an
A. W. Schlegel.
Aus den Jahren 1797 bis 1824.
Mit einem Briefe von Herrn Geheimde Rath Voigt schicke ich zugleich die
ersten Theile des Gozzi, für Ihren Herrn Bruder, die übrigen stehen nach
und nach auch zu Diensten. Wenn ich nicht irre so sind Gesners
französische Idyllen noch bey Ihnen, die ich mir gelegentlich zurück
erbitte. Ich wünsche Ihnen recht wohl zu leben. Jena am 28 Mai 1797.
=Goethe=
* * * * *
Indem ich das Manuscript zurückschicke, merke ich nur an, daß Hofrath
Schiller die Stelle _Fol._ 4 deshalb angestrichen, weil sie ihm nicht
verständlich ist, indem von Verwicklung und Auflösung, den
Haupterfordernißen eines guten Dramas, als von einem fremden zufälligen
Verdienste gesprochen ist. Wollten Sie dieses zu erläutern, sowie die
andern Stellen abzuändern die Güte haben? und mir etwa bald nach Tische
das Manuscript zurückschicken, indem es noch heute abgehen könnte. Ich
wünsche recht wohl zu leben. Den 14ten Juni 1797.
=Goethe=
* * * * *
Sie haben mich, durch Ueberschickung Ihres Prometheus, in den Stand
gesetzt meinen Gast auf eine recht angenehme Weise zu bewirthen, er
dankt Ihnen auf das beste dafür und ich kann sagen daß wir das Gedicht
mit vielem Vergnügen wiederholt gelesen haben. Es ist Ihnen gelungen in
die Mythe einen tiefen Sinn zu legen und ihn auf eine ernste und edle
Art auszudrucken, die Verse sind sehr glücklich und es sind Stellen die
durch ihre Hoheit überaschen. Gewiß wird es eine der ersten Zierden des
Almanachs seyn.
Wir haben indess auch fleißig gearbeitet und die Balladen sind noch
immer im Gange, vielleicht giebt mir meine vorstehende Reise auch noch
einige Beyträge.
Mein Freund Meyer ist, seiner Gesundheit wegen, aus Italien nach der
Schweiz zurückgegangen, ich gedenke ihn am Zürcher See zu besuchen, und
mit ihm Rath zu pflegen was weiter zu thun sey? So viel ich seine
Constitution kenne möchte es wohl nicht räthlich seyn ihn gleich wieder
hineinzuführen, und das Bild das dieses schöne Land im Augenblicke
darstellt, ist auch für den Beschauer nicht reizend. Wahrscheinlich sind
wir gegen den Winter wieder hier, und erfreuen uns des Umgangs unserer
Freunde.
Sollte ich Sie vor meiner Abreise nicht wieder sehen, so wünsche ich
recht wohl zu leben. Empfehlen Sie mich Ihrer lieben Frau und grüßen Sie
Ihren Herrn Bruder vielmals. Sollten Sie mir von Ihren und seinen neuern
Arbeiten einige Nachricht geben wollen, so würde sie unter der Addresse
meiner Mutter, der Räthin Goethe, in Frankfurth am Main, sicher und bald
an mich gelangen. Der ich indessen nochmals recht wohl zu leben wünsche.
Weimar am 19 Juli 1797.
=Goethe=
* * * * *
Nur mit wenigen Worten, werthester Herr Rath, will ich sogleich für
Ihren freundlichen Brief vom 22ten September danken, der mich auf der
Reise so angenehm überrascht haben würde und mir leider erst vor einigen
Tagen zugekommen ist. Die Stockung eines ganzen Packetes in Frankfurth
hat mir manche Unruhe gemacht.
Ich freu mich sehr Ihrer Theilnahme an meinen Arbeiten und kann
versichern daß die Empfindung wechselseitig ist. In kurzer Zeit habe ich
das Vergnügen Sie in Jena zu sehen, wo es manches zu besprechen geben
wird. Mit sehr viel Vergnügen habe ich gleich nach meiner Ankunft den
zweyten Theil Ihres Schäkespears erhalten und gelesen. Bewahren Sie
beykommendes Exemplar meines neuesten Gedichts zu meinem Andenken, wie
sehr wünsche ich auch Ihre Gedanken darüber zu hören und zugleich zu
sehen was Sie indessen gearbeitet haben. Die besten Grüße an Ihre liebe
Gattin so wie an Ihren Herrn Bruder leben Sie recht wohl. Weimar am 16.
Dec. 1797.
=Goethe=
* * * * *
Da ich höre daß Sie uns nach Ostern verlassen wollen, so werde ich mich
um so mehr eilen im März nach Jena zu kommen, um Ihres Umgangs noch
einige Zeit zu genießen. Ich überbringe zugleich das Geld und hoffe von
Ihren neuen Arbeiten etwas zu sehen. Mir ist dieser ganze Winter für das
poetische Fach ungenutzt verstrichen. Geschäffte, Theater und Societät
haben mir alle meine Stunden entweder weggenommen oder unbrauchbar
gemacht.
Herr von Brinkmann, der sich bey Ihnen auch recht wohl gefallen hat, war
uns eine angenehme Erscheinung, seine Lebhaftigkeit und seine
Theilnahme an so vielerley Gegenständen, besonders der Litteratur,
machen seine Unterhaltung recht angenehm.
Ich bin neugierig Gotters letztes Lustspiel zu sehen glauben Sie daß es
auf dem Theater Effect machen werde? Wir erwarten nun die Composition
der Zauberinsel, wir denken die Oper nach Ostern zu geben. Die
Zauberflöte hat wieder viele Zuschauer aus der Nachbarschaft herbey
gelockt.
Leben Sie recht wohl grüßen Sie Ihre liebe Frau und erhalten mir ein
geneigtes Andenken.
Weimar am 24 Febr 1798.
=Goethe=
* * * * *
Durchl. der Herzog haben mir befohlen Sie, werthester Herr Rath, morgen
früh in das sogenannte Römische Haus zu führen, um Sie mit Herrn Melisch
bekannt zu machen, dem großen Verehrer Schäkespears und Bewunderer Ihrer
Uebersetzung.
Wollten Sie deßhalb gegen 11 Uhr bey mir seyn?
Ich hoffe Sie heute Abend in der Comödie zu sehen.
Den 1ten May 1798.
=Goethe=
* * * * *
Für die Mittheilung der Holzschnitte danke ich recht sehr. Wenn Sie
ohnedieß spatziren gehen und bey mir gegen zwölfe anfragen wollen, so
soll es mir angenehm seyn Sie und Ihre Freunde vielleicht zu sehen. Ich
erwarte Gäste von Weimar und diese könnten vielleicht noch vor Tische
eine Promenade wünschen.
G
* * * * *
Ew. Wohlgeb.
übersende die Holzschnitte alter und neuer Art mit vielem Dank, wovon
Sie Herrn Unger seinen Theil gefällig abtragen werden. Einige Blätter
die Ihnen angehören, liegen noch wohl verwahrt in Jena, sobald ich
hinüber komme sollen auch diese zurückgegeben werden.
In meinem Aufsatz, den ich zum zweyten Stück der Propyläen bestimme,
kann ich mit unserm guten Unger nicht einerley Meinung seyn; doch wird
sich zuletzt wohl noch eine Conciliation finden lassen. Das Unglück ist,
daß die Engländer, in ihrer neuen Manier, durch eine viel leichtere
mechanische Behandlungsart, in gewissen Theilen weit mehr leisten als
die Deutschen, nach der alten Weise, jemals zu Wege bringen können.
Diese beyden Behandlungsarten gegen einander zu stellen ist eine Aufgabe
für künftig, diesmal haben wir nur von den Effecten gesprochen.
Leben Sie recht wohl, da Sie zu Ihren Geschäfften Gesundheit und
Heiterkeit so nöthig haben. Ich muß die letzte Hälfte des Decembers
gewöhnlich nur so hin laviren, vielleicht habe ich Anfang Januars das
Vergnügen Sie wieder zu sehen. Weimar d 12 Dec. 1798.
=Goethe=
* * * * *
Heute komme ich schon wieder um Sie um das =Schloß von Otranto= zu
ersuchen. Einige Frauenzimmer, die es noch nicht gelesen haben, möchte
ich gern in diese Wunder einführen.
Dabey schicke ich die ersten Bogen der Propyläen, die Sie vielleicht
nicht ungern etwas frühzeitiger lesen und mir gefällig bald wieder
zurückschicken.
Professor Meyer grüßt. Er hat die Recension von Fiorillo mit viel
Sorgfalt gearbeitet. Er läßt den litterarischen Verdiensten dieses
wackern Mannes volle Gerechtigkeit wiederfahren, und trifft in den
Hauptpuncten durchaus mit ihm überein. Wo Recensent abweicht motivirt er
seine Ursachen sehr klar, wodurch diese Anzeige sehr unterrichtend wird.
Herr Unger hat ganz recht daß sich schon in den frühern Holzschnitten
Spuren finden von der Art welche die Engländer nun so hoch empor gehoben
haben und desto sonderbarer ist es daß man bisher davon keinen Gebrauch
gemacht hat, und daß den Engländern die Ehre der Wiederentdeckung und
Cultur dieser verlohrnen Insel Ehre macht ist nicht zu leugnen. Wenn die
Sache nur erst recht ins Klare ist, giebt uns Herr Unger vielleicht
Muster von beyden mit einer kleinen Abhandlung über die Differenz von
beyden Behandlungsarten.
An der Entdeckung guter und brauchbarer Stoffe in den ältern deutschen
Gedichten zweifle ich keineswegs und hoffe künftig auf deren
Mittheilung.
Ifflands Bekänntnisse will ich nächstens lesen und wünsche zu allem was
Sie vorhaben, Gesundheit und gute Stimmung. Grüßen Sie mir Ihre liebe
Frau und gedenken mein. Weimar am 15 Dec. 1798.
=Goethe=
* * * * *
Ew. Wohlgeb.
sende die Burg von Otranto in einer neuen Hülle zurück. Wenn auch diese
gleich der vorigen wird abgelesen seyn, so möchte wohl vom Buche selbst
nicht viel übrig bleiben.
Die Recension von dem Knebelschen Properz scheint mir sehr gut und
zweckmäßig gerathen und der Gedanke den Verfasser mit sich selbst zu
vergleichen ist freundlich und fruchtbar. Ein Mann wie Knebel verdient
eine zarte Behandlung, da er von Natur zum umändern und ausbessern so
sehr geneigt ist.
Was ich für ihn wünschte wäre daß er sich mit Ihnen in Connexion setzte,
um Ihres Rathes bey der Uebersetzung des Lucrez, auf die er eine
unsägliche Arbeit verwendet, zu genießen. Er liegt, wie Sie aus seiner
Vorrede bemerkt haben, noch an einer kleinen grammatisch prosodischen
Opposition krank. Es würde ihm bey seiner Arbeit zum größten Vortheil
gereichen, wenn wir ihn davon heilen könnten, so daß er die unleugbaren
Fortschritte, die man in den letzten Zeiten gemacht hat, anerkennte,
gewisse Grundsätze zu befolgen sich entschlösse, und dadurch seinen Vers
gewiß manchen Vortheil verschaffte. Ich mache ihm hierauf in einem
Briefe aufmerksam so wie ich mich darüber bald mit Ihnen zu unterhalten
hoffe.
So eben empfange ich den zweyten Theil von Sternbald worüber ich
nächstens mehr schreibe oder spreche.
Der ich recht wohl zu leben wünsche. Weimar am 28 Dec. 98.
=Goethe=
* * * * *
Nur Ein Wort zur Begleitung des zweyten Stücks der Propyläen und des
ersten Buches des Lukrez.
Die Vorbereitungen zu den Piccolomini nehmen uns alle Zeit weg, wir
haben nur noch acht Tage übrig, das Stück wird den 30ten Jänner und den
2ten Februar gegeben, Freytag den 1ten wird Redoute seyn, ich hoffe Sie
werden diese Feyerlichkeiten nicht ganz verschmähen.
Den größten Theil des Februars hoffe ich in Jena zuzubringen.
Der ich recht wohl zu leben wünsche. Weimar am 22 Januar 1799.
=Goethe=
* * * * *
Für das übersendete dritte Stück des Athenäums habe ich meinen Dank
nicht schrifftlich abgestattet weil ich bald nach Jena zu kommen hoffte,
wo ich mich denn auch befinde.
Wollten Sie die Güte haben mir die Bände des Wallpol durch Ueberbringern
zu überschicken, so wollte ich solche gelegentlich nach Weimar senden um
die übrigen dagegen zu erhalten.
Der ich recht wohl zu leben wünsche und Sie bald zu sehen hoffe. Jena am
26 März 1799.
=Goethe=
* * * * *
Indem ich das Buch über die Religion mit Dank wieder zurück schicke,
lege ich auch den Lukrez wieder bey wenn Sie für dieses Werk etwas thun
können was es auch sey, so werden Sie mir eine Gefälligkeit erzeigen
sowohl ich als der Verfasser würden es dankbar erkennen wenn Sie auch
nur im allgemeinen einige Bemerkungen machen wollten. Ich wünsche recht
wohl zu leben und hoffe Sie bald wieder zu sehen.
Jena am 14 Octobr 1799.
=Goethe=
* * * * *
Mit den freundlichsten Wünschen zum neuen Jahre sende ich das fünfte
Propyläenstück, dem ich Ihren und der Ihrigen Antheil wünsche.
Von den alten französischen Romanen habe ich nichts im Original
auftreiben können, indessen ist mir ein betagter deutscher Foliant in
die Hände gefallen, der den Titel =des Buchs der Liebe= führt und in
welchem sich die Geschichte des =Tristans= und der =Iselde= befindet.
Zwar weiß ich nicht, ob es eine Uebersetzung oder Umarbeitung ist, doch
wenn Sie das Buch überhaupt noch nicht gesehen haben, so wird es
interessant seyn es durchzulaufen.
Ich habe mich bisher möglichst fleißig gehalten und besonders an dem
allgemeinen Schema der Farbenlehre fortgearbeitet, wobey mich Herrn
Professor Schellings Neigung zu meiner Arbeit nicht wenig gefördert hat.
Vielleicht schicke ich bald eine Abschrift meiner Elegieen zu
nochmaliger gefälliger Durchsicht.
Sagen Sie mir doch auch was Sie und ihre Nächsten in dieser Zeit
vorgenommen haben.
Leben Sie recht wohl und gedenken mein.
Weimar am 1 Januar 1800.
=Goethe.=
* * * * *
Seit dem neuen Jahre habe ich vergebens gehofft Sie, und wäre es auch
nur auf kurze Zeit, in Jena zu sehen. Auch den nächsten Monat komme ich
schwerlich hier los. Ich nehme mir daher die Freyheit die Elegien zu
überschicken, über die ich mich mit Ihnen gern noch mündlich unterhalten
hätte.
Es sind zwey Exemplare, in dem einen werden Sie die von uns
angestrichenen Stellen, in dem andern die Correcturen finden die ich
versucht habe. Vielleicht finden Sie Mittel die bisher refractairen
Stellen zu zwingen. Sollte es nicht überall gehen; so wollen wir uns
drein ergeben und der Zukunft etwas vorbehalten.
Wenn wir uns wiedersehen habe ich manches mitzutheilen und ich bin
überzeugt daß von Ihrer Seite ein Gleiches nicht fehlen wird.
Leben Sie recht wohl und erneuern Sie mein Andenken in Ihrem Kreise.
Weimar am 26 Febr 1800.
=Goethe=
* * * * *
Durch die Vorschläge zur Verbesserung meiner Elegieen haben Sie mir eine
besondere Gefälligkeit erzeigt. Ich habe sie meistens eingeschaltet und
nun folgt mit meinem Dank freylich auch die zweyte Sammlung. Sogar die
Epigramme werden nachkommen, welche Ihrer Theilnahme vielleicht am
meisten bedürfen.
Meine gegenwärtige Lage ist so unpoetisch als uncritisch und es sind mir
daher bey diesem Geschäfft, dem ich nicht ausweichen kann die
freundschafftlichen Winke um desto schätzbarer.
Mit Verlangen erwarte ich was Sie und Ihre Geistesverwandten uns neues
zubereiten. Grüßen Sie alle.
Den guten Tiek bedaure ich sehr. Ich habe diese Zeit her manchmal an ihn
gedacht und beklagt, daß ein so schönes Talent, in seiner Blüthe, solche
Hindernisse freyer und fröhlicher Kraftausübung erfahren soll.
Haben Sie doch die Güte Herrn Professor Schelling zu sagen: daß der Van
Cower bey mir liegt. Unter den Karten findet sich nichts daß auf
Abweichung der Magnetnadel Bezug hätte. Das Werk selbst konnte ich nicht
durchlaufen und habe es bis jetzt nicht geschickt, weil es drey große
Quartbände sind.
Vielleicht kann mir Herr Schelling bezeichnen welcher von diesen Bänden
ihm interessant ist, sonst kann ich sie auf Verlangen alle drey senden.
Leben Sie recht wohl und erhalten mir ein geneigtes Andenken, so wie ich
immer an dem was Sie leisten, so wie an dem was Ihnen begegnet einen
lebhaften Antheil nehme. Weimar am 5 März 1800.
=Goethe=
* * * * *
Auch die Epigramme folgen hier zu gefälliger Durchsicht. Wie sehr hätte
ich gewünscht diese Revision mit Ihnen in Jena machen zu können, da die
Deliberation in einem solchen Falle so instructiv ist.
Sie finden ein einziges neues Epigramm und ich habe sie überhaupt nicht
numerirt weil Sie vielleicht eins oder das andere heraus votiren wenn es
gar zu refractair seyn sollte. Wie z. B. das mit dem doppelten Ueberall.
Die Weissagungen des Bakis sollten eigentlich zahlreicher seyn damit
selbst die Masse verwirrt machte. Aber der gute Humor, der zu solchen
Thorheiten gehört, ist leider nicht immer bey der Hand.
Auch lege ich die Metamorphose der Pflanzen bey die denn leider sehr
isolirt stehen wird.