=Sch.=
Da Sie, wie mir HE. Gries sagte, früher von hier reisen, als _Cotta_
hieherkommt und die Horenrechnung für 1797. abschließt, so sende ich
Ihnen den Betrag dessen, was wir Ihnen für Ihre Gedichte zum Almanach
und den Aufsatz in den _Horen_ zu bezahlen haben. Ich bitte um ein paar
Zeilen zur Quittung.
Meine Einladung zum künftigen Almanach wiederhohle ich Ihnen nicht, denn
die alte gilt für Immer.
Jena 7. May.
1797.
=Sch.=
* * * * *
Sie erhalten hier, was ich Ihnen nach Abzug des kleinen Rests von der
Böhmischen _Assignation_ noch zu bezahlen habe, und so wäre unsre
Rechnung geschloßen.
Es hat mir Vergnügen gemacht, Ihnen durch Einrückung Ihrer
Uebersetzungen aus _Dante_ und _Shakespear_ in die _Horen_ zu einer
Einnahme Gelegenheit zu geben, wie man sie nicht immer haben kann, da
ich aber vernehmen muß, dass mich HE. _Frid. Schlegel_ zu der nehmlichen
Zeit, wo ich Ihnen diesen Vortheil verschaffe, öffentlich deßwegen
schilt, und der Uebersetzungen zuviele in den _Horen_ findet, so werden
Sie mich für die Zukunft entschuldigen.
Und um Sie, einmal für allemal, von einem Verhältniß frey zu machen, das
für eine offene Denkungsart und eine zarte Gesinnung nothwendig lästig
seyn muß, so lassen Sie mich überhaupt eine Verbindung abbrechen, die
unter so bewandten Umständen gar zu sonderbar ist, und mein Vertrauen zu
oft schon _compromitt_ierte.
_Jena_ 31. _May._ 97
_=Sch.=_
[A. W. Schlegel]
=An _Schiller_.=
Im höchsten Grade betroffen über Ihre unerwartete Erklärung, die einem
Verhältnisse ein Ende machen soll, welches ich zu den glücklichsten
Umständen meines hiesigen Lebens rechnete, eile ich nur wenigstens
einige Zeilen zu meiner Rechtfertigung hinzuwerfen, in der Hoffnung daß
Sie mir Gelegenheit geben werden, Ihnen jeden Zweifel über die Geradheit
meines Betragens, der Ihnen beygebracht seyn könnte, zu benehmen.
Da ich durchaus keine Art von Autorität über meinen Bruder besitze,
keine Macht ihn von etwas abzuhalten, was ich auch noch so sehr
misbilligen möchte, so würde ich in der That sehr unglücklich seyn, wenn
ich für alle seine Schritte (die ich überdieß erst hinterdrein erfahre
wenn Sie schon öffentlich geworden sind) verantwortlich gemacht werden
sollte. Wenn mein Rath und meine dringenden Vorstellungen etwas
gefruchtet hätten, so hätte er seinen Brief über den Almanach von 96 gar
nicht drucken lassen. Daß diese Manier zu urtheilen mit einigen
spottenden Einfällen erwiedert ward, fand ich sehr natürlich und billig,
und hätte von Herzen gewünscht, daß er es dabei hätte bewenden lassen.
Er kannte den Grad meiner Anhänglichkeit an Sie, und es war also eine
ausgemachte Sache unter uns, daß er sich nie gegen mich über irgend
etwas äußerte, was mein Verhältniß zu Ihnen auf das entfernteste betraf.
Ich brauche Ihnen wohl nicht zu betheuern, daß er mir eine Beurtheilung
der Horen, die auch gegen mich mit gerichtet war, weil ich es mir zur
Ehre schätze, daran bis jetzt Theil genommen zu haben, nicht vor dem
Drucke wird gezeigt haben. Noch bis jetzt habe ich sie nicht gelesen.
Die Art, wie ich letzthin über die Streitigkeit mit Woltmann mit Ihnen
sprach, muß Sie davon überzeugen. Ich weiß auch nicht wie viel Antheil
er an jener Rezension hat, vermuthe aber aus Aeußerungen von ihm über
die Woltmannsche Sache, daß er sie nicht ganz gemacht.
Woltmann hat hier in Jena ausgebreitet, nicht mein Bruder sondern meine
Frau habe das Urtheil über den Theoderich geschrieben. Wenn dieß Gerücht
auch zu Ihnen gekommen ist, wie ich vermuthen muß (ich hatte schon am
Sonnabend Abend die Absicht, mit Ihnen davon zu sprechen), so betheure
ich Ihnen hiermit auf meine Ehre daß es eine Unwahrheit ist, daß meine
Frau weder über den Theoderich noch sonst auch nur eine Zeile an jener
Rezension geschrieben hat. Ich bin zu Woltmann gegangen, und habe ihn
über dieses unbesonnene und, da er das Urtheil für unverschämte Lüge
oder Ignoranz erklärt hat, höchst beleidigende Geschwätz sehr ernsthaft
zur Rede gestellt. Er hat auch gleich so weit zurückgezogen, daß er
vorgegeben hat, er habe es nur aus Vermuthung geäußert, weil er aus den
Billetern meines Bruders vermuthe daß dieser nicht selbst Verfasser sey,
aber den ihn nahe angehenden Verfasser vertreten wolle. Dieß ist
indessen nur eine Ausflucht von ihm, und wenn er länger hier geblieben
wäre, so würde ich ihn genöthigt haben, jene Behauptung bei Personen wo
er sie bestimmt geäußert förmlich zu widerrufen.
Ich bin mir bewußt, ihr Vertrauen nie, auch in der geringsten
Kleinigkeit nicht gemisbraucht und nie der Dankbarkeit entgegen
gehandelt zu haben, die ich Ihnen für so viel Güte und Theilnahme an
meinem Glück ewig schuldig bin. Wenn Sie je einige Freundschaft für mich
gehegt haben, so versagen Sie mir die Bitte nicht, Ihnen bald mündlich
meine gänzliche Unschuld an diesem unglücklichen Misverhältniß
darzulegen; soll es mich aber durchaus ihres Umganges berauben, so
werde ich doch nie aufhören mit der wärmsten Verehrung und
Anhänglichkeit zu seyn