Nach einer Zeit sagte der Ritter Blaubart zu seiner jungen Frau: „Ich

muß verreisen und übergebe dir die Obhut über das ganze Schloß, Haus und

Hof, mit allem, was dazu gehört. Hier sind auch die Schlüssel zu allen

Zimmern und Gemächern, in alle diese kannst du zu jeder Zeit eintreten.

Aber dieser kleine goldne Schlüssel schließt das hinterste Kabinett am

Ende der großen Zimmerreihe. In dieses, meine Teure, muß ich dir

verbieten zu gehen, so lieb dir meine Liebe und dein Leben ist. Würdest

du dieses Kabinett öffnen, so erwartete dich die schrecklichste Strafe

der Neugier. Ich müßte dir dann mit eigner Hand das Haupt vom Rumpfe

trennen!“ — Die Frau wollte auf diese Rede den kleinen goldnen Schlüssel

nicht annehmen, indes mußte sie dies tun, um ihn sicher aufzubewahren,

und so schied sie von ihrem Mann mit dem Versprechen, daß es ihr nie

einfallen werde, jenes Kabinett aufzuschließen und es zu betreten.

Als der Ritter fort war, erhielt die junge Frau Besuch von ihrer

Schwester und ihren Brüdern, die gerne auf die Jagd gingen; und nun

wurden mit Lust alle Tage die Herrlichkeiten in den vielen vielen

Zimmern des Schlosses durchmustert, und so kamen die Schwestern auch

endlich an das Kabinett. Die Frau wollte, obschon sie selbst große

Neugierde trug, durchaus nicht öffnen, aber die Schwester lachte ob

ihrer Bedenklichkeit und meinte, daß Ritter Blaubart darin doch nur aus

Eigensinn das Kostbarste und Wertvollste von seinen Schätzen verborgen

halte. Und so wurde der Schlüssel mit einigem Zagen in das Schloß

gesteckt, und da flog auch gleich mit dumpfem Geräusch die Türe auf, und

in dem sparsam erhellten Zimmer zeigten sich — ein entsetzlicher

Anblick! — die blutigen Häupter aller früheren Frauen Ritter Blaubarts,

die ebensowenig wie die jetzige dem Drang der Neugier hatten widerstehen

können, und die der böse Mann alle mit eigner Hand enthauptet hatte. Vom

Tod geschüttelt, wichen jetzt die Frauen und ihre Schwester zurück; vor

Schreck war der Frau der Schlüssel entfallen, und als sie ihn aufhob,

waren Blutflecke daran, die sich nicht abreiben ließen, und ebensowenig

gelang es, die Türe wieder zuzumachen, denn das Schloß war bezaubert,

und indem verkündeten Hörner die Ankunft Berittener vor dem Tore der

Burg. Die Frau atmete auf und glaubte, es seien ihre Brüder, die sie von

der Jagd zurückerwartete, aber es war Ritter Blaubart selbst, der nichts

Eiligeres zu tun hatte, als nach seiner Frau zu fragen, und als diese

ihm bleich, zitternd und bestürzt entgegentrat, so fragte er nach dem

Schlüssel; sie wollte den Schlüssel holen und er folgte ihr auf dem

Fuße, und als er die Flecke am Schlüssel sah, so verwandelten sich alle

seine Gebärden und er schrie: „Weib, du mußt nun von meinen Händen

sterben! Alle Gewalt habe ich dir gelassen! Alles war dein! Reich und

schön war dein Leben! Und so gering war deine Liebe zu mir, du schlechte

Magd, daß du meine einzige geringe Bitte, meinen ernsten Befehl nicht

beachtet hast? Bereite dich zum Tode! Es ist aus mit dir!“

Voll Entsetzen und Todesangst eilte die Frau zu ihrer Schwester und bat

sie, geschwind auf die Turmzinne zu steigen und nach ihren Brüdern zu

spähen, und diesen, sobald sie sie erblicke, ein Notzeichen zu geben,

während sie sich auf den Boden warf und zu Gott um ihr Leben flehte. Und

dazwischen rief sie: „Schwester! Siehst du noch niemand?“ — „Niemand!“

klang die trostlose Antwort. — „Weib! komm herunter!“ schrie Ritter

Blaubart, „deine Frist ist aus!“

„Schwester! siehst du niemand?“ schrie die Zitternde. „Eine Staubwolke —

aber ach, es sind Schafe!“ antwortete die Schwester. — „Weib! komm

herunter oder ich hole dich!“ schrie Ritter Blaubart.

„Erbarmen! Ich komme ja sogleich! Schwester! siehst du niemand?“ — „Zwei

Ritter kommen zu Roß daher, sie sahen mein Zeichen, sie reiten wie der

Wind.“

„Weib! Jetzt hole ich dich!“ donnerte Blaubarts Stimme, und da kam er

die Treppe herauf. Aber die Frau gewann Mut, warf ihre Zimmertüre ins

Schloß und hielt sie fest, und dabei schrie sie samt ihrer Schwester so

laut um Hilfe, wie sie beide nur konnten. Indessen eilten die Brüder wie

der Blitz herbei, stürmten die Treppe hinauf und kamen eben dazu, wie

Ritter Blaubart die Türe sprengte und mit gezücktem Schwert in das

Zimmer drang. Ein kurzes Gefecht und Ritter Blaubart lag tot am Boden.

Die Frau war erlöst, konnte aber die Folgen ihrer Neugier lange nicht

verwinden.

Goldhähnchen.

Es lebte einmal ein alter Mann in einem Waldhäuschen, der besaß außer

mehreren Kindern auch ein _Goldhähnchen_, das ist der kleinste unter den

europäischen Vögeln und gehört in das Geschlecht der Zaunkönige. Dieses

allerliebste Vögelchen hatte der Alte sehr lieb, und die Kinder hatten

es nicht minder lieb, und wie der Alte starb, so sagte er zu den

Kindern: „Verkauft nur ja das Goldhähnchen nicht, denn das ist ein

Glücksvögelchen.“ Aber wie der Alte gestorben war, kehrte Not und Mangel

in das Häuschen der Kinder ein. Nun legte Goldhähnchen jede Woche ein Ei

so groß wie eine Erbse und von erbsengelber Farbe. Diese Eier hatte der

Vater immer fortgetragen und war mit Geld und Lebensmitteln

zurückgekehrt. Da nun die Lebensmittel ausgegangen waren, entschloß sich

der älteste Sohn, die indes gelegten Eier zu nehmen und sie

feilzubieten. Wo er die Goldhähncheneier aber anbot, wurde er

ausgelacht, und endlich gab ihm ein Mann, den der arme hungernde Knabe

dauerte, aus Mitleid ein paar Pfennige dafür. Als diese verzehrt waren

und der Hunger stärker als zuvor war, so machte sich der Knabe wieder

auf den Weg, diesmal nur mit einem einzigen Ei, und da war er

glücklicher. Er fand den Mann, dem der Vater immer die Eier verkauft

hatte und der ihren Wert wohl kannte, denn sie waren von purem Gold. Wie

der Mann aber merkte, daß der Junge nichts von dem Geheimnis wußte, so

sagte er: „Was soll ich mit dem Ei? Verkaufe mir den Vogel, ich will dir

ihn sehr gut bezahlen.“ Und ging auch gleich mit in das Waldhäuschen.

Die andern Kinder weinten und klagten, als ihr ältester Bruder das

Goldhähnchen an den Mann verkaufte, der einige blanke Taler dafür auf

den Tisch legte. Das Vöglein flatterte unruhig im Käfig hin und her, und

den Kindern war es, als wenn es schrie: „Verkauf mich nicht, verkauf

mich nicht!“ Aber es wurde doch verkauft.

Und wie das Vöglein fort war, da war es vollends aus mit dem Glück in

dem Waldhäuschen; die Kinder konnten dasselbe nicht erhalten und mußten

betteln gehen, und kamen weit voneinander.

Um diese Zeit geschah es, daß der König des Landes starb, und seine

junge schöne Witwe ließ nach der Trauerzeit bekannt machen, sie werde

demjenigen ihre Hand reichen und den Thron mit ihm teilen, der mit

verbundenen Augen die aufgehängte Krone mit einer Lanze herabstechen

werde. Das Goldhähnchen sang damals immerfort: „Wer mich ißt, wird

König! Wer mich ißt, wird König!“ Das gefiel dem Mann, der es gekauft

hatte, und obgleich er nun auf die goldnen Eier verzichten mußte, wenn

er es verspeiste, so tötete er es doch, ließ es rupfen und mit bunter

Seide bezeichnen, um es, gebraten, wiederzuerkennen, und gab der Köchin

strengen Befehl, ja recht darauf acht zu haben. Er hatte viele Freunde

zu einem festlichen Mahle geladen, damit ihm gleich gehuldigt werde,

wenn er den Vogel gegessen und plötzlich König werde.

Während nun zu dem Festmahl alle möglichen Zurüstungen geschahen, kam

der junge Mensch, der das Goldhähnchen verkauft hatte, als ein armer

müßiger Bettler vor das Haus und sprach die Köchin um ein Almosen oder

ein Stück Brot an, und diese sagte: „Haben sollst du etwas, mußt aber

auch etwas tun!“ und dazu war jener gern bereit. Er holte Wasser,

spaltete Holz zum Herdfeuer, drehte den Bratenwender und hatte acht auf

die Vögel, die in der Pfanne brieten, und darunter das Goldhähnchen auch

war. Von ohngefähr stieß er mit einem Stück Holz an die Pfanne, und da

fiel das Goldhähnchen heraus in die glühenden Kohlen.

„Schad’ um das Vögelein!“ dachte der Jüngling, obschon er sehr

erschrocken war, und schob es in den Mund und verspeiste es, obschon er

sich tüchtig verbrannte. Er wußte es aber nicht, daß es _sein_

ehemaliges Goldhähnchen gewesen. Als die Köchin in die Küche kam, zählte

sie die Vögel, sah, daß eins fehlte, und jagte den neuen ungetreuen

Küchenbuben mit Schimpfen und Schelten von dannen, zeichnete aber

geschwind einen andern kleinen Vogel und trug das Gericht ihrem Herrn

auf. Dieser aß das gezeichnete Vöglein und sitzt heute noch und wartet,

bis er König wird, und ärgert sich, daß er seine Freunde traktiert hat.

Der Fortgejagte schlich trübselig durch die Straßen und bettelte vor der

Tür eines Müllers. Dieser brauchte just einen Eseltreiber und verlieh

diese Stelle dem armen Burschen; er durfte bei den Eseln im Stalle

schlafen. Und siehe, am andern Morgen fand der Müller, als er anderes

Stroh streute und das alte wegräumte, goldne Eier in dem Stroh, darauf

sein Eseltreiber geschlafen hatte. Das gefiel ihm und er dachte: den

Burschen mußt du lange behalten, das ist ein Goldfink, während der

vorige ein Mistfink war.

Jetzt kam der Tag des Kronenstechens, und da meinte der Eseltreiber,

wenn jedermann stechen und sein Glück versuchen dürfte, möcht’ er’s auch

wagen, bat den Müller um einen Speer und um ein Pferd. Der Müller lachte

aus vollem Halse, doch dachte er, das gibt einen Hauptspaß, gab ihm eine

alte lahme und spindeldürre Mähre und einen alten Speer und sandte ihn

hin zum Stechen um die Königskrone.

Alles lachte, wie der wunderliche Ritter von der traurigen Gestalt

dahergetrabt kam, und die Königin schaute unwillig drein, daß so ein

armseliger Bursche sich zu dem Kronenstechen drängte, zu welchem sich so

viele vornehme Ritter und Herren eingefunden; allein, da sie das

Kronenstechen einmal gänzlich freigegeben hatte, so durfte sie dasselbe

nun nicht ausschließlich machen.

Das Kampfspiel begann damit, daß ein Graf und ein Ritter nach dem andern

nach der Krone mit verbundenen Augen stach und keiner dieselbe erlangte;

und es endete damit, daß der Eseltreiber so glücklich war, die Krone zu

treffen und herabzustechen. Der Königin war das gar unlieb, allein sie

mußte des Eseltreibers Gemahlin werden, weil sie das einmal beschworen

hatte, und so wurde derselbe König, und jener Müller, sein Herr, fand

fürder keine Goldeier mehr im Stroh seines Stalles, sondern nur solche,

wie sie die Esel legen.

Da die Königin ihren Gemahl nicht liebte, wegen seiner geringen

Herkunft, so sann sie Tag und Nacht darauf, sich seiner zu entledigen.

Sie nahm deshalb ihre nächste Zuflucht zu einer alten mächtigen

Zauberin, und die gab ihr ein Kraut, das die Kraft hatte, die

menschliche Gestalt in eine tierische zu verwandeln. Dieses Kraut

mischte die böse Königin ihrem Gemahl und Herrn unter die Speise, und

siehe, als der König die Speise genossen hatte, so begann er sich zu

verwandeln, und wurde ein leibhaftiger Esel aus ihm, der vorher ein sehr

schöner junger Mensch gewesen war. Dieserhalb wurde er mit Schimpf und

Schande aus dem Hofe gejagt, und nun wurde ein andrer zum König gewählt,

dessen Wahl man klugerweise nicht wieder dem Glück und dem blinden

Zufall überließ, weil man fürchtete, abermals einen Esel zur höchsten

Stelle gelangen zu sehen.

Der arme gewesene Eseltreiber, jetzt selbst Esel, hatte alle

Mühseligkeit seines neuen Standes zu empfinden. Er hatte seinen Weg nach

der Mühle genommen, wo er einst zufrieden die Esel getrieben und auf

Stroh geschlafen hatte. Der Müller, als er ihn kommen sah, vermochte

nicht, ihn von den andern Eseln zu unterscheiden, obgleich in seinen

Augen etwas Menschliches war. Und da wurde er in der Mühle zu den andern

Eseln gestellt, mußte Säcke mit Getreide und Mehl tragen jahraus,

jahrein, und hatte es um kein Haar besser oder schlimmer als die übrigen

Esel auch.

Nun hatte dieser arme Esel, als er weiland noch ein Mensch gewesen war,

eine Schwester gehabt, die war auch damals von ihm gekommen und hatte

gebettelt, und da hatte sie auch in einem Kloster Brot geheischt, und

man hatte sie als junges kräftiges Ding zu Mägdediensten angenommen. Sie

war treu und fleißig, wurde endlich selbst eine Nonne, und man vertraute

ihr das Amt der Pförtnerin. Dieses Kloster ließ nun just in derselben

Mühle mahlen, in welcher der gewisse Esel sich befand, und wie er zum

ersten Male mit seinen Säcken an die Klosterpforte kam, erkannte er

gleich in der Pförtnerin seine Schwester, denn er hatte noch menschliche

Gedanken und menschliche Erinnerungen. Da iahte er hellauf und gab seine

Freude zu erkennen, und auch im Busen der Pförtnerin erwachte eine

gewisse Sympathie für diesen Esel; das war die Stimme der Natur. Nun war

die Pförtnerin kundig aller Kräuter und baute die besten und kräftigsten

in dem Klostergarten selbst. Da ging sie hin, pflückte ein Zauberkraut,

das die Kraft besaß, die tierische Gestalt, wenn sie durch Zauberei

verliehen war, wieder in menschliche zu verwandeln, und gab es dem Esel

zu fressen. Da wurde er wieder Mensch wie zuvor, und bedankte sich bei

seiner guten Schwester mit vielen Küssen und Tränen. Er hatte aber

sieben Jahre Säcke und Prügel genug getragen und verlangte nicht wieder

zu den Menschen. In der Nähe des Klosters, wo er seine gute fromme

Schwester wiedergefunden, erbaute er sich eine Hütte von Baumzweigen und

wurde ein frommer Einsiedel und Waldbruder. Da lebte er von Wurzeln und

Kräutern, und hatte seine Lust an dem lieblichen Gesang der Waldvögel

und fütterte und pflegte sie, mit Ausnahme der Goldhähnchen, die konnte

er nicht leiden, und verwünschte sie, weil das eine ihm nur Unglück

gebracht hatte, und fing sie und tötete sie, wo er nur eins habhaft

werden konnte.

Die drei dummen Teufel.

In der Hölle war einmal großes Wunder, daß nur lauter Männer und keine

Weiber in die Hölle kämen und von Herzen hätten sie doch auch gerne

Weiber darinne gehabt. Da warf sich ein ganz junger Teufel auf und

sprach: „Was gilt’s, ich schaffe eine her!“ Die andern Teufel freuen

sich zwar, aber sie glauben dem, was jener spricht, doch noch nicht

recht. Der Teufel fährt sofort ab, und die andern wünschen ihm großes

Glück. Er kommt also auf die Erde und trifft eine junge Dirne; zu dieser

spricht er: „He, Jungfer! hat sie nicht Lust zu heiraten?“ — „Warum

nicht,“ sagte sie. „Meinetwegen kann morgen die Hochzeit sein.“ — „Mir

schon recht,“ sagte der Teufel. Wie’s also morgen war, geht er zum

Pfarrer und läßt sich die Dirne zur Frau geben. Eh aber der Küßmond

vorüber, verlangt die junge Frau Geld, Kleider und das aber schöne, und

der Teufel kann kaum das Brot verdienen, muß oft über seinem Maul sparen

und es seiner Frau lassen und dadurch wird er dürr und mager und ist

lange nicht mehr so gutes Mutes als zuvor. Die Frau hatte sich mehr von

diesem Galan versprochen — viel Geld und schöne Kleider. Sie fängt daher

an und wird kalt gegen ihren Teufel. Er gibt gute Worte; — er brummt. —

Sie zankt aber arg und drohet ihm mit Schlägen. Das lächert dem Teufel

und er denkt: ich werde dich doch zwingen können. Zankt er aber _ein_

Wort, so zankt sie zehne, und das geht ein und alle Tage so fort. Was

geschieht? Der Teufel bekommt zuletzt derbe Schläge. Da denkt der

Teufel: ei, was sollst du dich mit der Frau plagen? gehe doch hübsch

heim, und — da ging er heim. Wie er in die Hölle kommt und bringt kein

Weib mit, da lachen ihn die Teufel tüchtig aus und überall rufen sie:

„Dummer Teufel! dummer Teufel!“ Er aber antwortet: „Ich will keine

wieder und wenn ich die ganze Hölle geschenkt kriegte. Seid froh, daß

ich sie nicht mitgebracht habe, die hätte uns allen die Hölle erst recht

heiß gemacht!“ Da spricht ein andrer etwas älterer Teufel: „Nun will

_ich_ fort, ich will schon eine herschaffen!“ Er reiset ebenfalls ab,

kommt auf einen Erbsenacker, dort trifft er eine alte Jungfer. Da denkt

er: warte, diese ist nicht so ein junger Lecker, die willst du nehmen.

Er spricht also zu ihr: „He da, Jungfer! hat sie nicht Lust zu

heiraten?“ — „O ja! wenn Er Geld und Brot für mich hat?“ — „O ja!“

spricht der Teufel. Als nun die beiden Hochzeit gemacht hatten, da

merkte es die Frau, daß der Teufel gelogen hatte, denn er war ein armer,

blutarmer Teufel und hatte nichts und konnte nichts. Das kam ihm heim,

denn er war an einen Geizdrachen geraten, der sparte das Salz an den

Kartoffeln und tat Sonntags einen Knopf in den Klingelbeutel statt des

Hellers. Die gibt dem Teufel zu tun genug und zu beißen wenig, aber

Schelte konnte er haben soviel er wollte, und Streiche waren auch nicht

rar. Und wenn ihm vor Hunger gleich der Bauch grimmt und ihm die Zunge

ellenlang zum Halse heraushängt, so erbarmt sie sich seiner doch nicht.

Will der Teufel etwas essen, so muß er fort und muß Kartoffeln stopfeln.

Kommt er abends und hat kein großes Säckchen voll, so kriegt er auch

noch Schläge, und das geht so einen und alle Tage. Endlich wird das der

arme Teufel doch müde und spricht zu sich: „Ei was, sollst du dich mit

der Frau plagen? Ich gehe fort, das ist ja ein bitterböses Tier!“ Er

geht und kommt in die Hölle zurück. Hier wird er gleich gefragt, wo er

seine Frau habe? — „Ja, Frau! Hat sich was! Ich will keine! Ich will in

meinem Leben an die, die ich droben hatte, gedenken! Die nimmt man auch

noch mit in die Hölle! Bin froh, daß ich sie wieder los bin.“ — Da hieß

es nun überall: „Dummer Teufel! dummer Teufel!“

Nun spricht aber ein ganz alter Teufel: „Jetzt will _ich_ fort; ich

will’s den Weibern wohl anstreichen!“ — Der alte Teufel reiset ab und

kommt auf die Erde; da geht er durch einen jungen Birkenwald und sieht

von weitem ein Frauenzimmer. Das war eine Witwe, die noch ganz stattlich

sah. Er sieht sie sich an, und sie sieht ihn an, und mit höflichen Reden

und artigen Widerreden werden sie handelseinig und der Pfarrer nagelt

und nietet sie zusammen, so fest wie das Herz nur begehrt. Aber nach der

Hochzeit, da sah der Teufel wohl, daß man die Katz’ nicht im Sack kaufen

muß und die Witwen nicht freien auf der Landstraße. Die kannte schon den

Rummel, da der heilige Ehestand ihr nicht neu war; schmale Kost und

Brunnenwasser war das wenigste, da war offner Laden für jedermann, und

der Mann mußte nur so zusehen, und ward’s ihm zu arg, wie denn solches

Zusehen kein Teufel vertragen kann, so hängte sie ihn an die Wand und

ging mit ihren Liebsten zu Biere. Als sie dann zurückkam, nimmt sie ihn

herunter und da soll er Mausen lernen, daß man die Katz’ sparen kann.

Aber da wird’s dem Teufel zu arg, er läuft fort in den Wald — denn in

die Hölle zu gehen, schämt er sich — und will sich Beeren suchen, die

sind immer noch besser als Mäuse.

Wie er nun so in den Beeren ist, begegnet er einem Köhler, diesem klagte

er seine Not und bat um etwas zu essen. Da sprach der Köhler: „Ja,

lieber Alter, ich habe selbsten sieben Kinder und oft keinen Bissen

Brot.“ — „Du Köhler, schwarzer Kerl, gib mir einen Rat, wie ich das böse

Weib bändige. Ich bitte dich um alles in der Welt, hilf mir!“ —

Der Köhler antwortete darauf:

Ein böses Weib, eine herbe Buß’,

Und weh’ dem, der ein’ haben muß.

Der Teufel denkt: ach, wenn das Ding so klingt, so gehst du lieber

wieder heim. Wäre ich doch vom Anfang an zu Hause geblieben! — Er sinnt

auf Rache gegen die Weiber und spricht: „He, Bruder! du bist auch arm,

ich will dich reich machen, du mußt mir aber folgen.“ Der Köhler

spricht: „O ja, reich wäre ich gerne und ich will tun, was du nur haben

willst.“ Da spricht der Teufel: „Höre, Bruder Köhler, ich weiß einen

König, der hat drei Prinzessinnen, da will ich in die eine fahren und du

sollst der Doktor sein. Wenn ich in die Prinzessin gefahren bin, so wird

der König einen Aufruf ergehen lassen nach einem Doktor, der Knall und

Fall austreiben kann. Da gehst du nun hin zu diesem König und sprichst:

‚Herr König, ich will der Prinzessin helfen, aber ich muß mit ihr in

einer Stube ganz allein sein, versteht sich in allen Ehren.‘ Wenn du

dann bei der Prinzessin eingelassen wirst, so sprichst du zu mir: Donner

und Teufel, fahr’ aus! — öffnest ein Fenster und ich hebe mich von

dannen. Das darfst du aber nur zweimal tun, wenn du es dreimal tust, muß

ich dir den Hals brechen!“ — Der Köhler fragte: „Auch wenn ich dir eine

schöne gute Frau zeige?“ Darauf erwiderte der Teufel: „Wir wollen

sehen.“ Er dachte aber, das kann ich ihm gern versprechen, damit hat es

keine Not. Wir Teufel kennen die Frauen. — An einem Abende kam der

Köhler aus dem Walde, da sagte ihm seine Frau: „Du, Mann, der reiche

König hat ausgeschrieben, daß seine Prinzessin todsterbenskrank ist, ja

sehr krank; wer ihr hilft, der soll das halbe Königreich von ihm

bekommen oder soviel Gold, als wie der Doktor und der König beide schwer

sind. Wenn du nur, Alter! ein gutes Hausmittel wüßtest und könntest der

Prinzessin helfen, daß wir auch einmal aus unsrer Armut kämen!“ —

Hierauf sagte der Köhler zu seiner Frau: „Ich will einmal eine Probe

machen, vielleicht bin ich glücklich“ und reisete ab. Als er zum König

kam, so fragte dieser: „Alter, getrauest du dir meine Prinzessin gesund

zu machen?“ — „O ja, Herr König!“ antwortete der Köhler. „Ich muß erst

etliche Spezies aus der Apotheke haben und die muß ich selber holen und

dann muß ich ganz allein bei der Prinzessin sein.“ Darauf sprach der

König: „Alter! Wie du es verlangst, so soll es geschehen. Machst du

meine Prinzessin gesund, so bekommst du mein halbes Königreich oder

soviel Gold, als ich und du schwer sind.“ — Der Köhler tat nun, wie ihm

der Teufel anbefohlen hatte, und die schöne Prinzessin war auf der

Stelle gesund. Der König stellte dem Köhler die Wahl frei: Gold oder

Land, — und der Köhler nahm das Gold.

Binnen kurzem wurde nun die andere Prinzessin von dem Teufel besessen.

Der König läßt den Köhler wieder kommen und spricht zu ihm: „Alter, du

hast meine erste kranke Tochter gesund gemacht, hilf auch dieser!“ — Der

Köhler sagte: „Ich will’s versuchen, Herr König!“ Und siehe, er half der

zweiten Prinzessin auch wieder, und der König gab dem Köhler wieder

ebensoviel Gold.

Der Köhler war nun sehr reich, grämte sich aber dennoch, weil er den

Teufel nun nicht wieder austreiben durfte, der sich vorgenommen hatte,

die Frauenzimmer recht zu plagen, und gewiß davon noch nicht abließ. Die

zwei ersten Male war es ausgemacht, das drittemal mußte er den Teufel in

der Prinzessin lassen, sonst wollte ihm der Teufel den Hals brechen; und

konnte er den Teufel nicht das drittemal austreiben, so mußte er es

wagen, daß ihn der König ums Leben bringen ließ; er sann nach, ob nicht

beim drittenmal es ihm gelingen werde, den Teufel anzuführen.

Nun wurde auch die dritte Prinzessin krank, weil der Teufel in sie

gefahren war. Wiederum ließ der König den alten Köhler kommen und sprach

zu ihm: „Du, Alter, hilfst du meiner Prinzessin nicht, so laß ich dich

aufhenken!“ Darauf antwortete der Köhler: „Mein allergnädigster Herr

König! Ich will eine Probe machen, aber dazu ist nötig, daß alle guten

schönen Mädchen in der ganzen Stadt morgen früh in weißen Kleidern, mit

roten Schärpen und in Haarlocken, auch alle Eure Geistlichen sich

versammeln, vor dem Schlosse stehen und unter Gesang der Jungfrauen und

Geistlichen ich neben der Prinzessin den Berg hinaufgeleitet werde. Da

darf aber beileibe keine darunter sein von den landläufigen Dirnen oder

von den alten Jungfern, die noch zu freien lüstert, oder den Witwen, die

ihren Ehestuhl verrücken möchten; und das müßt Ihr Euren Priestern

streng befehlen. Wenn wir dann auf der höchsten Höhe sind, dann will ich

eine Probe machen.“ Der König ließ schleunigst alle Anstalten treffen,

daß diese Bedingung erfüllt werde. Den kommenden Morgen war die große

Versammlung vor dem Schloß. Der Zug bewegte sich bergan, und auf der

höchsten Höhe sprach der Köhler:

„Donner und Teufel, fahr’ aus!“

Da fuhr der Teufel zwar aus, rief aber dem Köhler zu: „Spitzbube, hältst

du so dein Wort! Warte, nun breche ich dir den Hals!“ Der Köhler aber

verantwortete sich und sagte: „Halt! Unser Pakt hat einen Vorbehalt; du

darfst mir nichts tun, wenn ich dir eine schöne gute Frau zeige. Da sieh

dich nur um, sieh dir diese an.“ Da sah sich der Teufel um und sah eine

nach der andern an und erkannte wohl, daß er über diese keine Macht

habe. Und da schämte er sich auf der Erde zu bleiben und fürchtete sich

auch vor seinem Drachen, und so machte er ein Geprassel und einen

Gestank und zog ab wie er gekommen war.

Und da ist der Teufel wieder heim in die Hölle gegangen, und wie er kam,

fragten ihn alle seine Kameraden, ob er kein Weib mitbrächte? Und wie er

sagte: er bringe keine mit, da hieß es wieder: „Dummer Teufel, dummer

Teufel!“ und da war ein Höllenspaß und Spektakel und Teufelsgelächter,

daß es krachte und prasselte und die ganze Hölle wie eine alte Wand

wackelte und platzte. Und sind noch immer keine Weiber in der Hölle

drin, ausgenommen dem Teufel seine alte Großmutter — darum, weil die

Weiber so gar gut sind.

Die dankbaren Tiere.

Ludwig Bechsteins Märchenbuch Mit 176 Holzschnitten nach Originalzeichnungen von Ludwig Richter · 第 23 / 26 段