Seb. (lächelnd) Du hast es ja -- die Linderung --

Jilla. Ach ja -- nun -- ich -- bin dir herzlich gut! -- (Sie springt aus

dem Zimmer, blickt noch einmal durch die Thüre nach ihm, und schließt sie.)

Sebalds Wunden waren wie durch Zauberei geheilt. Wenigstens ließ ihn das

Entzücken seiner Seele die Leiden seines wunden Körpers, nicht im mindesten

empfinden.

Sie liebt mich! Das unschuldige schöne Mädchen liebt mich wieder! O ich bin

entschädigt für meine Leiden! Himmlisch entschädigt!

So dachte er und stieß den schmerzhaften Fuß im Vergessen der Wunde an die

Bettstelle, so daß er mit einem Schrei aus seinem Jubel durch den erregten

Wundenschmerz auffuhr.

Der Pfarrer kam wieder, mit ihm der Herr des Schlosses und sein Bruder. Sie

bedauerten den Unfall, und wünschten ihm nahe Herstellung.

Das unermüdete Bestreben des Arztes, die freundliche Bewirthung der Familie

und -- Jillas vorzügliche Geschicklichkeit -- o welcher Halbtodte ersteht

da nicht und wird binnen wenigen Tagen so gesund und stark als hätte ihn

nie ein Fingerchen geschmerzt.

In wenig Tagen verließ er das Lager, und gieng im freiern Garten herum.

Anfangs natürlich hinkte er so ein bischen; aber die geschäftige zärtliche

Aerztin Jilla brachte es durch ihre Kunst soweit, daß Sebald nie begriff,

der Unfall sey ein Unfall gewesen.

O -- rief er -- ich hatte ein Unglück, ein neidenswerthes Unglück! -- und

blickte liebevoll auf die süsse Jilla an seinem Arm.

Er hatte in einem Brief an seinen Oheim, den Fürst Tellmann die ganze Sache

geschrieben.

»Ich bin vollkommen hergestellt, und gesünder als sonst -- schrieb er

darinn -- bald komm ich mit meinem edlen Wirthen wieder in die Stadt, in

die Arme meines verehrten Oheims.

Wir lassen inzwischen Sebalden und Jilla immer nicht und mehr sich

erklären, lassen sie wandeln im blüthigen Garten im Morgenglanz und

Abendthau; lassen sie kosen in stillen unbelaubten Schasminlauben; und

kehren zu dem betrübten Salassin.

Wo bleibt der? -- denken wohl einige ihm geneigte Leserinnen!

Das will ich kurz erzählen, erlauben sie mir erst ein wenig Erhohlung. Ein

Gläschen ächten -- sprudelnd wie des 23. Jahrhunderts edler Rebensaft --

soll mich zur Erzählung begeistern.

Dreizehntes. Kapitel.

Eine Nachricht aus der Heimat.

Als Sebald aus dem Lager ritt, irrte Salassin in stiller Schwärmerey,

aufgeregt durch Lollys Traumbild, das ihm kaum erschienen mit der

Luftgondel wieder entflog, um die Reihe der Zelte immer denkend und lebend

am und im Traumbilde.

Ist sie es denn doch gewesen, oder nicht? -- fragt er sich selbst. Sebald

sah -- Verwünscht! wenn er auch Lolly gesehen hätte! Ach! -- so ist es

vielleicht -- er hielt sie für das Mädchen! -- Aber er sagte ja -- jene

wäre grün -- oder roth gekleidet gewesen; da Lolly blau sich trug? Grün

oder roth? Was sind das für zwei verschiedene Farben! Und ein Mahler sah

die Farben nicht bestimmt? Hm! wenn sie auch ein blaues Kleid gehabt --

wenn er mirs meiner Unruhe wegen verschwiegen hätte? -- Sehr möglich! Ach

so haben wir beide nur eine gesehen -- Lolly ist das Mädchen und das

Mädchen Lolly -- o wehe! -- einer ist verloren! Bei Gott -- da will ich der

Verlorne seyn -- denn auf den stillen Kummer meines Freundes mein

Glückgebäude bauen? -- Bei Gott nicht -- ich will verloren seyn!

So stritt der Edle mit sich, und gieng spät nach der verabredeten Stunde in

die Stadt, sattelte sein Roß im Gasthof, wo sie eingekehrt waren, und weil

er den Freund nimmer traf, meinte er: Er ist ohne Zweifel vorausgeritten,

ich muß ihn einhohlen.

Salassin sprengte nach der Stadt, aber Sebald einzuhohlen gelang ihm

natürlich nicht, weil dieser einen andern Weg ritt.

Die Stadtthore waren bereits versperrt, und Salassin mußte sichs gefallen

lassen in einem Gasthofe vor den Thoren zu übernachten.

»Sebald ist ohne Zweifel zu Hause schon, und wird um mich bangen -- da ich

heute nicht nachkomme. Doch -- er weiß ja -- ich bin kein Lämmchen so das

erstemal in eine fremde Flur kommt« --

So beruhigte er sich, und gieng in dem Garten des Gasthofes im Mondenschein

mit verschlungenen Armen herum.

Hehehe! -- lachte eine laute Stimme, indem ein Mann Salassin bei dem Arm

griff -- Herr Salassin! Du kennst mich wohl gar nimmer.

Je -- Georg -- bist du es? Wie kommst du daher? -- sprach Salassin freudig,

als er den Diener seines Vaters erkannte. Bist du etwa nimmer bei meinem

Vater?

Georg. Hat sich wohl! Er schickte mich eben mit einem Briefchen und

vollgefüllten Beutel an euch ab.

Sal. Ey sey mir willkommen! Ich habe eben beides nöthig. Ich hin aus der

Stadt gesperrt!

Georg. Kam auch zu spät -- dachte, mach ich morgen dem lieben Herrn eine

rechte Freude. -- Ja, also -- nun muß ich meinen Auftrag ausrichten. Der

Vater und die Mutter und der Pfarrer und unser ganzes Dorf grüßt dich vom

Herzen, und es soll dir nur recht gut gehen! Georg richte dich -- sagte der

Vater vor 4 Tagen -- du gehst mit einem Brief zu Salassin! -- Nur her damit

-- sagt ich -- ich will flink wie ein Hirsch seyn! Da hast du den Brief,

sagt er, und ich lasse ihn grüssen, und er soll mir Freude und Ehre machen!

Und die Mutter zupfte mich so auf die Seite, und da gieb ihm das Geld!

sagte sie, daß der Vater nichts hörte.

Sal. (freudig und voll Ungeduld) Die guten -- guten Eltern! Geschwind wo

hast du den Brief.

Georg. (zog ihn aus der Brieftasche) Und dann gab er mir auch den Befehl --

ich solle mich bei dem edlen Bengler aufhalten --

Guirlanden um Die Urnen der Zukunft Eine interessante, originelle Familiengeschichte aus dem drei und zwanzigsten Jahrhunderte · 第 45 / 77 题