Leben Sie recht wohl und verzeihen

Weimar am 20 März 1800.

G

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In dankbarer Erwiederung Ihrer Sendung lege ich hier das erste der

famosen Sonnette bey, nach und nach sollen die übrigen anlangen. Über

dem Portal steht das Gegenwärtige warlich nicht unbedeutend. Sie

erhalten zugleich auch meine Uebersetzung des Mahomets. Da sie einmal

gemacht ist, wollen wir sie doch zum besten kehren und nutzen. Lassen

Sie uns denselben zum Grunde legen wenn wir uns gelegentlich über unsern

Jambus, und besonders über dessen dramatischen Gebrauch unterhalten.

Haben Sie Dank daß Sie meine Jahreszeiten ausschmücken wollen. Die

Episteln, dächt ich, ließe man liegen, bis sich etwa die Lust findet

etwas neues in dieser Art zu machen.

Ob es der Mühe werth seyn wird den Reineke Fuchs nochmals gleichsam

umzuarbeiten darüber müssen wir gelegentlich zu Rathe gehen.

Die Uebersetzung der Walpolischen Schrifften ist mir sehr willkommen.

Die großen Quartbände des Originals schreckten mich ab, und eine

Auswahl, wie sie Ihre Vorrede einleitet ist freylich einladender.

Möchte doch das Frühjahr auf Ihre liebe Gattin einen guten Einfluß

haben. In einiger Zeit hoffe ich mit einem guten Glas ungarischen

aufwarten zu können.

Die Herren Meyer und Büry empfehlen sich bestens. Da wir sämmtlich jetzt

nicht viel vom Flecke kommen, so hätten wir gewünscht daß Sie neulich

Ihren Besuch möchten verlängert haben. Auch hätten wir noch gar gerne

mehr von der spanischen Litteratur vernommen. Ein Land, das man selbst

nicht mehr besuchen wird, hört man so gern von scharfsinnigen Reisenden

beschreiben.

Nicht allein Ihre grammatische, sondern auch Ihre critische Bemerkungen

im allgemeinen könnten einem Werke, das ich angefangen habe, sehr zu

statten kommen, wenn ich nur den Muth hätte gegenwärtig daran zu denken.

Doch wage ich nichts davon sehen zu lassen, bis ich weiter vorgerückt

bin.

Leben Sie indessen so wohl als fleißig und gedenken Sie unser in Ihrem

Kreise.

Weimar am 2 April 1800.

=Goethe=

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Schillern habe ich nicht in Weimar angetroffen, er hat sich nach

Ettersburg begeben um dort ungestörter arbeiten zu können. Ich kann

Ihnen daher von seiner Entschliessung wegen des Almanachs nichts melden

doch wollte ich nicht ganz schweigen und sende daher diese Zeilen ab.

Leben Sie recht wohl in dem Leipzig, das nun wohl bald ruhiger werden

wird und wenn Sie in unserer Nähe sind hoffe ich Sie bald einmal wieder

bey uns zu sehen. Weimar am 19 May 1800.

=Goethe=

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Indem ich den mir communicirten Brief und das erste Exemplar Ihrer

Gedichte zurück schicke melde ich dankbar daß Ihre heutige Sendung

angekommen ist worauf ich das weitere nächstens antworten werde.

Weimar am 31 May 1800.

G

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Ueber Ihre Sache mag ich nachdenken wie ich will, so kann ich Ihnen

nicht rathen sie an die Höfe zu bringen. Die Ursachen das nächste mal

wenn ich Sie spreche.

Da Sie aber freylich zu der Ihnen zugefertigten Resolution nicht ganz

stille schweigen können, so schlage ich vor beyliegendes Schreiben an

den Senat abzulassen. Sie werden die Absicht desselben leicht erkennen;

doch muß ich Sie dabey ersuchen ja darinnen nichts abzuändern, obgleich

der Styl nicht der beste ist. Wollten Sie es ja thun so wünschte ich

vorher das veränderte Concept zu sehen.

Von Ihrem Gedichte, das Schiller auch mit Vergnügen gelesen hat, bey

Uebersendung desselben nächstens.

Weimar am 10 Juni 1800.

G

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Die übersendeten _Don Quixote_ sind glücklich angekommen. Wenn Sie die

andern Bände gebrauchen, so haben sie nur die Gefälligkeit sie von mir

zu verlangen.

Ihren Herrn Bruder würde ich auf den nächsten Mittwoch mit Vergnügen bey

mir sehen, ich will mich einrichten daß wir uns ruhig unterhalten

können. Doch wäre mir angenehm wenn ich, durch die Botenfrauen bey

zeiten Mitwochs, oder, die vorhergehenden Tage, durch die Post,

Nachricht erhalten könnte.

Was die bewußte Sache betrifft sage ich meine weitern Gedanken mündlich;

denn endlich hoffe ich Sie einmal auf kürzere oder längere Zeit, in Jena

zu sehen.

Die verlangten Stücke sind mit der Theaterbibliothek nach Lauchstädt.

Leben Sie recht wohl und grüßen Ihren Herrn Bruder. Weimar am 12 Jul

1800.

G

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Viel Dank für Ihre freundliche Zuschrifft und die Versicherung meiner

Freude über Ihre glückliche Zurückkunft. Auch ich werde bald wieder in

Ihrer Nähe seyn und hoffe auf manche angenehme und lehrreiche

Unterhaltung.

Daß _Mad:_ Unzelmann sich entschließt zu uns zu kommen ist mir höchst

angenehm, haben Sie die Güte ihr das, mit meinem schönsten Gruße,

eiligst zu vermelden. Ich werde zwar mit der nächsten directen Post auch

an sie schreiben, diese geht aber erst übermorgen Nachmittag ab und es

kommt darauf an, welcher von unsern Briefen sie zuerst erreicht. Leben

Sie recht wohl und besuchen Sie mich ja, sobald ich nach Weimar komme.

Nach dem verlangten Buche will ich mich sogleich erkundigen.

Kassel am 18 August 1801.

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Auf mehrere Ihrer werthen Briefe habe ich nicht geantwortet; Sie

verzeihens, da ich indeß nicht weniger an Sie gedacht und an allem was

Sie betrifft Theil genommen habe. Aus der Vorstellung Ihres =Ions= hat

sich eine Ilias von Händeln entwickelt, die, wie ein ächtes

rhapsodisches Werk, noch immer kein Ende nehmen will.

Können Sie es einrichten daß Sie Pfingsten in Weimar sind; so treffen

Sie mich daselbst. Vielleicht wird es auch möglich alsdann Ihren =Ion=

zu geben.

Können Sie mir eine leichte Skizze von Genelli's Decoration verschaffen;

so würde ich, in so fern es möglich, die Idee für unser Theater nutzen.

Der Tempel war die schwächste Seite unserer Darstellung, den ich wohl

mit einem bedeutendern künftig auswechseln möchte.

Schicken Sie mir doch baldigst die Nachträge zu =Alarkos=, den ich

ehestens geben werde; die Rollen sind schon ausgeschrieben. Das Stück

hat mir in seiner Gedrängtheit viel Vergnügen gemacht, weniger

=Octavian= in seiner Diffusion, ob man gleich das Tiekische Talent, im

Einzelnen, nicht verkennen kann.

Grüßen Sie den Bruder Bildhauer aufs beste und treiben ihn an daß er

bald kommt. Ich wünschte, wenn Durchl. der Herzog von den Inspectionen

zurückkommen, daß schon etwas gethan wäre.

Leben Sie recht wohl und gedenken mein und erfreuen sich der guten

Aufnahme, die Sie in Berlin gefunden haben.

Ihr Herr Bruder, den ich gelegentlich zu grüßen bitte, hat noch einige

Bücher, die Theils mir, theils der Bibliothek angehören, ich wünschte,

daß er sie mir bald wieder zurückstellen könnte. Jena am 3 Mai 1802.

=Goethe=

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Das Lustspiel, welches Sie mir vor einiger Zeit gesendet, hätte ich gern

auf das Theater gebracht, um die Wirkung davon zu erfahren; allein ich

konnte die zwei Frauenzimmer, welche in Mannskleidern erscheinen müssen,

nicht so austheilen, daß ich gegründete Hoffnung des Gelingens hätte

fassen können. Will der Verfasser es auf andern Theatern versuchen, so

wüßte ich nichts dagegen zu erinnern.

Denn es steht überhaupt mit den Concurrenzstücken wunderlich. Es sind

dreyzehen angekommen, davon keines aufzuführen war, ob man gleich

einigen manches Verdienst zusprechen mußte.

Uns haben diese Erscheinungen Vergnügen und Belehrung gegeben, wollte

man aber öffentlich darüber sprechen; so wäre mehr Zeitaufwand nöthig,

als das Resultat werth seyn könnte. Vielleicht spreche ich einmal, im

Vorbeygehen, bey anderer Gelegenheit, davon.

Der gute Tiek, dessen Zustand ich bedaure, setzt mich, durch sein

Außenbleiben, in nicht geringe Verlegenheit. Sagen Sie ihm dieß und

wiederholen Sie meinen Wunsch, daß er sich bald auf den Weg machen möge.

Es ist ihm erinnerlich daß ich ihn ältern Concurrenten vorgezogen und es

ist leicht möglich daß, bey Rückkunft Durchl. des Herzogs, welcher, nach

einer ausdrücklichen Aeußerung bey seiner Abreise, Herrn Tiek schon in

völliger Arbeit zu finden glaubt, jene Verhältnisse, auf eine für mich

sehr unangenehme Weise, zur Sprache kommen könnten. Ja es bleibt mir

nichts übrig als noch eine kurze Zeit abzuwarten und alsdann Herrn Tiek

einen peremtorischen Termin zu setzen, welches ich nicht gern thue, doch

aber auch die Verantwortung einer solchen Zögerung nicht auf mich nehmen

kann.

Leben Sie recht wohl und thätig und gedenken mein. Jena am 13 May 1802.

=Goethe=

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Weimar am 2 Octbr 1803.

Die Beylagen werden mich genugsam entschuldigen, wenn ich auf Ihre

theilnehmende Briefe nicht schneller antwortete, ja wenn ich heute nur

einen flüchtigen Laut von mir hören lasse.

Seit einigen Wochen bin ich mit der Ausstellung beschäftigt, deren

Einrichtung immer viel Mühe macht, die Abende habe ich meist dem Cäsar

gewidmet, um ihn, im einzelnen und im ganzen zu probiren. Ich habe mich

recht gesammelt, mit völligem Bewußtseyn diese schwierige Unternehmung

zu leiten und ich kann sagen daß alle, die dabey zu thun haben, sich

nach Vermögen bestrebten mit dem Autor und Uebersetzer zu wetteifern.

So eben erhalte ich ein Billet von Freund Schillern und lasse ihn

sprechen:

»Diesen Vormittag gehe ich nach Jena. Ich nehme einen großen

Eindruck mit und über 8 Tage bey der zweyten Vorstellung werde ich

Ihnen etwas darüber sagen können. Es ist keine Frage daß der Julius

Cäsar alle Eigenschaften hat um ein Pfeiler des Theaters zu werden.

Interessante Handlung, Abwechslung und Reichthum, Gewalt der

Leidenschaft und sinnliches Leben _vise a vise_ des Publikums -- und

der Kunst gegenüber hat er alles was man wünscht und braucht. Alle

Mühe, die man also noch daran wendet ist ein reiner Gewinn und die

wachsende Vollkommenheit bey der Vorstellung dieses Stücks muß

zugleich die Fortschritte unsers Theaters zu bezeichnen dienen.«

Wie gern möchte ich Sie nun bald mit diesem Stück bewirthen und es durch

Ihre Gegenwart, Berathung und Theilnahme immer weiter zu steigern.

Wie Sie uns besuchen, so gewinnen wir für das critische Institut sehr

viel; denn schreiben läßt sich warlich jetzt nicht was man über die Lage

unserer Litteratur denkt.

Schreiben Sie mir voraus wann Sie einzutreffen denken? kann ich Sie

nicht selbst logiren; so besorge ich Ihnen ein Quartier in der Nähe und

an meinem Tisch sollen Sie immer heitere Gesellschaft finden. Bis dahin

sey manches verspart. Heute nur noch so viel:

Haben Sie ja die Gefälligkeit Herrn Steffens zu ersuchen daß er bald die

Reihe Schrifften anzeigt, welche er nachzuholen und zu beurtheilen

geneigt ist. Sobald ich nur ein wenig zur Besinnung komme schicke ich

einen Brief für ihn. Es thut mir sehr leid ihn nicht gesprochen zu

haben.

Dank für die Blumensträuße! Es sind wirklich Erscheinungen aus einer

andern Welt.

Wenn Sie zu uns kommen hoffe ich Ihnen wenigstens einige Scenen aus dem

Calderon bey verschlossenen Thüren sehen zu lassen. Ich habe

didascalische Stunden eingeleitet, die mir viel Vergnügen gewähren und

wodurch die öffentlichen Vorstellungen sehr gewinnen. So habe ich seit

acht Wochen drey Junge Leute, die noch nie oder kaum auf dem Theater

gewesen, dergestalt zugerichtet, daß sie im Cäsar einklingend auftreten

konnten. Ohne diese Vorbereitung wäre diese Vorstellung unmöglich

gewesen.

Briefe Schillers und Goethes an A. W. Schlegel Aus den Jahren 1795 bis 1801, und 1797 bis 1824, nebst einem Briefe Schlegels an Schiller · 第 18 / 22 题