S.

Der symbolische Gebrauch des Feuers verwickelt Sie in eine

Schwierigkeit, die ich kaum für auflöslich halte, doch muß ich Sie

darauf aufmerksam machen. Wie das =natürliche= Feuer dem ganzen

Menschengeschlecht kann mitgetheilt werden, indem ein Gott es einem

einzelnen Menschen schenkt, das ist begreiflich: aber um das

übersinnliche Feuer =den= Menschen mitzutheilen, müßte _Prometheus_ es

entweder allen _exi_stierenden _Individuen_ einflößen, und also den

_Actus_ hunderttausendfältig wiederhohlen, oder er muß einen neuen

Menschen (oder vielmehr ein neues Menschenpaar) bilden, von dem das

ganze Geschlecht entspringt und das Feuer erbt. Wo kommen aber nun die

_exi_stierenden Menschen hin, von denen eben ja die Rede war, für welche

Prometheus das Mitleid empfand, die den Gedanken in ihm veranlaßt haben?

Eh er seinen neuen Menschen bildet, ist schon ein ganzes lebendes

Geschlecht da -- wohin kommt das? u. dergleichen Fragen mehr, die sich

von selber aufdringen.

* * * * *

Ihr Gedicht überrascht mich sehr angenehm. Es ist überaus zart und

lieblich, und eben so schön ausgedrückt als empfunden.

Von den Abänderungen die Herr G. mit seinem Gedicht vorgenommen, soll

Gebrauch gemacht werden. Ich werde ihn recht gerne kennen lernen. Weil

ich aber schon seit mehreren Wochen anfangs durch die entsetzliche Hitze

und jetzt durch einen _Catarrh_ mich sehr angegriffen fühle, daß ich an

nichts Interesse nehmen mag, so will ich noch ein paar Tage abwarten und

ihn dann zu mir einladen.

Es wäre schön, wenn Sie noch eine _Ballade_ in den Almanach stiften

wollten und Platz wollte ich schon finden. Ich habe ohnehin gern einen

Vorwand bey mir selbst, manche überlästige Herren, die sich im Almanach

aufpakten, wieder herauszuwerfen. Die Zudringlichkeit dieser Herren ist

über alle Begriffe.

Briefe Schillers und Goethes an A. W. Schlegel Aus den Jahren 1795 bis 1801, und 1797 bis 1824, nebst einem Briefe Schlegels an Schiller · 第 13 / 22 题