deinem Glücke dir kein Störer seyn! Du sollst sie lieben -- sie dich

-- herzlich will ich eures beneidenswerthen Glücks mich freun, aber

Augenzeuge kann und darf ich nicht bleiben.

Sebald traf seine langgesuchte Jilla endlich in dem Garten an, wo Lolly auf

Salassin stieß.

Wie taumelten die Beiden entzückt auf einander zu! Wie umrankten sich fest

ihre Arme! Die Farbe der Wonne mahlte ihre Gesichter -- ihre Blicke

flammten Liebe und Zärtlichkeit -- sie traten jubeltrunken in eine stille

Hollunderlaube, gepflanzt zum Kosen für Liebende.

Lange sprachen sie da von -- wer erräth das nicht? Zwei Liebende in einer

stillen geheimen Hollunderlaube -- die sich langersehnt wiedersahen, wovon

können sie sprechen, als von dem was -- sie sprachen.

Eben sassen sie im süssesten Geschwätze, als Salassin der Laube zu durch

labyrintische Gänge wandelte. An dem Pläzchen, wo er Lolly sah, stand er

still, und flüsterte zu sich selber.

Hier überraschte sie mich! An dem Baum gelehnt dacht ich an sie -- mein

Herz schlug in ungestümmen Regungen! Und als ich sie in meine Arme schloß

-- als sie so innig an mich sich preßte -- mich mit dem

Vergißmeinnichtsauge so schmachtend ansah -- hier -- als ich meine Liebe

ihr gestand -- als sie mir erwiederte! Ich liebe dich! -- O meine Seele --

was rang da in dir! Wie ungestimm war da mein Entzücken -- aber ach

zerstiebt ists wie eine Seifenblase -- dies Entzücken -- ich kann sie

nicht, ich darf sie nicht lieben! -- Er sprachs und gieng auf die Laube zu,

wo Jilla und Sebald Arm in Arm sassen.

Salassin war am Eingang der Laube: Die Arme verschlungen, den Kopf sinnig

auf den Boden gesenkt stand er da, warf einen flüchtigen Blick auf die

Beiden darinn, erkannte Sebalden und Jilla, die Lollyn wie eine Rose der

andern gliech, hielt er natürlich für Lollyn selber: er erblaßte und lief

im bewustlosen Zustande fort durch Hecken und Alleen, fort aus dem Garten,

durch Gassen und Plätze, als jagt ihn ein wüthiger Hund.

O nun ists gewiß -- gewiß -- mein Herz soll verstummen! Lolly saß an

Sebalds Seite -- sie sassen Arm in Arm, Lipp an Lippe -- erschracken bei

meinem Erscheinen -- Freund -- du sollst glücklich seyn -- und mir, wenn

ich falle, meinem Andenken eine Thräne opfern. Aber Lolly -- Arm in Arm?

Lipp an Lippe? Himmel! zeugt das nicht von näherer Bekanntschaft? Lolly --

der vor einigen Stunden an mir hieng? mir ihr seliges: Ich liebe dich!

gestand? Ha das war Heucheley -- Mienenspiel gegen mich -- und doch --

warum das gegen mich? doch nein, nein Lolly kann nicht treulos seyn -- aber

Sebald liebt sie -- fort! fort! von hinnen -- sie sollen glücklich seyn!

Ein unbeschreiblich Empfindungsgemisch kochte in ihm. Er sah und hörte

nichts -- die zerschmetterte Wellmine stand hohlaugigt bleich und

zerschlagen plötzlich vor seiner Seele -- er ward tobender. Mehrere der

Wandler hatten ihn beim Arm gefaßt, keiner erpreßte ihm eine Silbe ab: er

irrte herum überall und immer, ihn trieb es als sollt er fort aus dieser

Welt, plötzlich stand er am Residenzplatze still, und eine Statue fiel ihm

ins Auge. Es war das Ehrendenkmal eines tapfern Kriegers. Die Kanonen und

Schwerdten von des Bildhauers Meisterhand gebildet erinnerten ihn an

Schlacht und Tod. Salassin vergaß einen Augenblick den Sturm, der ihn

durchwitterte, und las die goldne Inschrift:

Guirlanden um Die Urnen der Zukunft Eine interessante, originelle Familiengeschichte aus dem drei und zwanzigsten Jahrhunderte · 第 52 / 77 题