Die meist waldgekrönten Kuppen des Berglandes erheben sich im

Durchschnitt nur bis zu einer Höhe von 500-600 ~m~. Der Rosenpiehl

(wohl von gleicher Namensbedeutung mit dem westlich der Saale gelegenen

Roßbühl, denn Rossezucht war hier wahrscheinlicher als Rosenzucht)

nördlich von Gefell erreicht noch 653 ~m~. Die größeren Zuflüsse der

Saale und Elster bieten bequemere Zugänge zum oberen Lande. Das Thal

des bei Ziegenrück mündenden Plothenbaches entwässert den großen

Plothenteich; das vielfach gewundene Wiesenthal führt hinauf zur 443

~m~ hoch gelegenen Stadt Schleiz (5100 Einw.). Die Stadt ist die zweite

des Fürstentums Reuß jüngerer Linie, aus einer gartenreichen Umgebung

ansteigend zum Schloßberg und mit reger Fabrikthätigkeit. Die auf einer

Anhöhe malerisch gelegene Bergkirche stammt in ihren ältesten Teilen

aus dem ~XII.~ Jahrhundert und deutet auf die Anlage eines ehemaligen

Kalvarienberges. Die spätgotische Kirche ist eine der belangreichsten

Bauten der ganzen Umgebung. Nach Schleiz führte früher die von Leipzig

und Gera kommende Hauptstraße und teilte sich dann, um einerseits nach

Saalburg-Coburg, andererseits nach Hof zu führen. Heute ist die Stadt

durch eine Eisenbahn mit der Hauptlinie Leipzig-Hof verbunden. Das an

seinen Hängen meist mit Wald bekränzte Thal der Wetterau oder Wettera

führt zum kleinen ebenfalls zu Reuß jüngerer Linie gehörigen Städtchen

Tanna (1600 Einw.), in einer flachen Mulde 533 ~m~ hoch gelegen.

Südlicher, im oberen Thal des Ehrlichbaches liegt die preußische Stadt

Gefell (1360 Einw., zum Kreis Ziegenrück gehörig), wo früher auf

Eisenstein gebaut wurde. Jetzt werden die benachbarten Ockergruben

ausgebeutet.

[Illustration: Abb. 30. _Pößneck._]

[Sidenote: Pausa. Zeulenroda. Weida.]

Nach der Elster ergießt sich als bedeutendster Nebenfluß die etwa 4

~km~ oberhalb des sächsischen gewerbfleißigen Städtchens Pausa (3300

Einw.) entspringende Weida. Das Städtchen besitzt ein Eisen- und

Moorbad. Die Quelle der Weida liegt 467 ~m~ hoch, und ihr Abfluß rinnt

zuerst durch einen teichbestreuten Wiesengrund, eingerahmt von wenig

gewölbten nur 40-50 ~m~ höheren Hügeln. Von der thüringischen Grenze

an durchströmt die Weida jedoch in vielen Windungen ein immer tiefer

und enger werdendes Thal. Auf der Höhe zwischen der Weida und dem in

anmutiger Thalung fließenden Triebesbach liegt die zu Reuß älterer

Linie gehörige betriebsame Stadt Zeulenroda (9000 Einw.), von deren

Bewohnern allein 500 im Alaunwerke wohnen. Der Ort erhielt erst in

der Mitte des ~XV.~ Jahrhunderts Stadt- und Marktgerechtigkeit und

zeigt neben Greiz und Gera mit vielen kleineren Plätzen Ostthüringens,

daß die Industriethätigkeit sehr oft nicht mehr an die natürlichen

Bodenreichtümer gebunden ist, sondern sich selbständig entwickelt hat

und besonders an billige Arbeitskräfte anknüpft.

[Illustration: Abb. 31. _Rathaus zu Pößneck._]

Im Triebesthale ist der Hauptort das zu Reuß jüngere Linie gehörige

Dorf Triebes (3550 Einw.). Nördlich davon liegt auf bewaldeter

Thalflanke das fürstliche Schloß Reichenfels, in der Nähe der ebenfalls

zu Reuß jüngere Linie gehörige Flecken Hohenleuben (1840 Einw.). Im

Leubathale liegt das mehr als 3 ~km~ lange Langenwetzendorf (2400

Einw.). Die industrielle Thätigkeit nebst dem Landbau veranlassen

hier und weiter in den Gebieten Sachsens und elsterabwärts eine

dichtere Volkszahl, die sich auch in der dichteren Verteilung der

Ortschaften bemerkbar macht und nur durch große zusammenhängende

Wälder (Pröllwitzer Wald, Greizer Forst u. s. f.) unterbrochen wird.

An der Mündung der Auma in die Weida erhebt sich die weimarische

Stadt Weida (5900 Einw.), mit lebhafter Textilindustrie. Die Stadt

war im Mittelalter bedeutend, wurde aber im dreißigjährigen Kriege

zerstört, wovon heute noch Ruinen zeugen, besonders die aus dem ~XII.~

Jahrhundert stammende gotisch-romanische Liebfrauenkirche. Der als

Sommerfrische besuchte Ort wird überragt vom Schlosse Osterburg, im

~XII.~ Jahrhundert erbaut, einst Sitz der Vögte von Weida, später

Residenz des Herzogs Moritz Wilhelm von Zeitz. Als Eisenbahnknotenpunkt

ist die Stadt auch verkehrswichtig.

[Sidenote: Greiz.]

Die Elster (weiße Elster) durchfließt nur in ihrem mittleren Teile

thüringisches Gebiet. Ihre Quelle tritt im Elstergebirge südöstlich

der böhmischen Stadt Asch zu Tage, fließt beim Badeort Elster über

die sächsische Grenze und durchströmt nun über Adorf, Olsnitz, Plauen

und Elsterberg die obere Platte des Osterländischen Stufenlandes.

Von hier ab strömt sie in thüringischem Land über Greiz nordwärts in

engem, windungsreichem Thale, das mit seinen waldreichen Steilwänden

manche landschaftliche Schönheit bietet. Diesen Charakter behält das

Thal, bis es an der Mündung der Weida das Gebiet der kambrischen

Schiefer verläßt. Die tiefen Einschnitte der Elster und seines

rechten Nebenflusses Göltzsch haben solche Verkehrsschwierigkeiten

geboten, daß beide durch Eisenbahnbrücken überspannt wurden, die

in Mitteldeutschland die großartigsten Bauten ihrer Art sind. Bei

Jocketa führt die Bahn über den 69 ~m~ hohen und 281 ~m~ langen

Elsterthalviadukt, in der Nähe der Einmündung des Triebthales, wo die

devonischen Schichten von Diabasdurchbrüchen durchsetzt sind. Hier, wie

im »Steinicht« genannten benachbarten Thalstück der Elster, rauschen

die Wasser über Felsblöcke, begrenzt von grünen teilweis bewaldeten

Uferwänden; dieses hübsche Stück Landschaft wird mit dem volltönenden

Namen »Vogtländische Schweiz« bezeichnet. In der Nähe der sächsischen

Stadt Mylau (7400 Einw.) schwingt sich der 74 ~m~ hohe, 512 ~m~ lange

Göltzschthalviadukt über die Thalenge, in den Jahren 1845 bis 1850 für

7 Millionen Mark erbaut.

[Illustration: Abb. 32. _Greiz._]

[Sidenote: Gera.]

Unweit der Einmündung der Göltzsch (ein echt slavischer Name!) in

die Elster liegt in grünem Thale, das durch einen anmutigen Park

verschönt wird, die Hauptstadt des Fürstentums Reuß ältere Linie,

Greiz (22200 Einw.), zu Füßen des baumumkränzten Schloßberges (Abb.

32). Hier erhebt sich die alte obergreizische Residenz, einst der Sitz

der Vögte des »Vogtlandes«, jetzt das Heim der Behörden; im ~XIII.~

Jahrhundert zuerst erwähnt, brannte sie im ~XVI.~ Jahrhundert ab und

wurde erneuert. Greiz war mit Gera schon im ~XVIII.~ Jahrhundert

Mittelpunkt der Wollindustrie und ist heute Hauptplatz für die deutsche

Kammgarnweberei. Die Textilindustrie beschäftigt hier 10850 Arbeiter

und 12000 mechanische Webstühle. Nördlich ist Greiz von Wald umgeben,

in dem beim Idawaldhause eine vereinzelte Muschelkalkscholle geologisch

belangreich ist. Der Nullpunkt des Elsterpegels liegt bei Greiz 254 ~m~

über dem Meere. Am Krebsbache liegt die östlichste weimarische Enklave

mit dem Orte Teichwolframsdorf (1900 Einw.). Östlich von Greiz breitet

sich das gewerbthätige Dorf Pohlitz (3450 Einw.) aus.

[Illustration: Abb. 33. _Gera._]

Elsterabwärts liegt das kleine weimarische Städtchen Berga (1400

Einw.) mit dem an Stelle der alten gegen die Sorben errichteten Burg

Drifels erbauten Gut Schloßberga. Etwa bei der Mündung der Weida

verläßt die Elster das Gebiet des Schiefers und zieht nunmehr in

breitem, freundlichem Grunde weiter nordwärts über Gera, Köstritz

und Krossen. Zwischen Krossen und Zeitz zweigt links der Floßgraben

ab, ein für Zwecke des Holzflößens angelegter 68 ~km~ langer Kanal,

der sich nordwestlich wendet und an Lützen vorüber Saale und Luppe

erreicht. Seinem ehemaligen Zwecke ist er längst entfremdet und heute

nur noch ein elender Graben, der nur durch die Schlachten von Lützen

und Großgörschen wieder genannt wurde. Bei Zeitz tritt die Elster in

die Sächsisch-Thüringische Tieflandsbucht ein, durchfließt eine breite

Wiesenaue, die oft von Wald abwechslungsreich unterbrochen wird, in

viele Arme geteilt bis Leipzig, wo sie rechtwinklig nach Westen umbiegt

und dann unterhalb Merseburg in die Saale mündet, nur noch 83 ~m~ über

dem Meere.

[Sidenote: Köstritz.]

Die weichen Thalränder sind meist von Buntsandstein gebildet, östlich

von Gera treten aber auch noch devonische Schichten und ausgelagerter

Zechstein in die Erscheinung. Gera (43500 Einw.) ist die Hauptstadt

des Fürstentums Reuß jüngere Linie und war ehemals (wie auch Leipzig)

eine wendische Ortsgründung, zuerst im ~XII.~ Jahrhundert genannt. Im

dreißigjährigen Kriege fast zur Hälfte in Asche gelegt, auch Ende des

~XVIII.~ Jahrhunderts durch Brand fast völlig zerstört, hat sich die

Stadt kraftvoll entwickelt und ist mit ihren vielen Fabriken, deren

Schornsteine der Stadt einen nicht gerade malerischen Charakter geben,

zu einem »Klein-Leipzig« herangewachsen (Abb. 33). Seine gewerbliche

Thätigkeit verdankt es den im ~XVI.~ Jahrhundert eingewanderten

Niederländern, aber erst seit der Mitte des ~XIX.~ Jahrhunderts trat

mit der Einführung des mechanischen Fabrikbetriebs und in besserer

Verbindung mit dem Zwickauer Kohlenbecken ein fabelhafter Aufschwung

ein, so daß jetzt etwa 12000 Arbeiter und 10000 mechanische Webstühle

in Thätigkeit sind; der Jahresumsatz beläuft sich auf 60 Millionen

Mark. Aus dem Buchengrün des Hainberges schimmert das Schloß

Osterstein herüber (auf unserer Abbildung im Hintergrunde links), das

im ~XVI.~ Jahrhundert von den Vögten in Gera umgebaut, 1666 erweitert

und in der Neuzeit teilweis nach englischem Vorbilde erneuert wurde.

Die für Reuß jüngere Linie so bedeutende Industriethätigkeit, der über

60 vom Hundert der Gesamtbevölkerung zugehört, ist auch Veranlassung zu

dem schnellen Wachstum der benachbarten Dörfer geworden, so daß dicht

vor den Thoren Geras volksreiche Gemeinwesen entstanden, die Vororte

Untermhaus (3950 Einw.) und Debschwitz (5600 Einw.), weiter südlich

die Dörfer Pforten (2200 Einw.) und Zwötzen (3500 Einw.). Flußabwärts

liegt das Brauereidorf Tinz (850 Einw.), der Flecken Langenberg (2500

Einw.) mit Weberei und der benachbarten Saline Heinrichshall, deren

Salzquelle dem Zechstein angehört. Gegenüber am linken Elsterufer liegt

halb in Gärten versteckt der Badeort Köstritz (2200 Einw.) mit Sol- und

Sandbädern. Die hoch entwickelte Gärtnerei ist besonders wichtig für

Rosen- und Georginenzucht, sowie Obstanlagen, weshalb für Landwirte

und Gärtner auch eine Lehranstalt besteht. Als Pfarrer lebte hier in

seinem Geburtsort der Dichter Julius Sturm; das parkumgebene Schloß ist

Residenz der nicht souveränen Nebenlinie Reuß-Schleiz-Köstritz. Vom

preußischen Flecken Krossen (1000 Einw.), auf dessen Buntsandsteinhöhen

das gräflich Flemmingsche Schloß thront, führt eine Zweigbahn hinaus

nach Eisenberg.

Östlich vom Geraer Gebiet des reußischen Landes und vom preußischen

Kreise Zeitz dehnt sich der Altenburgische Ostkreis aus, der

östlichste Vorposten Thüringens. Der ganze Ostkreis ist ein von

sanften Hügelwellen durchzogenes Gelände, das nach Norden und Osten

sich in eine Ebene verflacht. Im Süden gibt es noch Grauwackenschiefer

mit dünner Humusdecke, die Ursache der geringen Fruchtbarkeit des

Ronneburger Bezirks. Dort kommen auch noch silurische und devonische

Schichten vor, weiterhin auch etwas Buntsandstein, doch spielen

die wichtigste Rolle die in der Eiszeit zugeführten Materialien,

besonders der geschiebefreie Löß und Lehm des Diluviums, da auf seinem

Vorhandensein die Fruchtbarkeit weiter Landstriche beruht. Der Boden

ist hier tiefgrundig, und der Landbau ist auch vom Klima begünstigt, da

es mild und ebenfalls dem Holzwuchse zuträglich ist. Die Thone finden

Verwendung in der Ziegelfabrikation und Töpferei. Der Bezirk Schmölln

hat noch minderwertigen Boden, aber der Diluviallehm zu beiden Seiten

des Pleißenthales gibt den prachtvollsten Weizenboden.

[Sidenote: Ronneburg. Schmölln.]

Die altenburgische Stadt Ronneburg (6200 Einw.) treibt Industrie.

Auf einem Diabasfelsen steht ein altes Schloß, und eine eisenhaltige

Quelle dient zu Kurzwecken. Obgleich hier im Ronneburger Bezirke

die ländlichen Ortschaften außerordentlich dicht liegen (im oberen

Sprottethal kommt auf jedes Kilometer Entfernung fast ein Dorf), sind

in diesem ehemaligen Siedelungsgebiete fränkischer, niederländischer,

bayerischer und schwäbischer Kolonisten die Volkszahlen vieler

Dörfer doch zurückgegangen, da auch hier wie in vielen anderen

Umgebungen von Fabrikstädten ein Teil der ländlichen Bevölkerung in

diese Städte auswandert. Im oberen Sprottegrund liegt das Dörfchen

Löbichau mit schönem Garten, Schloß und Erinnerungen an Körner, Tiedge

und Jean Paul. Die Stadt Schmölln (9800 Einw.) ist durch lebhafte

Textilindustrie ausgezeichnet, am wichtigsten ist für den Ort aber die

Herstellung von Steinnußknöpfen, wobei etwa 2500 Personen beschäftigt

sind, die wöchentlich über 7 Millionen Stück Knöpfe anfertigen. An

der Haupteisenbahnlinie Leipzig-Hof liegt im Thale der Pleiße die

altenburgische Industriestadt Gößnitz (5500 Einw.) mit vielen Fabriken.

Von den vielen Fabrikabwässern hat das Pleißenwasser eine tintenartige

Färbung, und wenn Schiller mit besonderer Andeutung auf Leipzig von der

Pleiße sang:

»Flach ist mein Ufer und seicht mein Bach, es schöpften zu durstig

Meine Poeten mich, meine Prosaiker aus«,

so würden heute seine Worte noch ganz anders lauten.

[Sidenote: Altenburg.]

Die Sprotte entspringt in den Teichen der reußischen Wüstung Werteln

und mündet bei Saara in die Pleiße. Die Pleiße selbst berührt nur auf

einer kurzen Strecke ihres Laufes altenburgisches Gebiet, da sie erst

oberhalb Gößnitz eintritt, bei Regis, der kleinsten Stadt (1050 Einw.)

des Königreichs Sachsen, dies Gebiet wieder verläßt. Einige Kilometer

westlich der Pleiße, inmitten eines fruchtbaren Ackergebiets, erhebt

sich die Hauptstadt Altenburg (33400 Einw.), beherrscht von dem auf

hohem Porphyrfelsen ragenden Residenzschlosse, dessen älteste Teile aus

dem ~XI.~ Jahrhundert stammten, das aber nach zahlreichen Bränden teils

1706 bis 1744, teils von 1865-1868 neu erbaut wurde. Das Schloß (Abb.

34) war der Schauplatz des in der Einleitung erwähnten Prinzenraubes.

In der Nacht vom 7. zum 8. Juni 1455 raubte Kunz von Kaufungen die

sächsischen Prinzen Ernst und Albrecht, die Söhne des Kurfürsten

Friedrich des Sanftmütigen, um beim Kurfürsten seine Forderungen

durchzusetzen. Kunz hatte zwei Mitschuldige, und der Verabredung gemäß

sollten sich die Verschworenen trennen, um auf verschiedenen Wegen

nach dem Kunzschen Schlosse Eisenberg zu gelangen. Nur eine Stunde

von der Landesgrenze entfernt, wurde dem jüngeren Prinzen Albrecht

während einer Rast im Walde Hilfe von einem Köhler, dessen Genossen

durch den Klang der Hillebille herbeigerufen wurden. Der Prinz wurde

befreit, Kunz gefangen genommen, und auf die Kunde hiervon gaben

auch die anderen den gefangenen Prinzen Ernst frei. Die Abb. 35 und

36 zeigen deutlich die Veränderung und Vergrößerung der Stadt in 250

Jahren, die nicht nur Sitz der Landesbehörde ist, sondern sich auch

einer bedeutenden Industrie erfreut. In der Nähe gibt es zahlreiche

Steinbrüche und Braunkohlengruben. Der Handel ist bedeutend in

Getreide, da der Altenburgische Ostkreis die Kornkammer Ostthüringens

bildet und drei Viertel seines Flächenraumes angebaut ist, davon

entfallen 66 vom Hundert auf Äcker und Gärten, 9 v. H. auf Wiesen.

Die Stadt wurde urkundlich zuerst 980 erwähnt, wurde wahrscheinlich

Mitte des ~XII.~ Jahrhunderts Reichsstadt, 1430 durch die Hussiten

niedergebrannt, kam 1445 bei der Erbteilung an die Kurfürsten von

Sachsen und wurde 1603 Residenz der älteren altenburgischen Linie des

Ernestinischen Hauses, von 1826 an Sitz der neuen altenburgischen Linie.

[Illustration: Abb. 34. _Schloß zu Altenburg._]

Im östlichen Gebietsteile dehnt sich der Leina-Wald aus mit schönen

Beständen von Fichten, Eichen und Buchen; westlich zwischen

Gerstenbach und Schnauder die Fichten- und Buchenbestände des

Kammer- und Luckaischen Forstes. Hier senkt sich das Gelände zu den

parkähnlichen Wiesengründen der Schnauder, wo sich wieder einige

bedeutende Siedelungen finden: die Stadt Meuselwitz (5300 Einw.),

bekannt durch die reichen Braunkohlenlager ihrer Umgebung, und

Wintersdorf (1000 Einw.). Die Braunkohlenförderung von 1500 Arbeitern

in Sachsen-Altenburg beläuft sich jährlich auf 1¼ Mill. Tonnen im Werte

von 2½ Mill. Mark. Bei dem nördlichsten altenburgischen Städtchen

Lucka (1600 Einw.), das sehr gewerbefleißig ist, siegten 1307 die

thüringischen Landgrafen über die Kaiserlichen unter Philipp von

Nassau. Die Thone des Pleißenthales werden in Plottendorf bei Treben

zu Röhren verarbeitet. Nördlich davon schimmern die fischreichen

Haselbacher Teiche.

~VI.~

Wir kehren vom Rande der Niederung zurück zu den duftigen dunklen

Nadelwäldern, an die felsigen Ufer der oberen Saale und wandern dann

zur Höhe empor, wo sich das Gebirge zu massigen, breiten Buckeln

aufbaut. Schiefer ist der Boden, der den Wald trägt, und mit seinen

Platten sind die Häuser der Ortschaften bekleidet, ihnen damit ein

besonders ernstes Gepräge verleihend. Ernst ist auch die Thätigkeit der

Bewohner dieser Waldorte, mögen sie nun den Schiefer in nutzbringender

Form verarbeiten, oder mögen sie Glas blasen oder Spielsachen fertigen,

aber ein gütiges Geschick begabte sie mit Fröhlichkeit und leichtem

Mut, auch wenn es ihnen sonst manches vorenthielt.

[Illustration: Abb. 35. _Altenburg_ um 1650 (nach dem gleichzeitigen

Stiche von Merian).]

[Sidenote: Frankenwald.]

Zwischen der oberen Saale, dem Münchberger Gneisgebiet, dem

Triasstreifen Neuenmarkt-Stadt Steinach-Kronach und den Thälern der

Haßlach und Loquitz erhebt sich der südöstlichste Teil Thüringens,

das meist karbonische Schieferplateau des Frankenwalds. Durch

zahlreiche enge und tiefe Thalfurchen ist es in eine Menge rückenförmig

gestalteter Berge zerteilt. Von oben erscheint daher die Landschaft

eben oder hügelig, besonders in der Richtung von Südwest nach Nordost,

während nach anderen Richtungen die steilen Gehänge der Thäler die

Zerrissenheit des Geländes erkennen lassen. Die Höhe des Kammes bleibt

fast immer die gleiche und erreicht durchschnittlich 690 ~m~, die Länge

des ganzen Frankenwalds ist zu 45 ~km~ anzunehmen; der Rennsteig,

soweit er den Frankenwald entlang läuft, mißt von Blankenstein an der

Saale bis zur Eisenbahn Probstzella-Hochstadt nur 29 ~km~. So einförmig

aber auf den ersten Blick das Gebirge erscheint, so mutet es doch an

wegen seiner ausgedehnten Nadelwälder, in denen die ganz mit Schiefer

bekleideten Häuser und die zahlreichen hohen Schieferhalden sich etwas

düster ausnehmen. Herrlich ist der Blick in die Thäler, hinter denen

sich die Bergmassen kulissenartig zusammenzuschieben scheinen, und auch

von den flachwelligen Stufen des nördlichen Frankenwaldes, wenn man

plötzlich die Thaleinschnitte der Saale oder Sormitz farbenprächtig zu

seinen Füßen schimmern sieht.

[Sidenote: Bayerischer Teil des Frankenwaldes.]

Von der oberen Saale im kurzen Thale des Pulschnitzbaches aufwärts

wandernd, erreicht man die bayerische Stadt Münchberg (4800 Einw.),

am Nordfuß des 583 ~m~ hohen Eisenbühl, von wo eine Zweigbahn hinüber

führt nach Helmbrechts (4450 Einw.). Unweit des 707 ~m~ messenden

Hohberges entspringt die Selbitz und scheidet die Ostabdachung

des Frankenwaldes in eine westliche und östliche Hälfte. Unweit

Schauenstein (1150 Einw.), das etwa 80 ~m~ über dem Flußthale liegt,

mündet der Döbrabach, der in der Nähe des nadelwaldbestandenen

sargähnlichen 794 ~m~ hohen Döbraberges entspringt. Vom Aussichtsturm

des Berges übersieht man das ganze Gebiet des Frankenwaldes und das

Fichtelgebirge, im Osten erkennt man bei klarem Wetter das Erzgebirge,

im Westen die Feste Coburg und die Gleichberge bei Römhild, im Norden

den Kulm und Wetzstein. Im Gneisgebiete zeigt das Selbitzthal noch

keine schroffen Formen, die erst eintreten, wenn das Schiefer- und

devonische Gebiet durchströmt werden. In Selbitz (1800 Einw.), erreicht

die Zweigeisenbahn von Hof das Selbitzthal, um dann über Naila (2300

Einw.) nach Marxgrün zu führen. Naila ist ein lebhaftes bayerisches

Städtchen, in dessen Nähe sich Marmorbrüche finden, sowie das

Eisenhüttenwerk Oberklingensporn und das Hammerwerk Unterklingensporn.

In der Mulde des Stebenbaches liegt das kleine Stahlbad Steben. Der

untere Teil des Selbitzthales hat den übertriebenen Namen Höllenthal,

ist aber mit seinem rauschenden Wasser und den fichtenbewachsenen

Steilwänden sehr anmutig. Auf kahler Höhe liegt das bayerische

Städtchen Lichtenberg (770 Einw.).

[Illustration: Abb. 36. _Altenburg._]

[Sidenote: Flößerei. Lobenstein.]

Wie wenig Bedeutung die auf der Hochfläche aufgesetzten Berge

haben, die nur selten eine ausgiebige Formentwickelung zeigen,

sieht man am westlich von Naila gelegenen Spitzberg, der auf einem

Seitenaste des Hauptkammes sich zu 728 ~m~ erhebt, während nur etwa

4 ~km~ westlicher im Thiemitzwalde eine unbenannte Höhe zu 759 ~m~

vermessen ist. Der ganze südwestliche Teil des Gebiets entwässert

zur Rodach, deren weit in das Schiefergebirge hinaufreichenden

Zuflüsse sich bei Kronach vereinigen. Hier werden vom Oktober bis

April die Holzreichtümer des Waldes flußabwärts geflößt und die dafür

hergerichteten Wasserstraßen, die Floßbäche, haben deshalb an beiden

Ufern häufig eine Holzeinfassung. Im oberen Teile der Thäler werden

nun die Wasser zu großen Floßteichen aufgestaut, in denen sich die

Stämme sammeln, um dann nach Öffnen der Wehre die stammtragenden Wogen

zu Thale rauschen zu lassen. Dann eilen die Flößer den Bach entlang,

mit ihren Floßhaken die Hölzer leitend und ihr Ansammeln zu vermeiden.

An großen Stauwehren werden die abwärts geführten Stämme aufgefischt

und an wasserreicheren Stellen zu Floßböden zusammengefügt, um bis in

den Main geführt zu werden. Die Rodach entspringt bei Rodacherbrunn

auf der Höhe des Frankenwalds, während sich ihre Zuflüsse auf ein

Gebiet von mindestens 25 ~km~ ausdehnen, die wichtigsten die wilde

Rodach und der Tschirner Bach. Der obere Teil des wilden Rodachthals

und seiner mit prachtvollen Edeltannen bewachsenen Nebenthäler ist

merkwürdig durch die vielen Einzelhöfe seiner meist auf Hochflächen

oder oberen Thalmulden erbauten Ansiedelungen. Nur Schwarzenbach am

Wald (1500 Einw.) ist ein geschlossener Marktflecken, wo Schiefer,

Serpentin und Marmor gebrochen wird. Wallenfels (1650 Einw.) im

unteren Rodachthale ist ein katholischer Marktflecken, dessen Bewohner

entweder in den Wetz- und Schleifsteinbrüchen oder als Flößer arbeiten.

Östlich des Orts erhebt sich in dunklem Nadelwaldschmuck die Döbra,

597 ~m~ hoch (nicht zu verwechseln mit dem oben erwähnten 794 ~m~

hohen Döbraberg). Den Höhen nördlich liegen benachbart der bayerische

Marktflecken Nordhalben (1700 Einw.), dessen katholische Bevölkerung

in Schieferbrüchen oder Sägemühlen thätig ist, und das südlichste

reußische Dorf Titschendorf. Hierher wanderte der evangelisch gewordene

Volksteil Nordhalbens aus, als er hart bedrängt wurde, so daß

Titschendorf zur Glaubenskolonie geworden war. Die Poststraße führt von

Lobenstein über Nordhalben herab ins Rodachthal, wo sie Steinwiesen

(1400 Einw.), ein bayrisches Flößerdorf, berührt, um dann nach Zeyern

und Rodach hinabzuführen. Die Haßlach (richtiger Haslach = Haselwasser)

entspringt etwa 2 ~km~ oberhalb des gleichnamigen Dorfes und in ihrem

Thale läuft dann die Eisenbahn Probstzella-Stockheim. Sie vereinigt

sich mit der Rodach bei Kronach, nachdem sie ihre bedeutendsten

Zuflüsse aufgenommen hat, die Kremnitz aus dem Frankenwalde, die

Tettau aus dem Schiefergebiete des südöstlichen Thüringer Waldes.

Die bayerische Stadt Kronach (4250 Einw.) gehört dem Frankenwalde

nicht mehr an, sondern der südwestdeutschen Triasmulde. Hier, wie

im benachbarten Bezirk Lichtenfels wird überall die Korbflechterei

als Hausindustrie betrieben. Kronach ist Geburtsort des Malers Lukas

Cranach. Über der Stadt erhebt sich auf einem Sandsteinfels 378 ~m~

hoch die alte Bergfeste Rosenberg, die niemals bezwungen wurde, auch im

dreißigjährigen Kriege leistete sie tapferen Widerstand. Die Meereshöhe

des Flusses beträgt bei Kronach noch 303 ~m~, östlich erhebt sich

der Kreuzberg bis 458 ~m~, die wichtigste Aussichtskuppe ist jedoch

die Radspitze, 679 ~m~ hoch, von wo aus die Blicke über Coburg bis

zum Staffelberge schweifen und bei klarem Wetter bis zu den blauen

Kuppen der Rhön, nördlich aber die Gesamtheit des dunklen Frankenwalds

umfassen.

Thüringen · 第 3 / 14 段