»Gedulde -- das geht sogleich nicht an! -- Warte bis an Ruhtag: da wandelt
sie in der Promenade auf dem Ruinplatze.«
O mein Gott! -- bis dahin sterbe ich vor Ungeduld -- Wir können unter einem
schicklichen Vorwande sie besuchen --
»Das geht nicht!«
Warum?
»Weil -- ach so warte nur -- heut Abends im Schauspielhause will ich dir
sie zeigen?
Sebald?
»Nun?«
Du warst verlegen, als du mir sagen solltest, warum wir sie nicht unter
einem schicklichen Vorwande besuchen dürfen?
»Weil -- ich -- es -- nicht -- grade nicht -- recht finde!«
Dir gefällt das Mädchen.
»Und? --«
Dir gefällt das Mädchen?
»Nun ja -- hab ich keinen Sinn das Schöne zu sehen, zu empfinden? Darum
zeichnete ich sie auch ab, weil ich mich nicht erinnere -- irgendwo ein
schöneres Gesichtchen erblickt zu haben. --«
Dir gefällt sie?
»Was willst du damit sagen? Du siehst mich so sonderbar an?
Es ist Lollys Bild!!
»Was kann ich dafür -- das wußt ich ja nicht, und ist das ein Vergehen, daß
ich sie zeichne? Wenn es Lolly ist -- so solltest du mir noch Dank wissen
--«
Warum willst du mich nicht dahin führen?
»O so geh doch -- weil es sich nicht schickt --«
Sebald -- gehst du redlich mit mir um?
»Welch ein Mißtraun! Was muthest du mir zu?«
Du liebst sie!
»Ey, wenn hab ich das gesagt?«
Ich merke es -- du warst immer so verstimmt, wenn ich dich auf jenes schöne
Mädchen brachte, von dem du mir zuweilen wie ich mich entsinne, begeistert
erzähltest -- wie sie gejammert habe, wie ihre Thränen so häufig über die
Wangen rieselten -- Du bist in mancher Stunde nicht ganz mit deiner Seele
da wo du sprichst --
»So gliech ich wohl gar dir am Ende!«
Spotte nicht, ich verbarg meine Empfindung für Lollyn nicht. Sebald!
Freund! Ich bitte dich -- zeige mir das Mädchen.
»Von Herzen gerne! Aber --«
Wieder?
»Aber gleich, -- meint ich -- geht es nicht an. Heut Abends --«
Heut Abends?
»Ja!«
Im Schauspielhause?
»Wenn sie dahingeht!«