1. _Dec._ 96

=Sch.=

Da Sie, wie mir HE. Gries sagte, früher von hier reisen, als _Cotta_

hieherkommt und die Horenrechnung für 1797. abschließt, so sende ich

Ihnen den Betrag dessen, was wir Ihnen für Ihre Gedichte zum Almanach

und den Aufsatz in den _Horen_ zu bezahlen haben. Ich bitte um ein paar

Zeilen zur Quittung.

Meine Einladung zum künftigen Almanach wiederhohle ich Ihnen nicht, denn

die alte gilt für Immer.

Jena 7. May.

1797.

=Sch.=

* * * * *

Sie erhalten hier, was ich Ihnen nach Abzug des kleinen Rests von der

Böhmischen _Assignation_ noch zu bezahlen habe, und so wäre unsre

Rechnung geschloßen.

Es hat mir Vergnügen gemacht, Ihnen durch Einrückung Ihrer

Uebersetzungen aus _Dante_ und _Shakespear_ in die _Horen_ zu einer

Einnahme Gelegenheit zu geben, wie man sie nicht immer haben kann, da

ich aber vernehmen muß, dass mich HE. _Frid. Schlegel_ zu der nehmlichen

Zeit, wo ich Ihnen diesen Vortheil verschaffe, öffentlich deßwegen

schilt, und der Uebersetzungen zuviele in den _Horen_ findet, so werden

Sie mich für die Zukunft entschuldigen.

Und um Sie, einmal für allemal, von einem Verhältniß frey zu machen, das

für eine offene Denkungsart und eine zarte Gesinnung nothwendig lästig

seyn muß, so lassen Sie mich überhaupt eine Verbindung abbrechen, die

unter so bewandten Umständen gar zu sonderbar ist, und mein Vertrauen zu

oft schon _compromitt_ierte.

_Jena_ 31. _May._ 97

_=Sch.=_

[A. W. Schlegel]

=An _Schiller_.=

Im höchsten Grade betroffen über Ihre unerwartete Erklärung, die einem

Verhältnisse ein Ende machen soll, welches ich zu den glücklichsten

Umständen meines hiesigen Lebens rechnete, eile ich nur wenigstens

einige Zeilen zu meiner Rechtfertigung hinzuwerfen, in der Hoffnung daß

Sie mir Gelegenheit geben werden, Ihnen jeden Zweifel über die Geradheit

meines Betragens, der Ihnen beygebracht seyn könnte, zu benehmen.

Da ich durchaus keine Art von Autorität über meinen Bruder besitze,

keine Macht ihn von etwas abzuhalten, was ich auch noch so sehr

misbilligen möchte, so würde ich in der That sehr unglücklich seyn, wenn

ich für alle seine Schritte (die ich überdieß erst hinterdrein erfahre

wenn Sie schon öffentlich geworden sind) verantwortlich gemacht werden

sollte. Wenn mein Rath und meine dringenden Vorstellungen etwas

gefruchtet hätten, so hätte er seinen Brief über den Almanach von 96 gar

nicht drucken lassen. Daß diese Manier zu urtheilen mit einigen

spottenden Einfällen erwiedert ward, fand ich sehr natürlich und billig,

und hätte von Herzen gewünscht, daß er es dabei hätte bewenden lassen.

Er kannte den Grad meiner Anhänglichkeit an Sie, und es war also eine

ausgemachte Sache unter uns, daß er sich nie gegen mich über irgend

etwas äußerte, was mein Verhältniß zu Ihnen auf das entfernteste betraf.

Ich brauche Ihnen wohl nicht zu betheuern, daß er mir eine Beurtheilung

der Horen, die auch gegen mich mit gerichtet war, weil ich es mir zur

Ehre schätze, daran bis jetzt Theil genommen zu haben, nicht vor dem

Drucke wird gezeigt haben. Noch bis jetzt habe ich sie nicht gelesen.

Die Art, wie ich letzthin über die Streitigkeit mit Woltmann mit Ihnen

sprach, muß Sie davon überzeugen. Ich weiß auch nicht wie viel Antheil

er an jener Rezension hat, vermuthe aber aus Aeußerungen von ihm über

die Woltmannsche Sache, daß er sie nicht ganz gemacht.

Woltmann hat hier in Jena ausgebreitet, nicht mein Bruder sondern meine

Frau habe das Urtheil über den Theoderich geschrieben. Wenn dieß Gerücht

auch zu Ihnen gekommen ist, wie ich vermuthen muß (ich hatte schon am

Sonnabend Abend die Absicht, mit Ihnen davon zu sprechen), so betheure

ich Ihnen hiermit auf meine Ehre daß es eine Unwahrheit ist, daß meine

Frau weder über den Theoderich noch sonst auch nur eine Zeile an jener

Rezension geschrieben hat. Ich bin zu Woltmann gegangen, und habe ihn

über dieses unbesonnene und, da er das Urtheil für unverschämte Lüge

oder Ignoranz erklärt hat, höchst beleidigende Geschwätz sehr ernsthaft

zur Rede gestellt. Er hat auch gleich so weit zurückgezogen, daß er

vorgegeben hat, er habe es nur aus Vermuthung geäußert, weil er aus den

Billetern meines Bruders vermuthe daß dieser nicht selbst Verfasser sey,

aber den ihn nahe angehenden Verfasser vertreten wolle. Dieß ist

indessen nur eine Ausflucht von ihm, und wenn er länger hier geblieben

wäre, so würde ich ihn genöthigt haben, jene Behauptung bei Personen wo

er sie bestimmt geäußert förmlich zu widerrufen.

Ich bin mir bewußt, ihr Vertrauen nie, auch in der geringsten

Kleinigkeit nicht gemisbraucht und nie der Dankbarkeit entgegen

gehandelt zu haben, die ich Ihnen für so viel Güte und Theilnahme an

meinem Glück ewig schuldig bin. Wenn Sie je einige Freundschaft für mich

gehegt haben, so versagen Sie mir die Bitte nicht, Ihnen bald mündlich

meine gänzliche Unschuld an diesem unglücklichen Misverhältniß

darzulegen; soll es mich aber durchaus ihres Umganges berauben, so

werde ich doch nie aufhören mit der wärmsten Verehrung und

Anhänglichkeit zu seyn

Briefe Schillers und Goethes an A. W. Schlegel Aus den Jahren 1795 bis 1801, und 1797 bis 1824, nebst einem Briefe Schlegels an Schiller · 第 11 / 22 题