in 300 Jahren, für welche die Hochschule von erheblicher Bedeutung
wurde. Die Universität, von Johann Friedrich dem Großmütigen gestiftet,
wurde 1558 eingeweiht und erfreut sich noch heute einer dauernden
Blüte, obwohl sie am Ende des ~XVIII.~ Jahrhunderts einen dreimal
größeren Studentenbesuch hatte; die Bibliothek umfaßt 220000 Bände. An
vielen Häusern erzählen uns kleine Gedenktafeln von den Geistesgrößen,
die da gewohnt und gelehrt haben. Arndt, Schelling, Fichte, Goethe,
der oft hier weilte, und vor allem Schiller, der 1789 als Professor
der Philosophie und Geschichte nach Jena berufen wurde und hier 10
Jahre blieb. Im ehemaligen Schillerschen Garten erhebt sich jetzt die
neue Sternwarte und eine Büste des Dichters, daneben steht auf einem
Granitblock die Inschrift: Hier schrieb Schiller den Wallenstein
1798. Die Stadt- oder Michaeliskirche, 1301 eine Niederlassung des
Cistercienser-Nonnenklosters in Roda, ist eine der größten Kirchen
Thüringens. Ein mit der Studentenschaft in enger Verbindung stehendes
Haus ist der Burgkeller (Abb. 20), um 1546 in derber Hochrenaissance
erbaut. In die fröhliche Studentenzeit zurück führt die Bezeichnung
der sieben Wunder Jenas: ~ara~ (Durchgang unter dem Altar der
Stadtkirche), ~caput~ (der Schnapphans an der Rathausuhr), ~draco~
(von Studenten im ~XVII.~ Jahrhundert zum Scherz zusammengestelltes
skelettartiges Gebilde), ~mons~ (der Hausberg), ~pons~ (die Camsdorfer
Brücke), ~vulpecula turris~ (der Fuchsturm), ~Weigeliana domus~
(das Weigelsche Haus in der Johannisgasse, jetzt abgebrochen). Als
die jugendlichen Kämpfer der Musenstadt aus den Freiheitskriegen
zu ihren Studien zurückkehrten, gründeten sie zu warmer Pflege der
Vaterlandsliebe die Burschenschaft, die ihnen in den nächsten Jahren
so viele Verfolgungen bringen sollte. Zur Erinnerung daran wurde 1883
das Burschenschaftsdenkmal (Abb. 21) errichtet, ein Student in der
Tracht von 1817, Fahne und Schwert haltend, ein schönes Marmorwerk von
Donndorf. Industriell bedeutend ist die optische Werkstatt von Zeiß,
die einschließlich der Glashütte über 1000 Arbeiter beschäftigt und
eine der ersten Anstalten dieser Art in Deutschland ist.
[Illustration: Abb. 21. _Burschenschaftsdenkmal in Jena._]
Von der Höhe des Forstes genießt man den besten Überblick über die
Landschaft: die Kalkhöhen des Jenzig, Hausbergs, der Kernberge, durch
scharfe Thäler voneinander getrennt; die weißbiergesegneten Dörfer
Ziegenhain, Lichtenhain (Abb. 22) und Wöllnitz; nach dem kleinen
Dorfkirchlein von Wenigenjena, wo sich Schiller mit seiner Lotte trauen
ließ. Im Walde, wo sternförmig eine Anzahl Schneißen zusammengehen, hat
man ein anmutiges Bild der alten Saalefesten, durch je eine Waldstraße
erblickt man die Kunitzburg, den Fuchsturm (der letzte Rest der drei
Hausbergburgen, Abb. 23) die Lobedaburg, die Leuchtenburg bei Kahla.
Steil ragen die Muschelkalkberge stufenweise über die Waldflächen des
Sandsteins. Trotz ihrer Pflanzenarmut sind sie von malerischem Reiz,
wenn sie sonnenbestrahlt in leuchtenden Farben prangen.
[Illustration: Abb. 22. _Lichtenhain._]
[Sidenote: Roda. Eisenberg.]
Oberhalb des weimarischen Städtchens Lobeda (900 Einw.) zieht
rechtwinklig zum Saalthale das Thal der Roda aufwärts, an deren
Ufer die altenburgische Stadt Roda (3700 Einw.) liegt, eine stille
Sommerfrische; weiter östlich setzt sich das untere Rodathal im
lieblichen Zeitzgrund fort. Beide in die Sandsteinplatte eingewaschene
Thäler werden von der Eisenbahn benutzt, die dann über die 340 ~m~ hohe
Wasserscheide und vorüber an dem an Sandsteinbrüchen reichen Kraftsdorf
nach dem Elsterthale führt. Von hier aus südlich herrscht, abgesehen
von den Muschelkalkschollen bei Kahla und Saalfeld, Sandstein vor bis
an den Saalfeld-Pößnecker Zechsteingürtel. Im Gegensatze zu den steilen
Formen des Muschelkalkes zeigt der Sandstein sanfte abgerundete Formen
und ist ausgezeichnet durch große Fichten- und Kiefernbestände, die
nördlich fast bis zur altenburgischen Stadt Eisenberg (8000 Einw.)
reichen. Eisenberg liegt auf einem Sandsteinkegel, hat ein altes Schloß
(Christiansburg) und lebhafte Industrie. Eine Zweigbahn führt ins
Thal der Rauda bis Krossen; aufwärts ist das Raudathal ein hübsches
Waldthal, wegen zahlreicher Wassermühlen auch Mühlthal genannt, und
führt bis zu den Sommerfrischen Klosterlausnitz (1600 Einw.) und
Hermsdorf (2200 Einw.). Südlich von Roda führt das Thal des roten
Hofbaches nach dem kleinen Lustschlosse »Fröhliche Wiederkunft«;
westlich davon bei Hummelshain steht in prachtvoller Waldumrahmung ein
neues Schloß (Abb. 24) des Herzogs von Altenburg.
[Sidenote: Kahla. Orlamünde.]
Die altenburgische Stadt Kahla (4400 Einw.) war früher stark befestigt
und hat heute bedeutende Porzellanfabrikation, die 800 Arbeiter
beschäftigt. Der Dohlenstein mit den Schutthalden zweier Bergrutsche
(Abb. 25) und der 400 ~m~ hohe Kegel der Leuchtenburg sind getrennte
Muschelkalkinseln an der rechten Thalflanke. Die Leuchtenburg ist
wohl ursprünglich im ~IX.~ Jahrhundert als Schutzburg gebaut, später
oft zerstört und wieder aufgebaut worden und bildet heute ein stolzes
Wahrzeichen der mittleren Saalgegend. Hoch auf dem Sandsteinrande
gegenüber der Orlamündung liegt das altenburgische Städtchen Orlamünde
(1400 Einw.). Innerhalb der Ruinen der alten Stadtbefestigung steht die
Kemnate, der letzte Rest der alten Grafenburg, wo einst das Geschlecht
der im ~XVI.~ Jahrhundert erloschenen Grafen von Orlamünde hauste. An
dieses Geschlecht knüpft sich die Sage von der weißen Frau an, der
Gräfin Kunigunde, die in verblendeter Liebe zum schönen Burggrafen
Albrecht von Nürnberg ihre beiden Kinder tötete und wegen ihrer Schuld
selbst nach dem Tode keine Ruhe finden konnte, sondern da und dort als
»weiße Frau« erschien. Die Orla mündete in alter Zeit bei Saalfeld
in die Saale, ehe jener Nebenfluß, der jetzt den Unterlauf der Orla
bildet, rückwärts einschneidend die Veranlassung gab, daß die Orla nun
von Pößneck nach Orlamünde durchbrach und in der Richtung nach Saalfeld
die Thalwasserscheide von Könitz gebildet wurde.
Das soeben beschriebene Gebiet des aus Buntsandstein bestehenden
Südteiles der Saaleplatte bildet ungefähr den Westkreis des Herzogtums
Altenburg, das »Altenburger Holzland«, das 44 vom Hundert seiner Fläche
mit Wald, meistens Nadelwald, bewachsen hat. Das Klima ist hier rauher
als im altenburgischen Ostkreise, dem Holzwuchse aber nicht ungünstig.
Ein großer Teil der Bevölkerung lebt hier vom Walde, d. h. von der
Zubereitung von Hölzern für gewerbliche Zwecke und von der Herstellung
allerlei Holzgerätschaften, besonders in Klosterlausnitz. Dieses
»Holzland« hat nur 46 vom Hundert seiner Fläche Äcker und Gärten, und
nur sieben vom Hundert Wiesen, die sich meist auf die flachen Thalungen
beschränken.
[Sidenote: Rudolstadt.]
Aus grüner Saalaue erhebt sich Rudolstadt (12000 Einw.), die
freundliche Hauptstadt des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt (Abb.
26). Die Stadt wird urkundlich zuerst im Jahre 800 als Eigentum des
Klosters Hersfeld erwähnt, 1227 als Besitz des Grafen von Orlamünde;
1335 kam sie an die Grafen von Schwarzburg. Sie wird überragt vom
Residenzschloß Heidecksburg, das sich weithin sichtbar auf dem 50
~m~ hohen Vorberge des hinter dem Schloß noch weiter ansteigenden
Hainberges erhebt, der die Saale vom Wüstenbach trennt. Schon im
~XVIII.~ Jahrhundert blühten hier verschiedene Industriezweige,
besonders Porzellanherstellung und Glockengießerei, die ganz Thüringen
mit Glocken versorgte und wo Schiller seine Studien für die »Glocke«
gemacht haben soll. Schiller kam zuerst 1787 nach Rudolstadt und nahm
1788 seinen Sommeraufenthalt im benachbarten Dorfe Volkstedt (1570
Einw.). Abends war er meist in Rudolstadt bei der ihm befreundeten Frau
von Lengefeld, deren Tochter Charlotte er später als Gattin heimführte.
Am rechten Saalufer gegenüber Volkstedt erhebt sich ein Fels, an dessen
Wand zu Ehren des Dichters seine Büste angebracht wurde, seitdem ist
diese »Schillerhöhe« (Abb. 27) ein viel besuchter Platz geworden.
[Illustration: Abb. 23. _Fuchsturm bei Jena._]
[Sidenote: Saalfeld.]
In geringer, nur einige Kilometer betragender Entfernung von Rudolstadt
mündet bei Schwarza (1300 Einw.) die klare ehemals goldführende
Schwarza in die Saale. In freundlicher Thalweite liegt an den Ufern der
Saale die meiningische Stadt Saalfeld (10000 Einw.), eine der ältesten
Städte Thüringens (Abb. 28) und einst im Schutze der Sorbenburg
entstanden (Abb. 29). Sie war der befestigte Mittelpunkt des alten
Orlagaus und lange Zeit von gemischter thüringischer und sorbischer
Bevölkerung bewohnt. Ein lebhafter Marktverkehr blühte, begünstigt vom
Flußverkehr und dem benachbarten Bergwerksbetrieb, obwohl spätere
Jahrhunderte wiederholte Zerstörungen brachten. Der Erzbischof Anno von
Köln gründete hier 1071 eine Benediktinerabtei, an deren Stelle in der
zweiten Hälfte des ~XVII.~ Jahrhunderts das herzogliche Schloß gebaut
wurde. Das Franziskanerkloster nahm 1578 bis 1579 die Universität auf,
als Professoren und Studenten wegen einer schweren Seuche aus Jena
flüchteten. Malerisch schaut mit seinen Ziergiebeln das aus dem ~XIV.~
Jahrhundert stammende Schlößchen Kitzerstein ins Flußthal herab. Die
benachbarte Sorbenburg oder Hohenschwarm ist wohl im ~X.~ oder ~XI.~
Jahrhundert erbaut worden, wurde aber seit dem ~XVI.~ Jahrhundert zur
Ruine, die mit ihren beiden Türmen ein sehr wirkungsvolles Bild gibt.
Der Befestigungskranz der Stadt wurde in der zweiten Hälfte des ~XV.~
Jahrhunderts begonnen, entspricht im übrigen jedoch den Anlagen des
~XV.~ und ~XVI.~ Jahrhunderts. Aus dem ~XVI.~ Jahrhundert stammt auch
das schöne mit Treppenturm, Giebeln und Dachtürmen geschmückte Rathaus,
eine Verschmelzung von Spätgotik mit Frührenaissance. Wie überall
trat auch hier infolge des dreißigjährigen Krieges ein betrübender
Niedergang ein, und erst im ~XIX.~ Jahrhundert kam die Zeit eines
erneuten Aufschwunges und reger Industriethätigkeit. Nördlich von
Saalfeld erhebt sich der 482 ~m~ hohe Muschelkalkkegel des Kulm, von
dessen 19 ~m~ hohem Aussichtsturm sich eine weite Rundsicht erschließt,
im Norden bis zum Fuchsturm bei Jena, im Westen bis zur dunklen Kuppe
des Kickelhahnes bei Ilmenau, nach Osten bis Ranis und Hummelshain.
Der ganze sich von hier aus nach Osten ausdehnende Höhenzug heißt die
Heide, eine Sandsteinplatte von durchschnittlich 400 ~m~ Höhe und durch
Flußläufe in ein Hügelland aufgelöst.
[Illustration: Abb. 24. _Schloß Hummelshain._]
Einen außerordentlich lehrreichen Aufschluß des Geländes sieht man
oberhalb Saalfelds bei Obernitz: stark verbogene devonische Schichten,
deren von der alten Meeresbrandung zerstörte Oberfläche beinahe
wagerecht von Zechstein überlagert ist. Die Schichtenbiegungen der
devonischen Kalke und Schiefer stammen aus der Zeit der oberen
Steinkohle. Damals bildeten diese Falten die hohen und langen
Gebirgsketten der mitteldeutschen Alpen, von denen jetzt nur noch
das Fundament vorhanden ist. Über die eingeebnete Faltenruine sind
die Zechsteinkalke hingebreitet. Der ausgedehnte Zechsteingürtel,
der fast den ganzen Rand des Thüringerwaldes begleitet, erscheint
hier in erheblicher Breite und streicht über Pößneck bis gegen Gera,
die nördliche Sandsteinplatte trennend von der südlich auftretenden
unteren Karbonformation, die sich meist aus Schiefern und Grauwacken
zusammensetzt. Der Zechstein, eine vorherrschende Kalkablagerung, hat
seinen Namen von den Zechen, den Häuschen der Bergleute, was schon
darauf hinweist, daß in seinem Gebiete ein lebhafter Bergbau betrieben
wird, in der Gegend von Saalfeld bis Ranis schon von alters her. Am
wichtigsten sind die Eisenwerke von Kamsdorf, Unter-Wellenborn und
Röblitz. Der Zechsteingürtel bildet hier eine Senke, die schon früh
verkehrswichtig war und die auch den Weg vorschrieb für die Eisenbahn
Saalfeld-Weida.
[Illustration: Abb. 25. _Kahla mit der Leuchtenburg._
(Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin.)]
[Sidenote: Pößneck.]
Der rudolstädtische Marktflecken Könitz (800 Einw.) wird von einem im
~XVI.~ Jahrhundert erbauten Schlosse überragt, ehemals eine Besitzung
der deutschen Könige. Das Städtchen Ranis (2000 Einw.) gehört zum
preußischen Kreise Ziegenrück und liegt zu Füßen der alten malerischen
Burg Ranis. Ein wichtiger Industrieplatz ist die meiningische Stadt
Pößneck (11000 Einw.) geworden, nach dieser Richtung hin »die Krone der
meiningischen Städte« genannt (Abb. 30). Schon seit dem Mittelalter
blüht hier die Tuch- und Lederfabrikation, denen in neuerer Zeit
noch Flanellherstellung (jährlicher Umsatz zwölf Millionen Mark),
besonders aber Porzellanfabriken (darunter eine mit 800 Arbeitern) und
Schokoladefabrikation (die etwa 1000 Arbeiter beschäftigt) zugesellt
wurden. Die alte Stadtkirche stammt aus dem ~XIV.~, das mit zierlicher
Freitreppe versehene gotische Rathaus (Abb. 31) aus dem ~XV.~
Jahrhundert. Beachtenswert sind in nächster Nähe der Stadt die mit
Fichten bestandenen wallartigen Höhen der Altenburg und der Haselberge,
Dolomitriffe, die nun aus der gesunkenen Zechsteinumgebung aufragen (s.
Abb. 30).
[Sidenote: Neustadt. Triptis.]
Von Wichtigkeit ist auch die weimarische Kreisstadt Neustadt an der
Orla (6000 Einw.), mit hübschem, später durch Anbauten entstellten
Rathaus aus dem Anfange des ~XV.~ Jahrhunderts. Südlich der Stadt
liegt das Dörfchen Arnshaugk mit einem Schlosse, das an der Stelle des
alten Stammsitzes der Ende des ~XIII.~ Jahrhunderts ausgestorbenen
Grafen Arnshaugk erbaut ist. An der oberen Orla liegt das weimarische
Städtchen Triptis (2250 Einw.), wo eine Bahn nach der auch als
Sommerfrische besuchten weimarischen Stadt Auma (2500 Einw.) und dann
über Ziegenrück nach Blankenstein läuft. Triptis liegt 368 ~m~ hoch
über dem Meere; in ähnlicher Höhe überschreitet die nach Nordosten
führende Bahn die Wasserscheide zwischen Saale und Elster.
[Sidenote: Saaleoberlauf.]
Von waldigen Bergen umrahmt, mündet bei Eichicht (450 Einw.) die
Loquitz in die Saale, die hier ihren Oberlauf beginnt. Die Landschaft
zeigt hier völlig veränderte Formen, da der Fluß in außerordentlich
zahlreichen Krümmungen sich nun in das Schiefergebirge sein Bett
gegraben hat. Steile Wände bilden die Thalränder, oft ragen die
dunklen Felsen aus dem Nadelwald hervor und engen den Fluß ein, so
daß fast nirgends Raum für eine Straße bleibt. Nur an wenigen Stellen
wird der Fluß von Brücken überschritten, da im engen Thale auch keine
Orte erbaut werden konnten. Nur an der Mündung des Drebabaches winden
sich die schmalen Häuserzeilen der preußischen Kreisstadt Ziegenrück
(1200 Einw.) empor, überragt vom alten Schlosse. Die Holzausbeute der
weit ausgedehnten Wälder wird hier gesammelt und dann nach Camburg
oder Kösen verflößt. Beachtenswert sind bei Ziegenrück wie bei
Saalfeld altdiluviale Schotterlager mit oligozänen Quarzgeröllen,
auf Höhenstufen liegend, die sich 115-130 ~m~ über dem heutigen
Wasserspiegel befinden. Von dieser Höhe also hat sich der Fluß die
Thalrinne ausgenagt, in der er heute fließt. Eine neue dem rechten
Ufer folgende Straße führt nach dem Luftkurort Walsburg, gegenüber der
Mündung des Wiesenthales.
[Sidenote: Alter Bergbau.]
Ein Seitenstück zu Schwarzburg in Bezug auf landschaftliche Schönheit
bietet Schloß Burgk, das hoch auf einer bewaldeten von der Saale
umspülten Felshöhe thront. Das Schloß erhielt seine jetzige Gestalt
erst im ~XV.~ Jahrhundert, während die frühere Burg weiter südlich
und näher dem Flusse lag. Am Flusse liegt der Burgkhammer, früher
ein bedeutendes Eisenwerk, heute eine Sägemühle, zu der durch den
Schloßberg von einer der oberen Saalwindungen ein Kanal geleitet ist.
Viele Ortsnamen mit der Endung »hammer« deuten auf alten Bergbau hin.
Am frühesten, etwa bis zum ~XIII.~ oder ~XIV.~ Jahrhundert, dürfte
eine Bergbauthätigkeit in den Seifenarbeiten auf Gold und Zinn gewesen
sein, also die im Erdreich vorhandenen Metallteilchen durch Wasser
zu gewinnen. Dann gab es überall in Thüringen eine Blütezeit des
Bergbaues, der aber zu Beginn des dreißigjährigen Krieges zu Grunde
ging. An der oberen Saale wurden Stahlhütten betrieben und allein im
Bergwerksgebiete des reußischen Landes waren über vierhundert Gruben
im Abbau, dabei 319 auf Eisen, die übrigen auf Gold, Silber, Antimon,
Kupfer, Blei und Alaun. Die Saale hat hier überall den Charakter
eines in das Schiefergebirge eingeschnittenen Plateauflusses, der
den größeren Rheinzuflüssen ähnelt und auch hohe landschaftliche
Schönheiten aufweist, außer der Umgebung von Burgk besonders
erwähnenswert die Abstürze des Heinrichsteins bei Gottliebsthal. Auch
wo die Zuflüsse in engen Thälern rauschen, geben sie für größere
Siedelungen keinen Raum, aber sie zerschneiden die Stufenplatten des
Geländes, das dadurch einen reich gegliederten reizvollen Anblick
bietet. Wir finden deshalb im ganzen Südosten Thüringens die meisten
Orte auf der Höhe gelegen, im Gegensatze zum westlichen Thüringerwald,
wo das Gebirge als Kamm ausgebildet ist und die Ortschaften meist in
den anmutigen Thälern gebaut sind.
[Illustration: Abb. 26. _Rudolstadt._
(Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin.)]
[Sidenote: Hirschberg.]
Das zu Reuß jüngere Linie gehörige Saalburg (860 Einw.) ist ein von
Obstgärten umgebenes ärmliches Städtchen, in dessen Nähe Marmor
gebrochen wird, der zur Silurformation gehört. Zusammenhängend mit
der alten Stadtbefestigung sind die Ruinen einer im ~XI.~ Jahrhundert
gegen die Sorben erbauten Burg. Saalburg war eine Hauptstation an
der alten Frankenstraße Nürnberg-Leipzig, deshalb auch militärisch
wichtig und von vielen Kriegszügen berührt. In der Nähe findet sich das
Saalburger Eisloch, eine echte Eishöhle, im kleinen Bleiloch an den
Bleibergen. Bei Saaldorf liegt in wildreichem Nadelwald das Jagdschloß
Weidmannsheil; unweit davon überschreitet eine feste Brücke die Saale
bei Gottliebsthal, gleich wie Haueisen aus einer Zeche entstanden. Auch
der weiter oberhalb am Flusse liegende Lemnitzhammer ist heute kein
Eisenwerk mehr, sondern liefert nur hölzerne Gebrauchsgegenstände.
Bei dem kleinen Dorfe Blankenstein erreicht der Rennsteig, der auf
der Höhe des Thüringerwaldes und Frankenwaldes entlang zieht, sein
östliches Ende. Unterhalb des Dorfes mündet bei 411 ~m~ Höhe über
dem Meere die Selbitz in die Saale. An den größten Flußkrümmungen
bestehen jetzt immer öfter Thalweiten größerer Ausdehnung, die mit
Wiesen bedeckt sind. Während das preußische Dorf Blankenberg mit
seinem Schlosse noch auf der Höhe thront, reichen die Häuser des
preußischen Dorfes Sparnberg schon bis an die Ufer herunter. Auch das
reußische Städtchen Hirschberg (1800 Einw.) reicht bis ins Thal der
Saale hinab. Auf einem Felskegel erhebt sich das Schloß, ehemals eine
gegen die Sorben errichtete Befestigung. Von Blankenstein aus bildet
die Saale die Grenze gegen Bayern, von der Mündung des Tann- oder
Töpenerbaches verläuft das obere Saalthal nur in bayerischem Gebiete,
an den Fichtenabhängen des Leuchtholzes noch einmal tief eingebettet,
dann aber in flacherer Thalmulde, die von den Kuppen des umgebenden
Tafellandes um nur 120 ~m~ überragt wird.
[Illustration: Abb. 27. _Schillerhöhe bei Rudolstadt._]
[Sidenote: Hof.]
Auf dieser Hochfläche liegt in 473 ~m~ Höhe (der Bahnhof liegt 505 ~m~
hoch) die bayerische Stadt Hof (27600 Einw.), die ein Mittelpunkt für
Industrie und Verkehr geworden ist. Schon früh war sie der Hauptort
des Regnitzlandes, erwachsen aus einem zum Schutze gegen die Slaven
angelegten Hofe (~Regnizi~, Regnitzhof). In den Hussitenkriegen,
im dreißigjährigen Kriege und in den Kämpfen am Anfange des ~XIX.~
Jahrhunderts wurde viel Wohlstand vernichtet, die Stadt blieb aber
lebensfähig und erholte sich so bedeutend, daß ihre Einwohnerzahl
in den letzten dreißig Jahren sich fast verdreifachte. Schon im
~XVI.~ Jahrhundert entwickelte sich die Gewebeindustrie, die Hof zum
Hauptplatz der oberfränkischen Woll- und Baumwollindustrie gemacht hat.
Die Spinnereien haben etwa 200000 Spindeln, die Webereien 1900 Stühle
im Betrieb. Wichtige Straßenzüge laufen hier zusammen, Verbindungen
von Nord nach Süd mit Abzweigungen nach Westen (Franken) und Osten
(Böhmen), die ihren Ausdruck auch in der Anlage von Eisenbahnen
gefunden haben. Am obersten Saallaufe sind noch erwähnenswert der
Flecken Oberkotzau (2100 Einw.) am Einflusse der Schwesnitz, das
Städtchen Schwarzenbach (3900 Einw.), schon in offenem Hügellande
liegend, und der Flecken Zell (650 Einw.). Nur wenige Kilometer
oberhalb Zell entspringt die Saale in einer Meereshöhe von 728 ~m~
an der Südwestflanke des Waldsteins (878 ~m~ hoch), der mit seinem
Granitwall die nördlichste Umrahmung des Fichtelgebirgmassivs bildet
und auf seinen Höhen prächtigen Fichtenwald trägt.
[Illustration: Abb. 28. _Saalfeld._
(Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin.)]
[Illustration: Abb. 29. _Saalfeld_ um 1650 (nach Merian).]
~V.~
[Sidenote: Osterland.]
Von der Saale nach Osten zeigt die Landschaft eine mannigfaltigere
Gliederung. Grüne Flußthäler haben volkreiche Orte entstehen lassen,
die um so mehr Industrie treiben, je bequemer sie an den Hauptadern
des großen Verkehrs liegen. Die Wälder bedecken nicht mehr unabsehbare
weite Flächen, sondern sind in dem abgestuften Gelände eingeschränkt
und machen großen Feldern Raum, die ihre fruchtbarsten Gebiete in den
größten Thälern haben.
Ungefähr ein Dreieck mit den Spitzen Saalfeld, Hof und Altenburg
schließt das Osterländische oder Vogtländische Stufenland ein, das sich
nach Norden zum oben beschriebenen Saalfeld-Neustädter Zechsteingürtel,
sowie nach Osten zum Elsterthale hin langsam abdacht. Es ist das
alte Grenzgebiet gegen das Königreich Sachsen hin und zeigt von den
altpaläozoischen Schichten aufwärts bis zum Kulm eine bedeutende
Faltung, vorzugsweise in der Richtung von Südwest nach Nordost. Das
ganze Gebiet ist eine plateauartige Hügellandschaft, zerschnitten
von einer großen Zahl weit verzweigter Thäler, die nur in den tiefen
Einschnitten der Elster, Göltzsch und Weida einen gebirgigen Eindruck
hervorrufen. Der Haupterhebungssattel dieses ostthüringischen Gebietes
ist ein Kambriumstreifen, der sich in einer Breite von 8-11 ~km~ von
Südwest nach Nordost erstreckt, hier aber unter das Rotliegende des
Erzgebirgischen Beckens untertaucht, nach Südwesten sich aber fortsetzt
bis zur oberen Saale. Parallel zu diesem Hauptsattel steigt der
weiter im Südosten gelegene Erzgebirgische Hauptsattel, und zwischen
beiden liegt die etwa 11 ~km~ breite Vogtländische Hauptmulde, in
welcher besonders devonische Ablagerungen vorhanden sind. Auch sie
taucht nach Nordosten unter das Erzgebirgische Becken unter, ist
jedoch südwestlich noch weiter zu verfolgen. Nordwestlich aber vom
Ostthüringischen Hauptsattel liegt die Ostthüringische Hauptmulde, wo
die tiefsten Schichten dem sich breit ausdehnenden Oberkulm angehören.
Nordwärts wird diese Mulde von dem am Rande des Thüringischen Beckens
ausstreichenden Zechstein und Buntsandstein überdeckt. Nordöstlich von
Ziegenrück bestehen zahlreiche flache Mulden, in denen sich Wasser
ansammelt, da der Boden durch Thonschichten undurchlässig ist. Daher
erfreut sich das Auge hier an Hunderten von hell schimmernden Teichen,
die mit ihrer teilweisen Waldumrandung der Landschaft einen um so
größeren Reiz verleihen, als Thüringen und besonders sein Gebirgsland
sonst arm an stehenden Gewässern ist. Merkwürdig sind auf der Strecke
Burgk-Schleiz-Zeulenroda-Weida-Ronneburg-Altenburg Diabasdurchbrüche,
die der Landwirtschaft nicht nutzbar sind, wenn sie mitten im urbar
gemachten Boden vorkommen, und meist mit Eichen, Buchen und anderem
Laubholz bewachsen sind. Im Nordosten von Gera nach den Flußthälern
der Sprotte und Schnauder hin verliert sich allmählich das alte
Gebirge, und es beginnt der fruchtbare Ackerboden des altenburgischen
Ostkreises, der dann hinüberleitet in die Tieflandschaften der
Sächsisch-Thüringischen Bucht.
[Sidenote: Schleiz.]