[Illustration: Abb. 131. _Schloß Landsberg._]

~XIV.~

Das Eltethal ist im unteren Teile von beackerten Höhen eingefaßt,

nimmt weiter oben das Gepräge eines stillen Waldthals an, dessen

Sohle aber noch mit Feldern und Wiesen besetzt ist. Südlich des

Dorfes Förtha erhebt sich die basaltreiche Pflasterkutte, nördlich

die Stoppelkuppe, deren Basalte noch heute gebrochen werden. Der

Zechsteingürtel, der hier das Eltethal überspringt und bis über

Liebenstein hinaus sich fortsetzt, war früher für den Bergbau von

Bedeutung, der bei Möhra, Kupfersuhl und Schweina auf Kupfer betrieben

wurde und von dem noch heute so manche grün bewachsene Halde Zeugnis

gibt. Nach der Gebirgsseite erstreckt sich das Rotliegende, und auf ihm

wachsen die üppigen Buchenwälder, die bis zu den Höhen des Rennsteigs

hinaufreichen. Dem Gebirgswall Thüringens ist hier ein welliges

Südvorland vorgelagert, wo fast parallel mit der Hauptrichtung des

Thüringerwalds die Werra in einem breiten offenen Thale nach Nordwesten

zieht. Die Werra ist nach Größe und Namen der Quellfluß der Weser

(Wisaraha, Wirraha = Westfluß); Weser und Werra sind nur verschiedene

Namen für dasselbe Wort.

[Illustration: Abb. 132. _Meiningen._

(Nach einer Photographie von Junghanns & Koritzer, Leipzig-Meiningen.)]

Im Nordosten des Südvorlandes breitet sich eine dicht bewaldete

Buntsandsteinfläche aus, die nach Südwesten zur unbewaldeten und

reizlosen Marisfelder Mulde einfällt. Diese Mulde wird im Südwesten

von einem teilweis bewaldeten Muschelkalkplateau begrenzt, das Werra

und Hasel durchbrochen haben. Ähnlich ist das Gelände im Südosten

der Marisfelder Mulde bis auf die eigenartige Gegend des sogenannten

»Kleinen Thüringerwalds«, wo Granit, Porphyr, Rotliegendes,

Zechstein, Buntsandstein und Muschelkalk mit ihren verschiedenen

Abtragungs- und Verwitterungsformen ein überaus lebendiges und

buntfarbiges Landschaftsbild abgeben. Die im Graben der Marisfelder

Mulde enthaltenen Keuperschichten zeigen, daß natürliche Abtragung

die Oberfläche dieser Gegend um mindestens 460 ~m~ erniedrigt hat.

Der südlich der Muschelkalkmauer gelegene Teil gehört bereits zum

Grabfeld und besteht aus Keuper, der teilweis durch Diluvialbedeckung

verhüllt ist und ausgedehnte wenig gegliederte Hochflächen bildet.

Der vorherrschend weiche und thonige Boden wird von Kulturflächen

eingenommen, der Wald tritt sehr zurück.

[Illustration: Abb. 133. _Schillerhaus in Bauerbach._

(Nach einer Photographie von Junghanns & Koritzer, Leipzig-Meiningen.)]

[Sidenote: Marksuhl. Möhra. Frauensee.]

Zwischen dem Markte Gerstungen (1550 Einw.) und dem weimarischen

Städtchen Berka an der Werra (1050 Einw.) führt von der Werra das

sonnige breite Thal der Suhle aufwärts. Das von der oberen Suhle und

der oberen Elte umschlossene Gebiet war der alte Bergwerksgrund, der

seinen Mittelpunkt im Dörfchen Eckardshausen hatte. Der Hauptort

des Thales ist der Flecken Marksuhl (1000 Einw.), zuerst im ~XIII.~

Jahrhundert genannt und früher eine Haltestelle an der alten Bergstraße

von Vacha nach Eisenach. Der Name Suhl bedeutet »sumpfige Gegend«, ist

also von derselben Bedeutung wie der in derselben Richtung mit dem

Suhlethal gelegene jetzt auch trockene Moorgrund, beide nur von einer

niedrigen Wasserscheide getrennt. Im oberen Moorgrund liegt das Dorf

Möhra, wo Luthers Eltern wohnten und wo ihm auf dem Kirchplatz ein

Standbild errichtet wurde (Abb. 129). Die Buntsandsteinplatte innerhalb

des Werraknies ist zum Teil mit Fichten- und Buchenwald bedeckt,

während in den schmalen Thalgründen kleine Wiesen in hellem Grün

leuchten. Bei Dönges ist der kleine Hautsee eingebettet, auf dessen

Wassern eine schwimmende Insel ruht, deren Kiefern und Birken mit

ihren Wurzeln den festen Zusammenhalt geben. Im Buchenwald versteckt

liegt das weltabgeschiedene stille Dörfchen Frauensee, dessen rote

Dächer sich im dunklen See spiegeln, eine ruhige Sommerfrische an

der Stelle, wo im ~XII.~ Jahrhundert ein zum Stift Hersfeld gehöriges

Cistercienser-Nonnenkloster gegründet wurde.

Wo die alten Hauptverkehrswege das Gebirge überschritten oder umgingen,

wie im Werrathal, entwickelte sich eine dichtere Besiedelung. Im

~XIII.~ und ~XIV.~ Jahrhundert entstand eine Anzahl kleiner Städte,

von denen es viele in den folgenden Jahren zu hoher Blüte brachten,

die aber durch die Greuel des dreißigjährigen Krieges zerstört wurden.

Im Werragebiete fielen fast neun Zehntel der Bevölkerung dem Kriege

zum Opfer, und es waren zwei Jahrhunderte erforderlich, um die Lücken

wieder zu ergänzen. Vom Goldbrunnen oberhalb des Ortes Wüstensachsen

im Rhöngebirge rinnt die Ulster und mündet nach 49 ~km~ langem Lauf

unterhalb Philippsthal in die Werra. Die weimarische Stadt Geisa (1500

Einw.) wird urkundlich schon im ~VIII.~ Jahrhundert erwähnt. Das Thal

wird hier breiter und schöner und bildet die fruchtbarste Gegend des

eisenachischen Oberlands, zu beiden Seiten von den schöngestaltigen

Basaltkuppen der vorderen Rhön bewacht: Suchenberg (585 ~m~),

Rockenstuhl (529 ~m~) und der Gipfelreihe vom Roßberg (689 ~m~)

bis zum Ulsterberg (476 ~m~), meist Aussichtsberge mit umfassender

Rundsicht. An der Einmündung der Öchse in die Werra liegt das im ~IX.~

Jahrhundert gegründete weimarische Städtchen Vacha (1500 Einw.), dem

Vereinigungspunkte zahlreicher Straßen, die früher dem Ort lebhaften

Verkehr brachten. Das Werrathal ist hier breit und sonnig, aber

heiteren Gepräges und fruchtbarer Wiesengelände voll, von Bergen und

grünen Wäldern umgrenzt. Südlich der Stadt erhebt sich der 627 ~m~ hohe

mit Basaltblöcken bedeckte Öchsenberg, an dessen Ostfuße das stille

waldumsäumte Öchsenthal hinaufsteigt bis zu der Höhe zwischen Bayerberg

(706 ~m~) und Sachsenburg (707 ~m~). Dichter Buchenwald schmückt diese

basaltischen Vorberge der Rhön; vom Turm des Bayerbergs hat man einen

schönen Blick auf Thüringerwald und Rhön.

[Illustration: Abb. 134. _Hildburghausen._

(Nach einer Photographie von Junghanns & Koritzer, Leipzig-Meiningen.)]

[Sidenote: Eisenachisches Oberland.]

[Sidenote: Ostheim.]

Am Fuße des Ellenbogen (813 ~m~) entspringt die Felda, die zuerst eine

wellige Hochfläche durchströmt, unterhalb Kaltennordheim in ein enges

Buntsandsteinthal tritt, das sich aber später erweitert, während der

unterste Teil ein enges Felsenbett bildet. Die Quelle liegt 660 ~m~

hoch, die Mündung bei Dorndorf 230 ~m~. Bis zum weimarischen Markte

Kaltennordheim (1650 Einw.), reicht die schmalspurige Felda-Eisenbahn.

Das Eisenacher Oberland ist klimatisch nicht günstig gestellt,

ein langdauernder Winter und kalte Winde mindern den Ertrag der

Landwirtschaft. Das Gebiet trägt im allgemeinen den rauhen Charakter

der Rhön. Ein Zeichen von wirtschaftlicher Schwäche ist die ziemlich

lebhafte Auswanderung der Bevölkerung. Zwischen buchenbewaldeten

Bergen liegt der Markt Dermbach (1150 Einw.), wo 600 Menschen mit

Korkschneiderei beschäftigt sind. Im Feldathale wird in Schnitzerei und

Drechslerei viel Hausindustrie getrieben, deren Hauptort Empfertshausen

ist, von wo aus meist für Ruhla, aber auch für Eisenach, Fischbach,

Cabarz und Waltershausen gearbeitet wird. Eine vom Staate unterstützte

Fachschule sorgt für künstlerische Ausbildung. Das weimarische

Lengsfeld (1200 Einw.) ist die einzige Stadt im Feldathale. In dem

meiningischen Gebietsteil Dietlas wurde in einer Tiefe von 436 ~m~

Steinsalz erbohrt. Ein weimarischer Landesteil liegt, rings von

bayerischem Gebiet umschlossen, an den Ostabhängen der Rhön bis über

den Streubach hinaus. Der Hauptort ist hier Ostheim (2300 Einw.), eine

alte Stadt, die 804 dem Stifte Fulda geschenkt wurde und deren alte

Mauern und Türme noch großenteils stehen. In der Umgebung sind viele

Mühlen, und es wird erheblicher Kirschenbau getrieben.

[Illustration: Abb. 135. _Feste Heldburg._

(Nach einer Photographie von Junghanns & Koritzer, Leipzig-Meiningen.)]

[Sidenote: Ostheim.]

Auf einer dicht bis zur Werra vortretenden Sandsteinkuppe liegt im

Buchenschatten die Kraienburg, ein ehemaliger Wachtposten für den

entlang der Werra ziehenden Handelsweg. Von den letzten Resten der

aus dem ~XII.~ Jahrhundert stammenden Burg wurden die Säulen aus den

romanischen Fenstern gebrochen und bei der Wiederherstellung der

Wartburg zur Ausschmückung der offenen Halle im Burggärtlein benützt.

Viele Mauersteine der Burg wurden in dem an der Werra liegenden

Dorfe Tiefenort (1750 Einw.) zu Häusern verbaut. In der Nähe besteht

ein Kalibergwerk. Überall im Südvorlande tauchen aus der Masse des

Buntsandsteins und Muschelkalks kegelförmige Inseln von Basalt empor.

Einer der schönsten Gipfel ist der Bleßberg (645 ~m~), von dessen

schön bewaldeten Hängen das Arnbachthal zur Werra hinabführt. Hier

liegt Salzungen (4400 Einw.), urkundlich schon im ~VIII.~ Jahrhundert

erwähnt, im Grenzgebiete des alten Westergaus, von Henneberg und

Franken. Das Salzwerk hat großen Reichtum an Sole, die in verschiedenen

Quellen von 5 bis 27 vom Hundert Salzgehalt hat; der Jahresversand von

Salz beläuft sich auf 125000 bis 150000 Metercentner. Als Badeort

wird Salzungen jährlich von über 2000 Personen besucht. Der Salzunger

See ist durch einen Erdfall entstanden (Abb. 130). Am Lindenberg

bei Leimbach wurde eine Kohlensäurequelle erbohrt, die unter einer

Druckspannung von 32 Atmosphären dem Boden entströmt und in einem

Kohlensäurewerk verarbeitet wird. Gegenüber von Salzungen am rechten

Werraufer stand ehemals Kloster Allendorf, heute nur noch im Namen

erhalten, und die Burg Frankenstein, die schon 1330 im Verfall war

und dem Geschlechte der Frankensteiner gehörte, die einst auch die

Frankenburg bei Helmers, die Burg auf dem Mätilstein bei Eisenach,

Altenstein und die Kraienburg besaßen.

[Sidenote: Meininger Oberland.]

Vom hohen Rain (701 ~m~) und der Stoffelskuppe (616 ~m~) rinnen

die Quellwasser der Rosa hinab, in deren anmutigem Thale einst

eine alte Heerstraße aufwärts führte. Oberhalb Roßdorf schimmern

einige Waldteiche, über denen sich die aus Sandstein und Muschelkalk

emporragenden Basaltköpfe aufbauen; hier kam es 1866 zum Kampfe

zwischen Preußen und Bayern. Georgenzell war, wie schon der

Name andeutet, ein Anfang des ~XIV.~ Jahrhunderts gegründetes

Cistercienserkloster, das nur wenig länger als 200 Jahre bestand.

Viel hatte diese Gegend zwischen Werra und Rhön im Bauernkriege und

im dreißigjährigen Kriege zu leiden. Manch einsames Haus oder von

Pflanzen überwucherte Mauerreste zeugen von verschwundenen menschlichen

Siedelungen, und Flur- oder Forstnamen deuten auf eine bewegte

Vergangenheit. Der Name der Kilianskuppe (510 ~m~) erinnert an den

Heidenapostel Kilian, den Schutzheiligen Würzburgs, der hier 687 eine

Kapelle errichtet haben soll, also 60 Jahre früher, als Winfried

(Bonifatius) die kleine Kirche auf dem Altenstein gründete. Zwischen

Rosa- und Schwarzbachthal dehnen sich die schönen Jagdgründe des

weimarischen Zillbachs aus. Westlich der Zillbacher Waldungen liegt das

im Bauernkriege gefallene Kloster Sinnershausen, ehemals ein besuchter

Wallfahrtsort, heute ein von Hecken und Waldbäumen umgebener Gutshof.

[Illustration: Abb. 136. _Hof der Feste Heldburg._

(Nach einer Photographie von Junghanns & Koritzer, Leipzig-Meiningen.)]

[Sidenote: Wasungen.]

An der Mündung der Truse in die Werra liegt der Markt

Frauenbreitungen, mit dem benachbarten Herrenbreitungen eine frühere

Klostergründung. An der Mündung des Rosathals ist Wernshausen (1100

Einw.) erbaut. Ein freundliches Städtebild bietet Wasungen (2600

Einw.), urkundlich schon im ~IX.~ Jahrhundert erwähnt, der Mittelpunkt

des seit dem ~XVII.~ Jahrhundert im Werrathale bestehenden Tabakbaues.

Vom ~XI.~ bis ~XIII.~ Jahrhundert war hier die Hauptstadt der Grafen

von Henneberg, die östlich über der Stadt eine Burg besaßen.

Zwischen den Thälern des Katzbachs und des Herpfbachs erhebt sich aus

dem Muschelkalk die basaltische Große Geba, 751 ~m~ hoch, von deren

Gipfelhaus sich eine Aussicht erschließt, die den Blick vom Kreuzberge

der hohen Rhön noch an Schönheit übertrifft: den Thüringerwald von

der Wartburg bis zum Fichtelgebirge, in dunkler Waldespracht breit

hingelagert, westlich die Masse der Rhön und weiter nach Norden die

hessischen Berge bis zum Meißner und dem Habichtswalde bei Cassel.

Südlich des Herpfthals erhebt sich die Basaltkuppe des Hutsbergs (631

~m~) mit der von Buchen umrauschten Ruine des Henneberger Schlosses.

Von dem Ansehen, das die drei Burgen Henneberg, Hutsberg und Landsberg

als Schirmburgen einst beim Volke genossen, zeugt noch das aus ihren

Namen zusammengestellte Sprichwort: »Henne hüt's Land!« Durch einen

schmalen Sattel ist der Hutsberg verbunden mit dem Muschelkalkkegel

des Neubergs (637 ~m~). An der gegenüberliegenden Werraseite erhebt

sich der Basaltkegel des Dolmar (740 ~m~), dessen Rundsicht bis zum

Fichtelgebirge reicht und die des Inselbergs übertrifft. Auf dem

Gipfel, der auf preußischem Gebiete liegt, steht ein Häuschen. Der

Nordhang ist mit Buchen bestanden, der Muschelkalk des Südhanges ist

für Ackerzwecke urbar gemacht. Hier liegt das Dorf Kühndorf, schon

im ~VIII.~ Jahrhundert urkundlich erwähnt und einst der Sitz einer

Komturei des Johanniterordens.

[Sidenote: Meiningen. Bauerbach. Grimmenthal.]

Am Ausgang der schön bewaldeten Haßfurtschlucht erhebt sich aus einem

Muschelkalkhügel die turm- und zinnengekrönte Burg Landsberg (Abb.

131), 1836-1840 als mittelalterliche Burg an Stelle der im Bauernkriege

zerstörten Burg Landeswehr erbaut. Weiter südlich auf dem Bergrand

westlich der Werra liegt die Ruine Habichtsburg. Umgeben von einem

Kranze mit üppigen Gärten besetzter stufenförmiger Kalkberge liegt

an der Werra Meiningen (12900 Einw.), die Hauptstadt des Herzogtums

Sachsen-Meiningen (Abb. 132). Meiningen wurde als Dorf schon im

~VII.~ Jahrhundert genannt und 1008 vom Kaiser Heinrich ~II.~ zur

Stadt erhoben; 1542 kam es an die Grafen von Henneberg und nach deren

Aussterben 1583 an die Ernestinische Linie von Sachsen. In dem Ende des

~XVII.~ Jahrhunderts erbauten Schlosse befindet sich eine Bibliothek

von 45000 Bänden und andere Sammlungen. Das Hoftheater ist durch seine

Musteraufführungen weithin berühmt, der herzogliche englische Garten

ist eine der schönsten Anlagen. Auf dem neuen Gottesacker ruhen der

thüringische Märchendichter Bechstein, der Komponist Zöllner und der

Alpenbeschreiber Schaubach. Westlich reichen die Landhäuser Meiningens

fast bis zu dem auf der Muschelkalkhochfläche liegenden Dorfe

Dreißigacker, von 1796-1843 Sitz einer Forstschule, die von Bechstein

gegründet und aus Waltershausen hierher verlegt worden war.

[Sidenote: Veßra. Hildburghausen.]

Südlicher zwischen den Thälern des Sülzbachs und des Harlesbachs am

Fuße des 569 ~m~ hohen Heiligen Berges liegt die Ruine Henneberg,

einst die Stammburg der Henneberger, deren schöner Bau im Bauernkriege

in Trümmer sank. Am Ostfuße des Heiligen Berges liegt das Dörfchen

Bauerbach, berühmt durch Schillers Aufenthalt, der nach seiner

Flucht aus Stuttgart auf dem Gute der Frau von Wolzogen unter dem

Namen »~Dr.~ Ritter« vom Dezember 1782 bis zum 20. Juli 1783 ein

gastliches Obdach fand (Abb. 133). An der Haselmündung ist Grimmenthal

Kreuzungspunkt der Werrabahn mit der Linie Ritschenhausen-Erfurt.

Früher war Grimmenthal ein von jährlich 40000 Pilgern besuchter

Wallfahrtsort, damals noch Grünthal geheißen. Oberhalb der Felsenge

des Nadelöhrs bei Henfstädt, wo beim Bau der Eisenbahn dem Flusse

ein neues Bett angewiesen wurde, schaut die Ruine Osterburg herab,

in der Nähe des benachbarten meiningischen Städtchens Themar (2000

Einw.) Zwischen Hasel und Schleuse ragt der gesteinsbunte schon oben

erwähnte Kleine Thüringerwald empor, im Schneeberg bis 687 ~m~ hoch

ansteigend. An der Mündung der Schleuse in die Werra erhebt sich das

Kloster Veßra (~Vescera~), dessen Namen früher das ganze Schleusethal

führte, heute ein preußisches Kammergut. Gegründet wurde es 1130 und

mit Prämonstratensern besetzt, die schöne Klosterkirche wird leider

als Scheune benützt; sie war vor dem Bau der Egidienkapelle an der

Schleusingischen Johanniskirche die Totengruft der Hennebergischen

Grafen. Hildburghausen (6900 Einw.), ehemals Residenz, ist eine

freundlich gelegene betriebsame Stadt an der Werra (Abb. 134), die

urkundlich zuerst im ~XIII.~ Jahrhundert genannt wurde. Hildburghausen

liegt 372 ~m~ hoch, Eisfeld 430 ~m~, die Werraquelle am Saarberge

bei Siegmundsburg 708 ~m~, so daß der obere Flußteil ein ziemlich

kräftiges Gefälle hat. Obwohl die Werra besonders von der rechten

Seite viele wasserreiche Zuflüsse empfängt, ist sie doch innerhalb

der Grenzen Thüringens nicht schiffbar, weil die Wassermassen dafür

nicht ausreichen, obwohl es an Versuchen zur Schiffbarmachung schon

vom ~XIII.~ Jahrhundert an nicht gefehlt hat. Geologisch belangreich

sind die Tierfährten auf Platten des Buntsandsteins bei Heßberg

unweit Hildburghausen. Es sind dies eigentümliche Fußstapfen, die

mit dem Abdruck einer Hand Ähnlichkeit haben und von Froschsauriern

(~Chirotherium~ = Handtier) herrühren. Schöne Sammelstücke befinden

sich in Hildburghausen und im Kloster Banz bei Lichtenfels.

[Illustration: Abb. 137. _Schloß Rosenau._

(Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin.)]

[Sidenote: Gleichberge.]

[Sidenote: Römhild.]

Zwischen Springbach und dem oberen Milzthale, das in weitem Halbkreise

die Bergmasse umschlingt, erheben sich die beiden Gleichberge (641 und

678 ~m~ hoch). Ihre schön bewaldeten aus der Keuperumgebung aufragenden

Basaltgipfel sind im Gelände zwischen Thüringerwald und Rhön weit

hinaus sichtbar. Auf einem Seitenvorsprung des Großen Gleichbergs (auch

Bärenburg geheißen) befinden sich geschichtete Steinwälle, Altenburg

genannt, die wahrscheinlich nur ein umwalltes Viehgehege darstellten,

das frühestens aus dem ~VI.~ Jahrhundert stammt. Auf dem Kleinen auch

Steinsburg genannten Gleichberge befindet sich eine gut durchdachte

und kriegsmäßig ausgeführte Festungsanlage der ~La Tène~-Periode

(vorrömischen Eisenperiode), die mit ihrem dreifachen Steinwallgürtel

alle übrigen vorhistorischen Befestigungen auf deutschen Berghöhen

weit übertrifft. Drei starke Quellen, von denen jetzt zwei nach ihrer

Verschüttung erst weiter unten zu Tage treten, waren in das Bereich

der Umwallungen eingezogen. Westlich der Gleichberge liegt am

Ufer der Spring das zuerst im ~IX.~ Jahrhundert erwähnte freundliche

Ackerstädtchen Römhild (1700 Einw.), ehemals die Residenz der

gefürsteten Grafschaft Henneberg-Römhild. Die im ~XV.~ Jahrhundert

erbaute Stiftskirche beherbergt zahlreiche Stein- und Erzbilder der

hennebergischen Grafen und schöne Sarkophage vom berühmten Nürnberger

Bildhauer und Erzgießer Peter Vischer. Von der aus dem ~XII.~

Jahrhundert stammenden Feste Hartenburg ist nur noch Wall und Graben

übriggeblieben. In dem am Südfuße des Großen Gleichbergs gelegenen

Flecken Gleicherwiesen sind ein Drittel der Bevölkerung Juden, etwa

ein Fünftel im Flecken Bibra südlich von Meiningen und in den Dörfern

Bauerbach und Berkach, was an hessische Verhältnisse erinnert.

[Illustration: Abb. 138. _Coburg_ um 1650 (nach dem gleichzeitigen

Stich von Merian).]

[Illustration: Abb. 139. _Coburg._

(Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin.)]

[Illustration: Abb. 140. _Feste Coburg._

(Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin.)]

[Illustration: Abb. 141. _Das Reformatorenzimmer in der Feste Coburg._]

[Sidenote: Heldburg. Rodach.]

Aus der fruchtbaren leichtgewellten Keuperfläche ragen hier und da

Basaltkegel empor. Auf einem derselben erhebt sich die buchenumrahmte

Ruine Straufhain, die zuerst im ~XII.~ Jahrhundert genannt wurde,

in der Nähe des Fleckens Streufdorf. Am Kreckbach liegt das stille

Städtchen Heldburg (1100 Einw.), berühmt wegen der auf einer

Basaltkuppe aufstrebenden Feste Heldburg, der »fränkischen Leuchte«,

weil sie in hoher Schönheit weit hinausleuchtet in die fränkischen Gaue

(Abb. 135). Im ~IX.~ Jahrhundert gehörte sie zum Stift Fulda, war eine

kurze Zeit hennebergisch und gehörte seit 1374 den Wettinern. Im ~XVI.~

Jahrhundert wurde sie ausgebaut, verfiel aber nach dem dreißigjährigen

Kriege und wurde erst in neuester Zeit wiederhergestellt. Der Hof

ist außerordentlich malerisch, besonders der Teil mit den beiden

Erkern in Renaissance (Abb. 136). Die von Hildburghausen über Stadt

Heldburg führende Zweigbahn endet bei Friedrichshall, das eine berühmte

Bitterwasserquelle besitzt. Von Straufhain zieht ein meist schön

bewaldeter viel gegliederter Keuperrücken in weitem Bogen nach Südosten

und Osten, von der Rodach und der Itz durchbrochen, die beide südlich

dem Main zufließen. An der Rodach liegt das meiningische Städtchen

Ummerstadt (800 Einw.), weiter oberhalb das durch Zweigbahn mit Coburg

verbundene coburgische Rodach (1900 Einw.).

[Illustration: Abb. 142. _Rückerts Haus in Neuses._]

[Sidenote: Veilsdorf. Rosenau.]

[Sidenote: Neustadt. Coburg.]

An der Mündung des Weidbachs in die Werra ist der Flecken Veilsdorf

(900 Einw.) erbaut. Das benachbarte Kloster Veilsdorf ist jetzt

Porzellanfabrik, das Kloster wurde im Bauernkriege zerstört. Von

hier zieht der Muschelkalkrücken der Langen Berge nach Südosten, bei

Tiefenlauter von der Lauter in engem Thale durchbrochen. Nach dem

Austritt der Itz aus den Muschelkalkbergen reihen sich eine ganze

Anzahl Wohnstätten im grünen flachen Thale aneinander. Hier erhebt

sich inmitten herrlicher Gartenanlagen das herzogliche Lustschloß

Rosenau (Abb. 137), auf niederem Hügel in gotischem Stile erbaut.

Nördlich von Rosenau an den Lehnen des Herrnbergs liegen die von

Pflanzen überwucherten Trümmer der Lauterburg. Zu Füßen des bewaldeten

Buntsandsteinkegels des Mupperg liegt an der Röden die coburgische

Stadt Neustadt an der Heide (5450 Einw.), die Spielwaren herstellt

und dafür eine Modellierschule besitzt. Unterhalb der Mündungen von

Lauter und Sulz breitet sich im grünen Itzthal Coburg (18700 Einw.)

aus, die Haupt- und Residenzstadt des Herzogtums Coburg (Abb. 138 und

139). Die innere Stadt ist alt, aber freundlichen Charakters, von

fränkischer lebensfroher Bevölkerung bewohnt. Die neueren Stadtteile

dehnen sich weit aus mit ihren in Gärten liegenden Häusern. Die Stadt

wurde erst Anfang des ~XIII.~ Jahrhunderts zuerst erwähnt und ist

heute Sitz zahlreicher Behörden und Unterrichtsanstalten. An Stelle

eines Barfüßerklosters wurde im ~XVI.~ Jahrhundert das Residenzschloß

Ehrenburg erbaut, die Neubauten wurden seit 1816 in englischer Gotik

errichtet.

[Illustration: Abb. 143. _Rückertdenkmal in Neuses._]

[Sidenote: Korbwarenindustrie.]

Thüringen · 第 13 / 14 段