Früher waren die Kaufleute einfach die Vermittler zwischen der

erzeugenden Hausindustrie und dem Käufer, heute sind sie vielfach

Besitzer von Fabriken, wo die Spielwaren geschaffen oder aus den in

Hausindustrie gefertigten Teilen zusammengesetzt werden. Ein jeder

pflegt meistens ein ganz besonderes Gebiet der Spielwarenindustrie.

Hier gibt es alles Erdenkliche, was das Kindergemüt erfreut:

Flinten und Kanonen, Büchsen, Armbrüste, Blasrohre, Schießscheiben,

Instrumente, die entweder Musik oder wenigstens Lärm verursachen,

Puppenstuben, Kaufmannsläden, Puppen, Puppenküchen und Puppenmöbel

sowie Holzpferde. Dazu kommen noch alle möglichen Tiere mit und ohne

Stimme, etwa 100 Millionen Märbeln aus dem marmorähnlichen Muschelkalk

und viele Millionen in Lauscha hergestellter Glasmärbeln. Trotz der

guten vom Gebirge herabwehenden Waldluft ist die Arbeiterbevölkerung,

die auf beschränktestem Raume zahlreich und unter den ungünstigsten

gesundheitlichen Verhältnissen ihr Dasein fristet, nicht gesund,

sondern matt und siech. Fast die Hälfte aller im Alter von über 15

Jahren Sterbenden geht an Lungenschwindsucht zu Grunde. In ebenfalls

trauriger Lage sind die Schnitzer und Drechsler als Hilfsarbeiter;

sie liefern die Holzteile zu Puppenteilen, zu Tierbeinen, die

Gestelle und Räder für die fahrenden Spielsachen u. s f. Andere

befassen sich nur mit Gebrauchsartikeln, wie Schachteln, Griffel- und

Farbenkästen; besonders in Steinheid und Steinach sitzt diese Gruppe

von Holzarbeitern. Für die Thätigkeit der Hausindustrie bedeutete es

eine schlimme Veränderung, daß die Schachtelmacher mit den Leistungen

der Maschinen den Wettstreit aufnehmen. Da gab es eine tägliche

Arbeitsleistung von 18 Stunden, und alle Kinder vom zartesten Alter

an mußten mitarbeiten. Für das Tausend Schachteln wurden dann 3 bis 4

Mark bezahlt! Die Spielwarenindustrie wird meist als weit verzweigtes

Hausgewerbe betrieben, in der Sonneberger Umgegend in mehr als dreißig

Ortschaften. In und um Sonneberg sind allein etwa 2500 Frauen und

Mädchen mit dem Nähen von Puppenkleidern beschäftigt, wobei in Stoff

und Farbe sogar den neuesten Moden Rechnung zu tragen ist. Die Leute

arbeiten mit Frau und Kindern in ganz gewisser, sich immer gleich

bleibender Arbeitsteilung, wodurch allein eine große Schnelligkeit

und die Möglichkeit erzielt wird, gut und zu außerordentlich billigen

Preisen zu liefern. Zur Vervollkommnung wird Bildhauerei, Malerei und

etwas Musik für die Spielwaren angewandt, und eine Industrieschule

sorgt für zweckmäßigen Unterricht darin. Im Kreise Sonneberg befassen

sich etwa hundert Firmen mit dem Spielwarengeschäft, dessen jährlicher

Gesamtumsatz auf 12 bis 15 Millionen Mark geschätzt wird.

[Illustration: Abb. 44. _Das Haus zum kleinen Gabelbach._]

Am Westfuße des Kieferle liegt der Marktflecken Steinheid (1700

Einw.), nur 54 ~m~ unter dem genannten Gipfel, in kahler unwirtlicher

Höhe. Wo jetzt graue Schindelhäuser stehen, war einst eine reiche

Bergstadt, wo im ~XIII.~ Jahrhundert auf Gold und Silber von mehr als

1000 Bergleuten gebaut wurde. Im Jahre 1430 zerstörten die Hussiten

die Bergwerke und den Ort, der auch im dreißigjährigen Kriege große

Verheerungen auszuhalten hatte. Von großer Bedeutung für die Glas-

und Porzellanbereitung ist der Sandberg bei Steinheid, eine mitten im

Schiefergebirge vorhandene Buntsandstein-Scholle, die viele Fabriken

des Gebirges mit Quarz und Kaolin versorgt, von letzterem 24 vom

Hundert enthaltend. Westlich im Nadelholzbestand des Sigmundsburger

Forstes erhebt sich der 864 ~m~ hohe Bleßberg, ein Schieferkegel, der

eine prachtvolle Rundsicht gewährt, im Süden bis zum Fichtelgebirge

und der Altenburg bei Bamberg, im Westen bis zur Rhön und im Norden

bis zum Adlersberg bei Suhl und Kickelhahn bei Ilmenau, im Osten

zum Wetzstein und den dunklen Wällen des Frankenwalds. In der Nähe

der »Saar«, der Höhe westlich von Siegmundsburg, verläuft über den

Schmieden (832 ~m~) und den Bleßberg eine Wasserscheide, von der Bäche

zur Saale, zum Main und zur Werra abrinnen, so daß diese Höhe die drei

Flußgebiete der Elbe, des Rheins und der Weser voneinander scheidet.

Am Westabhange des Bleßberges, oberhalb des Dorfes Stelzen, entspringt

die Itz aus dem Itzbrunnen, dessen Fassung eine Erinnerung an das

Mittelalter ist, als er unter dem Namen Mariahilf für wunderthätig

galt und ein viel besuchter Wallfahrtsort war. Der Abfluß des Brunnens

verschwindet bald in den Klüften des Muschelkalks und kommt erst an der

Stelzener Dorfkirche wieder zum Vorschein. Die Itz fließt dann über

Bachfeld nach Schalkau (1900 Einw.), das eine Kunstschule und eine

Fischzuchtanstalt besitzt, und dann südlich, wo sie die Effelder und

bei Öslau die Röden aufnimmt, um dann nach Coburg umzubiegen.

Fast von der Höhe des Rennsteigs fließt die Saar, die sich bei

Schwarzenbrunn mit der jungen Werra vereint, in regenarmen Sommern

gänzlich versiegt, so daß die dort liegenden Schneidemühlen monatelang

feiern müssen. Die Werraquelle liegt 824 ~m~ hoch am nördlichen

Zeupelsberge, und tritt nach ihrer Vereinigung mit der Saar aus dem

Schiefergebirge in das Gebiet des Buntsandsteins hinüber. In ihrem

obersten Thalabschnitt liegt das Thonwaren- und Blaufarbenwerk

Sophienaue. Vom 834 ~m~ hohen aus Rotliegendem (mit Sandsteinen und

Schieferthonen) bestehenden Fehrenberg rinnen die Quellbäche der Biber

ab, eine wilde Schlucht bildend, um dann zahlreiche Mühlen zu treiben;

die Biber mündet bei Lichtenau in die Schleuse.

[Sidenote: Neuhaus a. R. Gräfenthal.]

Nördlich der Steinachquellen und zusammenhängend mit dem schon

erwähnten Dorfe Igelshieb streckt sich von der Höhe des Rennsteigs

nach Norden der schwarzburg-rudolstädtische Flecken Neuhaus am

Rennsteig (1900 Einw.), der wegen seiner Höhenlage von 812 ~m~ auch

von Sommerfrischlern besucht wird. Den Anfang zur Ortschaftsanlage

bildete ein gräflich schwarzburgisches Jagdhaus, das 1673 an der

Stelle eines Vogelherdes entstand (wo jetzt das Forsthaus steht). Die

ersten Bewohner arbeiteten im Walde und machten im Winter Schachteln.

Später entwickelte sich die Glasbläserei und Porzellanfabrikation,

die heute hier 500 Menschen beschäftigt, sowie Porzellanmalerei und

Thermometerherstellung. Östlich senkt sich die hellgrüne Thalmulde des

Lichtebaches in den dunklen Fichtenwald, deren Wasser der Schwarza

zufließt. Hier im oberen Lichtethal sind in langen Häusergruppen das

Dorf Lichte (1300 Einw.) und der meiningische Flecken Wallendorf

(1300 Einw.) hingestreckt. Lichte war früher Holzmacherdorf, für das

ebenso wie für Wallendorf die Porzellanindustrie maßgebend geworden

ist. Für die künstlerische Ausbildung sorgt eine Zeichen- und

Modellierschule in Lichte. Von Wallendorf führt jetzt eine Zweigbahn

nach Probstzella im Thale des Zoptebaches entlang, die auch wichtig

ist für die Verfrachtung des bei Gebersdorf gewonnenen Eisensteins,

der in Unterwellenborn bei Saalfeld verhüttet wird. Die meiningische

Stadt Gräfenthal (2200 Einw.) liegt in grünem schmalen Wiesenthal und

lehnt sich mit der hoch ragenden Kirche malerisch an den Abhang eines

steilen silurischen Thonschieferberges, der das im ~XV.~ und ~XVI.~

Jahrhundert erbaute Schloß Wespenstein (499 ~m~ hoch gelegen) trägt.

Hauptthätigkeit ist auch hier die Porzellanfabrikation, ebenso ist

Gräfenthal, wenn auch nicht in dem Maße wie Lehesten, ein Mittelpunkt

der Schieferindustrie.

[Sidenote: Bergwerksbetrieb.]

Die Bergwerksförderung im ganzen Herzogtum Meiningen belief sich 1896

auf fast 2 Millionen Centner im Werte von dreieinviertel Millionen

Mark. Von 154000 geförderten Centnern Eisenstein waren 79 v. H.

Spateisenstein und 21 v. H. Brauneisenstein. Der Betrieb in den 26

Dach- und Tafelschieferbrüchen war ein sehr lebhafter und es wurden

fast 1 Million Centner im Werte von mehr als zweieinhalb Millionen Mark

abgesetzt. Auch die staatlichen und Privat-Griffelbrüche sind stets

in flottem Betriebe gewesen und der Wochenlohn eines Griffelmachers

erreichte die Höhe von 15-20 Mark. Leider werden in der Nähe von

Lichtenhain und Bernsdorf geringwertige Griffel in beträchtlicher

Menge aus Dachschiefer hergestellt und in den Handel gebracht. Von den

Porzellansandbrüchen bei Schiernitz und Steinheid sind 114160 Centner

Sand geholt worden, während die vier staatlichen Kaolinsandbrüche bei

Steinheid in Pacht gegeben worden sind.

[Illustration: Abb. 45. _Sitzungssaal der Gemeinde Gabelbach._

(Gezeichnet von Curt Agthe.)]

Auf dem nördlich des Zoptethals aufsteigenden Hochlande reicht der

höchste Punkt im Rauhhügel nur bis 803 ~m~. Namen wie Schmiedeberg,

Goldberg, Schwefelloch deuten darauf hin, daß schon in früher Zeit hier

der Bergbau blühte, der aber heute nur noch auf Eisenstein betrieben

wird. Schmiedefeld (1000 Einw.) und Reichmannsdorf (1100 Einw.) sind

ehemalige Bergwerksdörfer, die schon im ~XII.~ Jahrhundert Bergbau

auf Gold gepflegt haben, jetzt neben Landwirtschaft einige Gewerbe

treiben, besonders Schachteln und Schiefertafeln herstellen. Die

allmähliche Abdachung des Geländes nach Nordosten ist Veranlassung, daß

die Kursdorfer Kuppe mit 789 ~m~ Höhe einen weiten Umblick gestattet,

besonders auf das obere Schwarzathal und seine Verästelungen; einen

ähnlichen Blick hat man auch vom Turme des Kirchberges (786 ~m~)

bei Oberweißbach. Außer der Loquitz bildet hier die Schwarza das

Hauptsammelbecken der Gewässer, die östlich vom Dorfe Scheibe 715

~m~ hoch vom Gebirgsrücken herabkommt. Eingeschnitten in kambrische

Thonschiefer, windet sie sich in zahlreichen Biegungen durch tiefe

Schluchten, über Felsblöcke dahinrauschend und läßt an manchen Stellen

kaum Raum für die Straße oder schmale Wiesenstreifen. Die schönsten

Theile des Thales sind der obere Abschnitt bis Blumenau und der untere

von Schwarzburg abwärts, wo die Wände bis 45° Böschung haben oder

senkrecht abstürzen. Ähnlichen Charakter zeigen auch die Nebenthäler,

soweit sie gleiche geologische Beschaffenheit haben. Das Thal

beherbergt indes viele Siedelungen und ist reich an gewerblichem Leben.

[Illustration: Abb. 46. _Goethehaus auf dem Kickelhahn._]

[Sidenote: Katzhütte.]

Das mächtige mit Buchen und herrlichen Tannen bewachsene Massiv

des am höchsten Punkte 866 ~m~ messenden Wurzelberges wird von der

jungen Schwarza in einem Halbkreise westlich umflossen. In der oberen

wiesenreichen Thalweitung liegt in einer Höhe von 617 ~m~, rings von

Nadelwaldhöhen eingeschlossen, das rudolstädtische Dorf Scheibe (1000

Einw.), entstanden aus einem früheren Eisenhammer, mit bedeutender

Porzellanfabrik. Der Bergbau auf Gold in Goldisthal, der noch im

~XVIII.~ Jahrhundert betrieben wurde, war zu wenig erträglich und mußte

eingestellt werden. Die Ortsteile des schwarzburgisch-sondershäusischen

Dorfes Ölze (1100 Einw.) ziehen sich am linken Schwarzaufer eine Stunde

lang hin. An Stelle der eingegangenen Eisenhämmer sind Glashütten,

Bleiweiß- und Farbenfabriken und viele Mühlen getreten, daneben

beschäftigen sich die Einwohner noch als Holzarbeiter. In Altenfeld, wo

Glashütten bestehen, zeugt ein alter Stollen noch von einem ehemaligen

Silberbergwerk. Der Fabrikort Katzhütte (1600 Einw.), 427 ~m~ hoch,

von hohen tannenbestandenen Bergen umschlossen, hat Eisengießerei und

Porzellanfabrik, in der 300 Personen arbeiten und gegen 600 Familien

noch außerhalb dafür beschäftigt werden. Hier wurde von den Gebrüdern

Greiner 1759 die erste Porzellanfabrik in Thüringen angelegt, die

aber in einigen Jahren nach Wallendorf verlegt wurde. Fast die Hälfte

aller in Deutschland in den Porzellanfabriken thätigen Arbeiter sind

in Thüringen vorhanden, wo trotz der Schwierigkeit der Beschaffung von

Rohstoffen die Porzellanindustrie außerordentliche Bedeutung gewonnen

hat. Nicht die Fabrikorte allein ziehen Vorteil davon, auch für deren

weitere Umgebung ist die Industrie gewinnbringend, denn zahlreiche

Waldbewohner arbeiten in Hausindustrie für die Fabrik oder sind in

Sandsteinbrüchen und Massemühlen, ferner als Kapseldreher, Kisten- oder

Pappkästenmacher thätig.

[Illustration: Abb. 47. _Suhl und Domberg._

(Nach einer Photographie von Junghanns & Koritzer, Leipzig-Meiningen.)]

[Sidenote: Großbreitenbach. Schwarzburg.]

Der wichtigste Platz im oberen Schwarzagebiet ist die zu

Schwarzburg-Sondershausen gehörige 634 ~m~ hoch gelegene Stadt

Großbreitenbach (2800 Einw.), im ~XVII.~ Jahrhundert der Mittelpunkt

der Balsamträger (Medizinhändler), jetzt thätig in Porzellanindustrie,

Spielwaren- und Geigenfabrikation. Zur Hebung der Stadt trägt eine

Kunstschule bei, aber auch die Eisenbahnverbindung über Gehren

nach Ilmenau. Die nordwestlich davon auf waldlosen Höhen gelegenen

Dörfer treiben Weberei, deren Mittelpunkt jedoch das in einem tiefen

Thalkessel gelegenen Friedersdorf ist. Das größte Dorf des Weberbezirks

ist Böhlen (1100 Einw.), wo früher Kupferbergbau bestand. In ein

schmales Seitenthal zieht sich der 1½ ~km~ lange Ort Mellenbach (1000

Einw.) hinauf, der Glasbläserei, Thermometer- und Kistenfabrikation

treibt, auch mehrere Säge- und Mahlmühlen hat. Auf der Höhe zwischen

Schwarza und Lichte liegen Cursdorf (900 Einw.) am Fuße der Cursdorfer

Kuppe, das eine Zündholzfabrik hat, und Oberweißbach (2100 Einw.),

das sich erst nach dem dreißigjährigen Kriege durch den Medizinhandel

schneller entwickelte, jetzt Porzellan und Thermometer herstellt.

[Sidenote: Schwarza. Blankenburg.]

Eine Menge von Eisenhämmern sind zu Sägemühlen umgewandelt worden,

so auch der unterhalb der Lichtemündung liegende Blechhammer.

In Sitzendorf wird Porzellan und Bleiweiß fabriziert. Nur 2

~km~ flußabwärts von hier erreicht man den schönsten Punkt des

Schwarzathales, Schwarzburg mit seinem hell ins grüne Thal schimmernden

Schlosse, das 370 ~m~ hoch auf dem Ausläufer des Tännig erbaut ist, 80

~m~ über der Thalsohle. Wie eine Insel ragt der Thonschieferberg empor,

von der Schwarza in großer Schlinge umflossen, eine farbenprächtige

Vereinigung von Thal und Berg, von Wiesen-, Fichten- und Buchengrün,

ein so stimmungsvolles Landschaftsbild, daß Schwarzburg auch die

»Perle Ostthüringens« benannt wird. Das Schloß ist urkundlich zuerst

1123 erwähnt und zuerst wohl als eine gegen die Sorben errichtete Burg

anzusehen, die hier im Schwarzagebiet, wenn man den vielen Namen mit

der Endung »itz« trauen darf, bedeutend über ihre sonstige Westgrenze,

das Saalethal, vorgedrungen waren. Das heutige Schloß stammt aus der

ersten Hälfte des ~XVIII.~ Jahrhunderts. Der Ort Schwarzburg ist eine

besuchte Sommerfrische. Den herrlichsten Blick hat man auf das Schloß

und seine wundervolle Umrahmung von der Borkenhütte des Trippsteins,

195 ~m~ über der Schwarza gelegen (Abb. 1). Zwischen Schwarzburg

und Blankenburg, wo der Fluß aus dem Schiefergebirge tritt, sind

die Thalränder am kühnsten und steilsten und die Schieferfelsen nur

dann ersteigbar, wenn ihm Zerklüftungen schmale Treppen gebildet

haben. Nach diesem Schlußstück des Schwarzathales (Abb. 39) tritt

der Fluß durch ein schmales Sandsteinband, und seine Ufer verlieren an

charakteristischem Gepräge; hoch über den Anschwemmungen seines Wassers

finden sich Lager von diluvialem Schotter. Der Ort Schwarza (1300

Einw.), wo die Schwarza in die Saale mündet, war ein alter Stapelplatz

für Floßhölzer, ist jetzt aber nur auf Ackerbau und Gemüsezucht

beschränkt. Im kleinen Werrethal und dem benachbarten rechten Uferrand

der Schwarza wachsen herrliche alte Tannen, auf der Höhe im Wildgarten

steht der Eberstein (387 ~m~), ein burgartiger zu Jagdzwecken erbauter

Turm.

[Illustration: Abb. 48. _Oberhof._

(Nach einer Photographie von Junghanns & Koritzer, Leipzig-Meiningen.)]

Von Schwarza führt eine Eisenbahn über Blankenburg zunächst das

Rinnethal aufwärts und über Paulinzella nach Stadtilm. Blankenburg

(2600 Einw.), in grüner anmutiger Thalung wenig oberhalb der

Rinnemündung gelegen, wurde schon 1071 als zum Orlagau gehörig erwähnt.

Die Stadt liegt an der Gesteinsgrenze, wo Schiefer, Zechstein,

Buntsandstein und Muschelkalk aneinander stoßen und dadurch der

Landschaft ein mannigfaltiges Gepräge geben. Solche Lagebegünstigung

durch Gesteinsgrenzen und Thalverbindung finden wir außerordentlich

häufig und bemerken dies sowohl an dem Kranze von Städten, die den

Gebirgssaum des Thüringerwalds umrahmen, als auch bei den großen

Siedelungen im Thüringischen Triasbecken. Wegen seiner günstigen Lage

ist Blankenburg (Abb. 40) zum Badeort geworden, hat auch lebhafte

Industrie, Sägemühlen und Steinbrüche. Hier errichtete Fröbel 1840

den ersten deutschen Kindergarten. Nördlich der Stadt, die 226 ~m~

hoch liegt, erhebt sich ein 405 ~m~ hoher Muschelkalkkegel mit den

ausgedehnten Ruinen der Burg Greifenstein, eine der größten Burganlagen

Deutschlands. Urkundlich erst im ~XII.~ Jahrhundert erwähnt, war sie

in drei Abteilungen geschieden und mit doppelten Mauern und Graben

umgeben. Bis 1407 war die Burg von verschiedenen Gliedern der gräflich

schwarzburgischen Familie bewohnt, von 1560 an verfiel aber der stolze

Bau allmählich.

[Illustration: Abb. 49. _Inselsberg._

(Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin.)]

[Sidenote: Königsee.]

Die Rinne entspringt im kambrischen Schiefer und tritt bei Königsee

in den Zechstein und Buntsandstein ein. Die rudolstädtische Stadt

Königsee (2900 Einw.), 385 ~m~ hoch gelegen, wird schon 1287 als Stadt

erwähnt und hat ihren Namen wohl davon, daß es im Mittelalter Sitz

eines Königsgerichtes war. Es wird neben Ackerbau viel Industrie

getrieben, die Umgegend liefert Porzellansand und Gips. Früher war

die Stadt weit bekannt durch seine Balsamträger (in feinstem Deutsch

Laboranten oder Olitätenhändler genannt). Bald nach dem dreißigjährigen

Kriege wurden in großem Maßstabe aus Kräutern und Wurzeln Arzneien,

Pflaster, Magentropfen, Lebensbalsam, »Stockdumm« (Staugton-Elixir),

Schneeberger Schnupftabak, Krammetsvogel-Spiritus und andere schöne

Dinge zusammengebraut, die dann in ganz Mitteleuropa zum Verkauf

herumgetragen wurden. Diese Balsamhändler hießen einfach »Königseer«,

weil ihnen meist vom Amt Königsee die Pässe ausgestellt wurden. Das

Geschäft ging gut und brachte große Einnahmen, wurde aber durch das

Eingreifen der Gesundheitspolizei erheblich eingeschränkt und ist jetzt

fast erloschen.

[Illustration: Abb. 50. _Friedrichroda._

(Nach einer Photographie im Verlag von W. Zinke in Friedrichroda.)]

[Sidenote: Paulinzella.]

Ein Seitenbach der Rinne, der Rottenbach, durchfließt das

schöne Waldthal von Paulinzella, dessen ehemalige Stille aber

durch Einbeziehung in den Eisenbahnverkehr geschwunden ist. Im

Buntsandsteingebiete liegend, bietet das grüne Thal einen erfreulichen

Gegensatz zu dem sandigen Kiefernwald, der sich nach Gehren zu

erstreckt. Die Ruine der in romanischem Stile erbauten ehemaligen

Klosterkirche ist eine der schönsten im deutschen Vaterlande. Schlank

streben ihre Pfeiler empor und wölben sich zu herrlichen Bogen, während

an Stelle des Daches der blaue Himmel hineinschaut (Abb. 41). Der

Bau der Kirche wurde 1105 begonnen, während das Jungfrauenkloster

schon Ende des ~XI.~ Jahrhunderts von Pauline, einer Tochter Morihos,

Truchseß Heinrichs ~IV.~ gegründet wurde. Bald entstand in nächster

Nachbarschaft ein Mönchskloster mit Benediktinern. Welcher Reichtum

diesem Doppelkloster zufloß, ist daraus zu erkennen, daß über hundert

Ortschaften dem Kloster zinspflichtig waren. 400 Jahre dauerte das

wohl, dann brach über dem schweres Ärgernis gebenden Treiben der

Klosterinsassen der Sturm des Bauernkrieges herein, und 1528 wurde das

Kloster aufgehoben, vielleicht schon unter dem Einfluß der Reformation.

Erst seit dem ~XVII.~ Jahrhundert verfiel der köstliche Bau, und

mancher seiner Steine wurde zu den gewöhnlichsten Dorfhäusern verbaut.

[Illustration: Abb. 51. _Schloß Reinhardsbrunn._

(Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin.)]

~VIII.~

[Sidenote: Geologische Verhältnisse des Thüringerwaldes.]

Wandert man auf dem Rennsteig vom Waldarbeiterdorf Masserberg gegen

Neustadt am Rennsteig, also in den mittleren und nordwestlichen Teil

des Thüringerwalds, so sieht auch das ungeübte Auge, daß durch die nun

vorherrschende Buchenbewaldung auf eine andere Bodenbeschaffenheit

zu schließen ist. Wir verlassen das Gebiet der kambrischen Phyllite

und Thonschiefer und gelangen in das Bereich des Rotliegenden und der

Porphyre. Das Gebirge schließt sich allmählich zusammen zu schmalerer

Entwickelung, aber mit ausgesprochener Kammbildung. Immer klarer wächst

eine Gebirgskette empor mit deutlicher Ausbildung von Kammlinie,

Gipfeln und Pässen, und mit angegliederten Seitenästen. Der Hauptkamm

überragt das Vorland um etwa 400-500 ~m~, den Fuß des Gebirges umsäumen

auch hier wieder zahlreiche Siedelungen wie eine Perlenschnur, durch

die Hauptpunkte Schleusingen, Suhl, Schmalkalden, Liebenstein,

Eisenach, Waltershausen, Ohrdruf, Ilmenau und Gehren gekennzeichnet.

Die Kammlänge des mittleren und nordwestlichen Thüringerwalds beträgt

101 ~km~, das ganze Gebirge einschließlich des südöstlichen Teils bis

zur Wasserscheide zwischen Loquitz und Haßlach bedeckt einen Raum von

1985 ~qkm~ (der Harz umfaßt 2468 ~qkm~) mit einer Bevölkerung von rund

200 000 Seelen. Die Länge des Rennsteigs von der Schwalbenhauptwiese

bis zur Werra bei Hörschel beläuft sich auf 95 ~km~. Im nordwestlichen

Teile des Gebirges, fast in der Mitte der gesamten Längserstreckung

zwischen Loquitz- und Haßlachquellen und der Werra erheben sich die

höchsten Gipfel des Gebirges, als erster der Große Beerberg mit 983

~m~ Höhe. Von hier aus senkt sich der Gebirgsrücken gleichmäßig nach

Nordwesten hin, im Inselsberg noch einmal mächtig emporsteigend,

um dann sich rasch abzustufen bis zum Eichelberg, 341 ~m~, dem

nordwestlichen Eckpfeiler über dem Werradurchbruch.

[Illustration: Abb. 52. _Ruhla._

(Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin.)]

Im mittleren und nordwestlichen Thüringerwald treten nur in

untergeordneter Weise Teile des älteren Grundgebirges empor; einmal im

Granit in der Gegend von Mehlis und Zella bis Suhl, das hinübergreift

ins Vesser- und Nahethal sowie ins obere Ilmthal, dann im Nordwesten

archäische Gneise und Glimmerschiefer neben Graniten im Gebiet von

Kleinschmalkalden und Brotterode bis über Ruhla hinaus. Das Hauptgebiet

besteht hauptsächlich aus den Schichten des Rotliegenden mit wenigen

Kohleneinlagerungen und mächtigen Konglomeratbildungen, sowie den

in der jüngeren paläozoischen Zeit emporgedrungenen zahlreichen

Eruptivgesteinen, namentlich Porphyren und Melaphyren. Hierzu kommen

noch in einer vom Nesselbachthal nordwärts gerichtete Zone Diabase

in den Schieferthonen des Rotliegenden, und vulkanische Aschen,

die unter Einwirkung des Wassers zu Tuffen umgelagert wurden. Die

Abgrenzung des Gebirges vom nördlichen und südlichen Vorland wird an

vielen Stellen durch einen Zechsteingürtel vermittelt, am Südwestfuß

vom Werrathale bis über Schweina hinaus oft in einer Breite von 2-3

~km~, dann treten nur noch einzelne Gebiete hervor, bei Seligenthal,

Asbach und Benshausen. Von Suhl an tritt der mittlere Buntsandstein

unmittelbar an das alte Gebirge heran, weiter südöstlich sogar der

Muschelkalk, erst von Sonneberg an erscheint der Zechstein wieder. Auf

der Nordostseite begrenzt ein schmaler Zechsteingürtel das Gebirge

in mehrfachen Unterbrechungen, zu größerer Breite sich erst zwischen

Gehren und Blankenburg entwickelnd. Erst östlich von Saalfeld erreicht

er in der großen Senke bis nach Gera hin seine größte Breite und

begleitet den Fuß des Osterländischen Stufenlandes, das mit der Platte

des Frankenwaldes ein unmittelbar zusammenhängendes Ganzes bildet, wie

wir oben bereits erwähnt haben. An den Unterbrechungsstellen tritt im

Nordosten der untere Buntsandstein an das Gebirge, dem sich nach außen

der obere Buntsandstein und der Muschelkalk anschließen.

Das Vorland beider Seiten besteht also, abgesehen von kleineren

Gebieten älterer Gesteine an solchen Stellen, die gestörte

Lagerungsverhältnisse aufweisen, im allgemeinen aus Schichten der

mesozoischen Formation, besonders Triasschichten. Meist umsäumt dann

der Buntsandstein als unterstes Glied der Trias den Gebirgsfuß, in

geringerer oder größerer Entfernung folgt der Muschelkalk und weiterhin

der Keuper, doch stoßen sowohl Muschelkalk als auch Keuper mehrmals

an das ältere Gebirge an. Von besonderem Belang für die geologische

Geschichte des Thüringerwalds ist das Auftreten vereinzelter Reste der

alten Zechsteinbedeckung auf den Höhen des Gebirges, so auf den Höhen

zwischen der oberen Ohra und oberen Lütsche (nördlich von Oberhof),

zwischen dem Kehlthal und Brandleitetunnel, bei Arlesberg und Gehlberg,

überall im Rotliegenden; und die Reste des Buntsandsteins hoch oben

am Rennsteig bei Scheibe, Limbach und Steinheid, also mitten im

Schiefergebirge.

Thüringen · 第 5 / 14 段