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Sehr ungern, seyen Sie versichert, entschloß ich mich zu dem
unangenehmen Schritt, aber die Umstände forderten ihn längst. Ihnen
mache ich keinen Vorwurf, und ich will Ihrer Versicherung, daß Sie Sich
gegen mich nichts vorzuwerfen haben, gerne glauben, aber dadurch wird
leider nichts verändert, weil bei den großen Ursachen zum Mißvergnügen,
die Ihr Herr Bruder mir gegeben hat und noch immer zu geben fortfährt,
das gegenseitige Vertrauen zwischen Ihnen und mir nicht bestehen kann.
Ein Verhältniß, das durch eine natürliche Verbindung von Umständen
unmöglich gemacht wird läßt sich mit dem beßten Willen nicht erhalten.
In meinem engen Bekanntschaftskreise muß eine volle Sicherheit und ein
unbegränztes Vertrauen seyn, und das kann, nach dem was geschehen, in
unserm Verhältniß nicht statt finden. Beßer also wir heben es auf, es
ist eine unangenehme Nothwendigkeit, der wir, beide unschuldig wie ich
hoffe, nachgeben müssen; dieß bin ich mir schuldig, da niemand begreifen
kann, wie ich zugleich der Freund Ihres Hauses und der Gegenstand von
den Insulten Ihres Bruders seyn kann.
Versichern Sie _Madame Schlegel_, dass ich von dem lächerlichen
Gerüchte, Sie sey die Verfaßerin von jener _Recension_ nie Notiz
genommen habe, und sie überhaupt für zu verständig halte, als daß sie
sich in solche Dinge mische.
_=Schiller.=_
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Ich hatte in jedem Falle darauf gerechnet, daß Sie Ihren Antheil an dem
Almanach fortsetzen würden, und Göthe hat es mir, wie er hier war, auch
in Ihrem Nahmen bestätigt. Mit der angenehmsten Erwartung sehe ich daher
Ihrem Beitrag entgegen. Es ist noch nichts am Druck angefangen und kommt
wahrscheinlich vor einem Monat nicht dazu, weil Schrift und Papier noch
erwartet werden.
=Sch.=
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An Kosegarten hab ich vor etwa 3 Wochen geschrieben, und ersuche Sie
also, wenn Sie ihm antworten, sich darauf zu beziehen und ihn von
meinetwegen zu grüßen. Die Ankündigung, welche ich eben durchlas, ist
possierlich genug.
Gotters Geisterinsel wird mir ein sehr angenehmer Beitrag zu den Horen
seyn, und auch das andre Stück, wenn es hergestellt werden kann, nehme
ich mit Vergnügen. Wollen Sie also einstweilen um das erstere schreiben,
so erweisen Sie mir ein Gefallen. Sobald es abgedruckt ist, werde ich
_Cotta_ bitten, das _Honorar_ von 4 _Ldor_ _pr_ Bogen gleich zu
bezahlen.
_J._ 3. _Jul._ 97
_=Schiller.=_
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Sie haben mir mit Ihrem Gedicht eine große Freude gemacht, der
Gegenstand ist mit einer edlen Würde und einem philosophischen Schwung
behandelt, Sprache und Vers sind vortrefflich. Manche möchten das
Silbenmaß bei einem so uralten Stoffe zu modern finden. Diesen können
Sie aber sehr befriedigend antworten, daß die _philosophi_sche
Behandlung des Stoffes denselben an sich schon aus seiner Urwelt heraus
in ein modernes raisonnierendes Zeitalter versetzt. Zu Ihrer Behandlung
würde der _Hexameter_ sich durchaus nicht geschickt haben, da er
schlechterdings eine eigentliche und nicht _allegori_sche Ausführung des
Gedankens gefodert hätte, und ich finde daher, daß Ihr Gefühl Sie ganz
richtig geleitet hat.
Indeßen wünschte ich, eben dieser symbolischen und _allegori_schen
Behandlung wegen, daß man noch weniger als geschehen ist an den alten
Prometheus erinnert würde. Dieser stiehlt das wirkliche und natürliche
Feuer, und mit diesem macht er den Menschen ein Geschenk; der _Actus_
des Feuerraubes durfte also von dem alten Dichter mit aller
Umständlichkeit versinnlicht werden; weil aber bey Ihrer Behandlung der
symbolische Verstand gleich aufgefodert wird, das natürliche Feuer zu
verlaßen und in einer übersinnlichen Bedeutung zu nehmen, so kommt die
_Imagination_ des Lesers durch alle diejenigen Schilderungen ins
Gedränge, die dem Feuer als Feuer gelten. Ich würde deßwegen rathen über
diesen _delicaten_ Punkt so leis als nur möglich ist wegzugehen. Auch
würde es, däucht mir, eine beßere Wirkung thun, wenn Sie das Feuer nicht
vom Wagen selbst, sondern etwa von einer Fackel nehmen ließen, weil die
Phantasie weit eher mit einer brennenden Fackel als mit einem
lichtausstrahlenden Wagen die Idee des geistischen Feuers verknüpfen
kann, und überhaupt wird das Feuer um so kostbarer und edler, je
einfacher und sparsamer seine Quelle ist.
Noch wäre mein Rath, um den Leser gleich an der Fronte des Gedichts in
den rechten Standpunkt zu rücken und aller Mißdeutung vorzubeugen, daß
Sie das Gedicht: =Eine Allegorie= überschrieben, denn das ist es im
strengsten Sinne und der Beurtheiler muß diesen Begriff vor Augen haben.
Da Sie es noch nicht überschrieben haben, so lege ich es hier bey, bitte
aber, es mir bald wieder zurückzuschicken, so wie ich auch das andere,
was Sie noch für den Almanach bestimmt haben, mit Verlangen erwarte.
_Jena_ 27. _Jul._ 97.