6. Choreatisches Irresein.

Die Chorea minor ist in den meisten Fällen von gewissen =geistigen

Veränderungen= begleitet. Reizbarkeit, Neigung zu unbegründetem

Stimmungswechsel, Teilnahmlosigkeit, Unfähigkeit zu geistiger

Anspannung, Zerstreutheit begleiten die Krankheit meist von Anfang an.

Zuweilen treten diese Erscheinungen von vornherein in den Vordergrund,

so daß die Bewegungstörungen ganz übersehen und die Kranken, wenn es

sich um Kinder handelt, als faul, unartig usw. gestraft, wenn es

Erwachsene sind, wegen ihrer Launen getadelt werden. Bei Erwachsenen

überwiegen im allgemeinen depressive Stimmungen, in manchen Fällen

findet sich eine krankhafte Vielgeschäftigkeit, wobei doch nichts

Rechtes geleistet wird.

Nicht selten entwickeln sich aus diesen geistigen Veränderungen echte

=Psychosen=, und zwar bei akut auftretender Chorea meist =akute

Verwirrtheit= (vgl. S. 80) mit Aufregungszuständen, bei chronischerem

Verlaufe öfters eine Melancholie mit Stupor, die oft in Verblödung

übergeht. Bei den anderen Störungen ist die Aussicht auf Heilung im

ganzen günstig.

Die =Behandlung= ist, abgesehen von der gewöhnlichen Behandlung der

Chorea, symptomatisch.

Kompendium der Psychiatrie für Studierende und Ärzte · 第 46 / 133 题