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Weimar am 2 Octobr 1803.
Vom werthen Schelling weiß ich leider nichts zu sagen als daß jeder
Gedanke an ihn von dem Bedauern über seinen Verlust begleitet ist. Man
sagt er sey in Würzburg wirklich angestellt. Ich wünsche ihm, wo er auch
sey, das Glück das er verdient.
So eben gehen mir noch Belobungsschreiben wegen der gestrigen Aufführung
zu. Man bemerkt daß das Stück in England nie unverkürzt und seit 50
Jahren gar nicht mehr gegeben worden weil Garrick selbst einmal daran
gescheitert war. Man erinnert sich des großen Aufwandes den Herr
v. Dalberg in Manheim vormals gemacht hatte ohne das Stück beleben oder
lebendig erhalten zu können.
Sie nehmen gewiß Theil an der Freude dieses Gelingens. An Sorgfalt haben
wir es wenigstens nicht fehlen lassen. Nächstens mehr.
G
Am 3ten Octobr.
Bey dem Rumor, welchen die Aufführung des Cäsars erregt hat es mich sehr
gefreut daß das Publikum unaufgefordert einsieht daß nur Ihre
Uebersetzung eine solche Darstellung möglich gemacht. Ich wünsche daß
Sie Zeuge seyn mögen von der guten Disposition die dadurch entstanden.
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Meine letzten Blätter die ich abschickte, waren, so viel ich mich
erinnere nur voll von Julius Cäsar, und Sie haben gewiß, statt mir die
Leidenschafft zu verargen, mein Interesse getheilt. Heute und morgen
Abend beschäftigen mich wieder die Proben davon, um so manches
nachzuholen und aufzuputzen. Sonabend den 8ten wird die zweyte
Vorstellung seyn.
Einen Kunstgriff muß ich Ihnen noch mittheilen, den ich gebraucht, um
die Sinnen zu reizen und zu beschäftigen; ich habe nämlich den
Leichenzug viel weiter ausgedehnt als das Stück ihn fordert, und, nach
den Ueberlieferungen aus dem Alterthum, mit blasenden Instrumenten,
Lictoren, Fahnenträgern, mit verschiedenen _Feretris_, welche Städte,
Burgen, Flüsse, Bilder der Vorfahren, zum schauen bringen, ferner mit
Freygelassnen, Klageweibern, Verwandten &c. ausgeschmückt, daß ich
dadurch auch die rohere Masse heranzuziehen, bey halbgebildeten, dem
Gehalte des Stücks mehr Eingang zu verschaffen und gebildeten ein
geneigtes Lächeln abzugewinnen hoffe.
Ich breche ab, mit dem Wunsche daß Sie es selbst sehen mögen; denn sonst
käm' ich in Gefahr wieder ein Blatt nach dem andern mit Betrachtungen
über den Werth des Stücks, so wie der Uebersetzung, über unsere
bisherige Leistungen und über unsere ernstlichen Vorsätze auszufüllen.
Lassen Sie uns dagegen ein Wort von dem critischen Institute sprechen.
Sie haben das was dabey zu thun ist in Ihrem ersten Briefe so gut
geschildert, daß ich nichts hinzu zu setzen brauche.
Die versäumten Bücher nachzuholen ist allerdings ein Haupterforderniß
und kann gleich dadurch das erste Vierteljahr gehaltvoll werden. Mögen
Sie mir also Beyträge zu dem Verzeichniß, mit einigen Vorschlägen der
Vertheilung, liefern, so werden Sie unsere Entschlüsse beschleunigen und
bestimmen helfen.
An Herrn Steffens lege ich einen Brief offen bey; Sie werden auch aus
demselben sehen daß wir durchaus einstimmig sind. Es kann auch wohl bey
Männern die die Sache durchschauen nur Eine Stimme seyn.
Durchaus hoffe ich das Beste. Denn wenn diejenigen die productiv sind
und auf mancherley Weise etwas leisten können, die Critik im
eigentlichen Sinne, nicht wohl treiben mögen; so ist es denn doch auch
erfreulich gelegentlich die Ideen und Maximen, von denen unsere übrige
Thätigkeit geleitet und bestimmt wird, auszusprechen und auch durch die
Reflexion dem Unsichtbaren und unaussprechlichen eine Art von Körper zu
leihen. Und dieß bey Gelegenheit, nicht etwa _ex professo_, wozu man
sich nicht leicht entschließt. Hiemit lassen Sie mich endigen, damit der
Brief heute fortkomme.
Sollte es Ihre Lage, wie ich wünsche, erlauben uns zu besuchen; so
wünsche ich es bey Zeiten zu erfahren damit Sie mich in Weimar finden.
W. d. 6ten Octobr 1803.
G
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Daß wir von einem Posttage zum andern auf Ihre bedeutenden Beyträge
warten, können Sie wohl selbst denken. Von Ihnen, Steffens, Bernardi,
Schleyermacher vernehmen wir kein Wort, möchten Sie doch sämmtlich bald
sich desto erfreulicher zeigen! Mehr sage ich nicht und füge nur ein
herzliches Lebewohl hinzu
Weimar am 12 Jan. 1804.
=Goethe=
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Könnt ich einen bessern Dank für das Ueberschickte und einen bedeutendern
Gruß als durch HE. Hofr. v. Müller übermachen