Die Chorea minor ist in den meisten Fällen von gewissen =geistigen
Veränderungen= begleitet. Reizbarkeit, Neigung zu unbegründetem
Stimmungswechsel, Teilnahmlosigkeit, Unfähigkeit zu geistiger
Anspannung, Zerstreutheit begleiten die Krankheit meist von Anfang an.
Zuweilen treten diese Erscheinungen von vornherein in den Vordergrund,
so daß die Bewegungstörungen ganz übersehen und die Kranken, wenn es
sich um Kinder handelt, als faul, unartig usw. gestraft, wenn es
Erwachsene sind, wegen ihrer Launen getadelt werden. Bei Erwachsenen
überwiegen im allgemeinen depressive Stimmungen, in manchen Fällen
findet sich eine krankhafte Vielgeschäftigkeit, wobei doch nichts
Rechtes geleistet wird.
Nicht selten entwickeln sich aus diesen geistigen Veränderungen echte
=Psychosen=, und zwar bei akut auftretender Chorea meist =akute
Verwirrtheit= (vgl. S. 80) mit Aufregungszuständen, bei chronischerem
Verlaufe öfters eine Melancholie mit Stupor, die oft in Verblödung
übergeht. Bei den anderen Störungen ist die Aussicht auf Heilung im
ganzen günstig.
Die =Behandlung= ist, abgesehen von der gewöhnlichen Behandlung der
Chorea, symptomatisch.